Sonntag, 29. März 2026

Crime Cruise - Tag 7

8. November 2025


Am Samstag waren wir wieder den ganzen Tag auf See. Wir hatten im Rahmen unserer Crime Cruise Programm an Bord. 

Um 11 Uhr gab es ein Gespräch im Undirhús mit Stefan Schmidt

Der ehemalige Kapitän der Cap Anamur erzählte anschaulich von seinem Leben auf See, von seiner Zeit als Leiter einer Seemannsschule im Südpazifik und später als Honorarkonsul von Tuvalu. Über Kontakte engagierte er sich beim "Komitee Cap Anamur". Der Verein leistet dank privater Spenden medizinische Versorgung in vielen Ländern der Erde, insbesondere durch medizinische Geräte sowie Aus- und Weiterbildung für das medizinische Personal vor Ort. 

Mit einem umgebauten Hilfs- und Hospitalschiff war der Kapitän mit seiner Mannschaft auf der ersten Reise von Lübeck nach Westafrika, als sie im Juni 2004 bei Lampedusa im Mittelmeer auf 37 Schiffbrüchige in einem beschädigten Schlauchboot trafen. Der Motor des Bootes war ausgefallen, die Kammern verloren Luft und es drohte zu kentern. Die Cap Anamur nahm die Flüchtlinge an Bord. Die Pflicht zur Seenotrettung ist in völkerrechtlichen Verträgen des Internationalen Seerechts niedergelegt. 

Der Kapitän wollte die Menschen im nächsten Hafen an Land bringen, aber die italienische Marine und die Küstenwache hinderten die Cap Anamur unter Androhung militärischer Gewalt an der Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer. Erst als sich die humanitäre Lage an Bord nach mehr als 2 Wochen dramatisch zuspitzte und Kapitän Schmidt den Behörden erklärte, wenn sie ihm die Einfahrt weiterhin nicht gestatteten, würde er auch ohne Genehmigung einlaufen, bekam er die Einlaufgenehmigung in den Hafen auf Sizilien. 

Das Schiff wurde nach der Ankunft beschlagnahmt, 35 Flüchtlinge wurden abgeschoben. Der Kapitän und zwei weitere Mitglieder der Cap Anamur wurden verhaftet, verbrachten mehrere Tage in Italien in Haft und wurden dann wegen Beihilfe zur illegalen Einreise in einem besonders schweren Fall in Italien vor Gericht gestellt. Erst nach drei Jahren Prozess wurden sie 2009 schließlich freigesprochen. 

Der Kapitän erzählt, dass er eigentlich ein unpolitischer Mensch war, aber diese Erfahrungen hätten ihn verändert. Er engagierte sich für Menschenrechte, machte insbesondere auf die Situation von Flüchtlingen an den EU-Außengrenzen aufmerksam. Er war auch über 10 Jahre ehrenamtlicher Flüchtlings- und Zuwanderungsbeauftragter von Schleswig-Holstein. 

Alle Anwesenden bekundeten dem Kapitän durch lautes Klatschen großen Respekt. 


Wer wollte, konnte danach noch lernen, wie man Fingerabdrücke nimmt, und die Teilnehmer vom Schreibworkshop präsentierten begeistert ihre Ergebnisse ihrer Arbeit. 

Abends gab es erst die "Verhandlung" in unserem Bord-Mord an dem armen Finanzbeamten...


...und schließlich die große Verabschiedung unseres tollen Crime-Cruise-Teams.


Ich kann ehrlich sagen - die Crime Cruise mit der Norröna war für mich ein großartiges und einmaliges Erlebnis!

Mein ganz privates Highlight des Tages war aber unser Bad im Hot Pot. Auf der Norröna gibt es drei Hot Tubs, die man an der Rezeption buchen kann und dann eine Stunde das Bad im herrlich heißen Wasser mit Blick auf dem Nordatlantik genießen. Von den Hot Pots hatte ich schon so oft gelesen, auch in mehreren Büchern, die auf der Fähre nach Island spielen... Alleine hätte ich mich ja nicht aufgerafft, aber dank unserer tollen Truppe hatten wir einfach nur einen Riesenspaß! 



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