Dienstag, 28. Juni 2022

Arctic Rafting

Rafting auf der Hvítá


Wir hatten jetzt Besuch in unserem Island-Haus und konnten meinem Schwager und einem Freund "unsere" Ecke von Island zeigen. 

Um meinen Mann mit einer besonderen Aktion zu überraschen, hat der Freund sich etwas einfallen lassen: Weil wir noch nie so eine "Wildwasser-Bötchen-Tour" hier gemacht haben, hat er uns zu einer Rafting-Tour auf der Hvíta eingeladen. Jippieh!

Eine gewisse Vorstellung hatte ich ja, als er den Vorschlag machte - schon 2010 hatten wir hier Halt gemacht, an dem großen Parkplatz hinter der Brücke, und die Leute der Rafting-Tour unten im Canyon bestaunt. 

Foto von 2010

Und die Brücke, unter der die Tour entlang führt, kennen wir vom Autofahren mittlerweile ganz gut. Wir sind hier schon im Winter lang gekommen, wenn der Fluss (wie hier im Januar 2022) ordentlich zugefroren war und man nur noch an wenigen Stellen das Wasser sah und kaum das Rauschen hörte, ...


...oder wenn vom Fluss eigentlich gar nichts mehr zu ahnen ist in diesem weißen Winter-Wunder-Land (Bild vom Februar 2022). 


Daher war ich von der Idee direkt begeistert - auch wenn ich dann doch wieder Angst vor der eigenen Courage hatte, je näher der Termin kam..!

Ausgangspunkt der Rafting-Tour ist ein ehemaliger Hof, etwa eine gute Viertelstunde mit dem Auto vom Geysir entfernt. Von der Straße 35 ist die Abzweigung gut ausgeschildert. Über diese einspurige Holzbrücke führte der Schotterweg in diversen Schlenkern bis zur "Basis" in Drumboddsstaðir. 


Seit 1985 bietet das Unternehmen hier Rafting-Touren auf der Hvítá an. Die "Basis" hat "Arctic Rafting" in der ehemaligen Scheune des Hofes, die zum "Hauptquartier" für die Rafting-Touren aus- und umgebaut wurde. 

Unsere Tour startete um 15 Uhr, man sollte eine Viertelstunde vor Beginn hier an der Rezeption sein. Parkplätze gab es genug; es hätte auch einen Abholservice gegeben für Gäste aus Reykjavík.


Im Gastraum konnten wir warten, bis alle Teilnehmer eingetroffen waren.


Hier auf dem großen Wandbild im hinteren Bereich des Raums sieht man schon mal ganz gut die Strecke im Überblick: 


Von der River Base geht es zuerst mit dem Bus flussaufwärts Richtung Geysir, zum Start der Rafting-Tour kurz vor dem "Wellenpaket" ("wave train"). Mit dem Boot geht es dann den Fluss entlang, und schließlich unter der Straßenbrücke hindurch und in die Schlucht Brúarhlöð hinein. Hier gibt es wieder Stromschnellen und Strudel im Gletscherfluss und interessante Felsformationen, darunter auch zwei hohen Felsen, die Karl und Kerling (= Mann und Weib) heißen. Nach der Schlucht geht es gemütlicher weiter. Zum Schluss geht es mit dem Bus wieder zurück zur River Base. 

Das Paddeln auf der Hvítá gilt als einfach bis mäßig schwer. Für das Manövrieren ist der Guide des Bootes verantwortlich, d.h. man muss nur auf Ansage vorwärts, rückwärts oder gar nicht paddeln. Das ist für die meisten Menschen zu schaffen. Kinder dürfen ab 8 Jahren an der "Family Tour" bzw. ab 11 Jahren am "River Fun Rafting" teilnehmen. 

Als alle Teilnehmer eingetroffen waren, bekamen wir zuerst eine Einweisung, es wurde uns ausführlich und wirklich "idiotensicher" auf Englisch erklärt, wie man die einzelnen Bestandteile dieses "wetsuit" (ein mehrteiliger Neoprenanzug mit "Strampelanzug", fester Jacke und Überjacke sowie Gummischuhe) anziehen muss. Anschließend bekamen wir noch einen Helm auf den Kopf, ein Paddel in die Hand und eine Sicherheitsweste umgeschnallt. 

Das haben wir schon mal hinbekommen! 


Für die Brille gab es noch spezielle Sicherungsbänder, die man über die Brillenbügel ziehen musste. Es wurde empfohlen, möglichst ohne Brille zu raften, aber ohne Brille sehe ich zu wenig. Ich hatte aber vorsichtshalber meine Reservebrille aufgesetzt, falls etwas passieren sollte. 

Mit so einem Bus ging es dann flussaufwärts zum Startpunkt der Rafting-Tour, die Fahrt dauerte etwa 20 Minuten, schätze ich. 


An der Ankunftsstelle wurden die Boote ausgepackt ...


... und wir bekamen noch eine sehr ausführliche Einweisung, wie man im Boot sitzen soll, was man wann tun muss, wie man sich verhält, wenn man über Bord geht und wie man Gruppenmitglieder wieder aus dem Wasser zieht, das Ganze wurde auch mit einem Freiwilligen geübt und vorgeführt. 

Danach wurden wir auf die Boote eingeteilt, durften unser Boot ins Wasser tragen und einsteigen. Also los!


Zuerst ging es direkt durch die "wave train" - da ging es wirklich ordentlich hoch und runter, das Wasser schwappte über das Boot - und ich habe mich erstmal ängstlich an der "Shit Line" außen am Boot festgehalten, während das Wasser uns ins Gesicht klatschte und wir ordentlich durchgerüttelt wurden. (Die "Shit Line" ist die Schnur außen am Boot, an die man sich festklammert, wenn man denkt "o shit!") 

Danach ging es aber erst einmal wieder harmlos weiter. 




Beim Rafting konnten wir uns wirklich auf unseren Guide verlassen, der immer klare Anweisungen gab und auch niemanden überfordert hat. Wenn es heftiger wurde, konnte man sich immer auch ins Boot setzen. Ging für alle Beteiligten wirklich sehr gut!


Die Rafting-Strecke auf dem Fluss ist ungefähr 7 km lang. Ungefähr nach der halben Strecke kam die Brücke über die Hvítá.


Von oben kenne ich diese Brücke hier auf dem Hrunamannavegur, der Straße 30, und ich habe schon öfter von oben auf den Fluss geschaut - aber von unten sieht es gleich doch noch ganz anders aus! Mir war gar nicht bewusst, dass die Brücke so hoch ist!

Die erste Brücke an dieser Stelle wurde 1906 gebaut, aber bei den Überschwemmungen im Winter 1929 von den Fluten weggerissen. Die heutige Brücke stammt aus dem Jahr 1959 und wurde seitdem auch noch einmal erhöht. 

Hinter der Brücke geht es in die Schlucht Brúarhlöð. Hier wurde ein Stopp gemacht...


...und alle, die wollten, konnten (nach entsprechender Einweisung) von einem Felsen aus in die Hvítá springen. Ich schätze, die Felsen hier waren etwa 6 bis 7 Meter über dem Wasser. 

Es sah ja absolut beeindruckend aus - erst springt man, ...


...irgendwann gibt es einen großen Platsch ... 


... und dann taucht man wieder auf und schwimmt man strampelnd zurück zum Ufer, hier an einer einigermaßen flachen Stelle. 


Respekt für alle, die sich das getraut haben - für mich war das absolut nichts!

Nachdem alle gesprungen waren, die wollten, ging es wieder zurück in die Boote und weiter durch die Schlucht. 



Bei den Kajaks kam es öfter vor, dass eines der Boote kenterte und jemand ins Wasser fiel. Dramatisch war es aber nie - und nass wurde man eh.





Auch von den Booten ging der eine oder andere Passagiere über Boot - hier gab es z.B. im Spaß und mit gegenseitigem Einvernehmen einen kleinen Schubs... 


...und hinterher gab es im ruhigen Wasser noch diverse Spielchen, bei dem der eine oder die andere auch mal im Wasser landete.



Hier hatten wir, nach 7 km, das Ziel unserer Tour erreicht und konnten unsere Schlauchboote wieder ans flache Ufer ziehen.


Mit dem Bus ging es die kurze Strecke zurück zur Base. Hier wurden zuerst die Neoprenschuhe aus Hygienegründen in die "Schuh-Suppe" geworfen, ... 


...dann konnten wir uns aus den schicken Anzügen schälen und nach einer schönen heißen Dusche noch in den Hot Pot stürzen. Es gab auch eine Sauna, wenn man wollte.


Unser Freund hatte uns sogar noch zum Abendessen hier im Restaurant eingeladen:


Es wurde leckeres Lammfleisch frisch gegrillt, dazu gab es Kartoffeln, Salat und Dipp. Alternativ konnte man auch einen Burger mit Pommes bestellen, es hätte auch zwei vegane Gerichte zur Auswahl gegeben. 



Mein Mann war ja überrascht, dass ich bei der Einladung zur Rafting-Tour dabei war. Und ehrlich gesagt - ich war schon ordentlich angespannt , als ich mich hier (zum ersten Mal in meinem Leben!) in so einen Neoprenanzug einzwängen musste und es dann, wohlverpackt, hinaus auf den Fluss ging, in einem wackeligen Schlauchboot, und das auf einen Gletscherfluss, bei dem man eben nicht so ruhig vor sich hin dümpelt. 

Ich glaube, man sieht mir hier auch auf den Fotos an, dass ich ein bisschen Bedenken hatte!


Aber dank unserem Guide habe ich im Laufe der Fahrt meine Angst verloren - und am Schluss war ich nicht froh, dass es vorbei war, sondern es hat wirklich richtig Spaß gemacht und war ein tolles Erlebnis!




Montag, 27. Juni 2022

Zauber des Nordens - das Nordmeer Magazin 2022.2

Aktuelle Ausgabe


Wir hatten die aktuelle Ausgabe vom "Zauber des Nordens" schon letzte Woche im Briefkasten, aber ich bin erst am Wochenende dazu gekommen, mich in Ruhe mit einem schönen eiskalten Kaffee hinzusetzen und so richtig in der neuen Ausgabe zu schmökern.

Schwerpunkt-Thema ist dieses Mal Austurland, der Osten Islands. 

Wir hatten 2004 das erste Mal Ost-Island besucht und haben 2019 eine ausführliche Tour durch den Osten gemacht, da kann ich beim Lesen jetzt wunderbar in Erinnerungen schwelgen. 

Sogar der kleine Hot Pot bei Djúpivogur, irgendwo im Nirgendwo, kommt vor - wie schön! Und natürlich Petras Steingarten in Stöðvarfjörður - wir hatten das Glück, die Sammlerin Steina-Petra bei unserer allerersten Island-Reise 2004 noch persönlich kennen gelernt zu haben. Es war toll, wie begeistert sie von ihren Steinen erzählt hatte... Und auf ein Abendessen im Hotel in Neskaupstaður 2004 geht unsere Liebe zur isländischen Küche zurück! Also ganz viele schöne Erinnerungen, die beim Lesen wieder hochkommen.


Und natürlich auch Stoff zum Träumen - irgendwann fahren wir auch mal mit der Fähre nach Island und kommen dann in Seyðisfjörður an!

Besonders spannend fand ich den Artikel von Dirk Gerdes über "Isländisch im Alltag" - inklusive der Dichtung auf der Milchpackung! So poetisch sind meine Milchpackungen irgendwie selten... auch wenn ich immerhin schon mal die Weihnachtsmänner auf der Packung hatte und mich auch darüber freute. 


Natürlich findet Ihr auch wieder ein Rezept von uns in der aktuellen Ausgabe: Einmal isländisches Eheglück, bitte! 




Sonntag, 26. Juni 2022

Skúffukaka með súrmjólk

Blechkuchen mit Dickmilch


Und, was macht man, wenn man sonntagsmorgens früh wach ist und beim Blick in den Kühlschrank feststellt, dass noch Dickmilch da ist, die langsam mal weg müsste..? 

Richtig, man fängt noch vor dem Frühstück an, einen typisch isländischen Skúffukaka fürs Kaffeestündchen zu backen!


Zutaten

Zutaten für den Teig:

120 g brauner Zucker
170 g geschmolzene Butter
2 Eier
300 g Mehl
1 TL Backpulver
1 TL Natron
100 ml kochendes Wasser
1 Prise gemahlene Vanille
40 g Back-Kakao
1 TL Cappuccino-Pulver 
250 ml Sauermilch
100 ml kochendes Wasser

Zutaten für die Creme:

150 g weiche Butter
200 g Puderzucker
4 EL Back-Kakao
1 Prise gemahlene Vanille
2 EL heller Sirup

nach Geschmack Kokosraspel zum Bestreuen


Zubereitung

Den Backofen auf 180° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

In einer großen Schüssel alle Zutaten für den Teig (ausgenommen das heiße Wasser!) kurz verrühren. 


Dann das heiße Wasser zugießen und noch kurz unterrühren. bis ein einheitlicher glatter Teig entstanden ist.


Ein Backform (ca. 20 x 30 cm) mit Backpapier auskleiden, den Teig hineingießen...


... und im vorgeheizten Backofen bei 180° Ober-Unter-Hitze ca. 30 Minuten lang backen (Stäbchenprobe!).


Den Kuchen dann aus dem Ofen holen und gut abkühlen lassen.

In einer großen Schüssel die Butter schaumig rühren. 


Anschließend nach und nach den Puderzucker, den Back-Kakao und die gemahlene Vanille hinzufügen und unterrühren. 


Zum Schluss noch den Sirup mit der restlichen Creme vermischen.


Die Creme dann auf dem ausgekühlten Kuchen verstreichen. 


Nach Geschmack die Creme direkt noch mit Kokosraspeln bestreuen. (Ich habe hier die Hälfte des Kuchens mit Kokosraspeln bestreut und die andere Hälfte nicht, einfach zur Abwechslung.) 


In Würfel schneiden, unbedingt im Kühlschrank aufbewahren und dann gut gekühlt servieren.


Bei uns gab's übrigens den Rest Dickmilch im Glas, bestreut mit etwas Kaffeepulver und Zimt, zum Kuchen dazu. Auch erfrischend und lecker!