Sonntag, 29. März 2026

Crime Cruise - Tag 5

6. November 2025


Ausflug Island-Tag 2

Am 2. Tag auf Island ging es für uns wieder mit den Bussen vom Schiffs-Terminal der Norröna los, um kurz vor 9 Uhr gingen wir an Land.


Und wieder ging es über den leicht vereisten, aber noch schneefreien Pass Fjarðarheiði über die Straße 93 (Seyðisfjarðarvegur) von Seyðisfjörður nach Egilsstaðir. Die Straße ist 27 km lang und auf ganzer Strecke asphaltiert. Der höchste Punkt der Hochebene liegt auf 620 m. Die Straße ist die einzige Verbindung von und nach Seyðisfjörður - und immer wieder bei schlechtem Wetter oder Schneefall zeitweise unpassierbar. 

Auf dem Weg von Egilsstaðir zur Schlucht Stuðlagil ging es für uns zuerst zu den Torfhäusern von Hjarðarhagi

Früher gehörten zum Hof Hjarðarhagi sechs oder sieben alte Schafställe und Nebengebäude aus Holz und Grassoden. Die meisten der Häuser wurden 1970 abgerissen, um Platz für den Bau der Ringstraße von Egilsstaðir Richtung Mývatn zu schaffen. Zwei der alten Torfhäuser, Efstahús und Miðhús, blieben aber stehen und wurden noch bis 1980 für die Landwirtschaft auf dem Hof genutzt. Danach verfielen sie langsam. 

Unter Aufsicht der isländischen Denkmalschutzbehörde wurden die beiden verfallenen Schafställe mittlerweile wieder rekonstruiert und können seit Sommer 2021 besichtigt werden. Alles wurde so originalgetreu wie möglich renoviert, u.a. wurden alte Telefonmasten verwendet, Steine der verfallenen Ställe wiederverwendet und alles mit Rasen abgedeckt. Für den Wiederaufbau jedes der Grassodenhäuser benötigten 9 Leute etwa 3 bis 4 Wochen. 

Als wir ausstiegen, mussten wir allerdings vorsichtig sein - der Nebel hing im Tal, alles war feucht und überfroren und der Parkplatz war ziemlich vereist. 

Aber schön war es schon - und obwohl wir mit zwei Busladungen Besuchern dort waren, musste ich hier nur um die Hausecke gehen, der Nebel schluckte alle Geräusche und der Wind wehte sie davon und es war komplett still. Herrlich! 


Ein kleines Stückchen hinter den Torthäusern hielten wir wieder an - am Wasserfall Rjúkandafoss. Der Rjúkandi ist ein rund 93 Meter hoher Wasserfall am Fluss Ysta-Rjúkandi und liegt nur wenige hundert Meter von der Ringstraße entfernt.

Ich habe es an dem Tag allerdings nicht bis zum Wasserfall geschafft - es war einfach komplett überfroren und glatt. Unsere isländischen Reiterleiterinnen, eine mit Spikes unter den Schuhen, machten sich auf gutem Grund Sorgen um ihre Truppe. Der geschotteter Weg war spiegelglatt und praktisch unpassierbar. Über den Hang ging es besser und etliche Mitreise sind auch wirklich bis zum Rjúkandi gekommen - ich habe allerdings ziemlich schnell wieder umgedreht. So trittsicher bin ich nicht. 


Danach ging es weiter zur Schlucht von Stuðlagil - ein Ort, an dem ich bisher auch noch nie war. Wir haben mit den Reisebussen am großen Parkplatz an der Westseite der Schlucht geparkt, nur ein kurzes Stück von der Straße 923 entfernt, und sind dann über die große Metalltreppe zur Aussichtsplattform gelaufen.

Durch die Schlucht im Jökuldalur fließt der Fluss Jökulsá á Dal oder Jökulsá á Brú, auch Jökla genannt, mit ursprünglich 150 km der längte Fluss Ostislands. 

Als in den Jahren 2002 bis 2007 das Kárahnjúkar-Kraftwerk gebaut und das Wasser des Flusses ab 2006 im Hálslón-Stausee aufgestaut wurde, führte das dazu, dass der Wasserstand in der Schlucht Stuðlagil innerhalb weniger Tage um 7 bis 8 Meter - und die große, markante Basaltformationen in der Schlucht sichtbar wurden. 

Der Basalt hier ist etwa 30 Meter hoch und das Wasser hat ein ganz besondere, bläulich-grüne Farbe - zumindest einen Großteil des Jahres. Wenn der Stausee Hálslón überläuft und das Wasser vom Gletscher über den Überlauft fließt, verwandelt sich das Wasser in der Schlucht Stuðlagil in einen reißenden Gletscherfluss mit schmutzig-brauner Farbe. 

Als wir da waren, war der Wasserstand niedrig und das Wasser wunderschön türkis. 

Und wir hatten noch mehr Glück - hier war es nicht besonders glatt und wir konnten die meisten Wege problemlos und gut zu Fuß gehen, auch die große Metalltreppe und die Wege zwischen den Aussichtsplattformen.


Danach ging es zu einer kurzen Mittagspause in der Tankstelle wieder nach Egilsstaðir zurück.


Nach dem Mittag ging es zum Baden ins Schwimmbad Vök Baths


Das ist ein Geothermal-Spa in Ostisland, am Ufer des Urriðavatn.

Der Urriðavatn ist ein relativ kleiner See, mit einer Fläche von gut 1 km², östlich von Egilsstaðir gelegen. Der See ist an seiner tiefsten Stelle etwa 15 m tief. Der See liegt etwa 40 m über dem Meeresspiegel. Der Abfluss des Sees fließt in den Lagarfljót. 

Selbst bei strengem Frost bleiben Eislöcher im ansonsten zugefrorenen See - dank der warmen Quellen im See. "Eisloch" heißt auf Isländisch übrigens "vök" - die Eislöcher haben somit diesem Schwimmbad seinen Namen gegeben. 

Der Name "Urriðavatn" bedeutet auf Deutsch "Forellen-See". 

Normalerweise sagt man auf Isländisch "silungur", wenn man "Forelle" meint. Streng genommen ist das aber nur der Oberbegriff für "urriði" und "bleikja". Ein "urriði"(auf Deutsch: Bachforelle, wissenschaftlicher Name: salmo trutta) ist ein Süßwasserfisch, der in den meisten Flüssen und Seen auf Island vorkommt. "Bleikja" ist der Arktische Saibling, auch Polarsaib genannt. Dabei handelt es sich um einen Lachsfisch, der sowohl im Norden im Meer lebt als auch im Süßwasser, und zwar in kalten, sauerstoffreichen Seen, die im Winter nicht bis zum Boden gefrieren. Also genau die Bedingungen, die im Urriðavatn anzutreffen sind. 

Tatsächlich ist der See heute bei Anglern vor allem für seine Saiblinge bekannt. Die namensgebenden Bachforellen sind praktisch auf dem Urriðavatn verschwunden,  seit 1958 das Wasserkraftwerk im Fluss Grímsá in Betrieb genommen wurde. Hierfür wurde ein Damm am Abfluss des Sees gebaut, der das Wasser zurückhält, so dass der Wasserspiegel über sein natürliches Niveau ansteigt. Dadurch vergrößert sich das Speichervolumen des Sees. In Zeiten mit viel Niederschlag oder Schneeschmelze wird der See aufgestaut, das gespeicherte Wasser dient dann als Reserve in Trockenperioden oder bei hohem Strombedarf. Je nach Bedarf des Kraftwerks wird das Wasser kontrolliert aus dem See in den Fluss Grímsá abgelassen, hierbei sinkt der Wasserstand im See teilweise erheblich ab. Durch diese Schwankungen im Wasserstand wurden die Lauchplätze der Bachforellen zerstört, während der anpassungsfähigere Polarsainling überlebte und sich ohne die Konkurrenz der Nachforellen dann nachhaltig vermehren konnte. 

Das, war hier so natürlich und idyllisch aussieht, ist es aber bei genauerer Betrachtung nicht.

Das Schwimmbad Vök Baths am Ufer der Urriðavatn wurde am 1. Juli 2019 eröffnet. Als wir im Sommer 2019 hier vorbei kamen, liefen noch die letzten Arbeiten vor der Eröffnung.

Foto: Sommer 2019

Der Eintritt kostet aktuell 7.690 ISK, umgerechnet rund 54 €. Bei uns war das Schwimmen in unserem Island-Ausflug vom Schiff inklusive.


Ein besonderes Highlight im Bad sind die beiden schwimmenden Pools, gefüllt mit schön warmem Thermalwasser am Rand des eiskalten Sees.
 
Das Wasser stammt aus den heißen Quellen im Urriðavatn, es kommt mit einer Temperatur von rund 75° aus der Erde und fließt dann abgekühlt in die Schwimmbecken. Dabei werden dem Wasser keine Chemikalien zugefügt - deshalb ist es auch hier so wichtig, sich vor dem Baden gründlich und komplett zu duschen!

Die beiden Steinbecken hier vor dem Bad haben eine Temperatur von 37° bzw. 38°. Hier gibt es auch eine Pool Bar - die Getränke sahen wirklich auch alle sehr gut aus, vor allem mit dem Beeren-Skyr-Smoothies habe ich ernsthaft geliebäugelt! 


Das Wasser in den beiden schwimmenden Pools im See hat eine Temperatur von 40° und 41°, fühlt sich aber dank des kalten Winds vom See aber nicht unbedingt so warm an wie es klingt. 

Tebarinn

Eine weitere Spezialität im Bad ist die stilvolle Tee-Bar. Hier gibt es eine Auswahl an Bio-Kräutergetränken, die die Gäste sich selbst brauen können. Es sind isländische, handgepflückte Kräuter, die man dann mit dem Thermalwasser vor Ort mischt - das Wasser kommt mit 75° direkt heiß und kristallklar aus den Bohrlöchern im See. Das Getränke ist im Eintritt enthalten.



Für mich war es auch ein Highlight unserer Tour, hier im Pool entspannt im warmen Wasser zu liegen und vom See weht kalt der Wind herüber. Für mich hätte das Wasser allerdings auch noch ein klein bisschen wärmer sein können, der eiskalte Wind kühlte es doch sehr schnell an. Das Eintauchen ins eiskalte Seewasser habe ich anderen Mitreisenden überlassen, aber es gab tatsächlich mehrere Mutige.


Das Foto hier von mir hat übrigens Ivar Leon Menger gemacht, einer der netten Autoren unserer Tour. Er hatte wohl gesehen, wie ich in verschiedenen Positionen versuchte, mit meinem Handy das geniale Licht beim isländischen Sonnenuntergang über dem Bad wenigstens ein bisschen einzufangen - und bot mir dann an, auch ein Foto von mir zu machen. Dankeschön!


Anschließend haben wir einige Mitreisen in Egilsstaðir, die nicht mit zum Schwimmen wollten und in der Stadt geblieben waren, wieder an der Tankstelle abgeholt. 


Auf dem Rückweg über die Heide nach Seyðisfjörður hatte sich der Straßenzustand deutlich verschlechtert. Während es in Egilsstaðir noch schneefrei war, war der Pass oben komplett weiß, geschlossene Schneedecke. So richtig schön war es nicht zu fahren - und vor uns hatten wir dann ein Wohnmobil, das offensichtlich auch noch die Fähre erreichen wollte. Aber entweder das arme Wohnmobil hatte keine Winterreifen oder der Fahrer war sehr unsicher, jedenfalls fuhr er extrem langsam. Unser Busfahrer überholt ihn irgendwann. 

Das Bild hier ist nicht von mir, sondern von einer Mitreisenden. Es zeigt aber ein bisschen den Straßenzustand auf der Fjarðarheiði. 


Gegen 18 Uhr waren wir wieder auf dem Schiff, um kurz nach 19 Uhr legte die Norröna dann schon ab Richtung Tórshavn. Ich frage mich ja, ob der Fahrer vom Wohnmobil die Fähre wohl noch rechtzeitig erreicht hat...

Am Abend stand dann noch eine Lesung mit Romy Völck auf dem Programm. Gescheite Fotos von dem Abend habe ich aber leider nicht, irgendwie saß ich zu sehr hinter einer Säule. Die Schriftstellerin wurde 1974 in Sachsen geboren und ist studierte Juristin. 2012 kündigte sie ihren sicheren Job und ihre Wohnung in Leipzig und zog als freie Autorin nach Norddeutschland. Zu ihrer Elbmarsch-Krimireihe wurde sie von einem verwitterten Backsteingebäude eines alten Hofes in der Marschlandschaft inspiriert, entsprechend spielt die Landschaft ihrer neuen Heimat in ihren Krimis auch eine wesentliche Rolle. Neben Krimis schreibt sie auch Frauenromane und Thriller. An dem Abend las sie uns sehr stimmungsvoll aus ihrem Kriminalroman "Düstergrab" vor.



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