Donnerstag, 15. Oktober 2026

Fyrsti snjórinn

Der erste Schnee der Saison


Heute Nacht fiel hier bei uns der erste Schnee dieser Saison.

Nachdem gestern der erste Wintersturm dieses Jahres über das Land gezogen ist (bzw. von unserer Ecke hier weiter Richtung Osten), hatten wir letzte Nacht auch den ersten Schnee der Saison.
 
Ich persönlich hätte ihn jetzt nicht ausgerechnet heute Nacht gebraucht, da wir um halb vier aufbrechen mussten, um den Nachwuchs zum Flughafen zu bringen. Da streckt man verschlafen den Kopf zur Tür hinaus und dicke Schneeflocken fliegen einem ins Gesicht... 

Aber wir hatten wirklich Glück, hier war es nicht rutschig und weiter Richtung Ingólfsfjall ließ das Schneetreiben nach. Über die Hellisheiði war die Straße zwar komplett weiß, aber der Wind wehte nicht mehr so sehr, es ließ innerhalb der nächsten paar Stunden wirklich deutlich nach. 

Als wir hier losfuhren, war die Ansage für die Strecke noch "16 m/s, in Böen 22 m/s" (= 58 km/h, in Böen 80 km/h), als wir dann beim Berg waren, waren es schon nur noch in Böen 16 m/s und der Wind schwächte sich weiter ab. Nur auf der Reykjanesbraut (41) auf Höhe vom Aluminiumwerk in Straumsvík wurde es kurzzeitig noch mal etwas windiger.

So gesehen - nicht richtig schön, aber zum Glück noch ganz okay.


Nachdem ich den Nachwuchs erfolgreich zum Flughafen gebracht hatte, habe ich noch einen kurzen Einkaufs-Stopp in Reykjavík gemacht. Wenn ich schon mal in der Stadt bin, kann ich das auch nutzen, schließlich hat der Hagkaup im Skeifan 24/7 geöffnet: Opið allan sólarhringinn, alla daga vikunnar! Geöffnet rund um die Uhr, alle Tage der Woche. Wolltet Ihr nicht auch immer schon morgens um halb 7 im Supermarkt Island-Wolle kaufen..?!? 

Auf dem Weg zur Kasse kam mir dann noch jemand entgegen - der Kater Diego, längst eine der legendären Katzen Reykjavíks. Diego ist Jahrgang 2014 und wohnt mit seiner Familie in der Nähe auf der anderen Seite der Miklabraut, liebt es aber, sich tagsüber im Gewerbegebiet Skeifan aufzuhalten, insbesondere im Schreibwarenladen A4 oder im Supermarkt. Er hat da auch schon im Eingangsbereich sein Körbchen... 

Foto vom August 2026

Heute früh lag Diego allerdings nicht in seinem Körbchen, sondern kam mir plötzlich in der Abteilung für Damen-Unterwäsche entgegen. 


Aber ich glaube, auch Diego war morgens um halb sieben noch nicht so richtig wach, oder vielleicht hat er auch nur seine bisherigen Lebensentscheidungen überdacht.


Der Rückweg über die Hellisheiði war zum Glück gut zu fahren, die Straße war mittlerweile schon geräumt, kurz vor Hveragerði kamen mir auch noch zwei Schneepflüge entgegen. Ich hatte nur das Problem, dass die Straßenschilder mit feuchtem Schnee bedeckt waren, so dass ich oft nicht erkennen konnte, wo wie schnell ich gerade fahren durfte. 


Hier bei uns schmolz der Schnee auch schon immer mehr, nur in den Ecken lag noch eine Weile der letzte Rest... Den Tag über war es immer wieder sogar richtig sonnig, auch wenn die Temperatur nicht viel über 3° gestiegen ist. Und mittlerweile ist es auch fast windstill... 

Also richtig schönes isländisches Herbstwetter! 




Mittwoch, 14. Oktober 2026

Veðurviðvaranir

Wetterwarnungen


Aus aktuellen Anlass ist mein "Wort der Woche" heute "veðurviðvörun", die "Wetterwarnung".

Gestern Abend war es teilweise erstaunlich klar und windstill, wir konnten auch noch mal Nordlichter sehen - die klassische Ruhe vor dem Sturm. 

Heute Nacht galten in ganz Island Wetterwarnungen. Der erste Herbststurm der Saison zog über das Land.

In den meisten Landesteilen gab es eine gelbe Wetterwarnung, mit Winden bis 25 m/s und starken Böen, außerdem erheblicher Niederschlag, teilweise als Schneeregen oder Schnee - gefährliches Reisewetter. 

Im Breiðafjörður, in den Westfjorden und Strandir sowie im Nordwesten sowie bei uns im Südwesten galt eine orangene Wetterwarnung, mit starkem Wind bis zu 28 m/2 und starkem bis sehr starkem Niederschlag mit schlechter Sicht, je nach Lage mit Schnee auf den Straßen - kein Reisewetter. 

Quelle: vedur.is

Mittlerweile ist bei uns die Wetterwarnung schon wieder durch, wir sind damit aber auch die einzige Ecke in ganz Island. Im Norden wird noch mit heftigen Schneestürmen gerechnet.

Quelle: vedur.is

Die letzte Nacht war sehr stürmisch. 

Auf den Westmänner-Inseln lag die durchschnittliche Windgeschwindigkeit bei 42 m/s, also etwas mehr als 150 km/h, in Böen bei 50 m/s (= rd. 180 km/h).

Heute früh gegen 7 Uhr wurde in Hvammur unterhalb des Eyjafjalla in Böen eine Windgeschwindigkeit von 57,9 m/s gemessen, das entspricht 208,44 km/h. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurden in Hvammur schon 12 Mal Windgeschwindigkeiten von mehr als 58 m/s gemessen, die Höchstgeschwindigkeit waren 63,4 m/s (= 228 km/h) bei einem Sturm am 14.02.2020. Alle diese höheren Messungen stammen jedoch aus dem Winter, in der Zeit von Dezember bis März. Im Herbst wurden hier noch nie so hohe Windgeschwindigkeiten gemessen. Mittlerweile hat der Wind aber wieder etwas nachgelassen.

Zum Vergleich: Ab Windstärke 12, d.h. bei Windgeschwindigkeiten von mindestens 32,7 m/s bzw. 118 km/h, spricht man von einem Orkan. 

Es werden auch schon erhebliche Schäden gemeldet:

In Hella wurde offenbar ein kleines Gewächshaus weggeweht, auf den Westmänner-Inseln wurden mehrere Dächer beschädigt und in Siglufjörður im Norden haben Windböen mit bis zu 55 m/s (= 198 km/h) mindestens ein Dach komplett abgedeckt, mehrere Dächer und Fenster beschädigt, außerdem auch Autofenster. Die Rettungskräfte in der Region sind im Einsatz, wie derzeit auch an vielen anderen Orten auf Island. 

Auf der Ringstraße gab es Straßensperrungen, die mittlerweile allerdings wieder aufgehoben sind. Es ist aber weiterhin an zahlreichen Orten des Landes mit Verkehrsbehinderungen aufgrund des schlechten Wetters und mit kurzfristigen Straßensperrungen zu rechnen, insbesondere in den Westfjorden, im Nordwesten und im südlichen Teil von Snæfellsnes.

Quelle: vegagerdin.is

Bei uns hat sich das Wetter beruhigt, es ist jetzt nur noch normal windig mit Windgeschwindigkeiten zwischen 10 und 15 m/s (= 36 - 65 km/h) und es regnet noch etwas, aber nicht mehr besonders heftig. Wir bleiben trotzdem zu Hause. Nachher wollen wir es uns noch mit Schokoladenkuchen (skúffukaka) und einem netten Film gemeinsam auf dem Sofa gemütlich machen. Wir diskutieren nur noch, welchen Film wir schauen wollen...



Und hier nochmal mein "Wort der Woche" zum Anschauen und Anhören:




Montag, 12. Oktober 2026

Rjúpnaveiðitímabilið 2026

Schneehühner auf Island


Nanu, Besuch so früh am Tage..?

Die letzten Tage hatten wir immer Besuch, während wir gefrühstückt haben - jeden Tag saß ein Schneehuhn auf dem Zaun unserer Terrasse. Jeden Tag war es ein anderes Schneehuhn, der Färbung des Gefieders nach. Und jedes Mal saß das Schneehuhn seelenruhig und lange auf dem Zaun.


Das Schneehuhn gestern saß mindestens eine Stunde lang auf unserem Terrassen-Zaun. Und wir konnten ihm ausgiebig zuschauen, wie es sich putzte, von einem Fuß auf den anderen trat, lange komplett ruhig auf einem gefiederten Fuß stand, sich wieder putzte, den Hals reckte, die Umgebung musterte, sich wieder putzte, irgendwann über den Zaun defäkierte, sich wieder aufplusterte, sich wieder die Füße vertrat... Viel spannender als jede Nachrichtensendung im Fernsehen! 


Heute hatten wir wieder Besuch zum Frühstück. Dieses Mal saß das Schneehuhn in aller Seelenruhe auf der anderen Seite der Terrasse und hat uns zum Dank auch noch auf den Zaun gekackt. 


Normalerweise kenne ich Schneehuhn-Kot etwas anders, eher wie hier auf dem Bild (aufgenommen auf unserer hinteren Terrasse im Oktober 2024) als kleine, dunkle Würste, optisch eher ähnlich wie Holzpellets. Keine Ahnung, ob unser Schneehuhn heute vielleicht Verdauungsprobleme hatte oder ob es nur der Unterschied zwischen frischem Kot und getrocknetem ist. 


Auf jeden Fall liebe ich solchen Besuch! 


Schneehühner in Island

Ein Schneehuhn heißt auf Isländisch "rjúpa" oder auch "fjallarjúpa" (= Berge-Schneehuhn), im Plural sind es dann "rjúpur".  

Die Schneehühner gelten als einer der charakteristischsten Vögel der isländischen Natur mit einer besonderen Bedeutung für das hiesige Ökosystem. Für die Gerfalken sind die Schneehühner eines der Hauptnahrungsmittel, insbesondere in der Brutzeit ernähren sich die Falken zu über 90% von Schneehühnern - ohne Schneehühner in Island würden hier auch der Gerfalken aussterben. Außerdem fressen auch Polarfüchse die Schneehühner, ihre Eier und ihre Kücken - ebenso wie Nerze, Möwen oder Seeadler. 

Die Schneehuhn-Population in Island gilt als potentiell gefährdet. 

Während zwischen 1900 und 1950 in guten Jahren schätzungsweise 3 bis 5 Millionen Schneehühner im Herbst auf Island lebten, ging der Bestand seitdem langfristig zurück, teilweise gab es Jahre mit weniger als 200.000 Schneehühnern im Herbst. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Schneehuhn-Jagd komplett verboten, um einen weiteren Rückgang der Tiere zu verhindern.

Insbesondere der Klimawandel gefährdet den Bestand von Schneehühnern in Island, sowohl durch fehlenden Schnee im Winter (wenn die Schneehühner mit ihrem schneeweißen Winter-Gefieder in der dunklen, schneelosen Lava-Landschaft zur leichten Beute für Raubvögel werden) als auch durch extreme Wetterschwankungen im Frühjahr:

Schneehühner brüten in Island ab Mitte Mai, die Brutzeit dauert ca. 3 Wochen, anschließend dauert es noch 6 bis 8 Wochen, bis die Küken ihre Mütter verlassen können. Schneehühner sind Bodenbrüter. So können Kälteeinbrüche und heftige Schneestürme bis in den Juni hinein zum Verlust der Nester mit Eiern und Küken führen.   

Es gibt aber auch Befürchtungen, dass die Aufforstung der isländischen Wälder den Brut- und Lebensraum der Schneehühner einschränken könnte, wenn Torf- und Grasland, die Hauptbrutgebiete für Schneehühner und andere Heidevögel, langfristig in größerem Umfang in Nadelwälder umgewandelt würden.

Nach den massiv gesunkenen Zahlen an Schneehühnern Anfang des 21. Jahrhunderts gehen die Behörden mittlerweile aufgrund der Zählungen der letzten Jahre davon aus, dass sich der Schneehuhn-Bestand auf Island wieder etwas erholt und stabilisiert hat. 

Im Osten und Nordwesten des Landes entspricht die Schneehuhn-Population 2026 in etwa den Zahlen des Vorjahres, im Westen und in den Westfjorden wurden etwas mehr Vögel gezählt als im Vorjahr und im Nordosten und im Süden gab es deutlich mehr Brutpaare als 2025. Insbesondere im Nordosten wurden jetzt mehr Schneehühner gezählt als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen 1981.

Allerdings wurde festgestellt, dass es zwar viele Brutpaare gibt, der Bruterfolg, gemessen an der Anzahl der Jungvögel, jedoch eher schwach bis mäßig ist. Die schwachen Fortpflanzungsraten geben weiter Anlass zu Besorgnis.

Die Seehuhnjagd-Saison 2026

Für viele Isländer ist Schneehuhn ein traditionelles Weihnachtsgericht, und die Jagd auf Schneehühner im Herbst hat in Island in vielen Familien eine tief verwurzelte Tradition. Gejagt wird hier traditionell mit der Flinte.


Die Jagdsaison für Schneehühner (rjúpnaveiðitímabilið) beginnt dieses Jahr landesweit am 23. Oktober 2026. 

Gejagt werden darf von Freitag bis Dienstag - mittwochs und donnerstags ist die Jagd verboten. 

Aufgrund der jeweiligen regionalen Population der Schneehühner wurde eine Zonierung vorgenommen, in den verschiedenen Regionen Islands dauert die Jagdsaison hier jeweils unterschiedlich lang - während die Schneehuhn-Jagd hier im Süden und im Nordwesten nur bis zum 17. November erlaubt ist, darf in den Wesrfjorden eine Woche länger gejagt werden, im Westen und im Nordosten darf bis zum 1. Dezember gejagt werden und im Osten sogar bis zum 22. Dezember, also bis kurz vor Weihnachten. 

Auf Reykjanes gibt es ein Schutzgebiet, in dem keine Schneehuhn-Jagd erlaubt ist. 


Auf Island gibt es etwa 4.000 bis 5.000 Schneehuhn-Jäger, statistisch geht davon jeder an drei oder vier Tagen auf die Jagd, oft über ein verlängertes Wochenende, wenn das Wetter mitspielt. Feste Jagdquoten für Jäger, wie in früheren Jahren, als z.B. nur 4 Schneehühner pro Jäger geschossen werden durften, gibt es nicht mehr, es darf aber weiterhin nur für den Eigenbedarf gejagt werden. 

Es gilt ein generelles Verkaufsverbot für isländische Schneehühner. 

Im Supermarkt kann man aber importierte, tiefgefrorene Schneehühner aus Großbritannien kaufen.



Sonntag, 11. Oktober 2026

Das Bónus-Schwein begeistert ein deutsches Ehepaar

Bónusgrísinn slær í gegn hjá þýskum hjónum 


Heute habe ich zur Abwechslung mal keinen Artikel VON UNS für Euch, sondern einen Artikel ÜBER UNS.  

Der Artikel ist nämlich heute in der isländischen Zeitung Morgunblaðið erscheinen.

In dem Artikel geht es um meine aktuellen Strick-Projekte: Meine selbst gestrickten Handtaschen und Markus' neuen Pullover mit dem Bónus-Schwein - und der Artikel ist wunderschön geworden, finde ich, einfach eine tolle Geschichte über unsere Liebe zu Island und zur isländischen Strickkunst! 

Was Ihr also immer schon über uns wissen wolltet - von unserer ersten Island-Reise in einer Woche rund um Island 2004, der zweiten Reise im Sommer 2009 bis zu unserem Hauskauf hier 2020, das könnt Ihr jetzt im Morgungblaðið nachlesen!

Mein Bónus-Schwein und ich - wir verbreiten "Aufmerksamkeit und Fröhlichkeit". Das ist doch wunderbar. Und wir haben es jetzt schriftlich, von der auflagenstärksten isländischen Zeitung: Wir sind "miklir Íslandsvinir", "große Island-Freunde". 


Wir haben es übrigens heute online auf die Titelseite vom Morgunblaðið geschafft, zusammen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, Papst Leo XIV., dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dem US-Präsidenten Donald Trump und mit einer Werbung mit dem isländischen Fußballer Rúrik Gíslason. Hätte ich auch nie gedacht! 


Ich bin auf jeden Fall mächtig stolz und glücklich über den schönen Zeitungsartikel! 



Freitag, 9. Oktober 2026

Akranesvitar

Die Leuchttürme von Akranes


Akranes ist eine kleine Stadt auf der Halbinsel Skipaskagi an der Westküste Islands, rund 50 km von Reykjavík entfernt. 

Der Ort hat seit 1942 die Gemeinderechte. Die Stadt ist sehr stark von Fischerei und Industrie geprägt, so gibt es neben dem Hafen eine Zementfabrik und in der Nähe eine große Aluminium-Schmelze. Außerdem dienst der Ort als Dienstleistungszentrum für die Region. Heute leben in Akranes rund 8.500 Menschen.

In Akranes gibt es zwei Leuchttürme, zwei Akranesviti. Einen kleinen Leuchtturm, ganz am Ende des Riffs, und einen großen, am Ende der befestigten Landzunge. Die Landzunge, auf der die Stadt Akranes liegt, wurde früher auch oft "Skagi" (= Halbinsel) oder später auch "Skipskagi" oder "Skipaskagi" (= Schiffshalbinsel) genannt.  


Das Wort isländische "Akranesviti", der "Leuchtturm von Akranes", kann man sehr schön in seine einzelnen Bestandteile zerlegen: "viti" bedeutet "Leuchtturm", im Plural sind es "vitar", "Leuchttürme". Das Wort "akur" heißt "Acker", und "akra-" ist Genitiv Plural, also "der Äcker". Und "nes" ist eine Halbinsel oder eine Landspitze. Der "Akranesviti" ist also der "Leuchtturm auf der Landspitze der Äcker" oder in einem Wort "Äckerhalbinselleuchtturm". Da klingt "Akranesviti" doch definitiv besser..!

In Akranes gibt es zwei Leuchttürme. 


Der kleinere Leuchtturm steht am äußersten Ende vom Suðurflös. Das Suðurflös ist ein felsiges Riff (= flös) an der Südspitze der Halbinsel von Akranes. Das Riff ragt flach in die Bucht Faxaflói hinein und stellte deshalb historisch eine besondere Gefahr für die Schifffahrt dar, die hier schnell auf Grund laufen konnten, wenn das Riff, direkt unter der Wasseroberfläche, nicht zu sehen war. 
 

Um diese Gefahrenstelle zu sichern, wurde hier am äußersten Ende des Riffs 1918 der erste Leuchtturm gebaut. Der Leuchtturm ist aus Beton, mit Stahlplatten verstärkt. Er ist quadratisch, nur 10 Meter hoch und weiß gestrichen. Der Leuchtturm gilt als der älteste Beton-Leuchtturm auf Island.


Erbauer / Planer des alten Leuchtturms (Gamli vitinn) von 1918 war Thorvald Krabbe (1876 - 1953), ein dänischer Bauingenieur, der zunächst für die dänischen Eisenbahn gearbeitet hatte, bevor er 1906 zum Nationalingenieur Islands ernannt wurde und ab 1918 hier vorrangig für Leuchttürme und Häfen zuständig war. 

Aufgrund seiner exponierten Lage am Ende des Suðurflös ist der kleine Leuchtturm ganz besonders der heftigen Brandung und der Verwitterung ausgesetzt. 


Dank der Initiative von Hilmar Sigvaldason aus Akranes erschien 2011 ein Beitrag im Morgunblaðið, es wurde berichtet, dass man nicht sagen konnte, wie vielen Stürmen der alte Leuchtturm noch standhalten könne, und zu Spenden für die Renovierung des Turms aufgerufen wurde. Dank der privaten Spenden konnte die Stadt Akranes noch 2012 mit den Baumaßnahmen beginnen und den Turm für rund 100.000 Euro gründlich renovieren und wieder wind- und wetterfest machen. 


Vielleicht wegen der geringen Höhe des alten Leuchtturms von nur 10 Metern wurde bereits 1943/44 etwas weiter landeinwärts ein neuer, höherer Leuchtturm gebaut, dessen Leuchtfeuer die Schiffe schon aus größerer Entfernung sehen konnten - sehr wichtig für die Schiffe, die mittlerweile größer und schneller geworden waren. 

Der neue, zylindrische Leuchtturm wurde östlich vom alten Leuchtturm errichtet, nach einem Entwurf des isländischen Ingenieurs Axel Sveinsson (1896 - 1957). Er hatte sein Studium 1927 in Kobenhagen abgeschlossen und anschließend mehrere Leuchttürme auf Island entworfen, darunter u.a. 1944 den 'neuen' Leuchtturm von Garður, an der Nordspitze der Halbinsel Reykjanes, oder 1942 den Leuchtturm Þrídrangaviti, ca. 7 km vor der Südwestküste Island extrem einsam auf einem Felsen vor den Westmänner-Inseln gelegen - der Leuchtturm Þrídrangaviti ist vielen hier vielleicht vom deutschen Cover des Island-Thrillers "Nebelmord" von Yra Sigurðardóttir bekannt.  


Der neue Leuchtturm von Akranes ist rund 22 Meter hoch (Feuerhöhe 24 Meter) und wurde 1947 eröffnet. Bis 1956 wurde das Leuchtfeuer mit Gas betrieben, seitdem mit Strom. 

Seit März 2012 ist der große Leuchtturm, zu dem früher nur die Leuchtturm-Wärter Zugang hatten, auch für die Öffentlichkeit geöffnet.  

Als wir da waren, konnte ich den größeren Leuchtturm auch von innen besichtigen, während diese beiden sympathischen Leuchtturm-Wärter unten den Eingang bewachten. 


Mein Mann hat Höhenangst, daher bin ich alleine hochgegangen. 


Die letzte Stiege, über die man nach oben auf die Plattform klettert, war aber auch für mich schon eine gewisse Herausforderung..!


Aber ich habe den Ausblick vom Leuchtturm tatsächlich genossen. Und da unten, der eine kleine Punkt da vor dem Eingang, das war mein Mann!


Ich war aber, ehrlich gesagt, auch froh, dass mir beim Abstieg auf der Treppe niemand entgegen kam..!


Der große Leuchtturm Akranesviti ist auch für seine außergewöhnliche Akustik im Inneren bekannt, hier finden oft Musikveranstaltungen und kleine Konzerte statt, außerdem auch Kunstausstellungen. Es gab auch schon Gottesdienste, Taufen und wohl auch Hochzeiten hier im Leuchtturm.


Die Leuchtturm-Wärter von Akranes (darunter auch heute noch Hilmar Sigvaldason) sind sehr engagiert, auch in den sozialen Medien, und füllen den Leuchtturm in bewundernswerter Weise mit Leben.


Öffnungszeiten des Leuchtturms

Der neue Leuchtturm kann im Sommer (1. Juni bis 15. September) normalerweise täglich von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden, im Winter (16. September bis 31. Mai) ist der Turm i.d.R. Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.



P.S.:

Akranes ist übrigens auch der Geburtsort der Schriftstellerin Eva Björg Ægisdóttir (geb. 1988), deren Kriminalromane "Mörderisches Island" rund um die Polizistin Elma und ihre Kollegen Sævar und Hörður hier in Akranes spielen.



Hafmeyjarslysið - Gedenken an den schwersten Unfall auf Akranes 1905

An den Unfall des Schiffs "Hafmeyjan" erinnert diese modernde Skulptur hier beim alten Leuchtturm von Akranes. 

Das Denkmal "Hafmeyjan" wurde 1998 vom örtlichen Künstler Bjarni Þór Bjarnason (geb. 1948) geschaffen. Es geht auf eine Initiative des Kiwanis-Club Þyrill in Akranes zurück, der sich für soziale Projekte vor Ort engagiert und auch hier über Sponsoren das Geld sammelte, um mit dieser Skulptur auf dem Riff an den fatalen Schiffsunfall zu erinnern. Das Denkmal wurde vom damaligen isländischen Bischof Karl Sigurbjörnsson mit einem Gebet enthüllt. 

Bei dem Unfall des Schiffes "Hafmeyjan" (= "die Meerjungfrau") kamen am 14. September 1905 insgesamt elf junge Menschen aus der Region Akranes ums Leben - der schwerste Unfall in der Geschichte des Ortes. Das Schiff lief hier auf dem Felsenriff auf Grund, als die jungen Leute, die als Saisonarbeiter auf einem Kutter gearbeitet hatten, auf dem Heimweg von Reykjavík nach Akranes waren. 

Laut vorliegenden Daten lebten 1901 in Akranes 767 Menschen, für das Jahr 1910 waren 851 Menschen registriert. Bei dem Unfall 1905 wohnten also vermutlich rund 800 Menschen in Akranes und der Umgebung des Ortes. Jeder kannte wahrscheinlich jeden. Und ein Schiffsunglück, bei dem 1,4% der gesamten Bevölkerung ums Leben kamen, war nicht nur für die betroffenen Familien, sondern für den ganzen Ort ein schreckliches Ereignis.

Die Todesopfer vom 14. September 1905 waren:

Jón Helgason (32 Jahre),
Helgi Helgason (26 Jahre),
Gunnar Helgason (23 Jahre),
Valgerður Helgadóttir (21 Jahre),
Ólafur Helgason (19 Jahre),
Jóhann Björnsson (23 Jahre),
Björn Ágúst Björnsson (20 Jahre),
Ingvar Björnsson (16 Jahre),
Arndís Kristjánsdóttir (19 Jahre),
Bjarni Kristinn Ívarsson (19 Jahre),
Guðmundur Pétursson (38 Jahre). 

Von den elf Opfern stammten acht aus zwei Bauernfamilien aus der Umgebung. So kamen bei dem Schiffsunfall 1905 drei der acht Kinder von Björn Jóhannsson (1850 - 1931) und Sesselja Ólafsdóttir (1855 - 1923) vom Hof Innstavogur ums Leben sowie fünf der sechs erwachsenen Kinder von Helgi Guðmundsson (1839 - 1921) und Sigríður Jónsdóttir (1840 - 1908) vom Hof Kringla. 

Foto der Eltern, Helgi und Sigríður
Quelle: Ljósmyndasafn.Akranes.is 

An diesen verheerenden Unfall 1905 mit seinen elf Toten erinnert heute dieses Denkmal von 1998 hier auf der Landzunge vor Akranes. 



Montag, 5. Oktober 2026

Haustlitir á Íslandi

Herbstfarben auf Island


Für mich ging es gestern mit Beginn der Schulferien mit dem jüngsten Nachwuchs wieder nach Island. 

Die letzte Zeit in Deutschland war bei uns sehr viel los, auch im Hauptberuf ist es gerade extrem stressig. 

Daher bin ich im Moment ziemlich platt - gestern Abend bin ich um 9 Uhr ins Bett gefallen und heute bin ich erst gegen halb 10 wieder aufgestanden. (Richtig ausgeschlafen bin ich trotzdem nicht.)

Morgen muss ich wieder arbeiten, aber heute ist einfach mal Ruhe und Gemütlichkeit angesagt. Ganz viel Nichtstun.

Also habe ich eben nur einen ganz kleinen "Spaziergang" gemacht, einmal ein bisschen übers Grundstück, und habe mich dabei an den wunderschönen Herbstfarben hier erfreut. 

Der Herbst auf Island ist geprägt von schnellen Veränderungen in der Natur, von prächtigen Farben, dem ersten Schnee auf den Bergen und immer kürzeren Tagen und immer längeren Nächten. 

Laut der Veðurstofa Íslands, dem Isländischen Wetterdienst, sind hier die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter nicht jeweils 3 Monate lang, sondern Sommer und Winter umfassen jeweils 4 Monate, während Frühling und Herbst beide nur 2 Monate lang sind. Das entspricht aber auch wirklich der gefühlten Realität hier - es ist lange, lange Winter (Dezember bis März), dann ganz plötzlich Frühling (April und Mai) und gleich darauf schon richtig Sommer. Und auch der Sommer (Juni bis September) ist lang hier, dann ist - für kurze Zeit - Herbst (Oktober und November) und dann fängt schon wieder der lange, dunkle Winter an. Kein Wunder, dass die Wikinger hier früher überhaupt nur zwei Jahreszeiten kannten - Winter und Sommer! 

Besonders sonnig ist es heute gar nicht, aber die prächtigen Farben der Natur im kurzen isländischen Herbst leuchten trotzdem wunderschön! 

Egal, ob es die letzten roten Blätter dieser Pflanze hier im Kübel neben unserem Parkplatz sind, ...


... oder die knallgelb leuchtenden Bäume bei den Nachbarn. 




Wir haben übrigens gerade Straßenarbeiten, unser Weg wird im Auftrag der Eigentümergemeinschaft neu geschottert. Die Arbeiten schreiten aber zügig voran!


Na dann, also wieder ab ins Haus!


Da steht einer und winkt - ich werde schon erwartet!