Aprilscherze auf Island
Das isländische Verb "að gabba einhvern" bedeutet so viel wie "jemanden an der Nase herumführen, veralbern". Entsprechend heißt das Substantiv "gabbið" dann "der Streich" oder"der Spott".
Auf Island hat der "Aprilstreich" offenbar Tradition. Angeblich habe schon der Gelehrte und Handschriftensammler Árni Magnússon (1663 - 1730) sog. "April-Briefe" aus dem 17. Jahrhundert gefunden, bei denen Leute "in den April geschickt" wurde und unter einem Vorwand irgendwo hingeschickt wurden - zu etwas, was es nicht gab (ob die Behauptung auch ein Aprilscherz ist, weiß ich aber nicht - ich würde es nicht ausschließen!).
Noch heute gilt ein Aprilscherz in Island als erfolgreich, wenn wirklich Leute irgendwo hingehen - und dort feststellen, dass sie in den April geschickt wurden. Gemessen daran war der diesjährige Aprilscherz vom "Morgunblað" wohl "erfolgreich".
Dieses Jahr hat die Zeitschrift Morgungblaðið ("Das Morgenblatt") das zum 01.01.2026 eingeführte Kilometergeld ("Kílómetragjald") zum Anlass für ihren Aprilscherz genommen.
Das Kilometergeld ist sehr umstritten, gerade aktuell wieder vor dem Hintergrund der steigenden Kraftstoffpreise.
Wenn ich mal die Preise an der AO-Tankstelle hier in Selfoss anschaue: Anfang Januar kostete hier der Liter Benzin 183,2 ISK und der Liter Diesel 205,4 ISK - aktuell kostet Benzin 215,2 ISK und Diesel 254,4 ISK. Also ein Preisanstieg von knapp 20% bei Benzin und von knapp 25% bei Diesel. (Zum Vergleich - in Deutschland sind die Benzinpreise für E10 im gleichen Zeitraum um knapp 25% und die Dieselpreise um knapp 40% gestiegen.)
Letztes Wochenende wurde auf der offiziellen staatlichen Internet-Seite Island.is eine Petition zur Abschaffung des Kilometergelds gestartet. Dabei fordern die Unterzeichner die vollständige Abschaffung des Kilometergelds für Kraftfahrzeuge:
Zum einen sei das derzeitige System in seiner Umsetzung mangelhaft, es gibt z.B. immer wieder Diskrepanzen zwischen der tatsächlichen und der erfassten Fahrleistung. Menschen wie der Busunternehmer Hlynur Bragason aus Egilsstaðir, der für den Monat Januar für seinen Bus für eine angebliche Fahrleistung von 999.691 km fast 140.000 € Kilometergeld zahlen sollte, sind zwar die krasse Ausnahme, aber von zahlreichen Problemen hört man doch immer wieder. (Hlynur hätte dafür mit dem Bus in 31 Tagen rund 25 Mal die Welt umrunden müssen - also eher unwahrscheinlich; die falsche Abrechnung wurde von der Finanzverwaltung auch storniert.) Vor allem aber sei das System "grundlegend ungerecht". Die Bürger zahlten bereits Kfz-Steuer und die Kraftstoffpreise seien erneut stark gestiegen. Vor allem einkommensschwache Menschen würden unangemessen stark belastet und seien wären faktisch kaum noch mobil. Dies sei nicht zu akzeptieren.
Die Petition läuft vom 30.03. bis 30.04.2026. Aktuell (Stand: 02.04., 10.30 Uhr) haben bereits 36.929 Menschen online unterschrieben.
In dem neuen Gesetz ist auch festgelegt, dass ab 01. April 2026 eine Gebühr von 20.000 ISK (umgerechnet rund 135 €) erhoben wird, wenn man seinen Kilometerstand zum 01.01. bis dahin nicht ordnungsgemäß registriert hat. Zudem muss man dann den Kilometerstand bei einer akkreditierten Inspektionsstelle registrieren lassen. (Die Regelung zum 01. April ist kein Aprilscherz.)
Diese Diskussion (und die Frist bis 01.04.) nahm das Morgunblaðið zum Anlass für seinen diesjährigen Aprilscherz: Es meldete, der Finanzminister habe Verständnis gezeigt für den Unmut der Bürger und man könne eine Herabsetzung oder den Erlass des Kilometergelds beantragen, wenn man am 01.04. persönlich bis zum Büroschluss um 15.30 Uhr zur Finanzbehörde gehe und das Formular RSK 01.04.2026 ausfülle. Hierzu müssten "besondere Umstände" geltend gemacht werden, warum für die betreffende Person das Kilometergeld eine unangemessene Belastung darstelle.
Offenbar nahmen viele den Artikel ernst - scheinbar kamen so viele Menschen in die Steuer- und Zollbehörde von Reykjavík in die Katrínartún 6, dass Mitarbeiter der Behörde schließlich einen Ausdruck des Zeitungsartikel mit dem dicken Hinweis "Aprilscherz" an die Eingangstür hängen mussten. Auch das Callcenter der Behörde war offenbar kurz vor dem Zusammenbruch.
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| Quelle: mbl.is / Eyþór |
Der Aprilscherz kam bei der Finanzverwaltung wohl nicht so gut an.
Die Behörde (skatturinn) postete auf ihrer Webseite auch noch den Hinweis, dass es sich um einen Aprilscherz des Morgunblað handelt, eine Herabsetzung des Kilometergelds aufgrund besonderer Umstände ist nicht vorgesehen.
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| Quelle: skatturinn.is |
Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute sehr enttäuscht waren, als die Mitarbeiter der Steuerbehörde ihnen erklären mussten, dass es keine Herabsetzung für sie gibt.












