Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Sonntag, 30. August 2026

Mein Wort der Woche: Brúðkaup

Brúðkaup = Hochzeit


Mein Wort der vergangenen Woche war Brúðkaup. Hochzeit. Das Wort hat meine ganz private, persönliche Woche geprägt - mein ältester Sohn hat nämlich geheiratet. In Deutschland. Erst standesamtlich und am Tag danach folgte die freie Trauung.

Heiraten in Island 

In Island gibt es grundsätzlich drei verschiedene Formen, wie man rechtswirksam heiraten kann:

Kirchliche Eheschließungen werden meist von Geistlichen der evangelisch-lutherischen Nationalkirche, der katholischen Kirche oder Geistlichen der neu-heidnischen Ásatrúarfélagið durchgeführt. Auch andere in Island registrierte Glaubensgemeinschaften (wie muslimische, jüdische oder buddhistische Gemeinden) dürfen rechtsgültige Ehen schließen, wenn der jeweilige Amtsträger die staatliche Zulassen beantragt und erhalten hat. 




Standesamtliche Trauungen werden auf Island vom zuständigen Sýslumaður, dem jeweiligen Bezirksamtmann, oder dessen Vertretern durchgeführt.

Gebäudekomplex in Selfoss,
in dem Polizei und Sýslumaður untergebracht sind

Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich von speziellen staatlich zertifizierten Traurednern verheiraten zu lassen.

Nach der Hochzeitszeremonie wird die Ehe schließlich dann im nationalen Register eingetragen.

Anders als in Deutschland gibt es nur eine Eheschließung, man muss also nicht erst standesamtlich und dann in einer kirchlichen oder freien Trauung heiraten.

Hochzeitsfotos - Foto-Shooting auf Island

Island ist eine traumhafte Kulisse für Hochzeitsfotos. Viele Fotografen haben sich daher extra auf Hochzeits-Shootings auf Island spezialisiert. Und als Island-Reisender begegnet man oft Hochzeitspaaren beim Foto-Shooting, z.B. bei Wasserfällen wie dem Seljalandsfoss, dem Skógafoss oder dem Kvernufoss, oder beim schwarzen Strand von Reynisfjara.



Brúðkaup - Hochzeit

"Brúðkaup" bedeutet wörtlich übersetzt "Braut-Kauf". Wichtige Vokabel sind "Braut" (= "brúður"), "Bräutigam" (= "brúðgumi"), "Trauung" (= "gifting" oder "hjónavígsla") und "Ehe" (= "hjónaband"). Ein "Ehepaar" heißt "hjón". 

Hochzeitstorte

Ein wichtiges Wort ist natürlich auch "brúðarterta", also "Hochzeitstorte". 

Auch auf Island ist eine Hochzeitstorte wichtiger Bestandteil einer Hochzeitsfeier. Die traditionelle isländische Hochzeitstorte war oft ein "kransakaka", ein Turmkuchen aus mehreren Marzipan-Kränzen in verschiedenen Größen, die aufeinander gestaptelt werden und wunderschön dekoriert.

Mittlerweile sind auch mehrstöckige, aufwendige Sahnetorten, Schokoladentorten oder Torten mit Fondant sehr beliebt. Die Hochzeitstorte wird oft bei einer spezialisierten Konditorei bestellt, aber natürlich kann man auch selber backen.

Ich habe meinen Sohn und seine Frau mit einer mehrstöckigen Schokoladentorte überrascht. Das Hochzeitspaar, das ich auf die Torte gesetzt habe, haben wir durch einen glücklichen Zufall im Secon-Hand-Laden in Selfoss gefunden. Natürlich musste das süße Paar mit!


In diesem Sinne - viel Spaß bei unserem Video zu meinem Wort der Woche "Brúðkaup"!




Súkkulaðibomba

Schokoladenbombe


Dies hier ist ein isländisches Rezept für eine echte "Schokoladen-Bombe", eine zweistöckige reichhaltige Schoko-Torte mit einer leckeren Creme aus Frischkäse und Mascarpone. Beim Dekorieren der Torte kann man sich herrlich austoben! 

Bei mir ist z.B. eine richtige Brúðarterta (Hochzeitstorte) daraus geworden, zur Hochzeit von Kind 2 und seiner frisch gebackenen Frau.

Im isländischen Original-Rezept wird AB-Mjólk verwendet, die es in Island in ganz vielen verschiedenen Versionen gibt. Hier in Deutschland habe ich die AB-Mjólk 1:1 durch Dickmilch ersetzt. Alternativ könnte man aber auch Naturjoghurt nehmen.


Zutaten

460 g Mehl
180 g Zucker
4 Eier 
500 ml AB-Milch
250 ml Sonnenblumenöl
80 g gehackte Schokolade
60 g Kakaopulver
2 TL Backpulver
1 TL Natron
Vanille-Extrakt

400 g Frischkäse
350 g Mascarpone
250 g Puderzucker
2 - 3 EL Back-Kakao

ggf. noch geraspelte Schokolade, gehackte Nüsse o.ä.


Zubereitung

Alle Zutaten für den Teig zusammen rühren.

In zwei Backformen (24 cm Durchmesser) geben und im vorgeheizten Backofen bei 200° Ober-Unter-Hitze jeweils 20 Minuten lang backen. 

Den beiden Tortenböden aus dem Ofen holen und gründlich abkühlen lassen.

Für die Creme den Frischkäse mit dem Mascarpone und dem Puderzucker sowie dem Back-Kakao in eine große Schüssel geben und gut verrühren, dass eine einheitliche Creme entsteht.


Die Creme in zwei Portionen teilen. Jeweils eine Tortenspritze voller Creme für die Deko beiseite stellen.

Den ersten Tortenboden auf eine Tortenplatte o.ä. legen, mit der Tortenspritze ein Muster rundum aufspritzen und dann den Rest der ersten Portion Creme auf dem Tortenboden verstreichen. 

Den zweiten Tortenboden aufsetzen, mit der zweiten Portion Creme bestreichen, nach Geschmack noch mit geraspelter Schokolade, gehackten Nüssen o.ä. bestreuen und zum Schluss die Torte noch mit der Creme aus der zweiten Tortenspritze verzieren.


Zum Schluss wird dann ggf. noch die besondere Torten-Deko eingepasst.


Die fertige Torte dann mind. 4 Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen und anschließend gut gekühlt servieren.


Alternativ kann man auch nur einen Tortenboden mit Kakao backen, den anderen ohne, damit sich ein farblicher Kontrast ergibt, und auch bei der Creme nur eine Hälfte mit Kakao zubereiten. Da kann man sich herrlich austoben! 



Donnerstag, 27. August 2026

Þjóðaratkvæðagreiðsla um aðildarviðræður við ESB

Volksabstimmung über Beitrittsverhandlungen mit der EU


Die Isländer stimmen an diesem Samstag (29. August 2026) darüber ab, ob Island die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union (EU) wieder aufnehmen soll.

Die Europäische Union (EU), auf Isländisch Evrópusambandið (ESB), ist ein politischer und wirtschaftlicher Staatenverbund von 27 europäischen Ländern, gegründet in ihrer heutigen Form 1992. 

Island und die EU

Vor der Finanzkrise 2008 standen die Isländer sehr kritisch einem EU-Beitritt gegenüber, insbesondere weil sie Einschränkungen bei den Fischereirechten und in der isländischen Landwirtschaft befürchtet. Unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Krise änderte sich jedoch die Stimmung und die links-grüne Regierung unter Jóhanna Sigurðardóttir stellte im Juli 2009 ein EU-Beitrittsgesuch. Die Beitrittsverhandlungen begannen 2010. Nach der Parlamentswahl 2013 übernahm eine Mitte-Rechts-Koalition aus der rechts-konservativen Unabhängigkeitspartei (Sjálstæðisflokkurinn) und der sehr EU-kritischen Fortschrittspartei (Framsóknarflokkurinn), traditionell die Partei der isländischen Bauern. Die Regierung unter Sigmundur Davíð Gunnlaugsson stoppte daraufhin die Verhandlungen mit der EU.

Island - Mitglied in EFTA, EWR und Schengen

Island ist bereits Mitglied in der Europäische Freihandelszone (EFTA) und beim EWR, dem Europäischen Wirtschaftsraum, einer vertieften Freihandelszone zwischen der EU und drei der vier EFTA-Länder (Norwegen, Island und Liechtenstein - die Schweiz ist beim EWR nicht dabei). Außerdem ist Island Mitglied im Schengen-Raum (Reisefreiheit grundsätzlich ohne Personenkontrollen an der Grenzen).  

Island ist übrigens auch Gründungsmitglied der NATO, des Nordatlantischen Verteidigungsbündnis - für Island besonders wichtig, da das Land kein eigenes Militär hat. 

Weltpolitische Lage seit 2025

Nachdem der US-Präsident Donald Trump mehrfach Grönland aktiv für die USA beansprucht hat, ausdrücklich ohne Rücksicht auf die Vorstellungen der Grönländer selbst, kippte die Stimmung auch in Island - einerseits wegen Grönland selbst, andererseits auch, weil Trump in seinen Reden mehrfach Grönland und Island verwechselte. 

Daher machen sich viele in Island auch Sorgen um die eigene Sicherheit und Souveränität - wenn die USA als NATO-Mitglied aus dem Verteidigungsbündnis austritt / Island annektieren will, wer sichert dann die Freiheit des Landes? 

Die jetzige pro-europäische Regierung unter Kristrún Frostadóttir hat daher eine Volksabstimmung über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen auf den Weg gebracht, um angesichts der veränderten internationalen Lage neue Handels- und Sicherheitsoptionen zu prüfen.

In der Diskussion spielt auch die wirtschaftliche Situation Islands eine große Rolle - das Land hat hohe Lebenshaltungskosten, Energie- und Produktionskosten steigen, es gibt eine hohe Inflation, relativ starke Währungsschwankungen, Probleme am Wohnungsmarkt und mit der Kreditvergaben. 

Das Referendum findet am Samstag, den 29. August 2026 statt. 

In Reykjavík haben die meisten der Wahllokale am Samstag von 9 bis 22 Uhr geöffnet, teilweise - vor allem auf dem Land - öffnen die Wahllokale jedoch erst später bzw. rund die Hälfte der insgesamt 103 Wahllokale schließen schon früher, einige schon ab 15 oder 16 Uhr. Ab 22 Uhr wird ausgezählt.

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Nach den Zahlen, die ich letztens im konservativen Morgunblaðið gelesen habe, waren 46% dafür, Beitrittsverhandlungen mit der EU wieder aufzunehmen (zumindest um zu sehen, was die EU Island ggf. anbieten wird) und 46% waren strikt dagegen. Der Rest war noch unentschlossen. 

Wer will was?

Im Grunde gibt es zwei Gruppierungen, die Áfram-Ísland-Bewegung, die strikt gegen erneute Beitrittsverhandlungen ist, und die Já-til-að-sjá-Bewegung (= "ja um zu sehen"), die der Meinung ist, man solle doch erst einmal ausloten, welche Möglichkeiten man überhaupt habe, bevor man fundiert eine Entscheidung treffen könne.



Die Bewegung "Áfram Ísland" (= "Vorwärts, Island!") steht für die strikte Ablehnung der EU und fürchtet einen "Ausverkauf" Islands. 

Insbesondere der isländische Bauernverband lehnt einen möglichen EU-Beitritt vehement ab, weil er den Schutz der heimischen Landwirtschaft durch einen Beitritt zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU gefährdet sieht. Man befürchtet, ausländische Lebensmittelimporte würden nach Abbau der Zolle den isländischen Markt überfluten und so die regionalen Erzeuger wirtschaftlich noch mehr unter Druck setzen, wenn die EU bei Subventionen für die heimische Landwirtschaft mitreden würde. Man befürchtet ein Höfe-Sterben, bei dem schließlich nur noch wenige, im Zweifelsfall noch ausländisch dominierte Großbetriebe übrig bleiben würden. Außerdem fürchtet man, dass die besonderen lokalen Gegebenheiten in der isländischen Landwirtschaft einschließlich der strengen Hygiene- und Einfuhrbestimmungen im Rahmen der EU nicht angemessen berücksichtigt würden.

Ebenso wie in der Landwirtschaft befürchtet man auch in der Fischerei, die eigene Autonomie zu verlieren und an eine fremde Zentralbehörde in Brüssel abzugeben.

Die Fischerei macht immerhin rund 35 bis 40% der isländischen Exporte aus und ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Kontrolle über die eigenen Gewässer ist für die meisten Isländer sehr wichtig. Man will weder ausländische Konkurrenz noch eigene Regelungsbefugnisse abgeben. 

Vielfach wird auch daran erinnert, dass Island zwischen 1958 und 1976 seine Fischereizonen schrittweise erweitert und sich in den Kabeljaukriegen gegen Großbritannien durchgesetzt hatte, weshalb man jetzt nicht aufgeben dürfe, wofür man seinerzeit so hart gekämpft habe.

Auch der Walfang kommt hier ins Spiel, den einige Isländer z.T. zum Symbol ihrer nationalen Identität erklärt haben.

Teilweise habe ich von Anhängern von Áfram Ísland auch gelesen, man sei gegen einen EU-Beitritt, weil man der Europäischen Gerichtshof (EuGH) "nicht kontrollieren" könne. Der Gerichtshofe bestehe größtenteils "nicht aus Anwälten, Richtern der Mitgliedsstaaten oder Juristen aus den Mitgliedsstaaten", so die Äußerungen bei einer Podiumsveranstaltung von Áfram Ísland, sondern aus Politikern und ehemaligen Außenministern, die sich für wichtig hielten und "sich ihrer Macht sehr bewusst" seien, so dass man - so offenbar die Schlussfolgerung - dem Gericht nicht trauen könne, da es politische Entscheidungen treffen würde.

Die Aussage hat mich persönlich erschreckt:

Zum einen müssen die 27 Richter am EuGH (einer aus jedem Mitgliedsstaat) in ihrem Heimatland die Zulassung zum Richteramt haben bzw. zumindest Juristen sein, die sich durch besondere Qualifikationen auszeichnen, das Gericht besteht also sehr wohl aus Juristen. Die Behauptung ist also inhaltlich offensichtlich falsch. 

Zum anderen - wie kann man erwartet, ein Gericht "kontrollieren" zu können? Macht es nicht gerade die richterliche Unabhängigkeit aus, dass man am Ende des Tages die Richter eben nicht "kontrollieren" kann? Oder anders gefragt - kann man in Island etwa die Gerichte "kontrollieren"..? (Nein, den Gedanken denke ich lieber nicht weiter...)

Renommierte isländische Ökonomen haben übrigens substantiiert nachgewiesen, dass die von Áfram Ísland präsentierten Zahlen zu möglichen Kosten einer EU-Mitgliedschaft und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zumindest "grob irreführend" sind. Teilweise wurden Beiträge der Kampagne auf der Homepage nach entsprechender Kritik gelöscht.


Den Vertretern von "já til að sjá" (= "ja um zu sehen") geht es darum, dass erst alle wichtigen Fakten bekannt sein müssen, bevor man eine wichtige Entscheidung treffen kann.

SJÁ ist also eine Gruppe von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, die beim Referendum am 29. August mit JA stimmen, weil sie erst sehen wollen, was ein Abkommen mit der EU für Island mit sich bringen würde, damit man dann aus guten Gründen entweder für oder gegen einen Beitritt stimmen könnte.

Wer ist für Ja, wer für Nein?

Nach den Statistiken, die ich im Morgunblaðið gelesen habe, wollen die Menschen im Hauptstadtgebiet mit "Ja" stimmen, während die Menschen auf dem Land mehrheitlich mit "Nein" stimmen wollen. 

Auch der Bildungsabschluss und die finanzielle Situation spielt eine Rolle: Menschen mit Hochschulabschluss sind eher dafür, während Menschen, die die Volksschule besucht haben, eher dagegen sind. Menschen mit mittleren Einkommen sind eher gegen die Aufnahme von Verhandlungen, während Menschen mit niedrigem und Menschen mit hohem Einkommen mehrheitlich dafür sind.


Wer finanziert die Kampagnen?

In letzter Zeit habe ich wiederholt davon gelesen, dass es in Island wohl nie eine größere Propaganda-Kampagne gegeben habe als die von Áfram Ísland. Das Land werde förmlich von Werbung im Internet, im Fernsehen und auf Plakatwänden überschwemmt. Die Kampagne sei sehr professionell gemacht, eine der größten Werbeagenturen des Landes arbeitet für Áfram Ísland. 

Da könnte man sich fragen, was das kostet und wer das ganze Geld bereitstellt - wer zahlt dafür, wem ist es so wichtig, dass Island gegen weitere Verhandlungen mit der EU stimmt..? Welche wirtschaftlichen Interessen dominieren die Abstimmung..?


Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie das Referendum am Samstag ausgeht. Im Moment kann ich es absolut nicht einschätzen, wie die Isländer abstimmen könnten.



Ausgang der Abstimmung:

Island hat NEIN gesagt. 

Nachdem es zuerst nachts um 3 Uhr noch nach einem wirklich knappen Kopf-an-Kopf-Rennen aussah, mit gerade man rund 400 Stimmen Unterschied, ... 

Quelle: RÚV.is

...ist die Entscheidung mittlerweile eindeutig: Mit knapp 13.000 Stimmen hat sich das NEIN-Lager bei der Volksabstimmung durchgesetzt. 

Quelle: RÚV.is