Die Leuchttürme von Akranes
Akranes ist eine kleine Stadt auf der Halbinsel Skipaskagi an der Westküste Islands, rund 50 km von Reykjavík entfernt.
Der Ort hat seit 1942 die Gemeinderechte. Die Stadt ist sehr stark von Fischerei und Industrie geprägt, so gibt es neben dem Hafen eine Zementfabrik und in der Nähe eine große Aluminium-Schmelze. Außerdem dienst der Ort als Dienstleistungszentrum für die Region. Heute leben in Akranes rund 8.500 Menschen.
In Akranes gibt es zwei Leuchttürme, zwei Akranesviti. Einen kleinen Leuchtturm, ganz am Ende des Riffs, und einen großen, am Ende der befestigten Landzunge. Die Landzunge, auf der die Stadt Akranes liegt, wurde früher auch oft "Skagi" (= Halbinsel) oder später auch "Skipskagi" oder "Skipaskagi" (= Schiffshalbinsel) genannt.
Das Wort isländische "Akranesviti", der "Leuchtturm von Akranes", kann man sehr schön in seine einzelnen Bestandteile zerlegen: "viti" bedeutet "Leuchtturm", im Plural sind es "vitar", "Leuchttürme". Das Wort "akur" heißt "Acker", und "akra-" ist Genitiv Plural, also "der Äcker". Und "nes" ist eine Halbinsel oder eine Landspitze. Der "Akranesviti" ist also der "Leuchtturm auf der Landspitze der Äcker" oder in einem Wort "Äckerhalbinselleuchtturm". Da klingt "Akranesviti" doch definitiv besser..!
In Akranes gibt es zwei Leuchttürme.
Der kleinere Leuchtturm steht am äußersten Ende vom Suðurflös. Das Suðurflös ist ein felsiges Riff (= flös) an der Südspitze der Halbinsel von Akranes. Das Riff ragt flach in die Bucht Faxaflói hinein und stellte deshalb historisch eine besondere Gefahr für die Schifffahrt dar, die hier schnell auf Grund laufen konnten, wenn das Riff, direkt unter der Wasseroberfläche, nicht zu sehen war.
Um diese Gefahrenstelle zu sichern, wurde hier am äußersten Ende des Riffs 1918 der erste Leuchtturm gebaut. Der Leuchtturm ist aus Beton, mit Stahlplatten verstärkt. Er ist quadratisch, nur 10 Meter hoch und weiß gestrichen. Der Leuchtturm gilt als der älteste Beton-Leuchtturm auf Island.
Erbauer / Planer des alten Leuchtturms (Gamli vitinn) von 1918 war Thorvald Krabbe (1876 - 1953), ein dänischer Bauingenieur, der zunächst für die dänischen Eisenbahn gearbeitet hatte, bevor er 1906 zum Nationalingenieur Islands ernannt wurde und ab 1918 hier vorrangig für Leuchttürme und Häfen zuständig war.
Aufgrund seiner exponierten Lage am Ende des Suðurflös ist der kleine Leuchtturm ganz besonders der heftigen Brandung und der Verwitterung ausgesetzt.
Dank der Initiative von Hilmar Sigvaldason aus Akranes erschien 2011 ein Beitrag im Morgunblaðið, es wurde berichtet, dass man nicht sagen konnte, wie vielen Stürmen der alte Leuchtturm noch standhalten könne, und zu Spenden für die Renovierung des Turms aufgerufen wurde. Dank der privaten Spenden konnte die Stadt Akranes noch 2012 mit den Baumaßnahmen beginnen und den Turm für rund 100.000 Euro gründlich renovieren und wieder wind- und wetterfest machen.
Vielleicht wegen der geringen Höhe des alten Leuchtturms von nur 10 Metern wurde bereits 1943/44 etwas weiter landeinwärts ein neuer, höherer Leuchtturm gebaut, dessen Leuchtfeuer die Schiffe schon aus größerer Entfernung sehen konnten - sehr wichtig für die Schiffe, die mittlerweile größer und schneller geworden waren.
Der neue, zylindrische Leuchtturm wurde östlich vom alten Leuchtturm errichtet, nach einem Entwurf des isländischen Ingenieurs Axel Sveinsson (1896 - 1957). Er hatte sein Studium 1927 in Kobenhagen abgeschlossen und anschließend mehrere Leuchttürme auf Island entworfen, darunter u.a. 1944 den 'neuen' Leuchtturm von Garður, an der Nordspitze der Halbinsel Reykjanes, oder 1942 den Leuchtturm Þrídrangaviti, ca. 7 km vor der Südwestküste Island extrem einsam auf einem Felsen vor den Westmänner-Inseln gelegen - der Leuchtturm Þrídrangaviti ist vielen hier vielleicht vom deutschen Cover des Island-Thrillers "Nebelmord" von Yra Sigurðardóttir bekannt.
Der neue Leuchtturm von Akranes ist rund 22 Meter hoch (Feuerhöhe 24 Meter) und wurde 1947 eröffnet. Bis 1956 wurde das Leuchtfeuer mit Gas betrieben, seitdem mit Strom.
Seit März 2012 ist der große Leuchtturm, zu dem früher nur die Leuchtturm-Wärter Zugang hatten, auch für die Öffentlichkeit geöffnet.
Als wir da waren, konnte ich den größeren Leuchtturm auch von innen besichtigen, während diese beiden sympathischen Leuchtturm-Wärter unten den Eingang bewachten.
Aber ich habe den Ausblick vom Leuchtturm tatsächlich genossen. Und da unten, der eine kleine Punkt da vor dem Eingang, das war mein Mann!
Ich war aber, ehrlich gesagt, auch froh, dass mir beim Abstieg auf der Treppe niemand entgegen kam..!
Der große Leuchtturm Akranesviti ist auch für seine außergewöhnliche Akustik im Inneren bekannt, hier finden oft Musikveranstaltungen und kleine Konzerte statt, außerdem auch Kunstausstellungen. Es gab auch schon Gottesdienste, Taufen und wohl auch Hochzeiten hier im Leuchtturm.
Die Leuchtturm-Wärter von Akranes (darunter auch heute noch Hilmar Sigvaldason) sind sehr engagiert, auch in den sozialen Medien, und füllen den Leuchtturm in bewundernswerter Weise mit Leben.
Öffnungszeiten des Leuchtturms
Der neue Leuchtturm kann im Sommer (1. Juni bis 15. September) normalerweise täglich von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden, im Winter (16. September bis 31. Mai) ist der Turm i.d.R. Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
P.S.:
Akranes ist übrigens auch der Geburtsort der Schriftstellerin Eva Björg Ægisdóttir (geb. 1988), deren Kriminalromane "Mörderisches Island" rund um die Polizistin Elma und ihre Kollegen Sævar und Hörður hier in Akranes spielen.
Hafmeyjarslysið - Gedenken an den schwersten Unfall auf Akranes 1905
An den Unfall des Schiffs "Hafmeyjan" erinnert diese modernde Skulptur hier beim alten Leuchtturm von Akranes.
Das Denkmal "Hafmeyjan" wurde 1998 vom örtlichen Künstler Bjarni Þór Bjarnason (geb. 1948) geschaffen. Es geht auf eine Initiative des Kiwanis-Club Þyrill in Akranes zurück, der sich für soziale Projekte vor Ort engagiert und auch hier über Sponsoren das Geld sammelte, um mit dieser Skulptur auf dem Riff an den fatalen Schiffsunfall zu erinnern. Das Denkmal wurde vom damaligen isländischen Bischof Karl Sigurbjörnsson mit einem Gebet enthüllt.
Bei dem Unfall des Schiffes "Hafmeyjan" (= "die Meerjungfrau") kamen am 14. September 1905 insgesamt elf junge Menschen aus der Region Akranes ums Leben - der schwerste Unfall in der Geschichte des Ortes. Das Schiff lief hier auf dem Felsenriff auf Grund, als die jungen Leute, die als Saisonarbeiter auf einem Kutter gearbeitet hatten, auf dem Heimweg von Reykjavík nach Akranes waren.
Laut vorliegenden Daten lebten 1901 in Akranes 767 Menschen, für das Jahr 1910 waren 851 Menschen registriert. Bei dem Unfall 1905 wohnten also vermutlich rund 800 Menschen in Akranes und der Umgebung des Ortes. Jeder kannte wahrscheinlich jeden. Und ein Schiffsunglück, bei dem 1,4% der gesamten Bevölkerung ums Leben kamen, war nicht nur für die betroffenen Familien, sondern für den ganzen Ort ein schreckliches Ereignis.
Die Todesopfer vom 14. September 1905 waren:
Jón Helgason (32 Jahre),
Helgi Helgason (26 Jahre),
Gunnar Helgason (23 Jahre),
Valgerður Helgadóttir (21 Jahre),
Ólafur Helgason (19 Jahre),
Jóhann Björnsson (23 Jahre),
Björn Ágúst Björnsson (20 Jahre),
Ingvar Björnsson (16 Jahre),
Arndís Kristjánsdóttir (19 Jahre),
Bjarni Kristinn Ívarsson (19 Jahre),
Guðmundur Pétursson (38 Jahre).
Von den elf Opfern stammten acht aus zwei Bauernfamilien aus der Umgebung. So kamen bei dem Schiffsunfall 1905 drei der acht Kinder von Björn Jóhannsson (1850 - 1931) und Sesselja Ólafsdóttir (1855 - 1923) vom Hof Innstavogur ums Leben sowie fünf der sechs erwachsenen Kinder von Helgi Guðmundsson (1839 - 1921) und Sigríður Jónsdóttir (1840 - 1908) vom Hof Kringla.
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| Foto der Eltern, Helgi und Sigríður Quelle: Ljósmyndasafn.Akranes.is |
An diesen verheerenden Unfall 1905 mit seinen elf Toten erinnert heute dieses Denkmal von 1998 hier auf der Landzunge vor Akranes.




























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