Montag, 7. Juli 2014

Harðfiskur

Harðfiskur ist eine alte isländische Tradition:

Laut Berichten aus dem Mittelalter sollen die Isländer ihren "getrockneten Fisch" bereits um 1300 als Spezialität insbesondere nach Spanien und Italien exportiert haben, die „Reichtümer der Insel Islands“ bestanden demnach „gedörrten Fischen“, die von den Einwohnern dort zu solchen Mengen zusammen getragen würden, dass die Fisch-Berge „größer als Häuser“ seien. Gut, Sebastian Münster, der 1552 in Basel an der Pest gestorbene Chronist der „Cosmographia“, war selbst nie in Island gewesen, und seine Autoren haben ihm auch manchen anderen Bären aufgebunden (wie z.B. die Geschichte, dass gemahlener Harðfiskur in Island als Mehl-Ersatz verwendet würde), aber die großen Mengen von exportiertem getrocknetem Fisch erscheinen trotzdem glaubhaft – noch heute ist das ein wesentliches Exportgut der Insel.

Was die Ersatz-Mehl-Geschichte betrifft – in Island wird Harðfiskur noch heute gerne dick mit Butter bestrichen und dann gegessen, vielleicht haben die mittelalterlichen Besuch das auch einfach nur missverstanden und den Harðfiskur für eine Art isländisches Brot gehalten.
 
Für den Harðfiskur wurde der gefangene und getötete Fisch gefangen und kräftig abgeschrubbt / abgekratzt, dann wurde der Kopf entfernt und der Fisch in der Regel filetiert. Die Fischfilets wurden dann kurz in Salzlake getunkt und anschließend an einer luftigen Stelle zum Trocknen aufgehängt - der Wind wird eventuelle Fliegen schon vertreiben! Die Dauer der Trocknungszeit hing dabei vom Wind, von der Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Die durchgetrockneten Fischfilets wurden dann mit einem Hammer oder einem Nudelholt "weichgeprügelt" (im Intersse der Zähne der späteren Esser!) und anschließend mit Butter verzehrt.

Der Harðfiskur, den man heutzutage im Laden kaufen kann, wird allerdings i.d.R. industriell und in entsprechenden Wärmekammern hergestellt, habe ich mir sagen lassen.

Stockfisch und Harðfiskur ist übrigens nicht dasselbe, wenn es auch oft verwechselt wird - Stockfisch / Trockenfisch wird nicht filettiert getrocknet und trocknet langsamer, außerdem muss er viel mehr geschlagen werden, bevor er weich genug ist, dass man ihn ungefährdet essen kann.


Die Fische, die man noch heute als Island-Tourist auf riesigen Gestellen in den unbewohnten Weiten der Halbinsel Reykjanes  bewundern kann, sind übrigens kein filettierter Harðfiskur, diese Fische werden hier nur ausgenommen, aber mit Kopf an den frischen Luft des Landes getrocknet - sowohl im Sommer als auch im Winter.


Für viele Isländer ist ihr Harðfiskur eine Art Snack, wie hierzulande z.B. Chips oder Popcorn, traditionell dick mit salziger Butter bestrichen, es gibt aber auch verschiedene Rezepte, wie z.B. geschmorter Harðfiskur mit Kartoffeln oder Fischmousse mit Krebsen.



Harðfiskur ist sehr protein-, vitamin- und eisenhaltig und deswegen auch besonders beliebt als leichter Proviant auf anstrengenden Wanderungen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen