Land-Erosion in Reynisfjara
Reynisfjara hat sich aktuell massiv verändert.
Reynisfjara ist der berühmte schwarze Sandstrand in Südisland, beim Berg Reynisfjall und den Felsnadeln Reynisdrangar, westlich von Vík í Mýrdal. Es ist eines der beliebtesten Touristenziele Islands mit seinem langen, schwarzen Sandstrand und den vielen schönen Basaltsäulen.
Allerdings ist es auch das gefährlichste Touristenziel Islands, in den letzten 20 Jahren hat es hier 7 tragische Todesfälle gegeben. Ein Touristenmagnet war und ist der schwarze Strand aber weiterhin.
Ende Januar, Anfang Februar 2026 gab es, über mehrere Wochen, starke Ostwinde und viel Brandung am schwarzen Strand von Reynisfjara. Diese ungewöhnlich lange anhaltende Wetterlage führte dazu, dass Anfang Februar große Mengen Sand innerhalb weniger Tage vom Meer abgetragen wurden, der Hang wurde instabil, Teile der Klippen gaben nach und es kam zu einem Erdrutsch.
Die Erosion war so stark, dass sich das Aussehen des Strandes innerhalb von ein paar Tagen komplett verändert hat.
Ich hatte bisher hier im Blog noch nichts dazu geschrieben, weil ich erst selbst hinwollte und mir einen eigenen Eindruck vor Ort machen.
Aber jetzt hat sich mein ältester Sohn bei mir beschwert.
Sie hatten Termin bei einer Hochzeitsfotografin, haben dort Bilder gesehen, die die Fotografin von Hochzeitspaaren am schwarzen Strand aufgenommen hatte, und dann erfuhr mein Sohn von der Fotografin, dass es "dem Strand mit dem Warnschild" nicht gut ginge. Wieso hat er das nicht von mir erfahren, er liest doch regelmäßig meinen Blog..?
Ich muss zugeben, ganz Unrecht hat er nicht. Und ja - solche Hochzeits-Foto-Sessions, wie auch wir sie in der Vergangenheit regelmäßig beim Besuch von Reynisfjara gesehen und geknipst haben, sind aktuell nicht mehr möglich. Dieser Strandabschnitt ist nicht mehr da / erreichbar. Solche Fotos gehören derzeit der Vergangenheit an.
Wie ist tatsächlich aktuell die Lage in Reynisfjara?
In den Medien wurde darüber berichtet, dass der "berühmte schwarze Standstrand Reynisfjara ... ins Meer gespült worden" sei und nun "nicht mehr begehbar". In den sozialen Medien schwankte die Bandbreite zwischen "RIP - Black Sand Beach, Iceland" bis zu "na ja, kommt halt vor, der Sand wird schon wiederkommen".
Tatsächlich hat sich das Aussehen des Strandes innerhalb weniger Tage komplett verändert.
Hier habe ich mal zur Veranschaulichung ein paar Bilder von Reynisfjara im Laufe der letzten gut 20 Jahre zusammen gestellt:
So wie hier auf diesem Bild haben mein Mann und ich den Strand von Reynisfjara zum ersten Mal gesehen, bei unserer allerersten Island-Reise 2004.
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| Sommer 2013 |
Das Bild hier ist vor einem Jahr entstanden, als wir über Ostern 2025 Besuch von einer befreundeten Familie hatten und ihnen ein bisschen von unserer Herzensinsel zeigen durften.
Und so sah es in Reynisfjara jetzt aus, als wir Ostern 2026 dort waren (neben der Höhle erkennt man ganz gut die Spuren des letzten Erdrutschts):
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| April 2026 |
Bei der Land-Erosion in Reynisfjara wurde in ganz erheblichem Umfang Sand vom Meer abgetragen.
Das hier ist ein Satellitenbild, auf dem die Veränderung der Strandlinie in Reynisfjara von 1980 bis zum 7. Februar 2026 eingezeichnet ist. Der Geologe vom Katla-Geopark, der die Erosion am 11. Februar 2026 vermessen hat, kam zu dem Ergebnis, dass sich die Küstenlinie teilweise bis zu 50 - 60 Meter ins Land hinein verlagert hat.
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| Quelle: mbl.is |
Die Verschiebung der Küstenlinie hat auch dazu geführt, dass der hintere Strandbereich, d.h. der Bereich hinter der Ecke der vorderen Höhle, derzeit nicht mehr erreichbar ist.
Zur Verdeutlichung habe ich hier noch mal einen Ausschnitt aus der Karte:
Derzeit reicht das Meer, auch bei ruhigem Wasser, mindestens bis zur Ecke der vorderen Höhle. Die Basaltsäulen, um die man früher bei ruhiger See herumgehen konnte, stehen heute zum Teil dauerhaft unter Wasser. Man KANN diesen Strandabschnitt also gar nicht mehr erreichen.
Zudem ist auf dem Satellitenbild eingezeichnet, dass der Sand auch in diesem Bereich in großem Umfang vom Meer abgetragen wurde und das Meer jetzt teilweise direkt bis an die Basaltsäulen reicht.
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| Ausschnitt |
Der ganze Bereich hier rund um die Basaltsäulen steht jetzt dauerhaft unter Wasser.
Und auch dieser lange, breite schwarze Sandstrand von den Basaltsäulen vorne bis zu den Felsnadeln im Hintergrund ist offenbar zum Großteil vom Meer abgetragen bzw. unter Wasser.
Eine solche traumhafte Sicht, wie man sie hier früher vom hinteren Strandabschnitt direkt auf die Felsennadeln vor Vík hatte, gehört - zumindest im Moment - definitiv der Vergangenheit hat. Das geht heute nicht mehr, dieser Strandabschnitt ist nicht mehr erreichbar bzw. der Sand wurde wohl zum großen Teil vom Meer abgetragen.
Die hintere Höhle, in die man früher bei ruhigem Wasser gehen konnte, ist jetzt vom Meer abgeschnitten. Aktuelle Bilder von Wissenschaftlern von der Höhle habe ich nicht gesehen, ich habe also keine Ahnung, wie es hier derzeit aussieht.
Solche Bilder wie dieses hier von Mann und Kindern vom Sommer 2015 sind heute nicht mehr möglich. Die Basaltsäulen, auf die man früher - wie hier bei ruhigem Wetter - klettern konnte und wo sich fast jeder fotografieren lassen wollte, gehören der Vergangenheit an. Man kommt nicht mehr hin, weil der Zugang dauerhaft vom Meer abgeschnitten ist, und selbst wenn man hinkäme, könnte man wohl nicht mehr darauf klettern, weil das Meer das Gestein weiter ausgegraben hat und die Säulen jetzt erst in ca. 2 Metern Höhe anfangen.
All das hier am hinteren Strandabschnitt ist im Moment Vergangenheit...
Aber auch im vorderen Bereich, der noch erreichbar ist, hat es große Veränderungen gegeben.
Viel Sand wurde vom Meer abgetragen, die betonierte Aussichtsplattform wurde untergraben und ist zum größten Teil eingestürzt, eines der Schilder wurde zerstört, das zweite schwer beschädigt und mittlerweile entfernt.
So wie hier auf dem Foto sah die Aussichtsplattform im Oktober 2025 aus. Hier stehen die beiden Warnschilder mit der Ampel auf der Plattform, im Hintergrund erkennt man das Tor, das bei geschlossen wurde, wenn die Situation zu gefährlich war und die Ampel auf "rot" stand.
Und hier ist noch der Blick im Oktober 2025 vom Strand.
Und zum Vergleich ein Bild vom Morgunblaðið vom 24.02.2026, auf dem man noch die Reste des Tores und der Mast der Kamera erkennen kann.
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| Quelle: mbl.is/Jónas Erlendsson |
Mittlerweile haben die Landbesitzer die Reste vom Tor abbauen lassen und den Zugang zum Strand an dieser Stelle gesperrt.
Auch an den Basaltsäulen kann man gut sehen, dass der Strand jetzt deutlich tiefer liegt und die Säulen viel weiter freiliegen.
So erkennt man hier auf dem Bild von 2022, dass die Basaltsäulen damals bis zur Strandoberfläche glatt durchgingen.
Aber seit Februar 2026 liegt das Gestein viel weiter frei und die Veränderung ist deutlich sichtbar.
Diese beiden Bilder sind aus einer ähnlichen Perspektive aufgenommen. Auf dem Bild links (vom Januar 2012) steht mein Mann auf Höhe der eingezeichneten Basaltformation. Auf dem rechten Bild ist dieselbe Markierung auf derselben Basaltformation zu sehen - aber jetzt liegt diese Stelle etwa 2 Meter oberhalb der aktuellen Strandoberfläche.
Außer dem Sand wurden auch die großen, tonnenschweren Steine wie kleine Kiesel vom Meer weggeschwemmt.
Die Landbesitzer haben mittlerweile einen Wall aus Steinen und Erde rund um den Parkplatz anlegen lassen (hier im Hintergrund hinter den Autos vielleicht ein bisschen zu erkennen, zumindest an der Leuten auf dem Wall), um bei der nächsten großen Flut nach Möglichkeit die Infrastruktur zu schützen, d.h. den Parkplatz und das Restaurant.
Hier steht mein Mann auf dem Wall und macht noch ein paar letzte Fotos vom veränderten Strand.
Derselbe Strand, derselbe Mann - nur mit gut 14 Jahren Unterschied von Januar 2012 bis April 2026. (So deutlich ist hier der Unterschied auf den ersten Blick nicht zu erkennen, aber das obere Bild war bei Flut, das untere bei Ebbe.)
Reynisfjara hat sich definitiv massiv verändert.
Dieses Gefühl der Weite an dem scheinbar endlosen schwarzen Strand fehlt (mir) jetzt ein bisschen. Und die Basaltsäulen, auf denen früher immer wieder die Menschen geklettert sind, sind (zumindest aktuell) nicht mehr erreichbar. Vielleicht hat das aber auch den Vorteil, dass jetzt weniger Menschen versuchen über die Felsen zu klettern oder zu nahe ans Meer herangehen und so in Gefahr geraten...?
Selbst an ruhigen Tagen donnern jetzt hier die Wellen ordentlich an die Basaltsäulen neben der Höhle und das Meer ist sichtlich "nicht harmlos".
Auch wenn Reynisfjara jetzt nach der Erosion vom Februar 2026 deutlich verändert ist - ein gefährlicher Ort und gleichzeitig ein wunderschöner Platz und ein schöner schwarzer Strand ist es immer noch!
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| Ostern 2026 |






















































