Reykjavík Pride Parade
Wir waren am Samstag wieder beim Gleðiganga, der alljährlichen Reykjavík Pride Parade.
Die hinsegin dagar (auf Englich: Reykjavík Pride) ist das größte queere Kultur-, Menschenrechts- und Diversitätsfestival Islands. Das Festival findet seit 1999 alljährlich in Reykjavík statt.
Das Festival feiert die LGBTQ+-Gemeinschaft, setzt sich für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung ein, für Menschenrechte und Vielfalt.
Höhepunkt der Tage ist die jährliche Pride Parade, der Gleðiganga - die Parade am Samstag durch die Straßen von Reykjavík, von der Hallgrímskirkja bis zum Park Hljómskálagarðurinn.
Gleðigangan am 8. August 2026
Das Wetter war besser als befürchtet - bei uns hatte es vormittags noch geregnet, aber als wir losfuhren, hatte es aufgeklart und war trocken.
Áfram! Auf geht's!
Auf der Fahrt nach Reykjavík zog es sich über der Hellisheiði wieder zu, aber in Reykjavík war es dann wieder trocken und teilweise sogar richtig sonnig.
Wir waren einigermaßen früh dran, damit wir noch einen Parkplatz finden und in Ruhe zum Ausgangspunkt der Parade laufen konnten. Ich finde es so schön, wie praktisch die ganzen Stadt in Regenbogenfarben leuchtet. Auch in der Hallgrímskirkja war für das Fest geschmückt und die Menschen wünschten einander "Gleðilega hátið!", "Frohes Fest!".
Rechts und links der Hallgrímskirkja war Platz für die Aufstellung der Teilnehmer. Als letztes stand hier, wie jedes Jahr, der Wagen von Páll Óskar, dem isländischen Sänger, Songwriter, DJ und Musikproduzent. Er ist einer der populärsten und schillerndsten Popsänger Islands und eine Ikone der isländischen Homosexuellen-Bewegung. International bekannt wurde er 1997 als Teilnehmer beim ESC in Dublin mit seinem Lied "Minn hinsti dans" (= "Mein letzter Tanz"), das er auf Isländisch sang.
Wir haben uns für den Umzug einen Platz in der Skólavörðustígur gesucht, das gab es noch ein paar Plätze in der ersten Reihe, direkt an den aufgebauten Absperrgittern, auch wenn es schnell voll wurde. Uns gegenüber hatten diese beiden hier übrigens einen richtig guten Überblick über den Umzug!
Auf dem Foto ist es schlecht zu erkennen, aber die Frau hinter der Island-Fahne vorne ist Hildur Björnsdóttir, seit Juni 2026 die neue Bürgermeisterin von Reykjavík. Sie ist von der Unabhängigkeitspartei (Sjálfstæðisflokkurinn), eine eher rechts-konservative Partei. Es gab Befürchtungen, die neue Stadtregierung könnte sich zu queeren Aktionen kritisch positionieren, zumal sich einige Vertreter des einen Koalitionspartners im Reykjavíker Rathaus, der Fortschrittspartei (Framsóknarflokkurinn), teilweise sehr kritisch gegenüber Regenbogen-Fahnen geäußert haben (um es mal vorsichtig zu formulieren). Also war ich erleichtert, auch dieses Jahr die Bürgermeisterin der Stadt bei der Pride Parade mitmarschieren zu sehen.
Und davor fährt ein cooles Auto mit einem coolen Kennzeichen ("500SL") - und auf dem Beifahrersitz sitzt Guðrún Karls Helgudóttir, seit 2024 die Bischöfin von Island.
Auf diesem Bild sehr Ihr Vertreter von HIV-positiven Menschen. Sie klären weiterhin darüber auf, dass HIV-positive Menschen, die medizinisch wirksam behandelt werden, nicht ansteckend sind. Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar.
Hier noch mal einfach ein paar Eindrücke von der Parade 2026:
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| Die "Antifaschistische Aktion" marschierte auch mit. |
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| Alle Farben des Regenbogens |
Das hier ist übrigens die Vertretung der Þjóðkirkja, der evangelisch-lutherischen Nationalkirche Islands.
Der letzte Wagen der Parade gehört traditionell Páll Óskar, dieses Mal mit einem riesigen Flamingo, der knallpink einfach alles überragt.
Es war herrlich viel Betrieb, wirklich fröhliche Menschenmassen standen dichtgedrängt überall entlang der Zugstrecke, oft ganz bewusst auch in Regenbogenfarben - so wie wir.
Und jedes Jahr freue ich mich aufs Neue über den Pfarrer der Fríkirkja, der bunt geschmückt und mit Regenbogen-Fahnen in der Hand auf einem Tisch vor seiner Kirche steht und die vorbeiziehenden Menschen segnet und ihnen Kusshände zuwirft. Ich finde, in diesem Punkt sollte es wirklich mehr Pfarrer wie ihn geben, in allen Kirchen!
Der Zug endete dann wie jedes Jahr beim Hljómskálagarðurinn, dem Park am Stadtteich Tjörnin (hinter dem Rathaus).
Im Anschluss waren wir dieses Mal noch kurz beim Konzert auf der Wiese im Hljómskálagarðurinn.
Toll fand ich übrigens die Gebärdendolmetscherinnen, die sowohl das Programm der Drag Queens als auch die Lieder begleitet und in Gebärdensprache übersetzt haben - selbstverständliche Inklusion.
In der Mitte war die Bühne, rechts der größere Bildschirm zeigte die Künstler und links der kleinere Bildschirm zeigte den Gebärdendolmetscher (táknmálstúlkur), dazu lief teilweise noch der Text der Lieder zum Mitlesen mit.
Besonders begeistert hat mich die Gebärdendolmetscherin, die hier die erste Künstlerin, die Sängerin Una Torfa, begleitet hat. Sie strahlte einfach so eine unglaublich gute Laune aus, so richtig ansteckend fröhlich - ich fand das wirklich toll!
Und auf der Heimfahrt über die Hellisheiði begleitete uns dann noch ein wunderschöner, leuchtender Regenbogen!
Leider hatten aber nicht alle einen guten Heimweg - ich habe in den Medien mitbekommen, dass eine non-binäre Person und ihr frisch gebackener Ehemann auf dem Heimweg von der Parade in der Nähe des Studentenwohnheims in der Sæmundargata offenbar von fünf jungen Männern mit Steinen beworfen wurden. Ein Stein flog in ihre Richtung, landete wohl nur einen halben Meter von ihnen entfernt auf dem Bürgersteig.
Bereits am Freitagabend wurde eine Trans-Frau in die Notaufaufnahme gebracht, nachdem sie offenbar nach dem Verlassen des 10/11-Ladens an der Austurstræti von "drei isländischen Männern in den Zwanzigern" angegriffen, beschimpft und geschlagen worden war.
Es geht also nicht alles in die richtige Richtung - und es gibt immer noch, oder gerade jetzt wieder, genug Grund, mit der Pride Parade durch die Stadt zu ziehen, und zwar mit ganz vielen Menschen, die als Gesellschaft genau das unterstützen, für das die Pride Parade bzw. hier der Gleðiganga steht!





























































