Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Montag, 13. April 2026

Buchtipp: "Mein Island" von Melodie Michelberger

Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden


Vorab zur Klarstellung: Das hier ist keine Werbung. Ich "kenne" die Autorin online aus den Sozialen Medien, insbesondere von Instagram, und eine runde Frau um die 50, die bunte isländische Strickpullover und Island liebt, ist mir schon mal per se direkt sympathisch - da finde ich auch mich wieder! 

Also habe ich mir ihr Buch "Mein Island - Vom Nichts-Suchen und Alles-Finden" direkt gekauft, als es im Februar 2026 erschienen ist. 

In dem Buch geht es um die Frage nach Herzens- oder Kraftorten - wo kommen wir zur Ruhe, wo schöpfen wir Kraft und finden Inspiration? Für mich ist es eine gelungene Mischung aus Reiseberichten von ihren Island-Reisen und ihrer eigenen Reise zu sich selbst. 

Die Autorin Melodie Michelberger (Jahrgang 1976) hat ihren "Kraftort" gefunden - in Island, schon bei ihrer ersten Island-Reise 2017 mit ihrem Sohn. 

Als Kind begeisterte sie sich beim Besuch mit der Grundschule im Naturkundemuseum für magmatische Gesteine, fing an, selbst Steine zu sammeln und sich für deren Entstehung zu interessieren. Das Buch "Reise zum Mittelpunkte der Erde" von Jules Verne verschlang sie an einem Wochenende, fuhr mit dem Finger über die Karte auf die Halbinsel Snæfellsnes im Westen Islands und zum Vulkan Snæfellsjökull... 


... und reiste literarisch mit Professor Lidenbrock und seinem Neffen Axel nach Island, stieg mit ihnen und ihrem einheimischen Führer Hans Bjelke in den erloschenen Vulkankrater des Snæfellsjökull hinab und wurde schließlich vom Vulkan Stromboli nördlich von Sizilien wieder ausgespuckt. Jules Vernes Buch begründete Melodies Liebe und ihr Interesse für Island, für dieses raue Land mit seinen ungewöhnlichen Menschen - der Ort, an den sie sich im Alltag träumte. 

Snæfellsjökull - der Schnee-Berg-Gletscher
(Foto von 2014)

Aber mit Anfang 20 ging Melodie erst einmal nach Hamburg, machte ein Praktikum bei der Zeitschrift Amica (ui - über eine Kontaktanzeige bei Amica habe ich damals meinen Mann kennen gelernt, ist allerdings schon fast 25 Jahre her!), arbeitete in der Moderedaktion bei der Brigitte und der Gala und übernahm die Pressearbeit eines Hamburger Modelabels. Bis sie mit Ende 30 zeitgleich die Diagnose Burn-Out und die Kündigung ihrer Festanstellung bekam, ihre Beziehung scheiterte und sie plötzlich arbeitslos, alleinerziehend und pleite war. 

Und der alte Traum von Island platze in ihre große Leere und Planlosigkeit. Erst bestellte sie sich einen gebrauchten Island-Reiseführer und ersteigerte online einen handgestrickten Lopapeysa, einen Island-Pullover aus schöner dicker Wolle mit Pferdemuster auf der Rundpasse. Zwei Jahre lang kämpfte sie sich aus ihrer Erschöpfungsdepression heraus - und im dritten Jahr ihrer Selbständigkeit schaffte sie es, das scheinbar Unmögliche zu schaffen, die 5.836 € für die 12-tägige Mietwagen-Rundreise zusammen zu bekommen und schließlich im August 2017 mit ihrem Sohn im Flieger nach Island zu sitzen, zum ersten Mal das "Velkomin heim" der Flugbegleiterin von Icelandair nach der Landung zu hören. 

Mittlerweile hat sie Island schon 10 Mal bereist, in Begleitung und ohne, und beschreibt diese ganz unterschiedlichen Reisen sehr anschaulich in ihrem "Mein Island"-Buch. 

Ich habe es beim Lesen sehr genossen, in Gedanken mit ihr mitzureisen, an Orte, an denen ich auch schon gewesen bin - egal, ob es jetzt die bunten Häuser in der Reykjavíker Innenstadt sind, die Eisdiele am Alten Hafen oder der kleine heiße Hot Pot am Strand bei Grótta, das skurrile Hexenmuseum in Hólmavík oder das Hotel in Heydalur

Schwimmen in Heydalur
(Foto von 2016)

Ich musste aber auch grinsen, wie Melodie z.B. über die kleinen Einkaufsläden in kleinen Orten berichtet - und über die Vorliebe der Isländer für Energy-Drinks. "Einmal hatte ich stundenlang Herzrasen, weil ich nicht wusste, dass die Dose mit der schönen pinken Aufschrift reichlich Koffein ... enthielt." Okay, ab und zu trinke ich diese "pinken Dosen" auch ganz gerne, Herzrasen bekomme ich davon tatsächlich nicht, aber ich fühle mich tatsächlich mal nicht müde danach... 

Mittlerweile gibt es Collab auch in Deutschland.

Auch als wir jetzt bei der Gletscherlagune Jökulsárlón waren, musste ich an Melodies Beschreibung in ihrem Buch denken: 

Sie besucht im Buch auch immer wieder diese Gletscherlagune und den Strandabschnitt, der von Touristen meist Diamond Beach, der Diamantenstrand, genannt wird, weil hier die Eisbrocken wie Diamanten auf dem schwarzen Strand liegen. Auf Isländisch heißt der Strand allerdings Vestri Fellsfjara (westlicher Felsstrand, vor der Brücke, von Reykjavík aus kommend) bzw. Eystri Fellsfjara (östlicher Felsstrand), hinter der Brücke, auf der Seite, wo auch der große Parkplatz und der Startpunkt der Bootsfahrten ist. 

In ihrem Buch beschreibt Melodie Michelberger, wie sie alleine am Strand hier entlang geht, so weit läuft, bis sie mit der tosenden Brandung und den hellblauen Eisbrocken alleine ist. Sie hat extra ihr neues Kleid mit den Puffärmeln mitgebracht, von ihrer dänischen Lieblingsdesignerin, um sich mit genau diesem Kleid an genau diesem Strand zu fotografieren. 

Quelle: Melodie Michelberger @Instagram 

Okay, von mir gibt es hier kein Foto in einem coolen Lieblingskleid, ich habe meine heißgeliebte alte rote Lopapeysa-Strickjacke an, aber trotzdem meine ich, das Glück zu spüren, von dem Melodie in ihrem Buch hier schreibt. 


Líkamsvirðing - Respekt für den Körper

Sehr gut nachvollziehen konnte ich auch Melodies Schilderung von Schwimmbad-Besuchen auf Island. 

In isländischen Schwimmbädern müssen sich alle Besucher vor dem Baden gründlich nackt waschen, entsprechende Schilder machen deutlich, wo man sich besonders intensiv zu waschen hat. Teilweise kontrollieren auch die Bademeister bzw. Bademeisterinnen, ob man sich an diese Regel gehalten hat, und schicken Touristen, die z.B. nur in Badekleidung geduscht haben, wieder zurück - sie müssen sich richtig waschen, nackt. 

Das liegt daran, dass hier das Wasser in den Schwimmbädern möglichst natürlich belassen wird und weniger stark gechlort als in Deutschland und anderen Ländern - das funktioniert aber nur, wenn wirklich alle das Duschen ernst nehmen. 

Da Isländer selbstverständlich mit dieser gemeinsamen Duschkultur aufwachsen, ist es auch ganz normal, dass man sich fröhlich nackt unter der Dusche oder in der Umkleide mit anderen Badegästen unterhält - es gehört sich nicht, Körper zu kommentieren oder zu werten. Jeder ist hier gleich, ganz egal, wie groß oder klein, dick oder dünn etc. man ist - für Melodie wie ein "Crashkurs in Körperakzeptanz". 

Oder um es auf Isländisch zu sagen: 

"Líkamsvirðing er mannréttindayfirlýsing. Við eigum öll rétt á því að líða vel í eigin skinni." - "Körperakzeptanz ist Ausdruck der Menschenrechte. Wir haben alle das Recht, uns in unserer eigenen Haut wohlzufühlen." 
 

Mir hat das Buch beim Lesen auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich konnte ganz viel nachvollziehen. 

Ich fand es nur ein bisschen schade, dass es nur im Einband Melodies schöne, bunte Fotos gibt, die mir immer direkt gute Laune und Lust auf Island machen. Außerdem hätte ich wenigstens ein kurzes Inhaltsverzeichnis schön gefunden - wenn mir irgendeine bestimmte Szene an einem bestimmten Ort gerade einfällt, muss ich immer blättern und suchen - wo kam Heydalur vor (ab Seite 131) oder wo schreibt sie über Collab (Seite 113)..? 

Ich hoffe, eines Tages findet Melodie das kleine blaue Haus ihrer Träume, auf einer Wiese zwischen Meer und Bergen, irgendwo in den isländischen Westfjorden. So, wie auch wir unser Island-Haus gefunden haben, das zwar weder nicht blau ist, sondern rot-braun, und nicht in den Westfjorden liegt, sondern in Grímsnes in Suðurland, das aber definitiv unser persönlicher Herzensort ist!



Samstag, 11. April 2026

Skyrterta með jarðarberjum

Skyr-Torte mit Erdbeeren


Das hier war die Skyr-Torte, die ich für uns für Ostern zubereitet habe. 

Das ist allerdings keine klassische "Torte", sondern eher ein sehr cremiger, fluffiger Dessert-Kuchen. Die "Torte" wird ohne Backen zubereitet, muss über Nacht im Kühlschrank einigermaßen fest werden und wird anschließend gut gekühlt serviert. (Und nein, wir haben den Kuchen nicht draußen im Schnee gegessen. Ich fand nur die noch halbverschneite Terrasse einen netten Untergrund fürs Foto..!)


Zutaten

200 g Haferkekse o.ä.
50 g geschmolzene Butter

450 g Vanille-Skyr
1 TL Kardamom
1 Prise gemahlene Vanille
100 g weiße Schokolade
500 ml Schlagsahne

4 - 5 EL Erdbeermarmelade


Zubereitung

Die Kekse gründlich zerbröseln - am besten in einen Beutel geben und so lange mit dem Nudelholz darüber rollen, bis wirklich feine Kekskrümel entstanden sind. 


Die Krümel dann in eine mit Backpapier ausgelegte Springform geben, mit der geschmolzenen Butter vermischen und die Masse auf dem Boden andrücken. 



Den Vanille-Skyr mit dem Kardamom und der gemahlenen Vanille verrühren.


Die weiße Schokolade schmelzen, ...


...etwas abkühlen lassen und unter ständigem Rühren mit der Skyr-Masse vermischen.


Die Schlagsahne steifschlagen und unter die Skyr-Schoko-Mischung ziehen.

Die Creme dann auf dem Keks-Boden vorsichtig verteilen und glatt streichen.



Mindestens 4 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen.

Die Erdbeer-Marmelade vorsichtig etwas erwärmen, damit sie schön flüssig wird, und dann auf dem Kuchen verstreichen.


Anschließend über Nacht im Kühlschrank fest werden lassen und gut gekühlt servieren.


Ich wünsche Euch guten Appetit! 
Verði ykkur að góðu!



Donnerstag, 9. April 2026

Ný lopapeysa tilbúin

Wieder ein neuer Island-Pullover fertig


Wir hatten am Ostermontag (mal wieder) eine Wetterwarnung, dieses Mal sogar eine orangene Wetterwarnung. Schneefall, starke Winde, Windgeschwindigkeiten hier in der Ecke von bis zu 36 m/s, d.h. knapp 130 km/h (ab 120 km/h spricht man von "Orkan"). 

Also absolut kein Reisewetter, die Polizei rief alle auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und unnötige Fahrten unbedingt zu vermeiden.

Das haben wir auch getan - wir haben "Traumschiff: Island" geschaut (nein, nicht wirklich ein Fernseh-Tipp von mir, auch wenn schöne Landschaftsaufnahmen dabei waren und wir teilweise sehr gelacht haben, ein paar gute Momente gab es auch) und ich habe endlich den pinken Lopapeysa (Island-Pullover) fertiggestrickt, den ich hier im letzten Sommer angefangen hatte, dann aber nach meinem Terrassen-Sturz mit der angeschlagenen Schulter nicht mehr weiterstricken konnte. Aber das geht jetzt wieder - und jetzt ist der Lopapeysa endlich fertig geworden!

Der Pullover ist aus isländischer Léttlopi-Wolle, also die "mittel-dicke" Island-Wolle.


Die Hauptfarbe ist "1412 - Bleik", also Rosa / Pink, die Musterfarbe ist "1414 - Fjölublá", also Lila.


Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis! 


Der März war dieses Jahr hier auf Island ein kalter, nasse Monat:

Die Durchschnittstemperatur in Reykjavík lag mit 0,2° um 1,5° unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Dazu betrug der monatliche Niederschlag gut 126 mm, das liegt 56% über dem Durschnitt der letzten 30 Jahre. Andererseits wurden in der Hauptstadt 128 Sonnenstunden gemessen - gut 17 Stunden über dem Durchschnitt

Die letzten Tage war das Wetter dann sehr wechselhaft, typisches "April-Wetter", ständiger Wechsel zwischen Regen und Sonnenschein, dazu relativ windig. Den einen Moment strecke ich den Kopf aus der Tür, weil es so herrlich sonnig ist - da kommt mir direkt der nächste Regen- und Hagelschauer ins Gesicht! 

Aber zumindest ist der Schnee in den letzten Tagen fast komplett weggeschmolzen. Wir haben gestern in Reykjavík sogar schon Krokusse gesehen im Garten hinter dem Parlament! Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft - vor í lofti, wie es derzeit immer im Radio heißt. 


Und es wird jetzt auch wieder lauter draußen. Wenn ich morgens im Bett liege, höre ich schon wieder Vögel. Die Gänse sind wieder da, Ostern wurden auch die ersten Strandläufer und Schwarzschwanz-Schnepfen gesichtet. Auch die Küstenseeschwalbe (kría) ist schon wieder hier - 11 Tage früher als üblich, haben sie heute im Fernsehen gemeldet. 

Nachbarn haben auch schon den ersten Goldregenpfeifer (lóa) auf ihrer Wiese gesichtet. Der Goldregenpfeifer ist ein Zugvogel und überwintert auf den Britischen Inseln oder weiter südlich entlang der Küsten von Westeuropa. Normalerweise kommt er Ende März oder Anfang April wieder nach Island. Die Ankunft des Lóa gilt hier auf Island als "Ankunft des Frühlings". 

Auch wenn der Frühling derzeit noch ein bisschen nass und windig ist!


P.S. vom 10.04.2026: 

Ich hätte mich gestern wohl besser nicht so über die erste Ahnung von "Frühling in der Luft" freuen sollen. Heute morgen um halb 6 sah es dann wieder so aus bei uns - uns es schneit weiter!