Samstag, 30. Juni 2018

Norðurbakkinn - þar sem þú vilt vera

Das Büchercafé am Nordufer - der Ort, wo Du sein willst


"Þar sem þú vilt vera" - dort, wo Du sein willst. Das ist zumindest der Slogan des Lokals "Norðurbakkinn" in Hafnarfjörður, Norðurbakki 1 (Nordufer 1). Es ist keine "bakarí" (= Bäckerei), sondern ein "bókakaffi", eines der in Island so beliebten Bücher-Cafés.

Mir war "Norðurbakkinn" vorher bei Instagram aufgefallen, sie sind dort sehr aktiv und posten immer nette Bilder von leckeren kleinen Gerichten, Kuchen oder einem üppigen Frühstück, außerdem hatte ich mich auf den ersten Blick in die wunderschöne rote Theke, die sie dort haben, verliebt! 


Die Besitzerin hatte uns am Samstag für 10 Uhr zum Frühstück eingeladen. Sie war selbst nicht da, als wir kamen, aber ihre Tochter wusste Bescheid und nahm uns sehr nett und freundlich in Empfang.



Eines der beliebtesten Gerichte sind die Pfannkuchen mit Sirup, Puderzucker und frischen Blaubeeren, sie kosten knapp 9,50 € und man wird auf wirklich sehr angenehme Art und Weise durchaus satt. Mein Mann hatte sich für die "pönnukökur með sýrópi og smjöri" entschieden, da er zur Abwechslung mal etwas Süßes wollte, und war wirklich zufrieden damit.  


Ich hatte, ebenfalls auf Empfehlung des Hauses, den Bagel mit Lachs ("beygla með lax, rjómaosti, rauðlauk og kapers"), also mit Frischkäse, roten Zwiebeln und Kapern. Die Lachsscheiben waren für meine Verhältnisse schön dick geschnitten - und mit den Kapern dazu war es wirklich etwas Besonderes und hat mir sehr lecker und interessant geschmeckt. (Memo an mich selbst: Ich muss unbedingt mal Kapern einkaufen und damit rumprobieren!)


Beim Frühstück bekamen wir dann noch gemütlich die aktuelle Tageszeitung gereicht und konnten uns schon mal auf das erste Island-Spiel bei der WM am Abend vorbereiten. Also genau die Mischung aus nettem Essen, Lektüre und gemütlicher Atmosphäre, die man in einem Bücherkaffee erwartet. 


Es werden übrigens auch regelmäßig Kulturveranstaltungen, Lesungen oder musikalische Vorträge dort angeboten.



Im Überblick:

Das Büchercafé Norðurbakkinn liegt in Hafnarfjörður. Die Speisekarte ist nicht typisch isländisch, aber sehr nett. Es gibt eher kleine, leichte Gerichte.

Der Filterkaffee ("uppáhelling") kostet 450 ISK, also etwas weniger als 3,60 € (Stand Juni 2018). Die heißen Getränke (diverse Kaffees, heiße Schokolade und Tee) kosten im Schnitt rund 600 ISK, also knapp 4,80 €. Gegen einen kleinen Aufpreis von etwa 0,50 € bekommt man wahlweise Soja- oder Hafermilch zum Kaffee oder einen Schuss Sirup dazu.

Der Brunch ("bröns") ist mit 2.990 ISK (knapp 24 €) das teuerste Gericht auf der Karte, dafür bekommt aber auch das komplette Programm: Rühreier, Pfannkuchen mit Sirup, dazu Brot / Croissant mit Käse, Schinken, hausgemachter Marmelade, dazu noch Salat und Früchte.

Außerdem gibt es Salate, gegrillten Käse, belegte Brote, Zwiebelsuppe, wechselnde Tagessuppen, Kuchen und eben die Pfannkuchen und den Lachs-Bagel. Im Schnitt kostet ein Gericht knapp 2.000 ISK, also knapp 16 €.

Das Norðurbakkinn hat werktags von 9:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, am Wochenende von 9:00 bis 18:00 Uhr.


P.S.: Gerade auf Instagram mitbekommen - am 30.06.2018 hat ein zweites "Norðurbakkinn" in Stykkishólmur, Aðalgata 20, eröffnet. Wir kommen im Juli in Stykkishólmur vorbei, mal schauen, ob wir reinschauen können!



Es handelt sich hierbei formal gesehen um Werbung, da wir zum Essen eingeladen wurden. Wir waren aber nur in Restaurants und Lokalen, von denen wir vorher Gutes gehört hatten und die wir - aus den verschiedensten Gründen - spannend fanden. Insoweit waren wir auch ehrlich begeistert und wenn wir in Lobeshymnen ausbrechen, sind die wirklich ernst gemeint.


Freitag, 29. Juni 2018

Þrír Frakkar hjá Úlfari

"3 Mäntel bei Úlfar" 


Kann Spuren von Werbung enthalten.*

Am ersten Abend unseres Schlemmerwochenendes in Reykjavík hatten wir eine Einladung ins Þrír Frakkar. Das Restaurant befindet sich in der Baldursgata, keine 500 Meter von der Hallgrímskirkja entfernt. "Þrír Frakkar" bedeutet "3 Mäntel" - warum das Lokal so heißt, weiß ich allerdings leider nicht. Ich hätte fragen sollen...

Das Restaurant wird seit fast 30 Jahren vom Chefkoch Úlfar Eysteinsson und seiner Familie betrieben.

Mir war es erstmals in einer deutschen Fernsehsendung aufgefallen, als über das Lokal und das gute und typisch isländische Essen dort berichtete wurde, und als wir kurz danach eine Ferienwohnung zwei Straßen weiter hatten und am Þrír Frakkar vorbei kamen, habe ich es voller Freude wiedererkannt.


Als wir wie verabredet um 19 Uhr kamen, war der Gastraum noch recht leer, es wurde aber dann schnell voll. Später mussten auch Gäste vertröstet werden, weil es keine freien Plätze mehr gab, aber man versuchte wirklich, möglich zu machen, was irgend möglich war, und das Personal blieb auch im größten Trubel sehr nett und freundlich und engagiert. Insgesamt waren zwar viele Touristen, aber durchaus auch Einheimische dort.


Wir haben uns beim Essen von der sehr freundlichen, sehr fröhlichen Kellnerin beraten lassen, die im Prinzip zwar fast alles besonders lecker fand, uns aber schließlich zwei Fischgerichte empfahl.

Als Vorspeise gab es, wie sehr oft in Island, frisches Brot mit Butter.


Mein Mann entschied sich dann für "grillsteikt þorskflök á mildri sinnepssósu", also gegrilltes Dorschfilet in einer milden Senfsauce. Die Kellnerin empfahl uns das Gericht wegen der Senfsauce mit drei verschiedenen Senfarten (Weißer, Brauner und Schwarzer Senf). Und sie hatte recht - so eine gute Senfsauce haben wir wirklich noch nie gegessen, sie war absolut zum Reinlegen! Der Dorsch war auch sehr nett - aber die Sauce war wirklich genial.


Ich hatte mich für "pönnusteikt fersk skata með rjómalagaðri sítrónu dill sósu" entschieden, also in der Pfanne gebratenen frischen  Rochen in cremiger Zitronen-Dill-Sauce.

Normalerweise essen die Isländer ihren Rochen ja fermentiert zu Weihnachten als "kæst skata". Das ist fermentierter Gammelrochen mit ausgelassenem Knetfett, das man so lange raus hängt, bis es blaue Haare bekommt. Ein absolut intensives Geruchserlebnis, um es mal so zu formulieren.

Frischen Rochen habe ich wirklich das erste Mal im Þrír Frakkar auf der Speisekarte gesehen - und wollte ich dann unbedingt probieren. Und ich muss sagen - frisch schmeckt Rochen einfach unglaublich lecker. Die Sauce dazu war nett, aber vergleichsweise "harmlos", aber der Fisch war ein  echtes Gedicht und unbedingt empfehlenswert, finde ich.


Eigentlich waren wir ja schon nach dem Hauptgericht recht satt, aber die Dessertkarte lachte uns doch noch so an, dass wir uns eine Portion Skyr Brulée geteilt haben. Gerade mit den Fruchtsaucen dazu schmeckte es sehr lecker.


Anschließend waren wir aber wirklich auf sehr angenehme Weise sehr satt geworden.


Im Überblick:

Die Speisekarte ist wirklich "typisch isländisch", genau wie man es erwarten würde: Bei den Vorspeisen gibt es u.a. Hákarl, gegrilltes Walfleisch und geräucherte Papageitaucher. Bei den Hauptgerichten dominieren Fische und Meeresfrüchte (z.B. Saibling, Dorsch, Heilbutt oder Steinbeißer), es gibt aber auch Pferdefleisch, Alkenvögel, Walfleisch und Lamm.

Als wir dort waren, kostete eine Vorspeise im Schnitt etwa 2.350 ISK (knapp 19 €) und ein Hauptgericht im Schnitt etwa 5.100 ISK, umgerechnet etwa 40 € (Stand Juni 2018). Das Dessert kostete im Schnitt 1.380 ISK, also knapp 11 €.

Das Þrír Frakkar hat normalerweise unter der Woche mittags von 11:30 bis 14:20 Uhr geöffnet sowie abends von 18 bis 22 Uhr, am Wochenende hat das Restaurant nur abends von 18 bis 23 Uhr geöffnet.


* Rechtlicher Hinweis:

Es handelt sich hierbei formal gesehen um Werbung, da wir zum Essen eingeladen wurden. Wir waren aber nur in Restaurants und Lokalen, von denen wir vorher Gutes gehört hatten und die wir - aus den verschiedensten Gründen - spannend fanden. Insoweit waren wir auch ehrlich begeistert und wenn wir in Lobeshymnen ausbrechen, sind die wirklich ernst gemeint.



Dienstag, 26. Juni 2018

Schlemmerwochenende in Reykjavík

Kann Spuren von Werbung enthalten.*


Mitte Juni in Reykjavík


Eigentlich hatten wir ja ein ruhiges Wochenende in Reykjavík geplant. Nachdem meine andere Hälfte die letzten beiden Jahre im Juni zum Wandern in Island war und vorher den Nationalfeiertag, den 17. Juni, in der Stadt mitgefeiert hatte, wollte ich diesen Feiertag doch unbedingt auch mal selbst vor Ort erleben. (Zum Wandern durfte mein Mann anschließend wieder alleine.) Wir wollten also zusammen über das Wochenende hinfahren: Freitag Abend ankommen, Samstag ein bisschen vor Ort anschauen, es gibt auch in Reykjavík noch Ecken, die wir noch nicht kennen, außerdem ein bisschen schwimmen gehen und so - und Sonntag dann zu den offiziellen Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag.

Aber dann kam mein Mann auf die Idee - wenn wir nur zu zweit nach Island fahren, könnten wir doch eigentlich ein paar Restaurants und Lokale vor Ort anschreiben, ob sie uns nicht zum Essen einladen möchten, wenn wir dann im Blog darüber schreiben. Wir haben ja schon die Rubrik "Essen gehen in Island" auf dem Blog, also warum die nicht noch ein bisschen ausbauen und Material dafür sammeln..?


Wir haben uns verschiedene und ganz unterschiedliche Orte ausgesucht, die uns vorher aufgefallen waren, von denen wir gehört hatten, Essensbilder gesehen hatten oder die aus irgendeinem anderen Grund spannend klangen. Und viele haben auch geantwortet und uns wirklich eingeladen.

So konnten wir an diesem Wochenende sechs verschiedene Lokale testen, ganz unterschiedlicher Art, und viele verschiedene Leute kennen lernen, die wirklich das tun, was sie lieben, und das lieben, was sie tun. Und mein Mann konnte anschließend noch einmal schwimmen und Essen gehen und zum Abschluss am letzten Abend in Reykjavík auch noch einmal zum Essen ausgehen.


Wir hatten also ein absolut geniales Wochenende in Island. Und den Nationalfeiertag haben wir natürlich trotzdem gebührend mitgefeiert. Den Bericht dazu findet Ihr hier!


Und schwimmen waren wir auch noch - am Samstagmorgen standen wir direkt um 8 Uhr beim Öffnen beim Suðurbæjarlaug in Hafnarfjörður auf der Matte, zusammen mit vielen Einheimischen, die sich alle gegenseitig kannten und grüßten und schwatzten. Die Kassiererin war ganz überrascht, dass wir Eintrittskarten kaufen wollten, statt wie alle anderen ihr die Dauerkarte hinzuhalten. Und nach dem Schwimmen ging's dann mit Frühstück in Hafnarfjörður weiter.

Am Freitag waren wir abends noch sehr gut essen und sind hinterher sehr satt und sehr müde ins Bett gesunken.


Am Samstag waren wir nach dem morgendlichen Schwimmen erst einmal in Hafnarfjörður in einem Büchercafé frühstücken. 


Mittags waren wir dann in der Grandi Mathöll eingeladen, der neuen Food Hall am alten Hafen in Reykjavík in einer ehemaligen Fischfabrik. 


Und zum Abendessen waren wir in einem Restaurant, das auch ein aktives Kulturzentrum ist. 


Sonntag waren wir dann erst einmal mit dem Nationalfeiertag beschäftigt. Nachdem wir völlig durchgeregnet waren, hatten wir zum Glück unsere Einladung ins Café zu Kaffee und Kuchen.


Und das Abendessen war für mich dann noch mal ein besonderes Highlight, da der Betreiber des Restaurants ein isländischer Fernsehkoch ist, nach dessen Kochbuch ich auch schon oft und sehr gerne gekocht habe!


Am Montag war mein Mann dann alleine nachmittags Schwimmen in einem neueröffneten Schwimmbad an der wasserreichsten heißen Quelle Islands und anschließend in dem Restaurant essen, alles auf Einladung des Hauses.


Nach seiner Wanderung war mein Mann dann noch an seinem letzten Abend in Reykjavík zu einem 7-Gänge-Menü eingeladen. 


Die Berichte über die einzelnen Restaurants und Lokale folgen dann hier in den nächsten beiden Wochen, ich bin schon fleißig dran und schreibe! 


* Rechtlicher Hinweis: 

Es handelt sich hierbei formal gesehen um Werbung, da wir zum Essen eingeladen wurden. Wir waren aber nur in Restaurants und Lokalen, von denen wir vorher Gutes gehört hatten und die wir - aus den verschiedensten Gründen - spannend fanden. Insoweit waren wir auch ehrlich begeistert und wenn wir in Lobeshymnen ausbrechen, sind die wirklich ernst gemeint.


Montag, 25. Juni 2018

þjóðhátíðardagurinn

17. Juni - der isländische Nationalfeiertag


In den Wirren des 2. Weltkriegs nutzte Island die Gelegenheit und erklärte sich am 17. Juni 1944 für unabhängig, nachdem es vorher erst zu Norwegen und dann seit dem 14. Jahrhundert zu Dänemark gehört hatte. Wir hatten am 17. Juni 2018 die Gelegenheit, die Feierlichkeiten in Reykjavík mitzuerleben:

Unser Tag begann um kurz vor 10 Uhr als Zaungäste beim Gottesdienst im Dom.

Ankunft der Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir

Ankunft des Präsidenten Guðni Th. Jóhannesson

Nach dem Gottesdienst folgte dann um 11 Uhr der offizielle Staatsakt auf dem Austurvöllur, dem Platz vor dem Parlament und der Domkirche.


Einzug der Pfadfinder mit den isländischen Fahnen
Einzug der Leute in isländischer Tracht
Auch die Presse war vor Ort - alle 8

Einzug der Würdenträger und der ausländischen Botschafter in Island

Einzug Präsident und Ministerpräsidentin
bei der Kranzniederlegung
am Denkmal von Jón Sigurðsson


Nach der Rede der Ministerpräsidentin trug noch traditionell die "Fjallkonan", die "Bergfrau" (= die weibliche nationale Personifikation Islands) in entsprechender Tracht ein Gedicht vor.




Neben dem offiziellen Staatsakt gab es auch verschiedene politische Protestaktionen. So demonstrierten vor dem Amtssitz der Ministerpräsidentin eine Gruppe und forderten die Ratifizierung der neuen isländischen Verfassung, die bereits 2011 von einer überwältigenden Mehrheit der Isländer in einer Volksabstimmung befürwortet wurde. Dabei sollten unter dem Eindruck der Finanzkrise 2008 mehr Transparenz in der Verwaltung und der Regierung erreicht werden und die Politiker stärker kontrolliert. Die Regierung einigte sich jedoch mit der Opposition, die neue Verfassung nicht einzusetzen.


Jede Menge schöne Oldtimer am Tjörnin

Nach dem offiziellen Teil ging es mit einem lauten, bunten, fröhlichen Umzug aus der Innenstadt zum Hljómskálagarðurinn, dem Park hinter dem Tjörnin.




In dem Park fand, wie jedes Jahr am 17. Juni, auch der Wettbewerb zum "stärksten Mann Islands" statt, lauter "Kraftmaschinen" (= "Kraftvélar") treten in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an.


Und wie jedes Jahr war auch Hafþor Júlíus Björnsson wieder dabei, der aktuelle "World's Strongest Man" und als Schauspieler in "Game of Thrones" weltbekannt geworden ("Der Berg"). Er gewann den Wettbewerb zum Stärksten Mann Islands übrigens auch 2018 wieder (wie jedes Jahr seit seiner zweiten Teilnahme 2011).


Hinterher waren wir noch an der Bühne - hier spielte die Musik.

Auftritt der beliebten isländischen Rockband Stuðmenn - 
die Leute sangen die Texte begeistert mit

Der isländische Journalist und Umweltaktivist Ómar Ragnarsson
trat dabei auch für die Einführung der neuen Verfassung ein

Auf den Auftritt der Pop-Bank Heimilistónar hatte ich mich besonders gefreut - 
die Band war 2018 mit ihrem Lied "kúst og fæjo" (= "Besen und Feudel") 
beim nationalen Vorentscheid zum ESC angetreten


Ab und zu dröhnten über die Festwiese die Flugzeuge der "Flugfélag Íslands" auf dem Anflug zum nationalen Flughafen in Reykjavík - unten an der Maschine stand tatsächlich zu Ehren der laufenden Fußball-WM mit der ersten Teilnahme Islands groß und deutlich "HÚH". Wie knuffig!

Wir waren dann aber so komplett durchgeregnet, dass wir von der Festwiese geflüchtet sind ins Café.

Nass, aber glücklich nach diesem Tag