Mittwoch, 6. Mai 2026

Gróðurhúsið - Mathöllin í Hveragerði

Das Gewächshaus - die Food Hall in Hveragerði 


Hveragerði ist eine kleine Stadt im westlichen Teil der Region Árnessýsla. Hier kommt man an, wenn man von der Hauptstadt Reykjavík über die Passstraße Hellisheiði auf der Ringstraße nach Osten fährt.

Die Gegend ist bekannt für heiße Quellen und Hochtemperaturgebiete

In der Beschreibung der Region, die der Verwaltungsbeamte und Landwirt Hálfdan Jónsson (1659 - 1707) im Jahr 1703 für den Gelehrten und Handschriftensammler Árni Magnússon (1663 - 1730) verfasst, finden sich Anhaltspunkte, dass die heißen Quellen bereits damals zum Baden, Kochen und Wäschewaschen genutzt wurden. 

Bereits 1912 wurde hier am Fluss unterhalb des kleinen Wasserfalls eine Wollfabrik gegründet, deren Fundamente man heute noch beim Besuch vom Park von Hveragerði sehen kann (Abriss der Fabrik 1915). Später wurde die Mjólkurbú Ölfusinga, die Molkerei der Menschen aus Ölfus, gegründet (Insolvenz 1938). Um das Jahr 1930 entstand dann hier ein erster kleiner Ort. Nach 10 Jahren lebten hier immerhin schon rund 140 Menschen. Seit 1987 ist Hveragerði eine Stadt (bær), damals mit etwa 1.500 Einwohnern. Heute leben hier knapp 3.400 Einwohnern

Der Ort ist auch bekannt für seine Gewächshäuser, die mit Erdwärme beheizt werden. Hier werden Obst und Gemüse, u.a. auch Bananen, und Blumen angebaut. Die Stadt wird daher auch "die Blumenstadt" ("blómabærinn") genannt und im August werden hier jedes Jahr die "blómstrandi dagar" veranstaltet, die "blühenden Tage" - ein Volks- und Familienfest.  

Passend zur Blumen- und Gewächshausstadt ist die Food Hall von Hveragerði als "gróðurhús" gestaltet, als Gewächshaus. Von außen macht das Gebäude nicht unbedingt viel Eindruck, ...

Rückseite des Gebäudes im April 2026 
(bei starkem Schneetreiben)

.. aber das Innendesign des Hauses hat der isländische Bühnenbildner und Innenarchitekt Hálfdan Pedersen gestaltet. Es ist wirklich sehr schön, elegant und sehr gemütlich geworden!


Im Dezember 2021 wurde das Gróðurhús eröffnet

Das Gebäude wird dabei zu mehreren Zwecken genutzt - in den oberen Stockwerken gibt es ein Hotel, die Rezeption befindet sich unten in der Halle. Außerdem gibt es in dieser Gebäudehälfte noch Shops, ein Café und eine Eisdiele (die allerdings geschlossen war, als wir jetzt im Schneesturm im April dort waren). In der anderen Gebäudehälfte unten finden sich die Food Hall, die Bar und der Lounge-Bereich. Mit dem Konzept sollen sowohl Isländer als auch ausländische Touristen angesprochen werden.


Wir waren im April 2026 hier - eigentlich wollten wir im Ort etwas spazieren gehen, aber es schneite so stark, dass wir uns in das Gróðurhús geflüchtet haben. Ich wollte mir die Food Hall sowieso unbedingt einmal anschauen!


Wir sind hier erst einmal in Richtung der Hotel-Rezeption, des Cafés und der Shops gelaufen. 

Im "Farmers Market" von "Me & Mu" werden unter dem Motto "beint úr héraði" (= "direkt aus der Region") Gourmetprodukte von Bauern und Spitzenköchen aus Island und dem Ausland angeboten, insbesondere von kleineren Erzeugern und Unternehmen. Hier gibt es aber auch Hautpflegeprodukte, Seifen, Servietten etc. 


Den geräucherten Hering in Öl fand ich ja sehr charmant und sehr süß verpackt, aber 2.290 ISK (knapp 16 €) fand ich für 120 g relativ viel - zumal ich persönlich doch gar keinen Räucherhering mag!


In die verschiedenen Sorten Lakritz-Kugeln habe ich mich sofort verliebt, es gab wahlweise Blaubeeren mit weißer Schokolade oder Salz-Karamell. Leider waren sie mit rund 30 € pro Dose auch doppelt so teuer wie die Kugeln von "Lakrids by Bülow", deshalb habe ich es mir dann schweren Herzens doch verkniffen, welche zu kaufen - schließlich habe ich ja auch noch leckere Lakritz-Schoko-Kugeln zu Hause.


Im Vordergrund sieht man hier die Bekleidung vom isländischen Outdoor-Ausstatter 66°North, im Hintergrund eine Auswahl vom Herrenausstatter Kormákur & Skjöldur


Das hier ist der Bereich von epal, einem bekannten isländischen Design-Geschäft (gegründet 1975). Hier werden insbesondere Produkte isländischer Designer und aus den anderen nordischen Ländern angeboten. 


Über diese Tassen hier habe ich mich persönlich ganz besonders gefreut. 

In die Tassen habe ich mich verliebt, seit ich sie zum ersten Mal im Schaufenster der Galerie von Inga Elín auf der Skólavörðustígur gesehen habe. Leider fand mein Mann (ja, ich weiß, er hat da nicht ganz Unrecht!), ich hätte schon genug Tassen im Schrank. Aber mein Herz hing nun einmal so an diesen schönen Tassen..! 

Im Januar 2024 habe ich mir dann, nachdem ich die erste Abrechnung über mein Autoren-Honorar für die Sonderausgabe von "Zauber des Nordens" bekommen hatte, endlich meinen Traum erfüllt und mir von einem Teil des Honorars für umgerechnet rund 40 € eine von diesen wunderschönen Tassen gekauft. Hach - schön!

Foto von 2024

Nach dem Epal-Shop kamen wir dann bei unserem Rundgang von den Geschäften zum Bereich der Food Hall auf der anderen Seite des Gebäudes. 

Hier gibt es verschiedene gastronomische Angebote, von Wok-Gerichten über Burger, Fish & Chips, Steak oder Fischsuppe bis zu Nachos und Tacos und kleinen Gerichten wie Pommes oder gebratenem Gemüse. Geöffnet sind die Restaurants derzeit in der Regel von 11.30 Uhr bis 21 Uhr (Stand: April 2026). 

Die Gäste sitzen hier gemütlich an kleinen Tischen oder langen Bänken, essen, trinken, unterhalten sich und genießen das Leben. 


Z.B. im Taco Vagninn werden frische Tacos und Nachos mit mexikanischem Flair angeboten. Hier gibt es u.a. für gut 8 € hausgemachte Nachos-Chops mit spezieller Mayonnaise, Frühlingszwiebeln, Koriander, Chili und Nüssen, die Tacos kosten (je nach Portionsgröße) zwischen rund 15 € und 27 €, die Portion Pommes mit Mayo, Frühlingszwiebeln, Koriander, Chili, Nüssen, Speck und Parmesan liegt bei knapp 14 €. Sieht wirklich alles sehr lecker aus - und der Food Truck ist definitiv richtig cool gestaltet!  


Im "Hipstur" stehen frische Speisen mit Fisch, Fleisch und Gemüse im Vordergrund - sowohl Gerichte, die fest auf der Speisekarte stehen, als auch wechselnde saisonale Gerichte. Z.B. kostet der "Fisch des Monats" aktuell rund 29 €, eine Portion Fish & Chips kostet rund 27 €, das Rippensteak mit Pommes liegt bei gut 45 € und die Fischsuppe kostet als Vorspeise rund 19 € oder als Hauptgericht rund 22 €.


Im "YUZU" gibt es saftige Burger mit Sauce und Pommes für Preise zwischen 21 und 24 €, dazu noch kleine Gerichte wie Nuggets, frittierte Hähnchenteile, Pommes, Süßkartoffel-Pommes oder eine Schale Kimchi für rund 7 bis 14 €.

Seit kurzem gibt es in der Food Hall auch das "WokWok", hier bekommt man Wok-Bowls mit Fleisch und Fisch für rund 23 €, außerdem Wok-Gerichte für rund 25 € sowie Gemüsegerichte für rund 13 €.

Natürlich gibt es für die Gäste der Food Hall auch kostenlos Leitungswasser zum Trinken, wie in isländischen Restaurants üblich.


Das hier ist dann der Lounge-Bereich hinter der Bar. Es sieht richtig gemütlich aus, mit den weichen alten Sofas, den Sesseln, den niedrigen Tischen und den vielen Sofakissen! 



Definitiv ein richtig gemütlicher Ort - nicht nur dann, wenn es draußen mal wieder stürmt und schneit!


Sonntag, 3. Mai 2026

Island-Forums-Treffen in Otzenhausen 2026

Achtsam reisen - Island 


Unter dem Motto "Achtsam reisen - Island: Natur verstehen, bewahren und gemeinsam erleben!" gab es auch dieses Jahr wieder Gelegenheit, mit anderen Island-Freunden gemeinsam in die Welt Islands einzutauchen - egal, ob man seine erste Islands-Reise plant oder schon ein erfahrener Island-Reisender ist.

Das Treffen einer Facebook-Gruppe zum Thema "Reisen in Island" fand dieses Jahr am 2. Mai 2026 im Keltenpark Otzenhausen statt, im Saarland kurz hinter der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Eine der Administratorinnen der Gruppe ist dort engagiert und so konnten wir für das Treffen den großen Tagungsraum dort nutzen, während das Café Keltenpark die Verpflegung übernahm. 


Dieses Jahr war das Programm von 11 Uhr bis 20.30 Uhr angesetzt, mit gemeinsamen Mittagessen (leckeres Büfett mit Salat, Schnitzel und Beilagen, alternativ gab es auch ein rein pflanzliches Gericht), Kaffeepause, ein kleines Abendessen und anschließend noch ein Pub-Quiz mit Fragen rund um Island. 

Es gab vier Vorträge rund um das Thema Island

Eigentlich waren mehr Vorträge geplant, aber eine Vortragende konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein, ein Vortrag scheiterte kurzfristig an technischen Problemen und eine Live-Schalte vom Nationalpark-Tor Keltenpark zum Nationalpark Þingvellir in Island musste wegen des isländischen Wetters leider ausfallen (nach Starkregen und starker Schneeschmelze standen weite Teile von Þingvellir unter Wasser). 

So ging es dann zum Thema "Bewusst reisen" um das Reisen mit dem Bus rund um Island, was vor 40 Jahren noch problemlos möglich war (schöner Vortrag mit schönen historischen Bildern!). Heute geht das leider nicht mehr geht, weil ein Stück der Ringstraße im Osten nicht mehr von öffentlichen Bussen bedient wird.  

So kann man mit Strætó-Bussen bis nach Höfn reisen, lokale Linien verbinden dann noch Höfn und Djúpivogur, und von der anderen Richtung kann man von Akureyri bis nach Egilsstaðir fahren und von dort kommt man noch bis Reyðárfjörður und Eskifjörður - aber es gibt keine reguläre Linienverbindung, die von Djúpivogur weiter nach Norden oder von Reyðarfjörður weiter nach Süden führt.


Busse auf Island 

Es gab viele praktische Tipps für eine Standortreise im isländischen Winter ...

Touristen am Geysir
(Januar 2026)

.... und einen Vortrag über die Pisten im südlichen Hochland.

Impression von der Straße nach Þakgil (214) -
KEINE Hochlandpiste

Mein Mann Markus hielt seinen Vortrag über "Weihnachten aus Island". 


Dabei führte er mit seinem Vortrag chronologisch durch die isländische Weihnachtszeit, von den ersten Anfängen Ende Oktober, wenn der Radiosender Léttbylgjan ausschließlich Weihnachtslieder spielt, von den Weihnachtsbäumen auf Island (von selbstgebastelten Weihnachtsbäumen aus dem 19. Jahrhundert bis zum Oslo-Baum auf dem Austurvöllur vor dem Parlament), von den 13 isländischen Weihnachtsgesellen und der gefährlichen Weihnachtskatze, von Weihnachtslichtern auf den Friedhöfen und kulinarischen Traditionen bis zum Glockengeläut an Heiligabend, dem Silvesterabend und schließlich Þréttandi, dem 6. Januar, wenn auf Island ganz offiziell die Weihnachtszeit endet. 


Anschließend gab es noch belegte Brötchen zum Abendessen und zum Abschluss gab es noch das Pub-Quiz mit Fragen rund um Island. Es gab sogar etwas zu gewinnen!


Insgesamt wieder ein sehr schöner Tag mit vielen Impressionen und Eindrücken und vielen Island-begeisterten Menschen - wir haben es genossen!



Mittwoch, 29. April 2026

Cheddar ostasalat

Cheddar-Käse-Salat


Falls Ihr noch ein Rezept für einen sehr schnellen, ganz einfachen Dip sucht, z.B. für ein Picknick oder netten Besuch am Feiertag oder am Wochenende, kann ich Euch diesen Cheddar-Käse-Salat hier empfehlen - völlig unkompliziert und schnell zuzubereiten und bei meiner Familie kam er richtig gut an, sogar mein Jüngster war begeistert, obwohl er Chili eigentlich gar nicht mag. 

Einfach mit ein paar Salzkeksen, Crackern o.ä. auf den Tisch stellen, als Appetithappen oder einfach so zwischendurch, während man sitzt und quatscht und sich wohlfühlt - perfekt!


Zutaten

250 g geriebener Cheddar-Käse
3 EL Mayonnaise
4 EL Frischkäse
1 - 2 EL gefrorene Chili-Stückchen
2 rote Paprika
1 Prise frisch gemahlenen Pfeffer


Zubereitung

In einer großen Schüssel die Mayonnaise mit dem Frischkäse und den tiefgefrorenen Chili-Stückchen verrühren (alternativ kann man auch gut Chili-Gewürz verwenden).


Den Cheddar-Käse in die Schüssel reiben.


Die Paprika waschen, putzen und in Stücke schneiden und ebenfalls in  die Schüssel reiben.


Alles gründlich verrühren, nach Geschmack noch mit frischem Pfeffer würzen.


Den Käse-Salat dann mit Crackern o.ä. servieren.


Guten Appetit!




Sonntag, 26. April 2026

Perubaka með lakkrís

Birnen-Crumble mit Lakritz


Ja, ich weiß, Lakritz ist Geschmackssache. Nicht jeder mag Lakritz (lakkrís). Manche mögen es sogar ausgesprochen gar nicht. 

Ich mochte Lakritz früher auch nicht. Dann habe ich die isländische Lakritz-Schokolade Þristur probiert, ein Schoko-Riegel mit einer Füllung aus weichem Karamell und kleinen Lakritz-Stücken. Ich liebe es! 

Seitdem habe ich mich weiter vorgearbeitet in die Geschmackswelt von Lakritz - von Lakritz-Schokolade in Kuchen, Creme, Waffeln und Muffins über Lakritz-Pulver in leckeren Lakritz-Sörur bis zu Lakritz-Sirup im Eiskaffee. 

Für dieses Rezept hier braucht man ein bisschen Lakritz-Pulver, das mit den Birnen-Stücken vermischt wird und dann mit Streuseln bestreut und gebacken. Dazu gibt es Sahne oder Vanilleeis - oder wie bei uns hier Vanillesauce.  


Zutaten

4 Birnen
2 - 3 TL Lakritz-Pulver
80 g Mehl
130 g Zucker
100 g kalte Butter 


Zubereitung

Den Backofen auf 180° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

Die Birnen waschen, schälen und putzen und in Stücke schneiden. 


Die Birnenstücke mit dem Lakritz-Pulver vermischen und in eine feuerfeste Form geben.



In einer Schüssel das Mehl, den Zucker und die kalte Butter zu dicken Streuseln verkneten.


Die Streusel über den Birnen verteilen.


Im vorgeheizten Backofen dann bei 180° Ober-Unter-Hitze ca. 35 Minuten backen, bis die Streusel schön goldbraun geworden sind.


Den noch warmen Crumble dann mit Schlagsahne, Vanilleeis o.ä. servieren.


Bei uns gab es Schlagsahne mit Vanillesauce dazu! 



Montag, 20. April 2026

Úthlíðarkirkja í Biskupstungum

Die Kirche von Úthlíð in Biskupstungur


Manchmal sind es gar nicht die großen, berühmten Stätten, die einen berühren, sondern die kleinen, unbekannten Orte, die einen besonderen Charme haben - und die eine besondere Geschichte zu erzählen haben.

Auf dem Weg von Laugarvatn zum Geysir, kurz hinter dem Brúarfoss, auf der Straße 37 (Laugarvatnsvegur) sieht man, ca. 400 m von der Straße entfernt, eine kleine, sehr eigenwillige Kirche - eine blaue Kirche mit einem spitzen, weißen Dach und einem gläsernen Kirchturm, neben einem kleinen alten Kirchhof, zwischen Feldern und Bauernhof.

Ich weiß nicht, wie oft wir dort mit dem Auto vorbeigefahren sind und uns, wenn der Blick darauf fiel, aus der Entfernung über diese eigenwillige Kirche gewundert haben. 

Mehr aber auch nicht, ehrlich gesagt.


Als wir das letzte Mal dort vorbei gefahren sind, waren mein Mann und ich nur zu zweit, wir hatten Zeit und so haben wir spontan gewendet und sind hingefahren, um uns die Kirche einfach mal aus der Nähe anzuschauen. 


Es ist kein Ort für Touristen-Massen, sondern für die Menschen vor Ort. Es gibt nur einen kleinen, geschotterten Parkplatz und nicht viel Platz für Besucher. Aber es ist ein Ort, der eine Geschichte zu erzählen hat - oder eigentlich sogar mindestens zwei Geschichten


Die Geschichte von Úthlíð

Die Geschichte vom Kirchhof Úthlíð beginnt bereits zur Landnahmezeit, wahrscheinlich irgendwann zwischen 920 und 940. Der erste Siedler von Úthlíð soll Ásgeir Úlfsson mit seiner Familie gewesen sein, ein Schwiegersohn von Ketilbjörn Ketilsson, bekannt als Ketilbjörn gamli (Ketilbjörn der Alte), dessen Schwiegervater wiederum zu den ersten Siedlern gehörte, die mit Ingólfur Arnarson nach Island kamen.

Hier mal ein kurzer Überblick zur Geschichte der Familie:
 
Laut dem Landnahmebuch kam der Norweger Þórður Hrappsson nach Island (wahrscheinlich kurz nach 874, wohl auf Anraten von Ingólfur Arnarson). Er ließ sich mit seiner angelsächsischen Frau Vilborg Ósvaldsdóttir aus Northumbria zunächst im Nordosten Islands nieder, später zog die Familie in das Gebiet der heutigen Gemeinde Mosfellsbær. Ihre Tochter Helga Þórðardóttir wurde um 880 hier geboren. 

Gut 10 Jahre später, um 890, kam dann auch Ketilbjörn Ketilsson (geb. um 870) nach Island. Er stammte aus einer norwegischen Adelsfamilie. Im Landnahmebuch wird berichtet, dass er mit seinem Schiff Elliði nach Island kam und in der Mündung eines Flusses landete, der seither Elliðaár genannt wird. Um 892 heiratete er Helga Þórðardóttir. Den ersten Winter verbrachten sie bei den Schwiegereltern, im nächsten Jahr erkundete Ketilbjörn mit seinen Gefährten die Umgebung. Es heißt, dabei habe er in einem Fluss seine Axt verloren, der daraufhin Öxará ("Axt-Fluss") genannt wurde. 

Mosfell (Foto von 2022)
Ketilbjörn ließ sich schließlich mit seiner Familie beim Berg Mosfell in Grímsnes nieder. Ihre Tochter Þorgerður Ketilbjarnardóttir wurde um 905 hier geboren. Es wird berichtet, dass Ketilbjörn und Helga sehr wohlhabend waren und viele Kinder hatten. Es heißt, Ketilbjörn lebte so lange, dass er deswegen als "Ketilbjörn gamli", Ketilbjörn der Alte, bekannt war.

Einer ihrer Söhne, Teitur Ketilbjörnsson, errichtete wohl den ersten Hof in Skálholt und war hier Gode. Aber auch für die Schwiegersöhne wurde gesorgt. So erhielt Þorgerðurs Mann Ásgeir Úlfsson das Land rund um Hlíð ytri (heute: Úthlíð). Man sagt, sein Grabhügel oder der seines Sohnes solle noch heute in der Nähe des Hofes Úthlíð zu erkennen sein. Sein Sohn Geir soll der erste Menschen gewesen sein, der auf Úthlíð geboren wurde. 

Nach der Christianisierung Islands im Jahr 1000 habe der damalige Gode von Úthlíð den alten Kultplatz abreißen und eine Kirche errichten lassen. Seit der Christianisierung Islands war Úthlíð ein Kirchenstandort. Bis zur Reformation Island um ca. 1540 war die Kirche von Úthlíð der Heiligen Maria gewidmet. Betreut wurde die Gemeinde vom Pfarrer in Laugardalur, Torfastaðir bzw. Skálholt. 

Allerdings fiel die Kirche von Úthlíð wohl 1936 starken Winden zum Opfer. Die Gottesdienste fanden seitdem meist im Wohnzimmer des Hofes Úthlíð statt (wohl bis 1963). 


Björn Sigurðsson
Quelle: sunnlenska.is
Neubau der Kirche von 2006

Der Bauer Björn Sigurðsson (1935 - 2023) stammte vom Hof Úthlíð. Er wuchs hier auf und übernahm den Hof von seinen Eltern. Er heiratete 1961 und betrieb hier mit seiner Frau Ágústa Margrét Ólafsdóttir (1937 - 2004) zunächst traditionelle Landwirtschaft mit Kühen und Schafen. Seit 1978 setzte er dann zunehmend auf die Entwicklung des Tourismus. Um 1980 begann er mit dem Bau von Ferienhäusern auf seinem Grundstück. 

Als 1991 von "isländischen Tourismusbauern" die Organisation "Ferðaþjónusta bænda hf" gegründet wurde, dem Vorläufer von "Hey Iceland", gehörte Björn dem Vorstand an und war auch einige Jahre Vorsitzender. 

Heute gibt es in Úthlíð zahlreiche Angebote für Besucher: Es gibt 15 Ferienhäuser, einen Campingplatz, ein Restaurant mit einem kleinen Verkaufsladen, man kann Pferde ausleihen oder auf dem hauseigenen Platz Golf spielen. 

Für sein soziales Engagement und die Entwicklung des Tourismus wurde Björn Sigurðsson am 17. Juni 2016 mit dem Ritterkreuz des Isländischen Falkenordens (Hin íslenska fálkaorða) ausgezeichnet. 
Ágústa Ólafsdóttir
Quelle: timarit.is 

Mit seiner Frau Ágústa Ólafsdóttir (geb. 1937) hatte Björn vier Kinder, 12 Enkelkinder und zahlreiche Urenkel. 

Seine Frau übernahm ab 1991 das Tagesgeschäft ihres Tourismus-Betriebs, engagierte sich in der kommunalen und der kirchlichen Gemeindearbeit, war Vorsitzende des Frauenvereins von Biskupstungur und sang über 25 Jahre im Kirchenchor von Skálholt. Ágústa starb im September 2004

Als junger Mann begeisterte sich Björn Sigurðsson wohl für Fortschritt und Technik, aber je älter er wurde, desto mehr interessierte er sich auch für die Geschichte von Úthlíð und der Umgebung. 

Zum Gedenken an seine Frau Ágústa beschloss Björn, auf eigene Kosten eine neue Kirche in Úthlíð errichten zu lassen. 

Sein Bruder Gísli Sigurðsson (1930 - 2010), der Journalist und Kunstmaler war, entwarf die Kirche gemeinsam mit dem Architekten Jón Ólafur Ólafsson. Der Bau wurde 2005 bis 2006 errichtet und schließlich am 9. Juli 2006 geweiht


Das Altarbild der Kirche wurde von Gísli Sigurðsson selbst gemalt - es zeigt Maria mit dem Jesus-Kind auf dem Schoß. Das Motiv wurde gewählt, da die alte Kirche von Úthlíð in katholischer Zeit eine Marienkirche war. 


Ein Porträt von Ágústa Ólafsdóttir, der Ehefrau von Björn Sigurðsson, befindet sich an der Seitenwand der Kirche. Da die Kirche bei unserem Besuch geschlossen war und wir nur durch die Tür gucken konnten, habe ich davon leider kein Foto. Das Porträt wurde von dem katalanisch-isländischen Maler Baltasar Samper (1938 - 2026) gemalt (übrigens der Vater des Regisseurs und Schauspielers Baltasar Kormákur Baltasarsson). (Die Welt ist klein, und in Island ganz besonders.)

In der Kirche gibt es eine elektrische Orgel.

Die Kirchenglocken sind alt und stammen noch aus dem Jahr 1742, das steht zumindest auf der Homepage der Kirche von Island


Der alte Kirchhof befindet sich noch neben der neuen Kirche. 




Interessant fand ich auch diese Statue neben der Kirche, ein weißer Engel mit Flügel. Haube und Schwert, auch wenn das Schwert schon leichte Rostspuren (?) zeigt.


Leider habe ich zu der Statue keinerlei Information gefunden, weder vor Ort noch hinterher online. Also falls jemand etwas zu dem Engel weiß, wäre ich für eine entsprechende Mitteilung wirklich dankbar!