Montag, 15. Juni 2026

Rotþrær

Klärgruben


Hier mal wieder etwas aus der Kategorie "Mehr Realität im Island-Traum" - wisst Ihr, was Ihr hier auf dem Bild seht..? 

Oder wisst Ihr, was "rotþró" (im Plural: "rótþrær") auf Deutsch heißt..?

Das Foto hier ist von Anfang Juni 2026 und zeigt einen Tanklastwagen, der bei uns vor unserem Island-Haus steht und mit einem Schlauch abpumpt. Und, was wird da wohl abgepumpt..?

Toiletten auf Island 

Die Toilette heißt auf Isländisch "klósettið" oder auch "salernið", früher sprach man auch vom "náðhús" (wörtlich übersetzt das "Gnadenhaus"). 

Das Wort "klósett" ist wohl ein Lehnwort aus dem Dänischen ("kloset") und kommt ursprünglich aus dem Englischen ("water closet"). Woher das Wort "salerni" kommt, ist offenbar umstritten, vielfach wird es auf das Wort "salur" (= Haus, großer Raum) und das altnordische Suffix "-erni" (das sich vielleicht mit "-schaft" oder "-heit" übersetzen lässt) zurückgeführt, also wäre das "salerni" möglicherweise die "Räumlichkeit" - die eben für einen speziellen Zweck bestimmt ist. 

Selbst auf Island haben nicht alle Toiletten eine so herrliche Aussicht wie hier auf dem Foto von den Westfjorden, sondern sind eher in kleinen, dunklen Räumen untergebracht.  


Und vor allem ist nicht jede Toilette auf Island an die Kanalisation angeschlossen - hier kommt dann wieder das Wort "rotþró" ins Spiel. Im Wörterbuch wird "rotþró" mit "Sickergrube" oder eigentlich eher mit "Fäkalientank" übersetzt. 

Das hier ist ein Bild der Umhverfisstofnun, der isländischen Umwelt- und Naturschutzbehörde, auf der man sehr schön den Aufbau einer Klärgrube erkennen kann:

Quelle: www.ust.is

Eine Klärgrube besteht hier aus einem Tank (oft auch aus drei Tanks). Von der einen Seite fließt der Inhalt der Toilette in den Tank (inntak frá húsi), dann setzen sich die "Feststoffe" unten im Tank ab (botnlag), man spricht hier von seyra (= Klärschlamm). Fett und andere leichte Stoffe bilden eine Schicht oben, die auf dem Abwasser schwimmt (flotlag), während das Abwasser (skólpvatn) abfließt (durch den "útrás"). 

Oben auf dem Bild seht Ihr auch das Belüftungsrohr, durch das die bei der Zersetzung entstehenden Gase (wie Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstofft) aufsteigen und entweichen. 

In kalten Klimazonen, wie in Island, braucht der Zersetzungsprozess mehr Zeit, die organischen Materialien zerfallen langsamer und die Schlammansammlung ist deshalb größer. Daher sind auf Island Dreikammer-Klärgruben notwendig. Die schwersten Partikel fallen auf den Boden der ersten Kamer, die feineren und leichteren Partikel setzten sich dann in der zweiten und dritten Kammer ab und aus der dritten Kammer fließt dann das weitgehend geklärte Wasser ab.

Eine Klärgrube darf nicht zu oft geleert werden, weil die organischen Stoffe am Boden der Klärgrube von Mikroorganismen unter anaeroben Bedingungen zersetzt und abgebaut werden und das benötigt eine gewisse Zeit. Im Schnitt dauert es wohl drei bis fünf Jahre, bis die Abfallstoffe in einer Klärgrube vollständig zersetzt sind. 

Der Klärschlamm muss dann in regelmäßigen Abständen von einem Fachbetrieb abgesaugt werden. 

Wie groß ist so ein Tank?

Die Größe eines solchen "Fäkalientanks" richtet sich nach der Größe und der Nutzung des Hauses, bei Häusern, die dauerhaft bewohnt werden, sollte der Tank lt. der isländischen Umweltbehörde ein Fassungsvermögen von mindestens 3.000 Litern haben - dabei geht die Behörde bei ihren Berechnungen von 5 Personen aus, die dort ganzjährig leben und eine Waschmaschine nutzen. In Häusern, die nicht ganzjährig bewohnt werden, beträgt die Mindestgröße für den Tank demnach 2.200 Liter

Dieses Foto hier habe ich bei unserer ersten Hausbesichtigung im Februar 2020 aufgenommen, unter diesen drei grünen Rohren befindet sich unsere Klärgrube. Unser Haus ist nämlich nicht an ein Abwassersystem angeschlossen, wie viele Häuser in Island, insbesondere auf dem Land. 



Entsorgung des Klärschlamms

Für das Abpumpen und Entleeren des Klärschlamms ist bei uns die Gemeinde zuständig. Für die reguläre Leerung muss man auch nicht extra zahlen, das ist in der Gebühr bei der Grundsteuer inklusive. 


Allerdings gibt es bei uns Ärger - unsere Gemeinde hat bisher alle 3 Jahre die Klärgruben geleert, seit einer Satzungsänderung werden die Gruben jetzt aber nur noch alle 5 Jahre geleert. 

Das gefällt den Anwohnern natürlich nicht. Zumal die Grundsteuer, d.h. die Zahlung an die Gemeinde, jedes Jahr steigt (in Abhängigkeit zu den Verkehrswerten und den Immobilienpreisen). In den 6 Jahren, die wir unser Haus jetzt haben, hat sich der Verkehrswert unseres Hauses durch die Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt bereits verdoppelt! Entsprechend müssen wir auch deutlich mehr an die Gemeinde zahlen. Aber trotz höherer Zahlung wird die Leistung reduziert... das sorgt eben doch immer wieder für Unmut. 

Wenn die Grube voll ist...

Wenn eine Klärgrube voll ist, macht sich das wohl meist durch Rückstau, schlechte Gerüche und schlecht ablaufendes Wasser im Haus bemerkbar, dann muss die Grube umgehend durch einen Fachbetrieb geleert werden.

Es soll übrigens ein typisches erstes Warnsignal sein, dass die Grube voll ist (oder ggf. einen Riss oder eine Beschädigung hat), wenn das Gras über der Klärgrube plötzlich besonders grün und kräftig wird... 

Hoffen wir mal, dass wir diese Erfahrung bitte nicht machen müssen! 



 

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