Samstag, 31. August 2019

Coke - Sjálfsali

Irgendwo im Nirgendwo


Wenn man von Egilsstaðir über die Straße 94 nach Norden fährt, kommt man, irgendwo im Nirgendwo auf halbem Weg ans Ende der Welt, an dieser teilweise nicht asphaltierten Straße, an einem kleinen grünen Kasten vorbei - das ist der Coke-Sjálfsali, der Cola-Automaten von Kristinn G. Kristmundsson.

Kristinn, den alle nur Kiddi nennen, ist auf seine Art eigentlich ein typischer Isländer - er ist gelernter Zimmermann, aber er hat u.a. schon als DJ gearbeitet, eine Videothek in seinem Elternhaus betrieben, er fertigt Särge und näht die Kissen und Decken für die Verstorbenen, außerdem putzt er im Altersheim in Egilsstaðir.

Und irgendwann hatte er die Idee, an der Straße von Egilsstaðir nach Bakkagerði am Borgarfjörður eystri einen Selbstbedienungs-Automaten aufzustellen. Das Land gehört sowieso Kiddis Bruder. (Wenn man weiß, dass der Borgarfjörður eystri eine der abgelegensten Ecken Islands ist, und in Bakkagerði gerade mal knapp 80 Leute wohnen, fragt man sich schon, wie viel Kundschaft hier wohl so vorbei kommt - abgesehen von den in- und ausländischen Touristen im Sommer.)

Irgendwo im Nirgendwo an der 94

Den Selbstbedienungs-Automaten betreibt Kiddi hier autark - es gibt ein Solarpaneel für gutes Wetter und eine kleine Windmaschine, damit kann er seine Batterie aufladen, die dann wieder auf Knopfdruck seinen Verkaufsautomaten im Innern des kleinen grünen Häuschen antreibt. Neben dem Automaten gibt es übrigens noch eine kleine, einigermaßen windgeschützte knatschgelbe Sitzgruppe für die Gäste. Sogar mit Blumentopf.



Als wir im Juli 2019, auf dem Weg von Egilsstaðir zu unserer Ferienhütte für die nächsten drei Nächte, an dem Cola-Automaten vorbei kommen, ist gerade kräftig Betrieb. Und sogar Kiddi selber ist da, wir erkennen ihn sofort nach einer Island-Sendung, die wir vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen haben (bei Arte, kann das sein? Ich bin mir nicht sicher.). Er freut sich, wenn man ihn aus ausländischen Medien "kennt", und nimmt seine Gäste alle begeistert in Empfang. Er erzählt uns, dass er bei gutem Wetter eigentlich immer hier vorbei kommt, bei gutem Wetter kommen viele Gäste, dann macht er gute Umsätze, erzählt er. (Ich schätze, gutes Wetter heißt für Kiddi - kein Regen, kein Schneesturm und kein Hagel, denn an sich ist das Wetter bei unserem Besuch doch eher etwas triste, finde ich.)

Kiddi erklärt uns stolz den Gebrauch seines Automaten:


Erst muss man einen Schalter betätigen, um den Automaten wieder in Gang zu setzen. Dann sucht man sich aus, was man haben will, gibt die entsprechende Nummer ein und wirft das Geld in den Schlitz - und dann fällt die ausgewählte Ware auch schon ins Fach. 


Die Auswahl ist überschaubar, es gibt - natürlich - Cola, einige andere Getränke und Süßigkeiten. Mein Mann und ich suchen uns ein "Prins Póló" aus (nachdem wir am Vortrag noch den isländischen Sänger "Prins Póló" getroffen hatten). Unser 8-jähriger Sohn entscheidet sich für eine Capri-Sonne - die kennt er immerhin, da kann er sogar lesen, was drauf steht. Er freut sich.


Neben Getränken und Süßigkeiten kann man bei Kiddi auch noch Klebetattoos kaufen -  mit mächtigen Herzen und Blümchen für die Mädchen, erklärt uns Kiddi, und wilden Totenköpfen für die Jungen. Immerhin, ein Totenkopf-Klebetattoo möchte unser Sohn doch nicht haben! 


An der Wand neben der Eingangstür hängt alles voller Klebezettel mit fröhlichen Nachrichten, Kommentaren, Grüßen und teilweise auch Beschwerden, wenn der Automat doch mal nicht so richtig funktionierte. 


Zum Abschluss macht mein Mann noch ein Foto von Kiddi und mir, extra für meinen Blog. Es hat Spaß gemacht, sich mit Kiddi zu unterhalten, wir radebrechen fröhlich zwischen Englisch und Isländisch und seine Freude und Begeisterung sind einfach ansteckend. Unser Sohn findet, er hätte noch nie einen so fröhlichen Mann kennen gelernt. 


Ein bisschen surreal ist es ja schon, dieses kleine grüne Automaten-Häuschen irgendwo im Nirgendwo im einsamen Ostisland, und auch Kiddi ist eindeutig ein Original. Ich habe mich gefreut, die beiden kennen lernen zu können!







Freitag, 30. August 2019

Kanilsnúðar mínir

Alle meine Zimtschnecken


Zimtschnecken sind ja nun gewissermaßen der Inbegriff skandinavisches Backwerks, ob sie nun in Schweden Kanelbulle heißen oder Kanelbolle oder Skilingsbolle in Norwegen, Kanelsnegl in Dänemark, Kanilsnúður in Island oder (mehr anders) Korvapuusti in Finnland. Es ist überall ein leckeres Hefegebäck mit Zucker und ordentlich Zimt.

Trotzdem gibt es natürlich überall ganz viele verschiedene Zimtschnecken-Rezepte, alle ein bisschen unterschiedlich. Ich habe ja bei mir im Blog auch schon einige verschiedene isländische Zimtschnecken-Rezepte, z.B. Zimtschnecken mit Skyr, Zimtschnecken nach Großmutters Rezept oder die Laugardagssnúður aus den 60er Jahren mit ordentlich Zuckerguss.



Das hier ist mein ältestes und doch immer wieder bewährtes Zimtschnecken-Rezept:


Zutaten

850 g Dinkelmehl Typ 650
1 TL Salz
150 g brauner Zucker
1 Pkg.Trockenhefe
500 ml lauwarme Hafermilch
150 g geschmolzene Margarine

100 g brauner Zucker
4 TL Zimt
1 TL Kardamom


Zubereitung 

Die trockenen Zutaten in einer großen Schüssel mit einem Löffel gründlich verrühren.

Die lauwarme Milch und die geschmolzene Margarine hinzugeben und alles zu einem glatten Teig vermischen.

Mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und mind. eine halbe Stunde lang bei Zimmertemperatur gehen lassen.

Den Teig dann in drei Portionen aus der Schüssel nehmen, gut durchkneten, ggf. noch Mehl hinzufügen, wenn der Teig sonst zu klebrig ist.

Auf der Arbeitsfläche (auf einem Backpapier) quadratisch dünn ausrollen (ca. 0,5 cm dick).

Zucker, Zimt und Kardamom vermischen und den Teig damit bestreuen.

Den Teig dann von der breiten Seite her vorsichtig aufrollen und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.

Mit genügend Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen und im vorgeheizten Backofen bei 180° Ober-Unter-Hitze ca. 20 Minuten lang backen lassen, bis die Zimtschnecken schön goldbraun geworden sind.


Normalerweise bereite ich dieses Rezept immer mit Dinkelmehl (Typ 650) zu und bin mit den Ergebnissen regelmäßig sehr zufrieden. Jetzt habe ich probehalber mal eine Ladung Zimtschnecken mit ausgemahlenem Weizenmehl gebacken (die großen Schnecken unten) und im Vergleich dazu eine Ladung mit Hafer-Vollkornmehl (die kleinen Schnecken oben).


Die Hafer-Zimtschnecken sind bei mir weniger aufgegangen, sie schmecken (bei gleicher Zuckermenge) wesentlich weniger süß - und wirken mehr "öko-mäßig", wie mein Mann befand.

In der Familie gingen die Meinungen auseinander - meine Tochter und mein Schwiegersohn fanden die Hafer-Schnecken viel besser, mein Mann und die Söhne waren mit den größeren, fluffigeren Weizen-Schnecken glücklicher. Ich bin unsicher, tendiere aber mittlerweile auch eher zu den Hafer-Schnecken.

Aber eigentlich - Hauptsache Zimtschnecken!






Donnerstag, 29. August 2019

Steikt svínakjöt

Gebratenes Schweinefleisch


Das hier sieht aus wie ein typisches Schweineschnitzel - durch das Einlegen in Salz ist der Geschmack allerdings ein ganz besonderer. Am besten bei den Beilagen bedenken, dass das Fleisch recht salzig schmeckt, und eher möglichst sanft gewürzte Beilagen dazu reichen.


Zutaten 

1 kg fettes Schweinefleisch
50 g Meersalz
3 EL Butter
1 EL Mehl
3 EL Semmelbrösel


Zubereitung

Das Schweinefleisch in eine Schüssel geben, das Salz darüber streuen und zugedeckt ca. 12 Stunden ziehen lassen.


Die Salzschicht entfernen, das Fleisch abspülen und trocken tupfen.

Das Fleisch in Scheiben schneiden und gut durchklopfen.


In einem Suppenteller das Mehl mit den Semmelbröseln vermischen.


Die Fleischscheiben jeweils in der Mehl-Semmelbrösel-Mischung wälzen.


In einer großen Pfanne die Butter zum Schmelzen bringen. 


Die panierten Fleischscheiben dann in der heißen Pfanne von beiden Seiten goldbraun braten. 


Anschließend im vorgeheizten Backofen bei 90° noch ca. 10 Minuten durchgaren, …


...während man die Beilagen zum Essen vorbereitet. Traditionell wird das gebratene Schweinefleisch mit Kohlgerichten serviert.

Guten Appetit!





Montag, 26. August 2019

Appesínugul tómatsulta

Gelbe Tomatenmarmelade


Ein ähnliches Rezept hatte ich vor zwei Jahren schon mal ausprobiert - Tomatenmarmelade mit Zimt und Limette. Jetzt habe ich noch ein bisschen rumprobiert, statt Limette habe ich Orange genommen, dazu noch ein bisschen frischen Ingwer... doch, ja, ich finde das Ergebnis ausgesprochen lecker!

Die allerletzten Reste meiner gelben Tomaten sind dieses Jahr also in diese Marmelade gewandert.


Zutaten

500 g gelbe Tomaten
150 g Gelierzucker
2 Orangen
1 cm frischer Ingwer
1 TL Zimt


Zubereitung 

Die Tomaten waschen und vierteln.


Die kleingeschnittenen Tomaten in einen großen Topf geben.

Die Orange auspressen, den Saft zu den Tomaten geben.

Den frischen Ingwer zuschneiden und über die Tomatenstücke reiben.

Zum Schluss noch den Zimt dazu geben.

Alles aufkochen lassen, bis die Tomaten weich sind, und dann möglichst gründlich pürieren.

Danach den Gelierzucker hinzufügen, verrühren und unter ständigem Rühren ca. 5 Minuten lang kochen lassen.

Die Marmeladengläser noch mit kochendem Wasser ausspülen und dann direkt mit der heißen Tomatenmarmelade befüllen, verschließen und dann auskühlen lassen.






Donnerstag, 22. August 2019

Lamba-hamborgarar

Lamm-Hamburger


Hamburger sind längst fester Bestandteil der isländischen Alltagsküche. In diesem Rezept habe ich ganz viele typisch isländische Zutaten zu einem richtig leckeren Burger zusammen gefasst: Frisches Lamm-Hackfleisch, Skyrnaise (sozusagen Mayonnaise mit Skyr), Rhabarbermarmelade und (kalter) Rotkohl sprechen einfach perfekt miteinander! Dazu die roten Zwiebeln und den Blauschimmelkäse... hach ja, ich liebe es! Ég elska það!


Zutaten für 4 Personen

500 g Lamm-Hackfleisch
1 Ei
2 EL Semmelbrösel
1/2 rote Zwiebel
1 TL getrocknete Petersilie
1/2 TL grobes Meersalz
1 Prise schwarzer Pfeffer

2 EL Öl

4 Burger-Buns

4 Salatblätter

8 EL Skyrnaise
1 EL Rhabarbermarmelade

1 rote Zwiebel
1 EL Rhabarbermarmelade

4 dünne Scheiben Blauschimmelkäse

2 EL Rotkohl


Zubereitung

Den Backofen auf 120° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

Die halbe Zwiebel für die Hamburger schälen und ganz kleinhacken.

Anschließend die gehackte Zwiebel mit den anderen Zutaten für die Hamburger in ein hohes Rührgefäß geben und gründlich zu einer glatten Masse verarbeiten.


Mit den Händen die Pattys formen.


In einer großen Pfanne das Öl erhitzen.

Im heißen Öl dann die Pattys von jeder Seite ca. 3 Minuten lang braten, bis sie knusprig braun geworden sind.


Den Blauschimmelkäse in dünne Scheiben schneiden.


Die gebratenen Fleisch-Pattys dann in einer feuerfeste Form legen, mit je einer Scheibe Blauschimmelkäse belegen...


...und im vorgeheizten Backofen noch 5 Minuten durchgaren, bis der Käse schön geschmolzen ist.

Die Skyrnaise mit einem Esslöffel Rhabarbermarmelade verrühren.


Die zweite Zwiebel schälen, halbieren und in dünne Streifen schneiden.

In der benutzten Pfanne dann die Zwiebel anbraten, mit einem weiteren Löffel Rhababermarmelade verrühren und vom Herd nehmen.


Jetzt die Hamburger zusammensetzen:

Erst die untere Hälfte des Hamburger-Brötchens auf den Teller legen.

Das Salatblatt auf das Brötchen legen, mit einem Klecks Skyrnaise bestreichen und das Patty drauf legen.


Mit dem zweiten Klecks Skyrnaise bestreichen und die Zwiebeln darauf legen.


Zum Schluss noch den Rotkohl belegen, ...


...die obere Hälfte des Burger-Brötchens darauf legen und nach Geschmack noch mit Pommes / gebackenen Kartoffelspalten und Rhabarber-Skyrnaise dazu servieren.

Guten Appetit!






Dienstag, 20. August 2019

Hrökkbrauð með kúmeni

Kümmel-Knäcke


In dem Rezept heißt es Knäckebrot, ganz so dünn ist es allerdings nicht geworden, aber sehr lecker war es definitiv!


Zutaten

250 ml lauwarmes Wasser
1 Pkw. Trockenhefe
100 g Roggenmehl
200 g Weizenmehl
1 TL Salz
1 TL Kümmel


Zubereitung

Alle Zutaten in eine große Schüssel geben und langsam, aber gründlich verkneten.



Aus dem Teig eine große Kugel formen und abgedeckt etwa 40 Minuten gehen lassen.


Den Teig dann portionsweise kreisrund dünn ausrollen, auf einem mit Backpapier noch ca. 10 Minuten gehen lassen.


Derweil den Backofen auf 220° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

Das Fladenbrot dann bei 220° Ober-Unter-Hitze ca. 14 Minuten lang backen, bis das Knäckebrot eine schöne goldbraune Farbe bekommen hat.

Wir haben unser Kümmel-Knäcke dann mit Frischkäse, Räucherlachs und Kapern gegessen - das war superlecker, fand ich!


Guten Appetit!




Donnerstag, 15. August 2019

Gömul rúgbrauðskaka

Alter Roggenbrot-Kuchen


Das Rezept hier stammt aus einem spannenden isländischen Kochbuch von 1858, daher habe ich das Rezept mal als "alter Roggenbrot-Kuchen" hier aufgeführt, im Unterschied zu dem neueren Roggenbrot-Kuchen-Rezept aus den 60er Jahren, das ich hier bereits ausprobiert habe.

Die Bezeichnung "alter Roggenbrot-Kuchen" passt aber auch deshalb, weil das Rezept eigentlich eine perfekte Resteverwertung für altes, zu trocken gewordenes Rúgbrauð ist.

Mein Mann findet ja, der Kuchen schmeckt für ihn ein bisschen nach Weihnachten - ich glaube, ich überlege mir noch eine spezielle weihnachtliche Luxus-Version davon... hab ja noch ein bisschen Zeit bis zur Weihnachtsbäckerei!


Zutaten

250 g Pumpernickel
8 Eier
375 g weißer Zucker
2 Orangen
100 g geriebene Mandeln
1/2 Bio-Zitrone


Zubereitung

Den Backofen auf 180° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

Das Pumpernickel gründlich in kleine Stückchen reiben.


Die Eier trennen.

Das Eiweiß steifschlagen und beiseite stellen.


Das Eigelb in einer großen Schüssel mit dem weißen Zucker schaumig rühren.


Die Orangen auspressen...


...und den Saft zusammen mit dem geriebenen Pumpernickel hinzugeben und verrühren.


Noch die geriebenen Mandeln hinzufügen.

Die Zitronenschale vorsichtig dazu reiben.


Alle Zutaten gründlich verrühren, dann vorsichtig das steifgeschlagene Eiweiß unterziehen.



Den Teig dann in eine Springform (ca. 26 cm Durchmesser) geben...


...und im vorgeheizten Backofen bei 180° Ober-Unter-Hitze ca. 70 - 80 Min. lang backen.


Noch warm mit etwas Schlagsahne und frischen Beeren dazu schmeckt mir der Kuchen am allerbesten!