Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Montag, 6. April 2026

Lambakjöt með lakkríssósu og perlubyggi

Lammfleisch mit Lakritz-Sauce und Perlgraupen


Tatsächlich gibt es, anders als zu Weihnachten, hier auf Island eigentlich keine so festen Essens-Traditionen zu Ostern. Das klassische Osteressen ist Lammfleisch, in verschiedensten Varianten, von einer ganzen Lammkeule bis zum Minuten-Steak, aber in den letzten Jahren wurden vor allem auch Geflügel-Gerichte, insbesondere Pute, immer beliebter. Auch frische Meeresfrüchte sind gefragt und viele schwören vor allem am Karfreitag auf Humarsúpa (Suppe mit Kaisergranat).

Bei uns gab es dieses Jahr an Ostersonntag Lammfleisch - auf frischem Salat, mit traditionellen Gerstengraupen als Beilage und als Highlight mit Schoko-Lakritz-Sauce. Für die Sauce habe ich hier Þristur verwendet, meine persönliche Lieblings-Lakritz-Schokolade. 


Zutaten für 2 Portionen

500 - 600 g Lammfleisch  
1 TL Meersalz
1/2 TL schwarzer Pfeffer
2 TL getrockneter Thymian
1 TL Paprika-Gewürz
1/2 TL Chili-Pulver 
2 EL Öl zum Braten
1 EL Butter zum Braten

100 g Perlgraupen
250 g Wasser 
1/2 Gemüsebrühwürfel

200 ml Wasser
1 Lamm-Brühwürfel
1 EL Balsamico-Essig (erg.)
100 g Lakritz-Schokolade

1 Sack Rucola-Salat
10 kleine Tomaten 
2 TL geriebener Parmesan


Zubereitung

Zuerst das Fleisch vorbereitet:

Den Backofen auf 180° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

Die Gewürze in einer Schüssel gründlich verrühren und das Fleisch damit würzen.


In einer Pfanne das Öl erhitzen und die Minuten-Steaks von jeder Seite 3 Minuten anbraten.

Dann die Butter hinzufügen und das Fleisch von jeder Seite noch einmal 1 - 2 Minuten braten. 


Das Fleisch dann in eine feuerfeste Form legen und im vorgeheizten Backofen bei 180° Ober-Unter-Hitze noch ca. 30 Minuten lang durchgaren. 

Derweil die Graupen zubereiten: 


Hierfür Wasser mit einem Gemüsebrühwürfel im Topf erhitzen, die Gerstengraupen hinzugeben und 15 bis 20 Minuten lang kochen lassen. Anschließend eventuell noch vorhandenes Wasser abgießen und die Graupen kurz abdampfen lassen. 

Während die Graupen kochen, wird auch die Lakritz-Sauce aufgesetzt. 

Hierfür das Wasser mit dem Lammbrühwürfel erhitzen. 

Die Lakritz-Schokolade in kleine Stücke schneiden, in die heiße Brühe geben...



... und so lange einkochen lassen, bis sich das Lakritz komplett aufgelöst hat und die Sauce die gewünschte Konsistenz hat.

Anschließend den Salat anrichten:

Den Rucola-Salat waschen und auf den Teller verteilen. Die Tomaten waschen, halbieren und auf den Salat geben. 


Anschließend mit je einem TL geriebenen Parmesan bestreuen.


Zum Anrichten das Fleisch in Scheiben schneiden und auf den Salat legen. Die Graupen daneben auf den Teller geben. Das Fleisch mit der Lakritz-Sauce begießen und alles direkt servieren.


Verði ykkur að góðu! Lasst es Euch schmecken!



Freitag, 3. April 2026

Föstudagurinn langi

Karfreitag auf Island


Karfreitag ("föstudagurinn langi", also "der lange Freitag") ist der letzte Freitag vor Ostern. Hier gedenken Christen der Kreuzigung Jesu und seines Todes (bevor dann Ostersonntag seine Auferstehung von den Toten gefeiert wird). 

Karwoche - dymbilvika oder kyrravika

Die Woche vor Ostern (auf Deutsch die "Karwoche") wird auf Isländisch meist "dymbilvika" oder "kyrravika" genannt. 

"Kyrravika" bedeutet "stille Woche". 

"Dymbilvika" ist nicht ganz so eindeutig zu übersetzen, vermutlich geht der Ausdruck auf den "dymbill" zurück: Früher war die Karwoche die stille Woche, man sollte also leise sein. Normales Kirchengeläut war da unpassend. Daher verwendete man in dieser Woche wohl einen "dymbill", einen hölzernen Klöppel, um "gedämpften Krach" zu machen und die Menschen zum Gottesdienst zu rufen. Eventuell wurde der häölzerne "dymbill" aber auch zum Löschen von Lichtern und Kerzen verwendet, damit diese Zeit nicht nur leise, sondern auch (halbwegs) dunkel war - so ganz sicher / einig sind sich die Fachleute da wohl nicht. Ich habe gestern eine Umfrage im Fernsehen gesehen, danach wussten auch nicht alle Isländer, wie diese Woche vor Ostern genannt wird - und wenn sie es wussten, konnten sie vielfach den Begriff "dymbill" auch nicht erklären. 

Feiertage über Ostern auf Island

Über Ostern gibt es auf Island 4 Feiertage, und zwar den Gründonnerstag ("skírdagur"), den Karfreitag ("föstudagurinn langi") sowie Ostersonntag ("páskadagur") und Ostermontag, der 2. Ostertag ("annar í páskum"). 

Früher war auf Island auch der 3. Ostertag ein Feiertag, aber dann entschied der damalige dänische König Christian VII. dass die Isländer zu viele Feiertage hätten und schaffte 1770 den 3. Ostertag, den 3. Weihnachtsfeiertag, den 3. Pfingsfeiertag und Þrettándinn, den 6. Januar, als gesetzliche Feiertag ab.

Karfreitag ist Flaggentag ("fánadagur")

Auf Island ist es üblich, am Karfreitag die Island-Fahne auf Halbmast (= "í hálfa stöng") zu hissen. 

Im Präsidialdekret von 1991 ist geregelt, dass an 12 Tagen die Flaggen an den Masten öffentlicher Einrichtungen gehisst werden müssen, darunter der erste Sommertag, der Nationalfeiertag am 17. Juni, der Tag der Seeleute, der Geburtstag von Jónas Hallgrímsson, der Geburtstag des aktuellen Präsidenten und eben auch Weihnachten, an Karfreitag und Ostersonntag

An allen Tagen wird die Flagge gehisst - nur am Karfreitag ist vorgeschrieben, dass sie nur auf Halbmast gehisst werden darf. 

Auch Privatleute müssen sich an diese Regelungen halten - d.h. die Flagge darf nicht vor 7 Uhr morgens und nur bis Sonnenuntergang, maximal aber bis Mitternacht gehisst werden. Auch hier müssen die Flaggen an Karfreitag auf Halbmast wehen.

Karfreitag 2026 an der Kirche in Selfoss 


Donnerstag, 2. April 2026

Aprílgabb

Aprilscherze auf Island


Das isländische Verb "að gabba einhvern" bedeutet so viel wie "jemanden an der Nase herumführen, veralbern". Entsprechend heißt das Substantiv "gabbið" dann "der Streich" oder"der Spott".   

Auf Island hat der "Aprilstreich" offenbar Tradition. Angeblich habe schon der Gelehrte und Handschriftensammler Árni Magnússon (1663 - 1730) sog. "April-Briefe" aus dem 17. Jahrhundert gefunden, bei denen Leute "in den April geschickt" wurde und unter einem Vorwand irgendwo hingeschickt wurden - zu etwas, was es nicht gab (ob die Behauptung auch ein Aprilscherz ist, weiß ich aber nicht - ich würde es nicht ausschließen!). 

Noch heute gilt ein Aprilscherz in Island als erfolgreich, wenn wirklich Leute irgendwo hingehen - und dort feststellen, dass sie in den April geschickt wurden. Gemessen daran war der diesjährige Aprilscherz vom "Morgunblað" wohl "erfolgreich".


Aprilscherz der Zeitung Morgunblaðið

Dieses Jahr hat die Zeitschrift Morgungblaðið ("Das Morgenblatt") das zum 01.01.2026 eingeführte Kilometergeld ("Kílómetragjald") zum Anlass für ihren Aprilscherz genommen.

Das Kilometergeld ist sehr umstritten, gerade aktuell wieder vor dem Hintergrund der steigenden Kraftstoffpreise

Wenn ich mal die Preise an der AO-Tankstelle hier in Selfoss anschaue: Anfang Januar kostete hier der Liter Benzin 183,2 ISK und der Liter Diesel 205,4 ISK - aktuell kostet Benzin 215,2 ISK und Diesel 254,4 ISK. Also ein Preisanstieg von knapp 20% bei Benzin und von knapp 25% bei Diesel. (Zum Vergleich - in Deutschland sind die Benzinpreise für E10 im gleichen Zeitraum um knapp 25% und die Dieselpreise um knapp 40% gestiegen.)

Letztes Wochenende wurde auf der offiziellen staatlichen Internet-Seite Island.is eine Petition zur Abschaffung des Kilometergelds gestartet. Dabei fordern die Unterzeichner die vollständige Abschaffung des Kilometergelds für Kraftfahrzeuge: 

Zum einen sei das derzeitige System in seiner Umsetzung mangelhaft, es gibt z.B. immer wieder Diskrepanzen zwischen der tatsächlichen und der erfassten Fahrleistung. Menschen wie der Busunternehmer Hlynur Bragason aus Egilsstaðir, der für den Monat Januar für seinen Bus für eine angebliche Fahrleistung von 999.691 km fast 140.000 € Kilometergeld zahlen sollte, sind zwar die krasse Ausnahme, aber von zahlreichen Problemen hört man doch immer wieder. (Hlynur hätte dafür mit dem Bus in 31 Tagen rund 25 Mal die Welt umrunden müssen - also eher unwahrscheinlich; die falsche Abrechnung wurde von der Finanzverwaltung auch storniert.) Vor allem aber sei das System "grundlegend ungerecht". Die Bürger zahlten bereits Kfz-Steuer und die Kraftstoffpreise seien erneut stark gestiegen. Vor allem einkommensschwache Menschen würden unangemessen stark belastet und seien wären faktisch kaum noch mobil. Dies sei nicht zu akzeptieren. 

Die Petition läuft vom 30.03. bis 30.04.2026. Aktuell (Stand: 02.04., 10.30 Uhr) haben bereits 36.929 Menschen online unterschrieben.

In dem neuen Gesetz ist auch festgelegt, dass ab 01. April 2026 eine Gebühr von 20.000 ISK (umgerechnet rund 135 €) erhoben wird, wenn man seinen Kilometerstand zum 01.01. bis dahin nicht ordnungsgemäß registriert hat. Zudem muss man dann den Kilometerstand bei einer akkreditierten Inspektionsstelle registrieren lassen. (Die Regelung zum 01. April ist kein Aprilscherz.)

Diese Diskussion (und die Frist bis 01.04.) nahm das Morgunblaðið zum Anlass für seinen diesjährigen Aprilscherz: Es meldete, der Finanzminister habe Verständnis gezeigt für den Unmut der Bürger und man könne eine Herabsetzung oder den Erlass des Kilometergelds beantragen, wenn man am 01.04. persönlich bis zum Büroschluss um 15.30 Uhr zur Finanzbehörde gehe und das Formular RSK 01.04.2026 ausfülle. Hierzu müssten "besondere Umstände" geltend gemacht werden, warum für die betreffende Person das Kilometergeld eine unangemessene Belastung darstelle. 

Offenbar nahmen viele den Artikel ernst -  scheinbar kamen so viele Menschen in die Steuer- und Zollbehörde von Reykjavík in die Katrínartún 6, dass Mitarbeiter der Behörde schließlich einen Ausdruck des Zeitungsartikel mit dem dicken Hinweis "Aprilscherz" an die Eingangstür hängen mussten. Auch das Callcenter der Behörde war offenbar kurz vor dem Zusammenbruch. 

Quelle: mbl.is / Eyþór

Der Aprilscherz kam bei der Finanzverwaltung wohl nicht so gut an. 

Die Behörde (skatturinn) postete auf ihrer Webseite auch noch den Hinweis, dass es sich um einen Aprilscherz des Morgunblað handelt, eine Herabsetzung des Kilometergelds aufgrund besonderer Umstände ist nicht vorgesehen.

Quelle: skatturinn.is 

Ich kann mir vorstellen, dass viele Leute sehr enttäuscht waren, als die Mitarbeiter der Steuerbehörde ihnen erklären mussten, dass es keine Herabsetzung für sie gibt.