Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Mittwoch, 22. Juli 2026

Sérstaklega blautt

Besonders nass 


Die erste Juli-Hälfte 2026 hat hier in Island gleich mehrere Wetter-Rekorde gebrochen. 

Das Wetter war in dieser Zeit in den verschiedenen Landesteilen sehr unterschiedlich - während es im Osten des Landes besonders warm war, war es im Südwesten kühl und regnerisch

Sommerwetter im Osten

Im Osten gab es gutes Wetter - sonnig und warm

Bisher war die erste Juli-Hälfte in den Ostfjorden in diesem Jahrhundert noch nie wärmer als dieses Jahr. Auch wenn absolute Hitzerekord für die Ostfjorde (und übrigens auch für ganz Island) vom 22.06.1939 im Berufjörður von 30,5° nicht eingestellt wurde, gab es im Osten sommerliche Temperaturen von über 24°, in Neskaupstaður wurden am 14.7. aber immerhin 27° und in Seyðisfjörður am 15.7. sogar 28°. 

Auch jetzt sind es dort noch an die 20°.

Schlechtes Wetter im Hauptstadtgebiet

Dafür war es im Hauptstadtgebiet außergewöhnlich nass und kalt.

Hier gab es einen Niederschlagsrekord in der ersten Juli-Hälfte - mit 65,5 Millimeter fiel mehr als doppelt so viel Niederschlag wie im Durchschnitt. Es heißt, es war die nassteste erste Julihälfte, die je in Reykjavík aufgezeichnet wurde. Ähnlich nass war es wohl nur in den Jahren 1971, 1997 und 1998. 

Auch die Anzahl der Sonnenstunden in Reykjavík lag unter dem Durchschnitt. Dieses Jahr wurden in Reykjavík in der ersten Juli-Hälfte insgesamt 58,4 Sonnenstunden gemessen, im Durchschnitt sind es rund 85 Sonnenstunden. Allerdings gab es schon etliche Jahre, in denen in der ersten Juli-Hälfte noch deutlich weniger Sonnenstunden gemessen wurden als dieses Jahr 2026.

Wettervorhersage

Und das Wetter geht relativ unverändert weiter.

Heute sind insbesondere im nördlichen Teil von Snæfelssnes starke Südwinde mit Böen von bis zu 25 m/s vorhergesagt, d.h. 90 km/h - Windstärke 10 (= schwerer Sturm). Also kein Tag, um dort mit dem Wohnmobil oder einem Anhänger unterwegs zu sein. 

Im Südwesten des Landes werden für heute "zunehmender Wind und Regen" erwartet. Heute wird es laut Wetterbericht "nass" und morgen "ziemlich trüb". Am Freitag soll der Wind umschlagen und vielleicht haben wir Glück und es gibt am Samstag gutes Wetter und ein bisschen Sonnenschein in Reykjavík.

Und bei uns..?

Wir wohnen ja auch im Südwesten des Landes und gefühlt haben wir schon seit 2,5 Wochen trübes Wetter, mit viel Nebel, Nieselregen und Regen. Und die Welt verschwimmt im Nebel... 


Ach so, eigentlich sieht man hier einen Berg, ein paar Häuser und sogar einen ganzen Bauernhof, je nach Blickwinkel, aber aktuell ist davon nichts zu ahnen..!

Und auch der Blick aus unserer Terrassentür sieht derzeit oft so aus wie jetzt - nass und grau und neblig. Und es regnet gegen die Fenster, abwechselnd von Südwesten, Süden oder Südosten.

 
Hier mal der Blick vom Esstisch aus - aktuell ist meistens dicke Suppe, unsere "Hausberge" im Hintergrund haben wir schon mehrere Tage kaum noch zu sehen bekommen - einfach weg, vom Nebel verschluckt. 


Am Sonntag hatten wir Glück, da war hier (vergleichsweise) richtig gutes Wetter. Die Berge waren zu sehen, es war den Tag über trocken und es hat erst abends wieder geregnet (auch wenn es ein paar Kilometer weiter ganz anders aussah - auf der anderen Seite der Hvítá war es auch am Sonntag den ganzen Tag über feucht und immer wieder geregnet hat). Und wir konnten das gute Wetter nutzen, um ein bisschen was am Haus zu machen.

Seit Montag ist aber auch hier wieder ziemlich durchgehend grau und feucht und immer wieder Regen angesagt... 



Dienstag, 21. Juli 2026

Við vorum svolítið dugleg

Wir waren ein bisschen fleißig


Wir haben am Sonntag das (vergleichsweise) gute Wetter genutzt, um ein bisschen was am Haus zu machen. 

Wir haben ein Holzhaus mit Holz-Terrassen und natürlich blättert die Farbe im isländischen Wetter immer wieder ab. Also versuchen wir, jedes Jahr eins davon zu streichen, soweit es nötig ist, also entweder das Haus oder die Terrassen. 

Letztes Jahr haben wir nicht viel machen können, zum einen war ich nach meinem Terrassensturz einigermaßen ausgefallen, zum anderen war das Wetter nicht besonders gut und im Regen streichen ist auch nicht ideal, wenn die Regentropfen bloß bleibende Flecken bilden und nichts trocknen kann. Dieses Jahr schauten uns die "Wetterseiten" teilweise schon etwas traurig an. 

Also haben wir es ausgenutzt, dass - zumindest hier - am Sonntag vergleichsweise gutes Wetter war, und haben ein bisschen was am Haus gemacht. 

Bei uns hatte es den Tag über gar nicht geregnet (erst abends zum Schluss des Finales der Fußball-WM), und es war zwischenzeitlich sogar sonnig, bei angenehmen 14°. Von anderen habe ich gehört, dass es gar nicht weit weg, auf der anderen Seite der Hvítá, den ganzen Tag über feucht war und immer wieder richtig geregnet hat - da hatten wir hier also richtig Glück! 

Wir haben zuerst die abblätternden Stellen etwas abgeschliffen, ...


... und dann gestrichen.

Irgendwie verzweifeln wir regelmäßig an den isländischen Farbeimern. Keine Ahnung, ob es an uns liegt..? Aber irgendwie sind die Blechdeckel auf den großen Farbeimern so dünn, dass wir sie nicht unfallfrei öffnen können, ohne sie dabei ziemlich zu verbiegen, und nach dem Streichen können wir sie dann nicht mehr richtig schließen. Wir müssen die Farbe aus jedem Eimer also relativ zeitnah "verstreichen", weil sie sonst austrocknet. 


Ich habe die betroffenen Stellen an den beiden "Wetterwänden" abgeschliffen und mein Mann hat gestrichen. 


Hier sieht man so schön im direkten Vorher-Nachher-Vergleich, wo er schon gestrichen hatte und wo noch nicht.


Das Ergebnis ist auf jeden Fall ganz schön geworden, deutlich besser als vorher..!


An der Wetterseite auf der großen Terrasse waren wir auch noch dran, mit Schmirgeln und Streichen, soweit nötig.  


Jetzt sieht es wieder ordentlicher aus und die abblätternden Stellen schauen mich nicht mehr so vorwurfsvoll an. Ich bin zufrieden!


Klar, wir können noch weitermachen, das ist ja eigentlich immer so, wenn man ein eigenes Haus hat. Aber zumindest dieser Punkt auf unserer To-Do-Liste ist schon einmal erledigt für diesen Sommer..! 



 

Freitag, 17. Juli 2026

Appelsín og Appelsvín

Werbegag: Appelsvín


Hið eina sanna Appelsín, das einzig wahre Appelsín, ist die meistverkaufte Orangenlimonade auf Island. 

Egils Appelsín ist ein kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk mit Orangengeschmack, das seit 1955 von der Brauerei Egill Skallagrímsson hergestellt wird - ein süßes, sprudelndes und vor allem leuchtend orangenes Getränk. Der Name kommt vom isländischen Wort "appelsína" für Apfelsine / Orange. 

Appelsín besteht aus kohlensäurehaltigem Wasser, Zucker, Aromen, Säuren und Farbstoff (E160e). Zuckerfreies Appelsín án sykurs enthält statt Zucker Süßstoffe.  


In den 1960er Jahren wurde es auf Island üblich, zu Weihnachten Appelsín und Malzbier zu mischen und das Ganze dann als "jólaöl" (= "Weihnachtsbier") zu genießen. Es heißt, zwischen Isländern sei es teilweise höchst umstritten, in welchem Verhältnis Malt und Appelsín für die perfekte Mischung für Jólaöl stehen sollen - 50/50 oder doch lieber 60% Malzbier und 40% Appelsín..? Natürlich gibt es "jólaöl" hier auf Island auch längst fertig gemischt zu kaufen.



Welche Firma steht hinter Appelsín?

Ölgerðin Egill Skallagrímsson, die Brauerei Egill Skallagrímsson, ist ein isländischer Getränkehersteller, die älteste noch aktive Brauerei Islands

Die Firma wurde am 17. April 1913 von Tómas Tómasson gegründet. Der Name "Egill Skallagrímsson" ist eine Hommage an Egill Skallagrímsson (ca. 910 - 990), den Held der Egils Saga und einen der berühmtesten Wikinger, Krieger, Dichter und frühen Siedler Islands. In einem Interview soll Tómas später erklärt haben, er habe sich für diesen Namen entschieden als Symbol für das kulturelle Erbe des Landes und das isländische Nationalbewusstsein - da der Sagen-Held Egill landesweit bekannt war als "mikið ölskáld og mikill drykkjumaður", also als "großer Bier-Poet und starker Trinker". 

Der Firmengründer Tómas Tómasson (1888 - 1978) stammte aus Miðhús in der Nähe des heutigen Ortes Hvolsvöllur (wobei der Ort tatsächlich erst ab 1930 um eine Genossenschaftsfiliale herum entstanden ist). Tómas begann zunächst mit dem Brauen von Malzbier in einem gemieteten Keller in Reykjavík an der Straße zwischen Parlament und Domkirche (Templararsund), zog aber schon bald in größere Räumlichkeiten am Lækjartorg um. Es heißt, im ersten Jahr verkaufte Ölgerðin etwa 38.000 Liter, hauptsächlich Malzextrakt und Hvítöl (isländisches Leichtbier) - wenn man bedenkt, dass Reykjavík zu dieser Zeit gerade mal rund 13.000 Einwohner hatte, war das eigentlich kein schlechter Start. 

Quelle: www.olgerdin.is
Im Jahr 1915 wurde in Island allerdings die Prohibition eingeführt, ein komplettes Alkoholverbot. Keine guten Zeiten für eine Brauerei, die sich in dieser Zeit auf alkoholfreies Malzbier und unterfermentiertes Leichtbier konzentrierte. Das strikte Alkoholverbot wurde jedoch im Laufe der Zeit wieder gelockert, so durfte ab 1934 wieder Leichtbier mit max. 2,25 % Alkohol hergestellt und verkauft werden. 

Als die Briten 1940 Island besetzen, beschwerten sich die Befehlshaber der britischen über den Biermangel, also reagierte die isländische Regierung schnell und verabschiedete ein Gesetz, dass die "richtige" Bierproduktion für die Armee erlaubte. Die Brauerei Egill Skallagrímsson begann, für diesen Markt "Polar Ale" / "Polar Beer" herzustellen. 

Erst am 1. März 1989 wurde nach 74 Jahren das Bierverbot in Island komplett aufgehoben - der Tag wird seitdem als "bjórdagurinn" (= "Tag des Bieres") gefeiert. 

Die Brauerei Egill Skallagrímsson stieg schon in frühen Jahren zunehmend in den Bereich Erfrischungsgetränke ein, kaufte z.B. 1934 Kaldá, die älteste Limonaden-Fabrik Islands (gegründet 1898) und produzierte zunehmend auch Softdrinks

Bereits seit 1930 gab es verschiedene Versuche von Ölgerðin, Orangen-Limonade herzustellen, aber keine davon reichte auch nur annähernd an die Beliebtheit der Orangen-Limonade des isländischen Erfrischungsgetränkeherstellers Sanitas heran.

Erst 1955 gelang Ölgerðin mit "Appelsín" der Durchbruch. Über Jahre hinweg experimentierte Sigurður Sveinsson im Auftrag von Ölgerðin an der Herstellung von Orangen-Limonade, aber 1955 entwickelte er dann die Mischung, die bei den Isländern sofort zum Verkaufsschlager wurde und heute noch "typisch isländisch" ist - Appelsín, "íslenski þjóðargosdrykkurinn", "die isländische National-Brause".

Quelle: olgerdin.is

Heute produziert die Firma Ölgerðin Egill Skallagrímsson im Jahr etwa 45 Mio. Liter Getränke, von Malzbier über alkoholfreie Erfrischungsgetränke bis zu zahlreichen Sorten alkoholfreiem Bier, Leichtbier und Bier. 

Werbegag im Sommer 2026: Appelsvín 

Ja, ich weiß, ein Werbegag, eine Kollaboration zwischen Ölgerðin Egill Skallagrímur und der Supermarkt-Kette Bónus

Appelsvín ist eine limitierte Edition vom klassischen zuckerfreien Appelsín, die seit dem 20. Mai 2026 in den Bónus-Geschäften verkauft wird, in pinken Dosen mit dem klassischen Bónus-Schwein darauf. Das Getränk ist genauso orange wie sonst, nur die Dose ist eben pink und das Bónus-Schwein zwinkert einem fröhlich zu. 

Der Name "Appelsvín" ist ein Wortspiel mit dem traditionellen "Appelsín" und dem Wort "svín" für Schwein, wie eben beim Bónus-Schwein. 

Natürlich musste ich mir so eine Dose Appelsvín kaufen! 


Bónusgrísinn - das Bónus-Schwein

Ich bin persönlich sowieso ein großer Fan vom Bónus-Schwein, ich finde, diese schielende Grinse-Schwein macht mir einfach direkt gute Laune! Und beamt mich gefühlt jederzeit zurück nach Island! Ich habe mir sogar schon im Freestyle zwei Taschen mit dem Grinse-Schwein gestrickt, einfach weil es mir so gut gefällt!


Mittlerweile habe ich gelernt, dass das Original grinsende Bónus-Schwein 1989 von der Grafikdesignerin Edith Randy Ásgeisdóttir entworfen wurde, bei der Eröffnung der ersten Filiale für die damaligen Gründer von Bónus. 

Edith Randy war im Laufe von knapp 20 Jahren immer wieder im Rahmen von verschiedenen Design- und Werbeprojekten für Bónus tätig. Mit den beiden Gründern Jóhannes Jónsson und seinem Sohn Jón Ásgeir Jóhannesson hatte die Grafikerin 1991 einen Vertrag abgeschlossen, wonach sie die Nutzungsrechte an dem Bild nur vorübergehend an die Besitzer von Bónus übertragen hatte und im Fall eines Eigentümerwechsels die Nutzung widerrufen konnte. Tatsächlich hatten die Eigentümer der Supermarkt-Kette seitdem schon mehrfach gewechselt, Edith Randy hatte auch noch mit den jetzigen Eigentümern, der Firma Hagar hf., bis 2007 zusammen gearbeitet. Das isländische Patentamt hatte bereits entschieden, dass Hagar die Rechte an dem Schwein besaß. Erst 9 Jahre später versuchte die Grafikerin, die Nutzungsrechte an dem Bónus-Schwein zu widerrufen.  

Im November 2014 entschied das Bezirksgericht Reykjavík, dass Edith Randy ihren Widerruf früher hätte geltend machen müssen und zu lange untätig geblieben sei, daher wurden ihre Ansprüche zurückgewiesen und die Nutzung des Bildes der Eigentümer-Firma zugesprochen. Auch im Berufungsverfahren wurden vom Obersten Gerichtshof in Reykjavík im Herbst 2015 die Rechte an dem Bónus-Schwein der Eigentümer-Firma Hagar zugesprochen. 

Im Jahr 2021 wurde das Bónus-Schwein ein wenig modifiziert - modernisiert, wie es heißt. Zuerst war ich von dem neuen Schwein gar nicht überzeugt - aber ich gebe zu, mittlerweile habe ich mich auch daran komplett gewöhnt... 

Altes Schwein - neues Schwein
Quelle: visir.is

Auf jeden Fall habe ich mich über den Werbe-Gag mit dem pinken Appelsvín gefreut!