Der isländische Spielfilm "Ástin sem eftir er" feierte im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Weltpremiere. Seine Premiere in Island hatte der Film am 14. August 2025 im Bíó Paradís in Reykjavík.
Der Kinostart in Deutschland ist am 18. Juni 2026. unter dem Titel "The Love That Remains" (als OmU - Original mit Untertiteln).
Wir hatten die Gelegenheit, den Film zusammen mit Sabrina von Halló Ísland schon vor der Deutschland-Premier bereits Anfang Mai 2026 im Rahmen des 19. Lichter Filmfests in Frankfurt anzuschauen, präsentiert in Zusammenarbeit mit dem isländischen Honoralkonsulat in Frankfurt.
Ein sehr isländischer Film - da waren Sabrina, Markus und ich uns definitiv einig!
Worum geht es?
Der 109 Minuten lange Spielfilm von Regisseur Hlynur Pálmason begleitet eine isländische Familie ein Jahr lang in ihrem Alltag - eine isländische Familiengeschichte der etwas anderen Art.
Die Familie lebt in Südost-Island, in der Nähe von Höfn. Der Vater Magnús, genannt Maggi, ist Hochseefischer und bei der Arbeit oft tagelang auf See. Die Mutter Anna ist bildende Künstlerin und kümmert sich im Alltag um die drei Kinder, Haus und Hof - inklusive der Hühner. Hierbei wird Anna auch von ihrer Familie unterstützt, insbesondere von ihrem Vater Pálmi.
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| Anna mit den Kindern, dem Hund Panda und Hühnerküken (Quelle: mbl.is) |
Magnús und Anna haben sich vor Beginn des Films getrennt, versuchen aber, sich weiterhin gemeinsam um die Kinder zu kümmern, soweit das möglich ist - Magnús würde sich gerne mehr einbringen und stößt zunehmend an Grenzen, und Anna ist immer wieder von seinen oft wenig alltagstauglichen Vorstellungen genervt. Trotzdem verbringen sie als Familie immer noch Zeit zusammen, wandern z.B. bei unterschiedlichem Wetter durch die isländische Landschaft.
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| Filmplakat |
Anna kämpft derweil gefühlt an allen Fronten - ihr bisheriges Atelier abgerissen, jetzt hat sie nur noch eine schäbige Garage. Dabei schafft sie großformatige Rost-Gemälde - sie schneidet in ihrer Werkstatt Formen aus Eisen aus, legt sie dann auf rohe Leinwände, beschwert sie mit Holz und Steinen und überlässt sie im Freien den Kräften der isländischen Natur, die - während die Zeit vergeht - durch Regen, Schnee und Erde den Rost auf den Leinwänden verewigt. (Die Kunstwerke im Film sind übrigens tatsächlich echt - im wahren Leben ist der bildende Künstler, der sie geschaffen hat, allerdings nicht Anna, sondern der Regisseur Hlynur selbst.)
Finanziell besonders erfolgreich ist Anna damit aber offenbar nicht. Daníel, ein Freund auf Island, verspricht zwar, ihr zu helfen, hätte aber eigentlich mehr Interesse daran, vielleicht doch mal mit ihr ins Bett zu steigen. Und ein ausländischer Galerist, der sich zu Anna fliegt, interessiert sich nicht einmal dafür, wie ihre Kunstwerke entstehen, sondern glaubt, ihr die Welt erklären zu müssen und wird, weil er Annas Warnungen ignoriert, fast von einer wütenden Eider-Ente erwischt. (Ich glaube, dieses Verhalten nennt man "Mansplaining", wenn ein Mann meint, einer Frau ungefragt und herablassend etwas erklären zu müssen - insbesondere, wenn die Frau auf diesem Gebiet Expertin ist.)
Auch als Mutter steht Anna immer wieder vor Herausforderungen, so nimmt die heranwachsende Tochter sie nicht ernst und die Zwillinge langen - quasi mit Ansage - im Schlamassel.
Selbst der Hahn fordert Anna immer wieder heraus...
Im Verlauf des Filmes driften manche Szenen immer weiter ins Surreale ab und zum Schluss ist man sich nicht mehr ganz sicher, was wirklich passiert ist und was nicht.
Besetzung des Films
In gewisser Weise ist "Ástin sem eftir er" eine Art "Familienfilm" - zumindest in der Produktion. Die drei Kinder von Anna und Maggi sind Ída und die Zwillinge Þorgils und Grímur - gespielt werden sie von den drei Kindern des Regisseurs und seiner Frau Hildur Ýr Ómarsdóttir, Ída Mekkín Hlynsdóttir (geb. 2008) und den Zwillingen Þorgils und Grímur Hlynsson (geb. 2009). Die Tochter Ída Mekkín spielte bereits in vorherigen Filmen ihres Vaters mit, in "Godland" von 2022 und in "Hvítur, hvítur dagur" von 2019.
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| Der Regisseur und seine Kinder Quelle: ruv.is / EPA-EFE – CLEMENS BILAN |
Und auch der Familienhund Panda im Film ist im realen Leben der Familienhund Panda bei Hlynur Pálmason und seiner Familie.
Panda hat übrigens 2025 bei den Filmfestspielen in Cannes den Palm Dog Award gewonnen, ein seit 2001 alljährlich verliehener Preis für die besten schauspielerischen Leistungen von Hunden in Filmen, die während der Internationalen Filmfestspielen gezeigt wurden.
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| Quelle: palmdog.com |
Die Hauptfiguren im Film sind die Eltern Magnús und Anna, sie werden von Sverrir Páll Guðnason und Saga Garðarsdóttir gespielt.
Der isländisch-schwedische Schauspieler Sverrir wurde 1978 in Schweden geboren, wuchs aber in Reykjavík auf, bis die Familie 1990 wieder nach Schweden ging. Er hatte bereits als Kind in Reykjavík Theater gespielt und 1989 im Áramótaskaup, der alljährlichen Silvester-Comedy-Sendung im isländischen Fernsehen, und arbeitet seit 1996 als Schauspieler insbesondere für das schwedische Fernsehen. Deutschen Zuschauern ist er vielleicht als Polizeianwärter Pontus in der Krimiserie "Mankells Wallander" bekannt, oder aus dem isländischen Film "Fearless Flyers - Fliegen für Anfänger" von 2023.
Die isländische Schauspielerin, Stand-Up-Comedian und Sängerin Saga (geb. 1987) schloss 2012 ihr Studium an der Isländischen Kunstakademie ab und hat seitdem in mehreren isländischen Kurzfilmen und Serien mitgewirkt, u.a. auch schon 4 Mal beim Áramótaskaup im isländischen Fernsehen. In dem Film "Gegen den Strom" ("Konan fer í stríð") von Benedikt Erlingsson 2018 spielte sie eine Nebenrolle.
In einer Nebenrolle ist der bekannte isländische Schauspieler Ingvar E. Sigurðsson als Annas Vater Pálmi zu sehen - gefühlt spielt Ingvar in jedem isländischen Film mit, von "Reykjavík - Rotterdam" über "Von Menschen und Pferde" bis zu den Serien "Trapped" und "Katla", im britisch-US-amerikanischen Film "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" hat er auch mitgespielt. Mit Hlynur hat er bereits in dessen Filmen "Hvítur, hvítur dagur" von 2019 (auch hier hatte Ída Mekkín Hlynsdóttir, die Tochter des Regisseurs, im Film seine Enkeltochter gespielt) und "Godland" (2022) zusammengearbeitet.
Wir haben Ingvar übrigens einmal persönlich erlebt - durch Zufall im Juni 2019 im Schwimmbad in Reykjavík. Definitiv eine präsente Persönlichkeit, auch im Hot Pot!
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| Ingvar (Juni 2019) |
In einer weiteren Nebenrolle in "Ástin sem eftir er" ist Halldór Laxness Halldórsson zu sehen, ein Enkel des Literatur-Nobelpreisträgers Halldór Laxness und in Island ein bekannter Rapper, Schauspieler, Komiker und Autor (u.a. hat er zusammen mit dem US-amerikanischen Drehbuchautor Tobias Munthe das Drehbuch für "Fearless Flyers" geschrieben) - auf Island oft besser bekannt als Dóri DNA.
Ein unbestrittener Hauptdarsteller des Films ist die isländische Natur, oft auch als der "beliebteste Schauspieler Islands" bezeichnet. Hlynur hat hier über einen langen Zeitraum wunderschöne Bilder und Szenen der isländischen Natur eingefangen und das Material teilweise im Film verwendet. Die weite Landschaft Islands im Wandel der Jahreszeiten ist im Film viel mehr als nur Kulisse, spiegelt die Atmosphäre in Bildern und Farben wieder, in Bilder, die fast trügerisch sanft und weich sind, auch wenn die Natur immer wieder karg und rau und stürmisch ist.
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| Quelle: mbl.is |
Edda-Preisträger 2026
Der Edda-Preis ist der isländische Film- und Fernsehpreis, gewissermaßen der "isländische Oscar", verliehen von der Íslenska kvikmynda- og sjónvarpsakademían (ÍKSA).
Bei der Preisverleihung im Mai 2026 war der Film "Ástin sem eftir er" mit sieben Auszeichnungen der Film, der hier die meisten Preise erhielt (insgesamt hatte der Film 13 Nominierungen). So wurde Hlynur für sein Drehbuch, die Regie und die Kameraführung ausgezeichnet. Sverrir Guðnason, Saga Garðardóttir und Ída Mekkin, Hlynurs Tochter, wurden für ihre schauspielerischen Leistungen als bester Hauptdarsteller bzw. beste Hauptdarstellerin und als beste Nebendarstellerin in der Kategorie "Film" ausgezeichnet.
Mein persönliches Fazit
Die eigentliche Handlung des Filmes hätte man vermutlich bequem in einer halben Stunde zusammenfassen können, aber der Film lebt nicht von seiner Handlung und seinen sparsamen Dialogen, sondern von seinen atmosphärischen Bildern, seiner langsamen Entwicklung und seinen zunehmend surrealen Sequenzen.
Auf jeden Fall ein sehr isländischer Film!
Und ich werde in Zukunft darauf achten, keinem Hahn ohne Not zu nahe zu treten und möglichst nichts und niemanden mit Pfeilen zu beschießen.
P.S.: Gewinnspiel bei Sabrina
Bis zum 11. Juni habt Ihr noch die Chance, rechtzeitig vor dem Kino-Start am 18. Juni 2026 noch 2 Kino-Karten für den Film zu gewinnen:
Sabrina verlost auf ihrem Blog Halló Ísland noch bis zum 11. Juni 2026 um 23.59 Uhr 5 x 2 Kino-Karten bzw. weitere 5 x 2 Tickets auf ihrem Instagram-Kanal @halloisland.
Die Einzelheiten zu den Teilnahmebedingungen findet Ihr bei Sabrina auf ihrem Blog bzw. ihrem Instagram-Account.


























