Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Mittwoch, 29. April 2026

Cheddar ostasalat

Cheddar-Käse-Salat


Falls Ihr noch ein Rezept für einen sehr schnellen, ganz einfachen Dip sucht, z.B. für ein Picknick oder netten Besuch am Feiertag oder am Wochenende, kann ich Euch diesen Cheddar-Käse-Salat hier empfehlen - völlig unkompliziert und schnell zuzubereiten und bei meiner Familie kam er richtig gut an, sogar mein Jüngster war begeistert, obwohl er Chili eigentlich gar nicht mag. 

Einfach mit ein paar Salzkeksen, Crackern o.ä. auf den Tisch stellen, als Appetithappen oder einfach so zwischendurch, während man sitzt und quatscht und sich wohlfühlt - perfekt!


Zutaten

250 g geriebener Cheddar-Käse
3 EL Mayonnaise
4 EL Frischkäse
1 - 2 EL gefrorene Chili-Stückchen
2 rote Paprika
1 Prise frisch gemahlenen Pfeffer


Zubereitung

In einer großen Schüssel die Mayonnaise mit dem Frischkäse und den tiefgefrorenen Chili-Stückchen verrühren (alternativ kann man auch gut Chili-Gewürz verwenden).


Den Cheddar-Käse in die Schüssel reiben.


Die Paprika waschen, putzen und in Stücke schneiden und ebenfalls in  die Schüssel reiben.


Alles gründlich verrühren, nach Geschmack noch mit frischem Pfeffer würzen.


Den Käse-Salat dann mit Crackern o.ä. servieren.


Guten Appetit!




Sonntag, 26. April 2026

Perubaka með lakkrís

Birnen-Crumble mit Lakritz


Ja, ich weiß, Lakritz ist Geschmackssache. Nicht jeder mag Lakritz (lakkrís). Manche mögen es sogar ausgesprochen gar nicht. 

Ich mochte Lakritz früher auch nicht. Dann habe ich die isländische Lakritz-Schokolade Þristur probiert, ein Schoko-Riegel mit einer Füllung aus weichem Karamell und kleinen Lakritz-Stücken. Ich liebe es! 

Seitdem habe ich mich weiter vorgearbeitet in die Geschmackswelt von Lakritz - von Lakritz-Schokolade in Kuchen, Creme, Waffeln und Muffins über Lakritz-Pulver in leckeren Lakritz-Sörur bis zu Lakritz-Sirup im Eiskaffee. 

Für dieses Rezept hier braucht man ein bisschen Lakritz-Pulver, das mit den Birnen-Stücken vermischt wird und dann mit Streuseln bestreut und gebacken. Dazu gibt es Sahne oder Vanilleeis - oder wie bei uns hier Vanillesauce.  


Zutaten

4 Birnen
2 - 3 TL Lakritz-Pulver
80 g Mehl
130 g Zucker
100 g kalte Butter 


Zubereitung

Den Backofen auf 180° Ober-Unter-Hitze vorheizen.

Die Birnen waschen, schälen und putzen und in Stücke schneiden. 


Die Birnenstücke mit dem Lakritz-Pulver vermischen und in eine feuerfeste Form geben.



In einer Schüssel das Mehl, den Zucker und die kalte Butter zu dicken Streuseln verkneten.


Die Streusel über den Birnen verteilen.


Im vorgeheizten Backofen dann bei 180° Ober-Unter-Hitze ca. 35 Minuten backen, bis die Streusel schön goldbraun geworden sind.


Den noch warmen Crumble dann mit Schlagsahne, Vanilleeis o.ä. servieren.


Bei uns gab es Schlagsahne mit Vanillesauce dazu! 



Montag, 20. April 2026

Úthlíðarkirkja í Biskupstungum

Die Kirche von Úthlíð in Biskupstungur


Manchmal sind es gar nicht die großen, berühmten Stätten, die einen berühren, sondern die kleinen, unbekannten Orte, die einen besonderen Charme haben - und die eine besondere Geschichte zu erzählen haben.

Auf dem Weg von Laugarvatn zum Geysir, kurz hinter dem Brúarfoss, auf der Straße 37 (Laugarvatnsvegur) sieht man, ca. 400 m von der Straße entfernt, eine kleine, sehr eigenwillige Kirche - eine blaue Kirche mit einem spitzen, weißen Dach und einem gläsernen Kirchturm, neben einem kleinen alten Kirchhof, zwischen Feldern und Bauernhof.

Ich weiß nicht, wie oft wir dort mit dem Auto vorbeigefahren sind und uns, wenn der Blick darauf fiel, aus der Entfernung über diese eigenwillige Kirche gewundert haben. 

Mehr aber auch nicht, ehrlich gesagt.


Als wir das letzte Mal dort vorbei gefahren sind, waren mein Mann und ich nur zu zweit, wir hatten Zeit und so haben wir spontan gewendet und sind hingefahren, um uns die Kirche einfach mal aus der Nähe anzuschauen. 


Es ist kein Ort für Touristen-Massen, sondern für die Menschen vor Ort. Es gibt nur einen kleinen, geschotterten Parkplatz und nicht viel Platz für Besucher. Aber es ist ein Ort, der eine Geschichte zu erzählen hat - oder eigentlich sogar mindestens zwei Geschichten


Die Geschichte von Úthlíð

Die Geschichte vom Kirchhof Úthlíð beginnt bereits zur Landnahmezeit, wahrscheinlich irgendwann zwischen 920 und 940. Der erste Siedler von Úthlíð soll Ásgeir Úlfsson mit seiner Familie gewesen sein, ein Schwiegersohn von Ketilbjörn Ketilsson, bekannt als Ketilbjörn gamli (Ketilbjörn der Alte), dessen Schwiegervater wiederum zu den ersten Siedlern gehörte, die mit Ingólfur Arnarson nach Island kamen.

Hier mal ein kurzer Überblick zur Geschichte der Familie:
 
Laut dem Landnahmebuch kam der Norweger Þórður Hrappsson nach Island (wahrscheinlich kurz nach 874, wohl auf Anraten von Ingólfur Arnarson). Er ließ sich mit seiner angelsächsischen Frau Vilborg Ósvaldsdóttir aus Northumbria zunächst im Nordosten Islands nieder, später zog die Familie in das Gebiet der heutigen Gemeinde Mosfellsbær. Ihre Tochter Helga Þórðardóttir wurde um 880 hier geboren. 

Gut 10 Jahre später, um 890, kam dann auch Ketilbjörn Ketilsson (geb. um 870) nach Island. Er stammte aus einer norwegischen Adelsfamilie. Im Landnahmebuch wird berichtet, dass er mit seinem Schiff Elliði nach Island kam und in der Mündung eines Flusses landete, der seither Elliðaár genannt wird. Um 892 heiratete er Helga Þórðardóttir. Den ersten Winter verbrachten sie bei den Schwiegereltern, im nächsten Jahr erkundete Ketilbjörn mit seinen Gefährten die Umgebung. Es heißt, dabei habe er in einem Fluss seine Axt verloren, der daraufhin Öxará ("Axt-Fluss") genannt wurde. 

Mosfell (Foto von 2022)
Ketilbjörn ließ sich schließlich mit seiner Familie beim Berg Mosfell in Grímsnes nieder. Ihre Tochter Þorgerður Ketilbjarnardóttir wurde um 905 hier geboren. Es wird berichtet, dass Ketilbjörn und Helga sehr wohlhabend waren und viele Kinder hatten. Es heißt, Ketilbjörn lebte so lange, dass er deswegen als "Ketilbjörn gamli", Ketilbjörn der Alte, bekannt war.

Einer ihrer Söhne, Teitur Ketilbjörnsson, errichtete wohl den ersten Hof in Skálholt und war hier Gode. Aber auch für die Schwiegersöhne wurde gesorgt. So erhielt Þorgerðurs Mann Ásgeir Úlfsson das Land rund um Hlíð ytri (heute: Úthlíð). Man sagt, sein Grabhügel oder der seines Sohnes solle noch heute in der Nähe des Hofes Úthlíð zu erkennen sein. Sein Sohn Geir soll der erste Menschen gewesen sein, der auf Úthlíð geboren wurde. 

Nach der Christianisierung Islands im Jahr 1000 habe der damalige Gode von Úthlíð den alten Kultplatz abreißen und eine Kirche errichten lassen. Seit der Christianisierung Islands war Úthlíð ein Kirchenstandort. Bis zur Reformation Island um ca. 1540 war die Kirche von Úthlíð der Heiligen Maria gewidmet. Betreut wurde die Gemeinde vom Pfarrer in Laugardalur, Torfastaðir bzw. Skálholt. 

Allerdings fiel die Kirche von Úthlíð wohl 1936 starken Winden zum Opfer. Die Gottesdienste fanden seitdem meist im Wohnzimmer des Hofes Úthlíð statt (wohl bis 1963). 


Björn Sigurðsson
Quelle: sunnlenska.is
Neubau der Kirche von 2006

Der Bauer Björn Sigurðsson (1935 - 2023) stammte vom Hof Úthlíð. Er wuchs hier auf und übernahm den Hof von seinen Eltern. Er heiratete 1961 und betrieb hier mit seiner Frau Ágústa Margrét Ólafsdóttir (1937 - 2004) zunächst traditionelle Landwirtschaft mit Kühen und Schafen. Seit 1978 setzte er dann zunehmend auf die Entwicklung des Tourismus. Um 1980 begann er mit dem Bau von Ferienhäusern auf seinem Grundstück. 

Als 1991 von "isländischen Tourismusbauern" die Organisation "Ferðaþjónusta bænda hf" gegründet wurde, dem Vorläufer von "Hey Iceland", gehörte Björn dem Vorstand an und war auch einige Jahre Vorsitzender. 

Heute gibt es in Úthlíð zahlreiche Angebote für Besucher: Es gibt 15 Ferienhäuser, einen Campingplatz, ein Restaurant mit einem kleinen Verkaufsladen, man kann Pferde ausleihen oder auf dem hauseigenen Platz Golf spielen. 

Für sein soziales Engagement und die Entwicklung des Tourismus wurde Björn Sigurðsson am 17. Juni 2016 mit dem Ritterkreuz des Isländischen Falkenordens (Hin íslenska fálkaorða) ausgezeichnet. 
Ágústa Ólafsdóttir
Quelle: timarit.is 

Mit seiner Frau Ágústa Ólafsdóttir (geb. 1937) hatte Björn vier Kinder, 12 Enkelkinder und zahlreiche Urenkel. 

Seine Frau übernahm ab 1991 das Tagesgeschäft ihres Tourismus-Betriebs, engagierte sich in der kommunalen und der kirchlichen Gemeindearbeit, war Vorsitzende des Frauenvereins von Biskupstungur und sang über 25 Jahre im Kirchenchor von Skálholt. Ágústa starb im September 2004

Als junger Mann begeisterte sich Björn Sigurðsson wohl für Fortschritt und Technik, aber je älter er wurde, desto mehr interessierte er sich auch für die Geschichte von Úthlíð und der Umgebung. 

Zum Gedenken an seine Frau Ágústa beschloss Björn, auf eigene Kosten eine neue Kirche in Úthlíð errichten zu lassen. 

Sein Bruder Gísli Sigurðsson (1930 - 2010), der Journalist und Kunstmaler war, entwarf die Kirche gemeinsam mit dem Architekten Jón Ólafur Ólafsson. Der Bau wurde 2005 bis 2006 errichtet und schließlich am 9. Juli 2006 geweiht


Das Altarbild der Kirche wurde von Gísli Sigurðsson selbst gemalt - es zeigt Maria mit dem Jesus-Kind auf dem Schoß. Das Motiv wurde gewählt, da die alte Kirche von Úthlíð in katholischer Zeit eine Marienkirche war. 


Ein Porträt von Ágústa Ólafsdóttir, der Ehefrau von Björn Sigurðsson, befindet sich an der Seitenwand der Kirche. Da die Kirche bei unserem Besuch geschlossen war und wir nur durch die Tür gucken konnten, habe ich davon leider kein Foto. Das Porträt wurde von dem katalanisch-isländischen Maler Baltasar Samper (1938 - 2026) gemalt (übrigens der Vater des Regisseurs und Schauspielers Baltasar Kormákur Baltasarsson). (Die Welt ist klein, und in Island ganz besonders.)

In der Kirche gibt es eine elektrische Orgel.

Die Kirchenglocken sind alt und stammen noch aus dem Jahr 1742, das steht zumindest auf der Homepage der Kirche von Island


Der alte Kirchhof befindet sich noch neben der neuen Kirche. 




Interessant fand ich auch diese Statue neben der Kirche, ein weißer Engel mit Flügel. Haube und Schwert, auch wenn das Schwert schon leichte Rostspuren (?) zeigt.


Leider habe ich zu der Statue keinerlei Information gefunden, weder vor Ort noch hinterher online. Also falls jemand etwas zu dem Engel weiß, wäre ich für eine entsprechende Mitteilung wirklich dankbar!