Die letzten Tage hatten wir immer Besuch, während wir gefrühstückt haben - jeden Tag saß ein Schneehuhn auf dem Zaun unserer Terrasse. Jeden Tag war es ein anderes Schneehuhn, der Färbung des Gefieders nach. Und jedes Mal saß das Schneehuhn seelenruhig und lange auf dem Zaun.
Das Schneehuhn gestern saß mindestens eine Stunde lang auf unserem Terrassen-Zaun. Und wir konnten ihm ausgiebig zuschauen, wie es sich putzte, von einem Fuß auf den anderen trat, lange komplett ruhig auf einem gefiederten Fuß stand, sich wieder putzte, den Hals reckte, die Umgebung musterte, sich wieder putzte, irgendwann über den Zaun defäkierte, sich wieder aufplusterte, sich wieder die Füße vertrat... Viel spannender als jede Nachrichtensendung im Fernsehen!
Heute hatten wir wieder Besuch zum Frühstück. Dieses Mal saß das Schneehuhn in aller Seelenruhe auf der anderen Seite der Terrasse und hat uns zum Dank auch noch auf den Zaun gekackt.
Normalerweise kenne ich Schneehuhn-Kot etwas anders, eher wie hier auf dem Bild (aufgenommen auf unserer hinteren Terrasse im Oktober 2024) als kleine, dunkle Würste, optisch eher ähnlich wie Holzpellets. Keine Ahnung, ob unser Schneehuhn heute vielleicht Verdauungsprobleme hatte oder ob es nur der Unterschied zwischen frischem Kot und getrocknetem ist.
Schneehühner in Island
Ein Schneehuhn heißt auf Isländisch "rjúpa" oder auch "fjallarjúpa" (= Berge-Schneehuhn), im Plural sind es dann "rjúpur".
Die Schneehühner gelten als einer der charakteristischsten Vögel der isländischen Natur mit einer besonderen Bedeutung für das hiesige Ökosystem. Für die Gerfalken sind die Schneehühner eines der Hauptnahrungsmittel, insbesondere in der Brutzeit ernähren sich die Falken zu über 90% von Schneehühnern - ohne Schneehühner in Island würden hier auch der Gerfalken aussterben. Außerdem fressen auch Polarfüchse die Schneehühner, ihre Eier und ihre Kücken - ebenso wie Nerze, Möwen oder Seeadler.
Die Schneehuhn-Population in Island gilt als potentiell gefährdet.
Während zwischen 1900 und 1950 in guten Jahren schätzungsweise 3 bis 5 Millionen Schneehühner im Herbst auf Island lebten, ging der Bestand seitdem langfristig zurück, teilweise gab es Jahre mit weniger als 200.000 Schneehühnern im Herbst. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Schneehuhn-Jagd komplett verboten, um einen weiteren Rückgang der Tiere zu verhindern.
Insbesondere der Klimawandel gefährdet den Bestand von Schneehühnern in Island, sowohl durch fehlenden Schnee im Winter (wenn die Schneehühner mit ihrem schneeweißen Winter-Gefieder in der dunklen, schneelosen Lava-Landschaft zur leichten Beute für Raubvögel werden) als auch durch extreme Wetterschwankungen im Frühjahr:
Schneehühner brüten in Island ab Mitte Mai, die Brutzeit dauert ca. 3 Wochen, anschließend dauert es noch 6 bis 8 Wochen, bis die Küken ihre Mütter verlassen können. Schneehühner sind Bodenbrüter. So können Kälteeinbrüche und heftige Schneestürme bis in den Juni hinein zum Verlust der Nester mit Eiern und Küken führen.
Es gibt aber auch Befürchtungen, dass die Aufforstung der isländischen Wälder den Brut- und Lebensraum der Schneehühner einschränken könnte, wenn Torf- und Grasland, die Hauptbrutgebiete für Schneehühner und andere Heidevögel, langfristig in größerem Umfang in Nadelwälder umgewandelt würden.
Nach den massiv gesunkenen Zahlen an Schneehühnern Anfang des 21. Jahrhunderts gehen die Behörden mittlerweile aufgrund der Zählungen der letzten Jahre davon aus, dass sich der Schneehuhn-Bestand auf Island wieder etwas erholt und stabilisiert hat.
Im Osten und Nordwesten des Landes entspricht die Schneehuhn-Population 2026 in etwa den Zahlen des Vorjahres, im Westen und in den Westfjorden wurden etwas mehr Vögel gezählt als im Vorjahr und im Nordosten und im Süden gab es deutlich mehr Brutpaare als 2025. Insbesondere im Nordosten wurden jetzt mehr Schneehühner gezählt als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen 1981.
Allerdings wurde festgestellt, dass es zwar viele Brutpaare gibt, der Bruterfolg, gemessen an der Anzahl der Jungvögel, jedoch eher schwach bis mäßig ist. Die schwachen Fortpflanzungsraten geben weiter Anlass zu Besorgnis.
Die Seehuhnjagd-Saison 2026
Für viele Isländer ist Schneehuhn ein traditionelles Weihnachtsgericht, und die Jagd auf Schneehühner im Herbst hat in Island in vielen Familien eine tief verwurzelte Tradition. Gejagt wird hier traditionell mit der Flinte.
Die Jagdsaison für Schneehühner (rjúpnaveiðitímabilið) beginnt dieses Jahr landesweit am 23. Oktober 2026.
Gejagt werden darf von Freitag bis Dienstag - mittwochs und donnerstags ist die Jagd verboten.
Aufgrund der jeweiligen regionalen Population der Schneehühner wurde eine Zonierung vorgenommen, in den verschiedenen Regionen Islands dauert die Jagdsaison hier jeweils unterschiedlich lang - während die Schneehuhn-Jagd hier im Süden und im Nordwesten nur bis zum 17. November erlaubt ist, darf in den Wesrfjorden eine Woche länger gejagt werden, im Westen und im Nordosten darf bis zum 1. Dezember gejagt werden und im Osten sogar bis zum 22. Dezember, also bis kurz vor Weihnachten.
Auf Reykjanes gibt es ein Schutzgebiet, in dem keine Schneehuhn-Jagd erlaubt ist.
![]() |
| Quelle: nattúruverndar stofnun |
Auf Island gibt es etwa 4.000 bis 5.000 Schneehuhn-Jäger, statistisch geht davon jeder an drei oder vier Tagen auf die Jagd, oft über ein verlängertes Wochenende, wenn das Wetter mitspielt. Feste Jagdquoten für Jäger, wie in früheren Jahren, als z.B. nur 4 Schneehühner pro Jäger geschossen werden durften, gibt es nicht mehr, es darf aber weiterhin nur für den Eigenbedarf gejagt werden.
Es gilt ein generelles Verkaufsverbot für isländische Schneehühner.
Im Supermarkt kann man aber importierte, tiefgefrorene Schneehühner aus Großbritannien kaufen.








































