Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Donnerstag, 14. Mai 2026

Kanilterta með bláberjum

Zimt-Torte mit Blaubeeren



Ich liebe ja Zimt, so ziemlich in jeder Lebenslage, und Sahnetorten sind sehr beliebt auf Island, erst recht mit Früchten. 

Eigentlich wollte ich dieses Rezept schon länger ausprobieren, aber in letzter Zeit kam immer etwas dazwischen - jetzt gab es die Zimt-Torte mit (tiefgekühlten) Blaubeeren dann eben bei uns heute an Christi Himmelfahrt (uppstigningardagur) zum (deutschen) Vatertag. (Der isländische Vatertag, der feðradagur, hat noch Zeit, der wird erst am zweiten Sonntag im November gefeiert.)

Achtet darauf, die Torte im Kühlschrank gut durchziehen zu lassen, dann werden die Böden ein bisschen weicher und lassen sich etwas besser schneiden und es gibt vielleicht kein Torten-Gemetzel (so ähnlich sah es zumindest bei uns aus, als ich die Torte geschnitten habe, mein Mann hat es definitiv besser hinbekommen!).


Zutaten

180 g Butter
180 g Zucker
180 g Mehl
2 Eier
1 TL Zimt

500 ml Schlagsahne
1 TL Vanillezucker
150 g Blaubeeren

100 g dunkle Schokolade
40 g Butter


Zubereitung

Für den Teig die Butter, den Zucker, das Mehl, das Ei und den Zimt in eine Rührschüssel geben und gründlich verrühren. 



Für die vier Tortenböden mit Hilfe eines Springform-Boden o.ä. (Durchmesser 18 cm) Backpapier zurecht schneiden, den Teig dann mit angefeuchteten Hände dünn in Form streichen... 


...und immer zwei Böden bei 175° Ober-Unter-Hitze ca. 8 - 10 Minuten lang backen.

Die fertig gebackenen Böden gut auskühlen lassen und dann vorsichtig vom Backpapier lösen.

Die Sahne in einem hohen Rührgefäß steifschlagen, dann die Blaubeeren und den Vanillezucker unterrühren.


Den ersten Tortenboden auf eine Tortenplatte legen, mit einem Drittel der Sahne-Mischung bestreichen, den zweiten Tortenboden auflegen und mit dem zweiten Drittel der Sahne-Mischung bestreichen. 


Noch den dritten Tortenboden auflegen, mit dem Rest der Sahne-Mischung bestreichen... 


...und zum Schluss den vierten Boden auf die Torte legen. 

Die Schokolade im Wasserbad schmelzen, die Butter dazu geben, und die geschmolzene Masse dann auf dem obersten Boden verteilen. Nach Belieben noch mit Kaffee-Gewürz, Zimt o.ä. am Rand bestreuen.



Die Zimt-Torte dann mind. 3 Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen (dann werden die Böden etwas weicher und lassen sich besser schneiden).


Guten Appetit!



Donnerstag, 7. Mai 2026

Fröken Selfoss im April 2026

Spontanes Mittagessen nur zu zweit


Letztens waren wir ganz spontan und privat mittags essen, also nicht eingeladen als Food Blogger, sondern auf eigene Kosten einfach nur in einem unserer Lieblingsrestaurants hier - und zwar im "Fröken Selfoss", am Brúartorg in der "Neuen Stadtmitte" von Selfoss. 

Kennengelernt haben wir das Restaurant im August 2024, damals hatten uns die Besitzer Árni und Guðný Sif zu einem isländischen Menü eingeladen, das wirklich fast alles enthielt, was man mit der isländischen Küche verbindet, eine großartige kulinarische Erfahrung - wir waren wirklich absolut begeistert! Und sind es immer noch!

Das Restaurant hatte zunächst im Herbst 2023 als Tapas-Bar angefangen, aber das funktioniert an diesem Ort nicht, daraufhin haben sie eine große Kehrwende gemacht und den Fokus auf isländische Zutaten aus der Umgebung gelegt. Isländische Küche für Isländer.


Gerade hier in Südisland gibt es viele landwirtschaftliche Betriebe, Gewächshäuser, Bauernhöfe, Fischer, so dass es täglich frisches saisonales Obst und Gemüse gibt, aber auch frischen Fisch, frisches Fleisch oder Liköre aus einer regionalen Brennerei. Es werden aber auch besondere, gute Zutaten aus anderen Ecken Islands verwendet. Diese hochwertigen Zutaten werden dann in der Küche des "Fröken" auf spannende, innovative Weise zu einer modernen, teilweise komplett neuen Geschmackserfahrung zusammen gesetzt - klassisch-isländische Küche mit einem genialen, ganz eigenen Twist! 


Bei unserem Besuch jetzt haben mein Mann und ich uns eine Vorspeise und ein Hauptgericht geteilt. Das war auch kein Problem, die nette Bedienung bot uns auch direkt an, jeweils einen Zusatzteller zu bringen, das fand ich sehr nett. 


Vorspeise

Als Vorspeise hatten wir "Krómhjartar Carpaccio", also Rentier-Carpaccio, hauchfein in Scheiben geschnitten, dazu Rucola, Sauerampfer-Pesto mit nativem Raps-Öl und geriebener Zitronenschale, dazu süßer, milder Grettir-Käse, Nüsse und grobes Meersalz. Der Preis lag bei 3.899 ISK, umgerechnet gut 27 €. 

Hauptgericht

Als Hauptgericht hatten wir "Pönnusteikt Bleikja", als "Gebratenen Saibling" mit geröstetem Gemüse, Kartoffeln, dazu eingelegtem Fenchel und einer Knoblauch-Kapern-Butter. Mein Mann war besonders von dem eingelegten Fenchel ganz überrascht und begeistert! Das Hauptgericht kostete  5.499 ISK, also umgerechnet rund 38 €.


Es waren jetzt keine besonders großen Portionen, aber wir sind zu zweit von einer Vorspeise und einem Hauptgericht satt geworden und das Essen war wirklich ein Genuss, gerade durch die unterschiedlichen Aromen und verschiedenen Strukturen, z.B. die knackige, leicht säuerliche Rauke, der milde, süßliche Käse, dazu die knackigen Nüsse, das körnige Meersalz, das zarte Rentier-Carpaccio - absolut lecker, genau mein Geschmack! Auch beim Hauptgericht - die Karotten waren herrlich weich und perfekt auf den Punkt geröstet, der Brokkoli war noch knackig, die Kartoffeln schön mehlig und süßlich, ebenso wie die Rüben - dazu der säuerliche Fenchel, die Kapern... perfekt. 

Zusammen haben wir also für knapp 9.400 ISK (umgerechnet rund 65 €) ein wirklich sehr leckeres, sehr isländisches Mittagessen genossen. 

War eine gute Idee, spontan hier essen zu gehen! 



Mittwoch, 6. Mai 2026

Gróðurhúsið - Mathöllin í Hveragerði

Das Gewächshaus - die Food Hall in Hveragerði 


Hveragerði ist eine kleine Stadt im westlichen Teil der Region Árnessýsla. Hier kommt man an, wenn man von der Hauptstadt Reykjavík über die Passstraße Hellisheiði auf der Ringstraße nach Osten fährt.

Die Gegend ist bekannt für heiße Quellen und Hochtemperaturgebiete

In der Beschreibung der Region, die der Verwaltungsbeamte und Landwirt Hálfdan Jónsson (1659 - 1707) im Jahr 1703 für den Gelehrten und Handschriftensammler Árni Magnússon (1663 - 1730) verfasst, finden sich Anhaltspunkte, dass die heißen Quellen bereits damals zum Baden, Kochen und Wäschewaschen genutzt wurden. 

Bereits 1912 wurde hier am Fluss unterhalb des kleinen Wasserfalls eine Wollfabrik gegründet, deren Fundamente man heute noch beim Besuch vom Park von Hveragerði sehen kann (Abriss der Fabrik 1915). Später wurde die Mjólkurbú Ölfusinga, die Molkerei der Menschen aus Ölfus, gegründet (Insolvenz 1938). Um das Jahr 1930 entstand dann hier ein erster kleiner Ort. Nach 10 Jahren lebten hier immerhin schon rund 140 Menschen. Seit 1987 ist Hveragerði eine Stadt (bær), damals mit etwa 1.500 Einwohnern. Heute leben hier knapp 3.400 Einwohnern

Der Ort ist auch bekannt für seine Gewächshäuser, die mit Erdwärme beheizt werden. Hier werden Obst und Gemüse, u.a. auch Bananen, und Blumen angebaut. Die Stadt wird daher auch "die Blumenstadt" ("blómabærinn") genannt und im August werden hier jedes Jahr die "blómstrandi dagar" veranstaltet, die "blühenden Tage" - ein Volks- und Familienfest.  

Passend zur Blumen- und Gewächshausstadt ist die Food Hall von Hveragerði als "gróðurhús" gestaltet, als Gewächshaus. Von außen macht das Gebäude nicht unbedingt viel Eindruck, ...

Rückseite des Gebäudes im April 2026 
(bei starkem Schneetreiben)

.. aber das Innendesign des Hauses hat der isländische Bühnenbildner und Innenarchitekt Hálfdan Pedersen gestaltet. Es ist wirklich sehr schön, elegant und sehr gemütlich geworden!


Im Dezember 2021 wurde das Gróðurhús eröffnet

Das Gebäude wird dabei zu mehreren Zwecken genutzt - in den oberen Stockwerken gibt es ein Hotel, die Rezeption befindet sich unten in der Halle. Außerdem gibt es in dieser Gebäudehälfte noch Shops, ein Café und eine Eisdiele (die allerdings geschlossen war, als wir jetzt im Schneesturm im April dort waren). In der anderen Gebäudehälfte unten finden sich die Food Hall, die Bar und der Lounge-Bereich. Mit dem Konzept sollen sowohl Isländer als auch ausländische Touristen angesprochen werden.


Wir waren im April 2026 hier - eigentlich wollten wir im Ort etwas spazieren gehen, aber es schneite so stark, dass wir uns in das Gróðurhús geflüchtet haben. Ich wollte mir die Food Hall sowieso unbedingt einmal anschauen!


Wir sind hier erst einmal in Richtung der Hotel-Rezeption, des Cafés und der Shops gelaufen. 

Im "Farmers Market" von "Me & Mu" werden unter dem Motto "beint úr héraði" (= "direkt aus der Region") Gourmetprodukte von Bauern und Spitzenköchen aus Island und dem Ausland angeboten, insbesondere von kleineren Erzeugern und Unternehmen. Hier gibt es aber auch Hautpflegeprodukte, Seifen, Servietten etc. 


Den geräucherten Hering in Öl fand ich ja sehr charmant und sehr süß verpackt, aber 2.290 ISK (knapp 16 €) fand ich für 120 g relativ viel - zumal ich persönlich doch gar keinen Räucherhering mag!


In die verschiedenen Sorten Lakritz-Kugeln habe ich mich sofort verliebt, es gab wahlweise Blaubeeren mit weißer Schokolade oder Salz-Karamell. Leider waren sie mit rund 30 € pro Dose auch doppelt so teuer wie die Kugeln von "Lakrids by Bülow", deshalb habe ich es mir dann schweren Herzens doch verkniffen, welche zu kaufen - schließlich habe ich ja auch noch leckere Lakritz-Schoko-Kugeln zu Hause.


Im Vordergrund sieht man hier die Bekleidung vom isländischen Outdoor-Ausstatter 66°North, im Hintergrund eine Auswahl vom Herrenausstatter Kormákur & Skjöldur


Das hier ist der Bereich von epal, einem bekannten isländischen Design-Geschäft (gegründet 1975). Hier werden insbesondere Produkte isländischer Designer und aus den anderen nordischen Ländern angeboten. 


Über diese Tassen hier habe ich mich persönlich ganz besonders gefreut. 

In die Tassen habe ich mich verliebt, seit ich sie zum ersten Mal im Schaufenster der Galerie von Inga Elín auf der Skólavörðustígur gesehen habe. Leider fand mein Mann (ja, ich weiß, er hat da nicht ganz Unrecht!), ich hätte schon genug Tassen im Schrank. Aber mein Herz hing nun einmal so an diesen schönen Tassen..! 

Im Januar 2024 habe ich mir dann, nachdem ich die erste Abrechnung über mein Autoren-Honorar für die Sonderausgabe von "Zauber des Nordens" bekommen hatte, endlich meinen Traum erfüllt und mir von einem Teil des Honorars für umgerechnet rund 40 € eine von diesen wunderschönen Tassen gekauft. Hach - schön!

Foto von 2024

Nach dem Epal-Shop kamen wir dann bei unserem Rundgang von den Geschäften zum Bereich der Food Hall auf der anderen Seite des Gebäudes. 

Hier gibt es verschiedene gastronomische Angebote, von Wok-Gerichten über Burger, Fish & Chips, Steak oder Fischsuppe bis zu Nachos und Tacos und kleinen Gerichten wie Pommes oder gebratenem Gemüse. Geöffnet sind die Restaurants derzeit in der Regel von 11.30 Uhr bis 21 Uhr (Stand: April 2026). 

Die Gäste sitzen hier gemütlich an kleinen Tischen oder langen Bänken, essen, trinken, unterhalten sich und genießen das Leben. 


Z.B. im Taco Vagninn werden frische Tacos und Nachos mit mexikanischem Flair angeboten. Hier gibt es u.a. für gut 8 € hausgemachte Nachos-Chops mit spezieller Mayonnaise, Frühlingszwiebeln, Koriander, Chili und Nüssen, die Tacos kosten (je nach Portionsgröße) zwischen rund 15 € und 27 €, die Portion Pommes mit Mayo, Frühlingszwiebeln, Koriander, Chili, Nüssen, Speck und Parmesan liegt bei knapp 14 €. Sieht wirklich alles sehr lecker aus - und der Food Truck ist definitiv richtig cool gestaltet!  


Im "Hipstur" stehen frische Speisen mit Fisch, Fleisch und Gemüse im Vordergrund - sowohl Gerichte, die fest auf der Speisekarte stehen, als auch wechselnde saisonale Gerichte. Z.B. kostet der "Fisch des Monats" aktuell rund 29 €, eine Portion Fish & Chips kostet rund 27 €, das Rippensteak mit Pommes liegt bei gut 45 € und die Fischsuppe kostet als Vorspeise rund 19 € oder als Hauptgericht rund 22 €.


Im "YUZU" gibt es saftige Burger mit Sauce und Pommes für Preise zwischen 21 und 24 €, dazu noch kleine Gerichte wie Nuggets, frittierte Hähnchenteile, Pommes, Süßkartoffel-Pommes oder eine Schale Kimchi für rund 7 bis 14 €.

Seit kurzem gibt es in der Food Hall auch das "WokWok", hier bekommt man Wok-Bowls mit Fleisch und Fisch für rund 23 €, außerdem Wok-Gerichte für rund 25 € sowie Gemüsegerichte für rund 13 €.

Natürlich gibt es für die Gäste der Food Hall auch kostenlos Leitungswasser zum Trinken, wie in isländischen Restaurants üblich.


Das hier ist dann der Lounge-Bereich hinter der Bar. Es sieht richtig gemütlich aus, mit den weichen alten Sofas, den Sesseln, den niedrigen Tischen und den vielen Sofakissen! 



Definitiv ein richtig gemütlicher Ort - nicht nur dann, wenn es draußen mal wieder stürmt und schneit!