Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Freitag, 17. Juli 2026

Appelsín og Appelsvín

Werbegag: Appelsvín


Hið eina sanna Appelsín, das einzig wahre Appelsín, ist die meistverkaufte Orangenlimonade auf Island. 

Egils Appelsín ist ein kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk mit Orangengeschmack, das seit 1955 von der Brauerei Egill Skallagrímsson hergestellt wird - ein süßes, sprudelndes und vor allem leuchtend orangenes Getränk. Der Name kommt vom isländischen Wort "appelsína" für Apfelsine / Orange. 

Appelsín besteht aus kohlensäurehaltigem Wasser, Zucker, Aromen, Säuren und Farbstoff (E160e). Zuckerfreies Appelsín án sykurs enthält statt Zucker Süßstoffe.  


In den 1960er Jahren wurde es auf Island üblich, zu Weihnachten Appelsín und Malzbier zu mischen und das Ganze dann als "jólaöl" (= "Weihnachtsbier") zu genießen. Es heißt, zwischen Isländern sei es teilweise höchst umstritten, in welchem Verhältnis Malt und Appelsín für die perfekte Mischung für Jólaöl stehen sollen - 50/50 oder doch lieber 60% Malzbier und 40% Appelsín..? Natürlich gibt es "jólaöl" hier auf Island auch längst fertig gemischt zu kaufen.



Welche Firma steht hinter Appelsín?

Ölgerðin Egill Skallagrímsson, die Brauerei Egill Skallagrímsson, ist ein isländischer Getränkehersteller, die älteste noch aktive Brauerei Islands

Die Firma wurde am 17. April 1913 von Tómas Tómasson gegründet. Der Name "Egill Skallagrímsson" ist eine Hommage an Egill Skallagrímsson (ca. 910 - 990), den Held der Egils Saga und einen der berühmtesten Wikinger, Krieger, Dichter und frühen Siedler Islands. In einem Interview soll Tómas später erklärt haben, er habe sich für diesen Namen entschieden als Symbol für das kulturelle Erbe des Landes und das isländische Nationalbewusstsein - da der Sagen-Held Egill landesweit bekannt war als "mikið ölskáld og mikill drykkjumaður", also als "großer Bier-Poet und starker Trinker". 

Der Firmengründer Tómas Tómasson (1888 - 1978) stammte aus Miðhús in der Nähe des heutigen Ortes Hvolsvöllur (wobei der Ort tatsächlich erst ab 1930 um eine Genossenschaftsfiliale herum entstanden ist). Tómas begann zunächst mit dem Brauen von Malzbier in einem gemieteten Keller in Reykjavík an der Straße zwischen Parlament und Domkirche (Templararsund), zog aber schon bald in größere Räumlichkeiten am Lækjartorg um. Es heißt, im ersten Jahr verkaufte Ölgerðin etwa 38.000 Liter, hauptsächlich Malzextrakt und Hvítöl (isländisches Leichtbier) - wenn man bedenkt, dass Reykjavík zu dieser Zeit gerade mal rund 13.000 Einwohner hatte, war das eigentlich kein schlechter Start. 

Quelle: www.olgerdin.is
Im Jahr 1915 wurde in Island allerdings die Prohibition eingeführt, ein komplettes Alkoholverbot. Keine guten Zeiten für eine Brauerei, die sich in dieser Zeit auf alkoholfreies Malzbier und unterfermentiertes Leichtbier konzentrierte. Das strikte Alkoholverbot wurde jedoch im Laufe der Zeit wieder gelockert, so durfte ab 1934 wieder Leichtbier mit max. 2,25 % Alkohol hergestellt und verkauft werden. 

Als die Briten 1940 Island besetzen, beschwerten sich die Befehlshaber der britischen über den Biermangel, also reagierte die isländische Regierung schnell und verabschiedete ein Gesetz, dass die "richtige" Bierproduktion für die Armee erlaubte. Die Brauerei Egill Skallagrímsson begann, für diesen Markt "Polar Ale" / "Polar Beer" herzustellen. 

Erst am 1. März 1989 wurde nach 74 Jahren das Bierverbot in Island komplett aufgehoben - der Tag wird seitdem als "bjórdagurinn" (= "Tag des Bieres") gefeiert. 

Die Brauerei Egill Skallagrímsson stieg schon in frühen Jahren zunehmend in den Bereich Erfrischungsgetränke ein, kaufte z.B. 1934 Kaldá, die älteste Limonaden-Fabrik Islands (gegründet 1898) und produzierte zunehmend auch Softdrinks

Bereits seit 1930 gab es verschiedene Versuche von Ölgerðin, Orangen-Limonade herzustellen, aber keine davon reichte auch nur annähernd an die Beliebtheit der Orangen-Limonade des isländischen Erfrischungsgetränkeherstellers Sanitas heran.

Erst 1955 gelang Ölgerðin mit "Appelsín" der Durchbruch. Über Jahre hinweg experimentierte Sigurður Sveinsson im Auftrag von Ölgerðin an der Herstellung von Orangen-Limonade, aber 1955 entwickelte er dann die Mischung, die bei den Isländern sofort zum Verkaufsschlager wurde und heute noch "typisch isländisch" ist - Appelsín, "íslenski þjóðargosdrykkurinn", "die isländische National-Brause".

Quelle: olgerdin.is

Heute produziert die Firma Ölgerðin Egill Skallagrímsson im Jahr etwa 45 Mio. Liter Getränke, von Malzbier über alkoholfreie Erfrischungsgetränke bis zu zahlreichen Sorten alkoholfreiem Bier, Leichtbier und Bier. 

Werbegag im Sommer 2026: Appelsvín 

Ja, ich weiß, ein Werbegag, eine Kollaboration zwischen Ölgerðin Egill Skallagrímur und der Supermarkt-Kette Bónus

Appelsvín ist eine limitierte Edition vom klassischen zuckerfreien Appelsín, die seit dem 20. Mai 2026 in den Bónus-Geschäften verkauft wird, in pinken Dosen mit dem klassischen Bónus-Schwein darauf. Das Getränk ist genauso orange wie sonst, nur die Dose ist eben pink und das Bónus-Schwein zwinkert einem fröhlich zu. 

Der Name "Appelsvín" ist ein Wortspiel mit dem traditionellen "Appelsín" und dem Wort "svín" für Schwein, wie eben beim Bónus-Schwein. 

Natürlich musste ich mir so eine Dose Appelsvín kaufen! 


Bónusgrísinn - das Bónus-Schwein

Ich bin persönlich sowieso ein großer Fan vom Bónus-Schwein, ich finde, diese schielende Grinse-Schwein macht mir einfach direkt gute Laune! Und beamt mich gefühlt jederzeit zurück nach Island! Ich habe mir sogar schon im Freestyle zwei Taschen mit dem Grinse-Schwein gestrickt, einfach weil es mir so gut gefällt!


Mittlerweile habe ich gelernt, dass das Original grinsende Bónus-Schwein 1989 von der Grafikdesignerin Edith Randy Ásgeisdóttir entworfen wurde, bei der Eröffnung der ersten Filiale für die damaligen Gründer von Bónus. 

Edith Randy war im Laufe von knapp 20 Jahren immer wieder im Rahmen von verschiedenen Design- und Werbeprojekten für Bónus tätig. Mit den beiden Gründern Jóhannes Jónsson und seinem Sohn Jón Ásgeir Jóhannesson hatte die Grafikerin 1991 einen Vertrag abgeschlossen, wonach sie die Nutzungsrechte an dem Bild nur vorübergehend an die Besitzer von Bónus übertragen hatte und im Fall eines Eigentümerwechsels die Nutzung widerrufen konnte. Tatsächlich hatten die Eigentümer der Supermarkt-Kette seitdem schon mehrfach gewechselt, Edith Randy hatte auch noch mit den jetzigen Eigentümern, der Firma Hagar hf., bis 2007 zusammen gearbeitet. Das isländische Patentamt hatte bereits entschieden, dass Hagar die Rechte an dem Schwein besaß. Erst 9 Jahre später versuchte die Grafikerin, die Nutzungsrechte an dem Bónus-Schwein zu widerrufen.  

Im November 2014 entschied das Bezirksgericht Reykjavík, dass Edith Randy ihren Widerruf früher hätte geltend machen müssen und zu lange untätig geblieben sei, daher wurden ihre Ansprüche zurückgewiesen und die Nutzung des Bildes der Eigentümer-Firma zugesprochen. Auch im Berufungsverfahren wurden vom Obersten Gerichtshof in Reykjavík im Herbst 2015 die Rechte an dem Bónus-Schwein der Eigentümer-Firma Hagar zugesprochen. 

Im Jahr 2021 wurde das Bónus-Schwein ein wenig modifiziert - modernisiert, wie es heißt. Zuerst war ich von dem neuen Schwein gar nicht überzeugt - aber ich gebe zu, mittlerweile habe ich mich auch daran komplett gewöhnt... 

Altes Schwein - neues Schwein
Quelle: visir.is

Auf jeden Fall habe ich mich über den Werbe-Gag mit dem pinken Appelsvín gefreut!



Dienstag, 14. Juli 2026

Sumarveður á Íslandi

Sommerwetter auf Island 


Letztes Wochenende hatten wir richtig tolles Wetter, sonnig, an die 20° und strahlend blauen Himmel. Herrlich! 

Aber seitdem sitzen wir die letzten 10 Tage gefühlt im Dauerregen und das bei maximal 13°. 

Okay, tatsächlich regnet es mal mehr und mal weniger, richtig "Wolkenguss" ist selten, es gibt sogar kurze Pausen, wo es tatsächlich mal fast nicht oder sogar gar nicht regnet. Aber alles in allem haben wir penetranten Dauerregen, gerne auch mal waagerecht durch den Wind, und der Regen durchfeuchtet alles so richtig schön gründlich... Ach so, "durchnässt" heißt auf Isländisch "gegnvott" oder "gegnblautt". ("Klitschnass" wäre dann "hundvott" oder "rennblautt".)

Gestern Nachmittag waren wir für ein paar Besorgungen in Reykjavík. Die Fahrt über die Hellisheiði war nicht so richtig schön. Hier bei uns war die Sicht noch okay, aber hinter Hveragerði hüllten sich die Berge schlagartig in dichten Nebel. In Reykjavík war das Wetter dann wieder besser oder zumindest weniger neblig, aber zurück dasselbe - kaum Sicht und dichter Nebel, teilweise keine 50 Meter Sicht und wenn man die Scheinwerfer seines Vordermanns verlor, war das schon unpraktisch beim Fahren... Bei Kambar war kaum der Aussichtsplatz zu sehen, geschweige denn die Aussicht. 

Kambar ist der Name des steilen Hangs, der sich von der Hellisheiði bis nach Ölfus, westlich von Hveragerði, erstreckt. Die Ringstraße führt hier entlang und runter von der Hellisheiði nach Hveragerði. Es gibt hier einen kleinen Parkplatz, von dem aus man - bei gutem Wetter - eine fantastische Aussicht hat, bis zum Seljalandsfoss und den Westmänner-Inseln. 

Wir sind gestern vielleicht gegen 18 Uhr hier lang gekommen, waren dann noch in Hveragerði einkaufen. Als wir schließlich nach Hause kamen, sah ich online beim Morgunblaðið eine Meldung von 19.49 Uhr, dass gestern Nachmittag hier bei Kambar ein Auto von der Ringstraße abgekommen war und sich überschlagen hatte. Wahrscheinlich führte die schlechte Sicht vor Ort zu dem Unfall. Laut Polizei wurde der Fahrer zur medizinischen Versorgung gebracht, soll aber wohl zumindest nicht schwer verletzt sein. 

Die Ringstraße musste wegen des Unfalls gestern auch nicht gesperrt werden. Es reichte, kurzzeitig die Fahrbahn zu sperren, während das Fahrzeug entfernt wurde. Um 19.49 Uhr, als die Meldung online erschien, war der Fahrer versorgt und das Auto bereits geborgen. Der Unfall muss also passiert sein wirklich kurz nachdem wir hier im Nebel langgefahren waren. 

Foto: mbl.is/ Sigur Bogi

Bereits am Sonntag hatte es eine Wetterwarnung gegeben, vor starken Winden und Windböen. Und da hatte es mehrere witterungsbedingte Unfälle gegeben. So hatte der Wind am Sonntag mehrere Anhänger von der Straße geweht und umgekippt. Die Ringstraße musste kurzzeitig gesperrt werden, sowohl über die Hellisheiði nach Süden als auch nach Norden über die Holtavörðuheiði (Hochebene ca. 40 km nördlich von Bifröst).  

Foto: mbl.is

Foto: Heiðrún Hauksdóttir / Hið raunverulega Bakland Ferðaþjónustunnar

Auf der Webcam der isländischen Straßenverwaltung kann man gut erkennen, dass der umgestürzte Anhänger auf der Höltavörðuheiði aktuell dort immer noch neben der Straße liegt. 

Quelle: umferdin.is

Gutes Wetter nur im Osten

Und derweil sehe ich in den isländischen Nachrichten die Meldungen, dass am Wochenende im Osten der Insel Temperaturen über 25° gemessen wurden, herrlichstes Wetter, Sonnenschein, die Campingplätze sind überfüllt, die Inlandsflüge in den Osten ausgebucht - aber hier bei uns zeigt sich der isländische Sommer von seiner kühlen, feuchten Seite. 

Laut Wettervorhersage wird rund um Reykjavík in den nächsten 10 Tagen sogar das Neunfache der üblichen Regenmenge für diese Zeit erwartet. 


Na ja, aber mit 13° und Dauerregen bin ich persönlich sehr viel glücklicher als mit den +30° im deutschen Sommer derzeit... und schaue halt weiter aus dem Fenster in die graue Regensuppe und den Nebel. Irgendwann werden die Berge, die hier eigentlich im Hintergrund sind, schon wieder auftauchen..! 




Montag, 13. Juli 2026

Grillsósa

Grillsauce


Wir hatten am Wochenende lieben Besuch hier und wir haben abends zusammen gegrillt, jeder hatte etwas mitgebracht und mein Beitrag war u.a. diese Grillsauce hier, mit Paprika und Zwiebel.

Ich habe die Grillsauce allerdings für eine Freundin mit Kuhmilchunverträglichkeit ohne Milchprodukte zubereitet, dafür habe ich die Crème fraîche durch 200 g "veganen Frischkäse" und ca. 50 ml "vegane Kochsahne" ersetzen, die ich miteinander verrührt habe. Manchmal gar nicht so einfach, solche Ersatz-Produkte hier in Island im Supermarkt zu bekommen - im Bónus haben wir nur "Milch-Alternativen" gefunden, erst im Krónan gab es dann auch Sachen wie "vegane Butter" und "veganen Frischkäse". 

Das Ergebnis war richtig lecker!


Zutaten

200 g Crème fraîche
1 gelbe Paprika
1/4 rote Zwiebel
1 EL Tomaten-Ketchup
1 Prise grobes Meersalz
1/2 TL Chili-Pfeffer


Zubereitung

Die Paprika waschen und putzen, die Zwiebel schälen. Beides in kleine Stückchen schneiden.



In einer Schüssel die Crème fraîche mit Ketchup, Salz und Pfeffer verrühren und das kleingeschnittene Gemüse unterrühren.

Die Grillsauce als Beilage zu gegrilltem Fleisch oder Würsten servieren.



Die Sauce macht sich aber auch gut als Dipp für kleingeschnittene Gemüse-Streifen. Haben wir für Euch extra ausprobiert, im späteren Verlauf des Abends..! 


Guten Appetit!