Island-Fan Kochbuch – Traditionelle isländische Rezepte & isländische Essenskultur  

Sonntag, 12. Juli 2026

Perlubygg með arfasósu

Perlgraupen mit Mieren-Sauce


Dieses Gericht wird traditionell mit frischer Vogel-Miere zubereitet. 

Wenn man - so wie ich - gerade keine frische Vogel-Miere bekommt, kann man sich auch mit Rucola/Rauke, Feldsalat oder jungem Spinat behelfen. Ich habe mich hier für Rauke (auf Isländisch: klettasalat) entschieden, das habe ich im Supermarkt im Ort bekommen.

Graupen bzw. Perlgraupen (bankabygg bzw. perlubygg) waren bis etwa 1940 fester Bestandteil der isländischen Küche, bevor sie in der Alltagsküche von importierten Produkten wie Reis und Nudeln weitgehend verdrängt wurden. Ich verwende sie mittlerweile sehr gerne beim Essen. 

Gerste auf dem Feld in Vallanes

Der Gerstengraupen-Salat ist übrigens ein Rezept aus der Kategorie "immer schon vegan". Also nicht "veganisiert", sondern wirklich traditionell ohne tierische Produkte. Auch perfekt, wenn der Besuch z.B. keine Kuhmilch-Produkte essen kann.  


Zutaten

300 g Perlgraupen
750 ml Wasser
1 Apfel
1/2 rote Zwiebel
300 g frische Miere
200 ml Apfelsaft
100 ml Rapsöl
grobes Meersalz und frisch gemahlener Pfeffer


Zubereitung

In einem Topf das Wasser zum Kochen bringen, die Perlgraupen hinzugeben und ca. 20 Minuten lang weichkochen. Anschließend das Wasser abgießen und Graupen zum Abkühlen beiseite stellen.


Die halbe Zwiebel schälen und kleinschneiden.

Die Hälfte der Zwiebelstücke mit der Miere bzw. der Rauke o.ä. waschen und beides zusammen mit dem Apfelsaft und dem Rapsöl in den Mixer geben und pürieren. 


Den gewachsenen und geschälten Apfel vierteln und in kleine Stückchen schneiden.


Die restlichen Zwiebelstücke und die Apfelstückchen mit den ausgekühlten Graupen vermischen und mit der grünen Sauce übergießen. Alles gründlich vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den fertigen Salat abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren.


Bei uns gab es den grünen Graupensalat am Wochenenden als Beilage zum Grillen mit Freunden. 



Mittwoch, 8. Juli 2026

Ull und matur

Wolle und Essen


Dieses rosa Erdbeer-Sofakissen war ein besonderer Wunsch meiner Schwester

Manchmal kann man zwei Leidenschaften wunderbar verbinden, so wie ich hier bei diesem Sofakissen:

Meine Leidenschaft für Wolle und Stricken und meine Leidenschaft für isländisches Essen. 

Ich liebe ja, schon seit unserer ersten Island-Reise 2004, isländisches Essen. Seit 2014 schreibe ich hier im Blog darüber, probiere Rezepte aus etc. 

Als Geburtstagsgeschenk für eine Freundin, die hier in Island im Erdbeer-Gewächshaus arbeitet, hatte ich dann eine Sammlung isländische Erdbeer-Rezepte zusammengestellt - und aus diesem Geschenk entstand unser Buch "Isländische Erdbeer-Rezepte". 


Die deutsche Ausgabe erschien im April 2025. (Das Buch könnte Ihr aktuell im Buchhandel oder online z.B. bei Amazon bestellen.)

Die englische Version "Icelandic Strawberry Recipes" folgte dann im Mai 2025. 

Es war eine Gemeinschaftsarbeit von meinem Mann und meiner Schwester - er hat das Buch ins Englische übersetzt, anschließend hat sie als Lektor bzw. Korrekturleser die englische Fassung durchgearbeitet und sie uns mit Änderungen und Anmerkungen zurückgeschickt. 

Daher hat meine Schwester auch einen besonderen Bezug zu isländischen Erdbeer-Rezepten..! 


Meine andere Leidenschaft ist Stricken, am liebsten mit isländischer Wolle. 

Ich hatte letztes Jahr schon mehrere Stücke mit Erdbeer-Motiven gestrickt, z.B. diese Mütze und die Jacke mit Erdbeeren aus Léttlopi-Wolle.


Als ich jetzt im Frühjahr in Sachen selbstgestrickte Lopapeysa-Sofakissen im Stil isländischer Wollpullover (lopapeysa) ein bisschen eskaliert bin, kam von meiner Schwester der Wunsch, ob sie wohl auch ein selbstgestricktes Sofakissen bekommen könnte, rosa, mit Erdbeeren..? 


Erst dachte ich, das geht nicht, weil es die Farbe "Rosa" bei isländischer Léttlopi-Wolle eigentlich nicht so gibt. Es gibt die Farbe 1412 "bleik samkemba", gekämmte Wolle aus einer Mischung aus verschiedener rosagefärbter Wolle, aber eigentlich ist diese Wolle mehr knallig Pink als zart Rosa. 

In der dicken Island-Wolle (Álafosslopi) gibt es die Farbe 1239 "vetrarmorgun" (= Wintermorgen), die hellrosa sein müsste, aber die habe ich spontan nicht bekommen. Außerdem wollte ich eigentlich kein so dickes Sofakissen stricken. 

Schließlich habe ich mir dann als Hauptfarbe mit doppelt Plötulopi-Wolle beholfen, hier ist die Farbe 1425 "bleik samkemba" etwas weniger meliert und heller, zumindest in der Partie, die ich bekommen habe. (Außerdem riecht Plötulopi noch so richtig schön nach Schaf, wenn man die Nase hinein drückt, finde ich!)

Für das Muster habe ich Léttlopi in den Farben Weiß (0051) und Gelb (1703) verwendet, für die Erdbeeren Granatrot (1409), Gelb und Dunkelgrün (1407) und beim Grün habe ich noch einen dünnen Faden Fjallalopi-Wolle in Hellgrün (3032) dazu genommen. 


Ich bin mit dem Ergebnis auf jeden Fall sehr zufrieden - ich finde, das Kissen ist richtig schön geworden! 


Letzte Woche ist das Kissen per Post zu meiner Schwester gereist. Es ist auch schon gut angekommen und ich freue mich auf die Fotos, die noch folgen, wenn sie sich für das Sofakissen eine Kissenfüllung besorgt hat.  



Montag, 6. Juli 2026

Sunnudagsganga

Sonntagsspaziergang


Ich finde es immer wieder faszinierend - neben den bekannten, berühmten Plätzen, Touristen-Hot-Spots und Sehenswürdigkeiten gibt es auf Island auch immer noch kleine, unbekannte Orte, die nicht im Reiseführer stehen, keine Internet-Geheimtipps sind, und die vielleicht auch nicht ganz so spektakulär sind - aber trotzdem wunderschön. Und wo man dann auch immer noch ganz alleine ist. 

Den Krater Kerið mit seinem roten Gestein und dem Kratersee kennt fast jeder Island-Reisende, der den Golden Circle hier im Süden Islands besucht hat. Etwa 600.000 Menschen haben wohl im letzten Jahr den Kerið besucht, so die Angaben von Arctic Adventures, seit 2023 Eigentümer des Landes - damit besuchen knapp 30% aller Island-Besucher diesen Krater. 

Aber der Kerið ist nicht der einzige Krater mit einem See in der Mitte, den es hier gibt. Aber andere Krater sind nicht touristisch erschlossen, es gibt keine Schilder, keinen großen, befestigten Parkplatz, kein Toilettenhäuschen und keinen Food Truck und auch kein Eintrittsgeld, das man bezahlen müsste, es gibt noch nicht einmal eine richtige Straße. 


Trotzdem kann man auf einem offiziellen, gut markierten Wanderweg hier zu diesem Krater laufen. 


Der angelegte Wanderweg führt durch die moosbewachsene Lava-Landschaft und ist gut an den gelben Pflöcken mit den blauen Markierungen zu erkennen. An dieser Stelle hier findet sich auch noch eine alte Wegmarke, nehme ich an.


Die Lava hier ist noch nicht besonders alt, erst wenige tausend Jahre. Aber sie ist dicht bewachsen, ich schätze, mit Lavamoos bzw. genauer Zackenmützenmoos - der Pflanze, die sich nach einem Ausbruch typischerweise als erstes auf dem erkalteten Gestein ansiedelt. 


Auf der anderen Seite des Weges, gegenüber der Lava-Landschaft, liegt der grüne, mit Gras und kleinen Bäumen bewachsene Krater mit seinem kleinen, blauen Kratersee voller Wasserpflanzen.


Hier noch der Blick von der anderen Seite über den Kraterrand auf die Lava-Landschaft.


Schon beachtlich grün, für isländische Verhältnisse, finde ich! 


Mit einem letzten Blick in die Weite der Landschaft ging es dann für uns wieder zurück.


Das war definitiv ein netter Sonntagsspaziergang. Wir haben einen schönen Krater mit Kratersee kennen gelernt, von dem wir bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal Bilder gesehen hatten. Und wir waren ganz alleine hier, kein anderer Mensch weit und breit. So schön!