Samstag, 11. März 2017

Tauchen und Schnorcheln in der Silfra-Spalte

Aus aktuellem Anlass -

Gefahren werden zu oft unterschätzt



Die Silfra-Spalte ist eine kilometerlange, bis zu knapp 65 Meter tiefe Verwerfung zwischen den Kontinenten, in der Grabenbruchsspalte zwischen der Eurasischen und der Nordamerikanischen Erdplatte im Nationalpark Þingvellir, dem ehemaligen Thing-Platz aus dem 10. Jahrhundert am See Þingvallavatn. Das Wasser der Spalte stammt vom Gletscher Langjökull, ca. 60 km entfernt vom Þingvellir-Nationalpark. Für den Weg vom Gletscher bis zur Spalte durch das poröse Lava-Gestein benötigt das Gletscherwasser bis zu 100 Jahre.

Eiskaltes, kristallklares Wasser

Die Wassertemperatur in der Spalte liegt durch das Gletscherwasser konstant das ganze Jahr über zwischen 2 und 4 °C. Auf seinem Weg durch das poröse Lava-Gestein wird das Gletscherwasser natürlich gefiltert, und aufgrund der niedrigen Wassertemperatur leben hier keine Fische oder sonstige Kleinstlebewesen, die das Wasser wieder verschmutzen könnten. Das Wasser ist aufgrund dieser besonderen Konstellation unglaublich klar. Man kann unter Wasser über 100 Meter weit gucken.


Tauchen zwischen den Kontinenten

Außerdem kann man an einigen Stellen, wenn man die Arme ausbreitet, sowohl Amerika als auch Europa mit den Fingerspitzen berühren - im Prinzip jedenfalls. Und zumindest jetzt noch. Durch das Auseinanderdriften der Kontinente verbreitert sich die Region jedes Jahr um ca. 2 cm.

Zu viele Touristen - zu viele Gefahren

Die Silfra-Spalte gilt als absoluter Weltklasse-Tauchplatz und wird oft zu den 10 besten Tauchplätzen der Welt gezählt, sowohl aufgrund der unglaublichen "Sichtwelten", die sich dem Taucher hier bieten, als auch wegen ihrer ganz besonderen Lage "zwischen den Kontinenten". Allein im letzten Jahr (2016) besuchten rund 50.000 Touristen die Spalte, 40.000 davon schnorchelten in der Spalte, 10.000 gingen dort tauchen. Geführte Schnorchel-Touren dauern ca. 2 bis 3 Stunden (davon immer Wasser ca. 30 bis 45 Minuten) und kosten pro Person rund 160 €, Tagestouren zum Tauchen kosten etwa 400 € pro Person.


In den letzten Jahren gab es jedoch immer wieder schwere Unfälle in der Spalte, von 2010 bis 2016 starben dort bereits 3 Menschen. Nach einem tödlichen Unfall Ende 2012 sowie mehreren lebensgefährlichen Zwischenfällen wurden Tauch-Regeln für die Silfra-Spalte eingeführt, man darf seitdem nicht mehr alleine dort tauchen, nicht mehr tiefer als 18 Meter tauchen und man muss sich (gebührenpflichtig) im Nationalparkzentrum an- und abmelden.


Schon drei schwere Unfälle in diesem Jahr

Im Januar 2017 kam es erneut zu einem Zwischenfall, eine Touristin, die in der Silfra-Spalte getaucht hatte, bewusstlos aus dem Wasser gezogen, die Frau konnte aber wiederbelebt werden.

Am 12. Februar 2017 starb ein 70-jähriger US-Tourist, der mit einer Gruppe zum Schnorcheln dort war. Auf dem Weg zurück zur Einstiegsstelle verlor der Mann im Wasser das Bewusstsein, er wurde geborgen und mit dem Hubschraubers nach Reykjavík ins Krankenhaus gebracht, im Krankenhaus konnte nur noch der Tod festgestellt werden.

Am 10. März 2017 starb ein etwa 60 Jahre alter US-Tourist, der mit seiner Familie auf einer Gruppenreise durch Island unterwegs war. Er hatte beim Schnorcheln in der Silfra-Spalte einen Herzinfarkt erlitten und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Nationalparkverwaltung entschied noch am 10. März abends, die Spalte erst einmal für unbestimmte Zeit zu sperren.


Es wird schon seit einiger Zeit gefordert, die Besucherzahlen der Spalte nachhaltig zu reglementieren und strengere Tauchregeln einzuführen. Teilweise kommen die Besucher mit einer unzureichenden Ausrüstung, unterschätzen die Wassertemperatur oder können teilweise nicht einmal schwimmen. Manche versuchen sogar, ins Wasser zu springen, was in einem Grabenbruch absolut lebensgefährlich ist. Außerdem müssten die kommerziellen Anbieter geführter Touren besser überwacht werden.

Ein großes Problem ist aber auch die schiere Menschenmenge dort: Man muss daher vor Beginn seines Tauchgangs oder des Schnorchelns zu lange in den engen, noch trockenen Tauchanzügen am Ufer des eiskalten Wassers stehen und warten, bis man an der Reihe ist. Dadurch kommt es zu Unterkühlungen, Missempfindungen und Taubheitsgefühlen. Der Druck auf die Halsschlagadern wird in den steifen Anzügen während der langen Wartezeit bis zum Einstieg zu hoch, dadurch verlieren immer wieder Menschen schon vor Beginn des Tauchgangs das Bewusstsein und das Risiko während des Tauchens steigt drastisch an.

Island ist lebensgefährlich - ganz besonders, wenn zu viele Menschen teilweise zu ahnungslos die Gefahren unterschätzen.



Kommentare:

  1. Hallo Danke für den Gefahrenhinweis und das man vorsichtig seien muss. Toller Informationsblog. Echt gut geschrieben!!

    Gruß
    Wibi1405

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