Sonntag, 20. Januar 2019

Buchrezension "Island - Das Kochbuch"

Kulinarische Entdeckungen im Land der Feen und Trolle


Dieses Buch hier habe ich zu Weihnachten als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag bekommen, um es zu testen und hier bei mir im Blog zu besprechen.

Vorweg - ich finde das Buch genial und kann es wirklich empfehlen, aber den einen oder anderen kleine Wermutstropfen gibt es für mich leider doch.


Die Autorin und das Buch

Die Autorin Gudrun M. H. Kloes stammt aus Rheinhessen, lebt aber schon seit 1982 in Nordisland. Sie arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Verlegerin und freut sich sichtlich an der kulinarischen Bandbreite der isländischen Gegenwartsküche.

In ihrem Kochbuch nimmt sie uns mit auf eine kulinarische Reise durch das "Land der Feen und Trolle" und stellt die kulinarischen Traditionen des Landes vor, und zwar durch Porträts von Menschen mit einer besonderen Beziehung zu isländischem Essen. Es geht um ihre Arbeit, ihren Arbeitsplatz, ihre Produkte - und die entsprechenden Rezepte dazu. Da ich vielen dieser Menschen schon auf die oder andere Weise begegnet bin, fand ich das Buch natürlich ganz besonders toll!


Eine kulinarische Reise durch Island

So stellt Gudrun Kloes uns z.B. die Meeressaline Saltverk vor, in den isländischen Westfjorden. Ich war bisher schon 3 Mal dort zu Besuch - und liebe das gute Meersalz, was sie dort kochen. Und Gísli Matt Auðunsson, der vielfach ausgezeichnete junge Koch von den Westmännerinseln, hat dazu ein Rezept für Kabeljau mit Blumenkohl beigesteuert. Ich komme ins Schwärmen, auch wenn ich das Rezept noch nicht ausprobiert habe!


Außerdem wird in dem Buch das Restaurant Tjöruhúsið in Ísafjörður vorgestellt, die Gewächshäuser von Friðheimar, der Bio-Betrieb Vallanes in Ostisland, und der Rezeptwettbewerb von Matarauður Íslands vom Mai 2018, an dem ich auch teilgenommen hatte. Das Buch fühlt sich unglaublich vertraut an, wie eine Reise zu vielen fantastischen Menschen und zu geliebten Orten!

Tjöruhúsið in Ísafjörður

Friðheimar

Ganz besonders freue ich mich darauf, noch das Rezept für Seehasenrogen auf Ricotta mit fermentierten Chili und gegrilltem Brot auszuprobieren, das die Matbar in Reykjavík zu dem Kochbuch beigesteuert hat. Das Gericht hatte mein Mann dort schon probiert und mir in höchsten Tönen davon vorgeschwärmt!

Allerdings muss man für das Rezept ausreichend Zeit einplanen - das Fermentieren der Chilis benötigt schon mindestens 14 Tage.

Das Foto hat mein Mann bei seinem Essen in der Matbar gemacht.


Meine Wermutstropfen

Ein paar Dinge gibt es allerdings, die mich an diesem wunderschönen Buch trotzdem stören.

In dem Buch sind wunderschöne Landschaftsaufnahmen, leider fehlt mir dabei die Angaben, wo die Bilder entstanden sind.

Bei etlichen Gerichten gibt es tolle Fotos der wesentlichen Bestandteile des Gerichts, so sieht man beispielsweise, wie Skyr abtropft - wie die fertige Skyr-Torte mit Avocado und Limonen aussehen soll, dazu gibt es leider kein Foto. Und ein paar der Essensfotos finde ich, ganz persönlich, nicht ganz perfekt, z.B. das Foto der "verschleierten Bauerntochter", dieses typisch nordischen Desserts mit Roggenbrot, Kompott und Sahne, gefällt mir nicht wirklich - mir ist die Sahne eine zu große, konturlose weiße Fläche, im Dessertglas sind Reflexion von der Beleuchtung, während im Rezept die Roggenbrot-Krumen, das Apfelmus und das Rhabarberkompott schichtweise in eine Schüssel gefüllt werden, ist auf dem Foto eindeutig Sahne dazwischen, und die roten Johannisbeeren aus dem Rezept sind irgendwie zu Blaubeeren geworden. Andere Bilder sind wirklich absolut großartig - aber es sind eben nicht alle auf hohem Niveau, wie ich es bei einem Hardcover-Buch für 34,99 € erwarten würde.

Beim Nachkochen fand ich einige Rezepte etwas unpräzise, wenn man für die Tomatensuppe z.B. "einen Topf reife Tomaten" nehmen soll, und die Beschreibung für die Herstellung der Brúnterta fand ich auch etwas schwierig (Teig in drei Platten schneiden, bestreichen, aufstapeln, dann "längs in drei Teile schneiden" und zum Schluss "beim Aufschneiden des Kuchens … die Kuchenteile senkrecht stellen, damit die Schnittfläche ansehnlich bleibt."). So ganz habe ich es, ehrlich gesagt, nicht verstanden, und dann eben improvisiert.

Beim Zimtschnecken-Rezept hatte ich beim Nachbacken Probleme - mit der angegebenen Mehl-Menge war mein Teig viel zu klebrig, außerdem fand ich es zu viel Butter zum Bestreichen, die bei mir das Backblech etwas durchgeweicht hat beim Backen. Außerdem kam im Rezept zwei Mal "Hefe" vor, wo es eigentlich einmal "Mehl" hätte sein müssen.

Insgesamt hätte dem Buch meiner Ansicht nach noch ein guter Lektor gutgetan, der manche Flüchtigkeitsfehler hätte ausbessern können.


Ausprobierte Rezepte

Um die Rezepte aus dem Buch beurteilen zu können, habe ich bisher die folgenden Sachen zubereitet:


Die gegrillten Salatherzen mit Seehasenrogen fand ich wirklich ausgesprochen lecker, und auch sehr unkompliziert in der Zubereitung - ich bin begeistert.


Der Kabeljau auf Selleriepüree mit Kräuteröl war auch sehr lecker, ich habe allerdings keine leicht geräucherten Kabeljaufilets bekommen und deshalb Birkenrauch-Salz (ja, genau, von Saltverk) genommen für ein gewisses Räucher-Aroma.


Die Bóndadóttir með blæju, also die isländische Version des "verschleierten Bauernmädchens", wie man es runter bis nach Nordfriesland kennt, war ein ausgesprochen leckeres Dessert, das habe ich gleich zwei Mal hintereinander gemacht, weil ich es so lecker fand und es so gut vorzubereiten ist. (Allerdings bin ich hier vom Rezept abgewichen und habe es etwas durchziehen lassen, das schmeckte mir besser als frisch aufgestapelt, aber das ist natürlich eine individuelle Geschmackssache.)


Von den Zimtschnecken Otto Thulinius war ich nicht so absolut begeistert - sie waren definitiv gut, aber mit der Zubereitung des Teigs nach Rezept hatte ich so meine Probleme, ich brauchte mehr Mehl, um nicht rettungslos kleben zu bleiben. Außerdem waren meine Schnecken von der Butter etwas durchweicht und mit dem Zucker darauf waren sie auch sehr süß. Meine Kinder waren gespaltener Meinung, zwei fanden die Schnecken sehr lecker, einer mochte sie gar nicht.


Außerdem habe ich noch die Brúnterta gebacken, diesen typsch isländischen Gewürzkuchen mit Butter-Zucker-Creme. Ich habe den Kuchen für ein Familientreffen gebacken und er kam bei unseren Gästen sehr gut an. (Auch wenn ich ihn irgendwie "fluffiger" fand, als ich dieses Gebäck sonst aus Island kenne. Meine Probleme mit der Anleitung habe ich ja oben schon erwähnt.)


Den Thunfischsalat kann ich auf jeden Fall uneingeschränkt empfehlen - auch wenn ich nicht weiß, wie groß eine Dose Thunfisch in Lake sein muss, damit das Rezept für 8 Personen reichen soll. Aber gut war er, der Salat!



Mein Fazit:

Das Buch bietet einen wunderschönen Einblick in die aktuelle isländische Küche, mit traditionellen Bestandteilen und relativ viel "Fusion Küche".

Man muss die Rezepte aber vorher (!) sorgfältig durchlesen, bevor man anfängt zu kochen oder zu backen - nicht, dass man den Ricotta schon rührt und dann feststellt, die Chili brauchen aber noch 2 Wochen. Und man muss bei manchen Rezepten ein bisschen "mitdenken", weil die Angaben nicht alle komplett "idiotensicher" sind. Das Buch ist also eher etwas für Köche mit ein bisschen Erfahrung, die vielleicht auch schon ihre erste Erfahrungen mit Island gemacht haben. Aber die werden daran bestimmt ihre helle Freude haben, so wie ich auch!





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