Freitag, 21. März 2025

Ákall um aðgerðir

Ein Aufruf zum Handeln - Der Welttag der Gletscher 


Wie Sie sehen - sehen Sie nichts. 

Hier habe ich ein Foto der Kaldidalur-Piste, einer Straße im isländischen Hochland, zwischen dem Gletscher Langjökull und Ok. Rechts dieser Piste seht Ihr die Ausläufer des Langjökull, auf der linken Seite liegt, hinter dem dunklen spitzen Berg, relativ unauffällig der Ok. 

Der Langjökull ist mit einer Größe von noch rund 900 km² der zweitgrößte Gletscher Islands. Der Eisschild des Langjökull liegt auf der Westlichen Riftzone, mindestens zwei Vulkansysteme befinden sich teilweise unter diesem Gletscher.

Und der Ok..?

Früher war der Ok (damals noch der Okjökull) auch ein Gletscher. Mittlerweile ist der Ok aber kein Gletscher mehr.

Um 1900 bedeckte die Fläche dieses Gletschers noch eine Fläche von knapp 40 km². Aber schon in den 1970er Jahren waren hiervon nur noch rund 3 m² übrig. Und der Eisschild schmolz weiter. 

Im Jahr 2014 wurde der Okjökull offiziell für "tot" erklärt.

Der Eisschild, der sich früher auf dem 1.177 Meter hohen Berg befand, bewegt sich nicht mehr, da die Eisschicht zu dünn und leicht geworden ist. Es rührt sich nichts mehr. Damit ist der Okjökull geologisch gesehen kein Gletscher mehr, sondern nur noch ein Schildvulkan mit Schneekappe. Der Gletscher ist verschwunden.


Im August 2019 wurde hier am Ok eine Tafel errichtet, mit einem "Bréf til framtíðarinnar", ein "Brief an die Zukunft": 

"Der Ok ist der erste bekannte Gletscher, der seinen Titel verloren hat. Es wird geschätzt, dass in den nächsten 200 Jahren alle Gletscher des Landes diesem Weg folgen werden. Dieses Denkmal ist Zeugnis dafür, dass wir wissen, was passiert und was getan werden muss. Nur du weißt, ob wir es getan haben."

Die Zahlen zeigen - bisher haben wir es jedenfalls nicht getan. 

Es ist zu spät, um den Ok zu retten, aber andere Gletscher könnten noch gerettet werden. 


Klimaforscher auf der ganzen Welt schlagen Alarm - der menschengemachte Klimawandel schreitet fort. Messungen, wie sie z.B. seit 1992 am Stórhöfði, der südlichsten Insel der Westmännerinseln, durchgeführt werden, zeigen, dass die Menge an Kohlendioxid in der Luft stetig ansteigt, die aktuell gemessenen Werte sind die höchsten seit mindestens 2 Mio. Jahren. Dies wird wissenschaftlich durch Eiskernuntersuchungen der Eisschilde der Antarktis und Grönlands belegt. 

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Gletscherschwund weltweit beschleunigt, in unterschiedlichem Umfang. Der Gletscherschwund in Island ist besonders gravierend: In den letzten 100 Jahren ist die Gletscherfläche Islands um 20% geschrumpft. Fast die Hälfte des Rückgangs fand in den letzten 20 Jahren statt. Wenn der Gletscherschwund in diesem Tempo weitergeht, werden die meisten isländischen Gletscher noch vor Ende des 21. Jahrhunderts verschwunden sein. 


Wenn die Gletscher zurückgehen, dehnen sich die Gletscherseen aus und neue Seen entstehen. Flüsse ändern ihren Lauf, die Strömung der Wasserläufe verändert sich. Die Landhebung in der Nähe von Gletschern nimmt zu. Berghänge werden instabil und die Gefahr von Erdrutschen und Schlammlawinen steigt.  Die Gletscherschmelze hat auch Auswirkungen auf die Infrastruktur, die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Wasser und auch mit Energie (s. Stromerzeugung aus Wasserkraft). 

Jetzt ist es Zeit zu handeln. 

Die Zukunft der isländischen Gletscher hängt stark von der Entwicklung des Klimas und der Meerestemperaturen rund um Island ab. Noch wäre es durch die Reduzierung von Treibhausemissionen weltweit möglich, die globale Erwärmung zu begrenzen und dadurch den Verlust der Gletscher weltweit zu verringern. 

Der Welttag der Gletscher am 21. März

Im Jahr 2022 haben die Vereinten Nationen den 21. März zum "Welttag der Gletscher" ernannt, erstmals fand dieses Tag heute am 21. März 2025 statt. 

Durch Aktionen rund um diesen Tag soll auf die Auswirkungen des Gletscherschwunds auf Menschen und Ökosysteme aufmerksam gemacht werden, zudem sollen Strategien entwickelt werden, die Auswirkungen des Klimawandels doch noch zu begrenzen und die Anpassung vor Ort an die sich veränderten Verhältnisse nach Möglichkeit zumindest zu verbessern.

Für mich war es ein Erlebnis, als ich 2004 das erste Mal auf Island einen Gletscher gesehen habe. Und heute liebe ich es, wenn wir Besuch haben, mit unseren Gästen zum Sólheimajökull zu fahren, einer Gletscherzunge des Mýrdalskökull, um ihnen zu zeigen, woher diese "Insel aus Feuer und Eis" ihren Namen hat.

Wenn künftige Generationen auch in 100 Jahren noch Gletscher auf Island erleben sollen, müssen wir alle handeln - davon bin ich persönlich überzeugt. Sonst enden die anderen isländischen Gletscher genauso wie der Ok, der kein Gletscher mehr ist. 




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