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Sonntag, 4. September 2016

My Reykjavík Food Walk

-> English Version!

Eine kulinarische Stadtführung durch Reykjavík - absolut perfekt für mich!

Ein ganz besonderes Highlight meiner diesjährigen Island-Reise war meine Teilnahme am Reykjavík Food Walk letzte Woche. Dieses Angebot von Egill und Dan gibt es seit Ende 2015. Ich habe mich sehr gefreut, als ich im Internet darauf gestoßen bin - und habe mich im Anschluss an meine Reise durch die Westfjorde jetzt Ende August sofort dort angemeldet. Das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen!

Der Food Walk findet auf Englisch statt. Wir waren elf Gäste und Dan, unser Führer, und außer mir stammten alle Gäste aus englischsprachigen Ländern - ein Ire, eine Australierin und der Rest Amerikaner, soweit ich es mitbekommen habe. Ich hatte, ehrlich gesagt, sprachlich ein wenig Probleme, und spätestens wenn sich die Amerikaner miteinander unterhalten haben, habe ich wirklich fast gar nichts mehr verstanden. Aber was hilft es - und der Food Walk war auch auf Englisch toll!

Treffpunkt unserer Tour war vor dem Konzerthaus Harpa, das 2011 fertig gestellt wurde. "Das schönste Glashaus der Welt", wie jemand mal darüber sagte - völlig zu Recht, wie ich finde.


Unser Food Walk dauerte gut 3,5 Stunden.

Íslenski barinn


Die erste Station unseres Food Walks war Íslenski barinn, eine Bar, in der wir Kjötsúpa (Traditional Icelandic meat soup) serviert bekamen.


Es war Kjötsúpa nach einem alten Familienrezept, mit Lammfleisch und Rüben und ohne Kartoffeln. Schön deftig und würzig und definitiv lecker. Dazu gab es noch Weißbrot und würzige Tomatenbutter. In dem Lokal war es leider recht dunkel, so dass das Foto der Suppe wirklich nicht gerecht wird...


Ostabúðin


Die nächste Station war Ostabúðin, ein - tja, was eigentlich? Es bezeichnet sich selbst als "kleines Geschäft für Gourmets" und ist sowohl Restaurant als auch Delikatessengeschäft.


Wir haben hier eine ausgezeichnete Auswahl an Käse- und Fleischspezialitäten serviert bekommen, die wir im herrlichsten Sonnenschein auf der Skólavörðustígur verzehren konnten.


Zunächst bekamen wir drei verschiedene Sorten Käse zum Probieren.

Wir bekamen "svört gouda", sogenannten "Schwarzen Gouda", "gullosta", also "Goldenen Käse", eine Art Camembert, hätte ich gesagt, und eine Art Gorgonzola-Käse. Alle Käsesorten waren übrigens aus Kuhmilch hergestellt, erzählte uns Dan, unser Führer.


Danach kamen die Fleischspezialitäten - zuerst eine wirklich sehr leckere und würzige Pferdesalami. Unser Führer wies ausdrücklich daraufhin, dass die Salami aus Pferdefleisch hergestellt wird und ob jemand vielleicht kein Pferdefleisch essen wolle..? Doch, alle wollten. Danach kam eine dünne Scheibe Lammfleisch mit Rosmarin, Thymian und ein bisschen Fenchel, zum Abschluss noch geräucherte Gans mit einem Klecks Himbeer-Champagner-Vinaigrette. Zu der Vinaigrette kann ich nichts sagen, aber die Gans war ausgesprochen lecker!

Pferdesalami

Gewürztes Lammfleisch

Geräucherte Gans mit Himbeer-Champagner-Vinaigrette

Café Loki


Unser nächstes Ziel war dann eines meiner Lieblingscafes - Café Loki direkt vor der Hallgrímskirkja. Wir bekamen mein heißgeliebtes Rúgbrauðsís, Roggenbroteis mit Schlagsahne und Rhabarbersirup. Habe ich hier schon öfter gegessen - und könnte mich immer noch reinlegen!


Bernhöftsbakarí


Anschließend ging es bei einer traditionellen Bäckerei in der Bergstaðarstræti vorbei. Das Geschäft schließt in den nächsten Tagen an diesem Standort und zieht innerhalb der Stadt um, erzählte uns unser Führer Dan. Und da wollte er doch die Gelegenheit nutzen, uns sein Lieblingsgebäck vorzuführen: Hjónabandssæla. Eheglück - eine Art Dauergebäck mit Streuseln und Marmelade.  

Hjónabandssæla

Skyr


Weiter ging es dann zum Tjörnin und zum Ráðhús. Unser Führer hat dann seinen grauen Rucksack ausgepackt - es gab Erdbeerskyr für alle und ein Pöttchen reinen Skyr zum Probieren. Wir haben auch gelernt, dass Skyr (gesprochen: "Skir" nicht "Skür") KEIN Joghurt ist, sondern Frischkäse. Und den isst man am besten nicht pur, da doch recht säuerlich, sondern schön angemacht und mit Beeren / frischen Früchten. Typisch isländisch, definitiv!


Bæjarins Beztu Pylsur


Wir blieben dann noch beim "Essen auf die Hand" und es ging weiter zu "Bæjarins Beztu Pylsur". Es gab "eina með öllu!" für alle, wer wollte, konnte seinen Hot Dog aber auch "Clinton Style" haben, also nur Brötchen und Würstchen und Ketchup. Unser Führer fand das allerdings etwas stillos und vor allem viel zu trocken für einen ordentlichen Hot Dog.


Gut, diese Version "mit allem" inklusive dem süßen Senf, der Mayonnaise und dem Ketchup samt frischen Zwiebeln und Röstzwiebeln war jedenfalls definitiv nicht trocken!


Sægreifinn


Danach ging es weiter zum Hafenrestaurant Sægreifinn – dem bekannten "Seebaron".


Hier gab es für uns eine kleine Portion humarsúpa. Und - nein, humarsúpa ist keine Hummersuppe! Das, was der Isländer humar nennt, nennt man in Deutschland "Kaisergranat". Die humarsúpa vom "Seebaron" wurde übrigens von der "New York Times" 2006 zur “world’s greatest lobster soup" gekürt, erzählte uns unser Führer ganz stolz.


Ehrlich gesagt - so ganz meines ist der "Seebaron" und seine "humarsúpa" irgendwie nicht... aber jetzt habe ich sie auch mal gegessen und kann mitreden!

Apótek


Unsere "final cuisine" war dann das Apótek, sehr trendig und zentral in der Austurstræti nahe dem Austurvollur gelegen. Das Lokal ist sehr stilvoll in einer ehemaligen Apotheke eingereicht. Auf der Homepage bezeichnet das Restaurant selbst seine Küche als eine "lustige Mischung aus isländischer und europäischer Küche mit einem rauchenden heißen argentinischen Grill". Chefkoch ist der Argentinier Carlos Gimenez.

Wir bekamen hier unser Dessert - genau kann ich gar nicht sagen, was es war, aber lecker war es auch jeden Fall! Das orangene Törtchen war innen mit Schokomousse gefüllt und hatte einen Biskuitboden und eine Schicht Passionsfruchtgelee, glaube ich zumindest. Dazu gab es ein wirklich wunderbares, ganz sanft säuerliches und dabei unglaublich leckeres Mangosorbet. Die Mischung des süßen Törtchens mit dem säuerlichen Sorbet hatte etwas. Ich wäre allerdings auch nur mit dem Mangosorbet schon glücklich gewesen.



Nói Síríus Schokolade


Zum Abschluss unserer kulinarischen Stadtführung gab uns Dan dann noch einen typisch isländischen Schoko-Riegel mit auf den Weg - Vollmilchschokolade von der traditionellen, fast 100 Jahre alten isländischen Schokoladenfirma Nói Síríus. An dem Tag habe ich die Schokolade aber nicht mehr geschafft.


Alles in allem war der Reykjavík Food Walk für mich ein wunderbares Erlebnis, das ich mit gutem Gewissen nur empfehlen kann!



Sonntag, 25. August 2024

Food Tour am Alten Hafen von Reykjavík

Bitesized Iceland - mundgerechtes Island


Ich liebe es, eine Stadt kulinarisch zu erkunden - auch (und gerade), wenn ich die Stadt eigentlich schon ganz gut kenne. Im Sommer 2016 hatte ich schon einmal an einer kulinarischen Stadtführung von "Reykjavík Food Walk" teilgenommen, und im Herbst 2021 noch einmal zusammen mit meinem Mann an einem "Food Walk" durch die Innenstadt von Reykjavík. 

Dieses Mal hatte ich mir von meinem Mann gewünscht, wieder an einem kulinarischen Event teilzunehmen, und schließlich hatten wir über die Vermittlungsseite "Get Your Guide" die "Old Harbour Food and Walking Tour" gebucht, eine Food Tour im Alten Hafen, einfach weil uns das Angebot ansprach:

Eine Stadtführung durch die Innenstadt hatten wir ja schon mal, die "süße Nachkatzen-Tour" passte von den angebotenen Terminen nicht, und von einer Destillerie-Tour hätte ich nicht viel, ich mag keinen Alkohol. Aber Grandi, das alte Hafengebiet der Stadt, kennen wir schon ein bisschen, auch und gerade mit den vielfältigen kulinarischen Angeboten, die sich hier in den letzten Jahren entwickelt haben. Das klang spannend, also haben wir uns dafür entschieden! 

Die Tour kostet aktuell pro Erwachsenen 16.900 ISK, wir haben also 111 € für jeden von uns gezahlt. Dabei gab es wirklich reichlich zu essen und wir sind bei der Tour auf sehr angenehme Art sehr satt geworden. Bei dem Angebot wird auch extra darauf hingewiesen, dass es sich nicht nur um eine Verkostung handelt, sondern man so viel essen kann, dass man hinterher nicht noch einmal essen gehen muss - das können wir restlos bestätigen! Bei dem Preis ist also wirklich ein komplettes Essen mit Getränken abgedeckt. Wenn man bedenkt, dass man hier schon für einen Burger mit Pommes in einem ganz einfachen Restaurant rund 20 € zahlt und für Vorspeise, Hauptgericht und Dessert mit einem Bier in einem guten Mittelklasse-Restaurant schon rund 11.000 ISK, d.h. mehr als 70 €, dann ist der Preis für die Food Tour wirklich fair - zumal es wirklich viel und ganz Verschiedenes zu Essen gibt. 

Die Tour ist auf Kleingruppen ausgelegt. Als wir dabei waren, haben außer uns noch 5 andere Leute teilgenommen, ein junges Ehepaar und eine 3-köpfige Familie, alle aus den USA. Grundsätzlich sind wohl maximal 8 Teilnehmer pro Tour vorgesehen. Die Tour findet auf Englisch statt. 

Anbieter der Tour ist Bite-Sized Iceland, also "mundgerechtes Island". 

Dahinter steht Sabrina, eine Amerikanerin, die seit über 20 Jahren mit einem Isländer verheiratet ist. Zunächst hatten sie mit ihren Kinder lange in Dänemark gewohnt, seit einigen Jahren leben sie jetzt in Island. Dieses Jahr hat Sabrina sich jetzt mit ihrem eigenen Unternehmen selbständig gemacht.

Da sie selber Einwanderin ist, hat Sabrina einen  anderen Blick auf das Leben und die kulinarischen Traditionen auf Island als Menschen, die ganz selbstverständlich mit Lebensmitteln wie Gammelfisch, Schafskopf oder saurer Molke aufgewachsen sind, andererseits erlebt sie hier durch ihre isländische Familie und wohl auch ganz besonders durch ihre isländische Schwiegermutter den kulinarischen Alltag. Sie ist damit die ideale Besetzung, um ausländischen Besuchern ihre jetzige Heimat Island "mundgerecht zu servieren" und einen Einblick in die isländische Kultur, die Besonderheiten und das Essen hier zu geben. Man merkt ihr die Begeisterung und das Interesse für isländisches Essen wirklich an! 

Treffpunkt der Tour sollte lt. Beschreibung eigentlich bei einer Bäckerei in der Mýragata sein, in der Nähe vom Saga Museum und dem Restaurant Matur og Drykkur, da die Bäckerei aber mittlerweile umgezogen ist, haben wir uns bei einem Hotel dort getroffen. 


Da die Tour nicht nur eine Food Tour, sondern auch eine Walking Tour ist, hat Sabrina mit uns auch einen kleinen Spaziergang gemacht und dabei ganz viel vom alltäglichen Leben hier in Reykjavík vermittelt. Wie leben die Isländer, warum lieben sie bunte Häuser, welche Geschichten stecken hinter den vielen Graffitis hier und hinter den kleinen Wellblechhäusern? Und wie feiern Isländer Silvester - und was hat das große Schiff der Rettungsmannschaften damit zu tun? 

Das alles und noch viel mehr hat uns Sabrina "im Vorbeigehen" anschaulich und mit viel Liebe zum Detail und ihren persönlichen Eindrücken beim Spaziergang durch das Viertel am Alten Hafen erklärt.


Unser erster kulinarischer Stopp war eine kleine Bäckerei, wo es den isländischsten Kuchen überhaupt zum Probieren gab: Hjónabandssæla, also "Eheglück" oder auf Englisch den "Happy Marriage Cake". Während wir gemütlich gegessen haben, gab Sabrina uns einen Einblick in die isländische Kuchen- und Gebäcktradition. 


Nach dem ganz traditionellen Gebäck ging es dann mit moderner isländischer Küche weiter - es gab Lammfleisch. Lammfleisch, Skyr und Fladenbrot sind traditionelle isländische Nahrungsmittel, die hier seit der Landnahme im 9. Jahrhundert die Esskultur auf der Insel geprägt haben. Hier werden diese traditionellen Lebensmittel aber mit überlieferten Zubereitungsmethoden aus dem Nahen Osten verbunden und es entsteht eine Art "Fusion Küche". Definitiv sehr lecker!


Anschließend sind wir noch in einem traditionellen Lokal am Hafen eingekehrt. Gegründet 1935, ist es damit wohl das älteste immer noch in Betrieb befindliche Restaurant Islands. Seit fast 50 Jahren befindet es sich in dem heutigen Gebäude. Früher kehrten hier vor allem hungrige Fischer und Arbeiter aus den Fischfabriken hier am Hafen ein, oft nach ihrer Schicht. Und da die meisten Besucher den ganzen Tag im Fisch gearbeitet hatten, standen damals vor allem einfache und billige Fleischgerichte auf der Speisekarte, z.B. svið (= gesengter Schafskopf) mit Kartoffeln und Rüben. 

Heute hat sich die Kundschaft gewandelt, die alten Fischfabriken hier gibt es nicht mehr - und so stehen heute vor allem Fischgerichte hier auf der Speisekarte. 

Bei unserer Food Tour bekamen wir hier eine Auswahl typisch isländischer Fischgerichte serviert. Zuerst gab es eine kleine Portion Fischsuppe, dann wurden mehrere große Pfannen auf den Tisch gestellt, aus denen sich alle bedienen konnten. Es gab an diesem Tag plokkfiskur mit rúgbrauð, also Stampffisch mit dem süßlichen, weichen isländischen Roggenbrot, gebratenen Fisch mit Kartoffeln und fiskibollur, also Fischfrikadellen, mit Zwiebeln. 


Sabrina erzählte, dass es früher - noch gar nicht so lange her, als ihr Mann noch Kind war - hier auf Island oft üblich war, sich 5 Tage die Woche von Fisch und Kartoffeln zu ernähren, mal frischen Fisch und frisch gekochte Kartoffeln und dann am nächsten Tag die Reste zu plokkfiskur verarbeitet. Sonntags gab es dann vielleicht auch mal Kartoffeln mit Fleisch, frisches Gemüse, Obst oder Salat war Mangelware. Man musste halt nehmen, was es gab, und davon die Familie satt bekommen. Die ältere Senioren-Generation lebt und kocht heute teilweise immer noch so, die Jüngere freuen sich aber auch über die Abwechslung, die heute auf dem Speiseplan möglich ist. 

Es gab sogar noch einen Einblick in die isländische Pub-Kultur, in der ältesten noch in Betrieb befindlichen Brauerei Islands am historischen Hafen konnten wir lokales Bier probieren bzw. alkoholfreie Cocktails. 


Auf alten Fotos an den Wänden kann man sich anschauen, wie diese Räumlichkeiten hier früher aussahen, als hier noch in großem Stil Fisch verarbeitet wurde. 


Zwischendurch hat Sabrina uns auch immer wieder Einblick in den kulinarischen Alltag hier gegeben - wo kaufen Isländer zum Beispiel ein, wenn es bei Einladungen, zum Geburtstag, Konfirmation oder zu einer Feier mal etwas wirklich Gutes geben soll? Bei den Preisen hier (z.B. Lammfilet für 11.490 ISK/kg, d.h. gut 75 €) nichts für den Alltag - aber definitiv lohnend für besondere Gelegenheiten! 


Außerdem hatte sie noch zahlreiche Kostproben für uns in ihrem Rucksack dabei, von Lakritz-Schokolade zum Backen bis zu Trockenfisch mit Butter, und immer eine schöne Geschichte dazu, von Egill Skallagrímsson, einem isländischen Saga-Held aus dem 10. Jahrhundert, bis zu Johan Bülow, dem Dänen, der 2007 seine eigene Lakritz-Manufaktur gründete - inspiriert natürlich von der isländischen Lakritz-Schokolade! 


Unsere Tour fand ihren Abschluss beim Eis-Essen bei Valdís in Grandi - und natürlich erzählte Sabrina auch noch von der Leidenschaft der Isländer für Speiseeis, bei Wind und Wetter, und natürlich auch von der typisch isländischen Ísbíltúr


Wir haben unsere Food Tour mit Sabrina am Alten Hafen von Reykjavík auf jeden Fall sehr genossen, sind auf sehr angenehme Weise sehr satt geworden und hatten eine wirklich sehr kurzweilige, unterhaltsame Tour!

Takk fyrir!  

 


P.S.: 

Das ist keine Werbung - alles selbst bezahlt. Wir waren einfach nur begeistert von Sabrina und ihrer Food Tour! 


Sonntag, 15. Mai 2022

Reykjavík Food Walk

Bericht vom Herbst 2021


Ich hatte im Sommer 2016 schon einmal an einem "Reykjavík Food Walk" teilgenommen, da war ich allerdings alleine in der Stadt und gerade von einer Frauenreise durch die Westfjorde zurückgekommen. Jetzt, nach gerade mal 5 Jahren, habe ich es immerhin geschafft, noch einmal mit meinem Mann an einem Food Walk in Reykjavík teilzunehmen - und ich kann sagen, es hat sich wieder gelohnt! Sowohl kulinarisch als auch vom "Unterhaltungsfaktor". 

Bei uns hat die Tour im Oktober 2021 noch 13.900 ISK gekostet, umgerechnet gut 90 €. Heute liegt der Preis aktuell bei 15.500 ISK, ist also mit umgerechnet rd. 110 € pro Erwachsenen schon ordentlich. Aber wenn man bedenkt, wie viel und wie viel Verschiedenes man dabei zu essen bekommt (und wie teuer Essen auf Island ist), finde ich den Preis für das Angebot durchaus angemessen. 

Ausgangspunkt der Tour war Harpa, Treffpunkt beim Eingangsbereich. Wir hatten in der Nähe der Hallgrímskirkja geparkt. Wir hatten ja eine etwas längere Anfahrt von unserem Haus aus und wollten natürlich rechtzeitig da sein - also hatten wir reichlich Zeit für die Fahrt einkalkuliert und sind dann vor der Tour noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert. War das Wetter nicht wirklich einfach herrlich an dem Tag?!? 


Am Konzerthaus Harpa war dann der Treffpunkt. Der Eisblock, der hier lag, war wohl übrigens Kunst. 

Ich glaube, wir waren insgesamt 13 Teilnehmer an der Tour - hauptsächlich Reisende aus den USA, aber auch Engländer, Franzosen und andere Nationalitäten. Geführt wurden wir von einem Isländer. Die Tour war auf Englisch. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde aller Teilnehmer ging es dann los.



Appetithäppchen, die Appetit auf mehr machen

Bei unserer ersten Station, einem Lokal in der Hafnarstræti am Ingólfstorg, bekamen wir direkt zwei sehr leckere Appetit-Happen vorgesetzt:

Es gab "Bleykja og Lummur", also leicht fermentierten See-Saibling auf einem Blini (Lummur)aus Kichererbsen-Mehl mit knusprigen Linsen und einem Holunderblüten-Dressing. Klingt ein bisschen ungewohnt, war aber wirklich ausgesprochen sehr lecker! 

Außerdem gab es "Lamb og hveitikökur", also ganz langsam weich gekochtes Lammfleisch aus dem Fladenbrot nach Art der Westfjorde, dazu Karottenpüree, eingelegte rote Zwiebeln und Meerrettichsauce. Ein bisschen weniger ausgefallen als der Saibling, geschmacklich vertrauter und definitiv sehr nett - aber der Saibling war dann doch mein persönliches Highlight. 



Die bekannteste Hot-Dog-Bude Islands..? 

Die besten Hot Dogs der Welt..? Also die besten Hot Dogs der Stadt, d.h. Bæjarins Beztu Pylsur findet Ihr in Reykjavík in der Tryggvagata in der Nähe des Hafens, gegenüber dem alten Zollhaus Kolaportið. 

Der Hot-Dog-Stand hier existiert bereits seit 1937 und sowohl der ehemalige US-Präsident Bill Clinton als auch der Gitarrist von Metallica oder Kim Kardashian haben hier schon Würstchen gegessen. 

Die isländischen Hot-Dog-Würstchen von SS Pylsur bestehen zu ca. 65% aus Fleisch (einer Mischung aus Lamm-, Schweine- und Rindfleisch), dazu kommen dann noch andere Zutaten wie z.B. Wasser, Magermilchpulver und Kartoffelmehl. Mit 17% haben die Würstchen weniger Fett als die meisten Hot-Dog-Würstchen, dafür aber mit 13% Eiweiß einen relativ hohen Protein-Anteil.

Eina með öllu! - Einen mit allem!

Wenn man hier "eina með öllu" bestellt, bekommt man seinen Hot Dog "mit allem". Konkret bedeutet das: Mit isländischem Ketchup, isländischem (leicht süßlichen) Senf, Remouladensauce sowie rohen und frittierten Zwiebeln.

Da schmeckt's nicht nur den Kunden, sondern auch den vielen kleinen Vögelchen, die hier auf der Suche nach Krümeln immer so eifrig unterwegs sind!



Noch einmal Saibling, aber ganz anders  - 
und traditionell Plokkfiskur mit Rúgbrauð und Butter

Und weiter ging es in ein Restaurant in der Lækjargata. Hier gab es wieder zwei Gerichte zum Probieren, die beide in großen Pfannen auf den Tisch gestellt wurden und man konnte sich dann nach Belieben daraus bedienen. 


Es gab wieder See-Saibling, dieses Mal allerdings völlig anders zubereitet, und zwar gebraten in Honig und Butter mit Kirschtomaten, Zitrone und Mandeln. Und es gab - wir sind schließlich in Island! - das Nationalgericht "Plokkfiskur", also gekochten Kabeljau mit gestampften Kartoffeln in weißer Sauce. Dazu wurde noch, ebenfalls ganz klassisch, dieses typische, leicht süßliche isländische Roggenbrot (rúgbrauð) mit Butter serviert.  

Das Essen hier war auf jeden Fall sehr lecker - und es war eine ganz besondere Atmosphäre, so dicht gedrängt gemeinsam an einer großen Tafel zu sitzen, fröhlich zu schwatzen und sich gemeinsam aus den großen Pfannen zu bedienen. 



Nächster Stopp - eine isländische Bar mit traditionellen Gerichte zum Probieren

Wenn man an isländische Küche denkt, denkt man an regionale Spezialitäten wie fermentierten Eishai (Hákarl) oder Trockenfisch (harðfiskur), aber auch an klassische isländische Fleischsuppe (íslensk kjötsúpa). Und genau das haben wir bei unserem nächsten Stopp in einer Bar in der Ingólfsstræti zum Probieren bekommen. 


Der Eishai hat keine Nieren und reichert deshalb Harnstoffe im Blut an. Für Menschen ist der Hákarl daher für den Genuss nicht geeignet. Das Fleisch muss erst für 6 bis 12 Wochen eingegraben und dann für 2 bis 4 Wochen an der frischen Luft zum Trocknen aufgehängt werden, damit das Ammoniak freigesetzt werden und verdunsten kann. 


Hákarl hat in etwa eine Konsistenz wie Speck, schmeckt sehr gewöhnungsbedürftig und stinkt tatsächlich phänomenal. Für viele Menschen ist das Probieren von Hákarl wohl doch eher ein einmaliges Erlebnis. 

Hier in der Bar wurde der Hákarl übrigens in einem verschließbaren Glas serviert - es könnte gute Gründe dafür geben. 


Der harðfiskur (Trockenfisch) war früher eines der verbreitesten Lebensmittel auf Island - die Fische (meist Schellfisch oder Kabeljau) wurden gefangen, getötet und kräftig abgeschrubbt, anschließend wurden die Köpfe entfernt, die Fische filetiert, die Filets kurz in Salzlake getunkt und dann an Holzgestellten luftig zum Trocknen aufgehängt. Die durchgetrockneten Filets werden zum Schluss noch gründlich "weichgeprügelt" und dann traditionell mit Butter verzehrt. Vielfach ist der Trockenfisch, den man bekommt, aber für ungeübte Esser etwas zäh und schwierig zu essen, dabei doch auch relativ "staubig".

Der Trockenfisch hat einen Eiweißwert von 80 - 85% und ist dabei sehr leicht, er bot sich daher auch als Nahrung auf langen Wanderungen an. Noch heute essen viele Isländer ihren harðfiskur wie anderen Orts die Leute Chips oder Popcorn. 

Die traditionelle isländische Fleischsuppe (kjötsúpa) ist eine herzhafte Suppe aus Lammfleisch und Gemüse, meist mit Kartoffeln, Karotten, Rüben und Kohl, gerne wie die Suppe auch noch mit Graupen etwas angedickt. 

Außerdem gab es hier in der Bar auch noch ein Craftbier zum Probieren, und zwar White Ale von der Brauerei Einstök (= einmalig)  in Akureyri. Prost - skál! 



Süßes zum Schluss

Zum Schluss unserer Tour bekamen wir dann in einem Café an der Hallgrímskirkja etwas Süßes serviert - und zwar gab es klassische isländische Kleinur, hier mit Puderzucker, und das legendäre Roggenbroteis, mit Sahne und Rhabarber-Sirup. 


Ein sehr gemütlicher Ausklang eines sehr schönen Nachmittags in der "nördlichsten Hauptstadt der Welt"!

Es hat auch Spaß gemacht, in den Restaurants mit den anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Wir saßen jedes Mal wieder bunt durcheinander gewürfelt, immer wieder mit anderen Nachbarn, die immer wieder aus ganz anderen Teilen der Welt kamen und ihre ganz eigenen Erfahrungen beisteuern konnten. Gerade auch nach 1,5 Jahren Corona ohne viel Geselligkeit haben wir das schon wirklich sehr genossen!



Anschließend sind wir sehr satt und zufrieden wieder nach Hause gefahren - haben dabei allerdings noch einen kurzen Foto-Stopp bei den beleuchteten Gewächshäusern in Hveragerði eingelegt. Sie leuchteten so schön durch die Nacht beim Vorbeifahren. 

Gute Nacht!




Sonntag, 9. September 2018

Gamla Bakaríið in Ísafjörður

Die "Alte Bäckerei" 


Die erste Bäckerei, die es in Island überhaupt gab, war die Bernhöftsbakarí. Sie wurde 1834 in Reykjavík gegründet. Die Bäckerei habe ich bei meinem "Reykjavík Food Walk" schon besucht.

Im Jahr 1868 folgte dann als zweite eine Bäckerei in Akureyri und 1871 als dritte die Bäckerei in Ísafjörður, die heute noch unter dem Namen "gamla bakaríið", also "die alte Bäckerei", firmiert.



Auf dem Platz vor dem Ladengeschäft steht in der Regel dieser schöne alte Wagen mit der Werbung für die Bäckerei.


Die Bäckerei hat, neben dem Verkaufsraum, auch noch einen Gastraum, wo man frühstücken, Kaffee trinken und Kuchen essen kann - das haben wir allerdings nicht ausprobiert.

Bei unserem Aufenthalt in Ísafjörður sind wir aber einen Nachmittag bei der Bäckerei vorbei gegangen, um sie mal anzuschauen und einen Eindruck zu bekommen. Wir waren erst relativ spät da, es gab nicht mehr so viel Auswahl, und die junge Verkäuferin, die unsere Sachen in Tüten einpackte, die ich wahrscheinlich als "Frühstücksbeutel" bezeichnet hätte, wirkte noch ein bisschen unbeholfen. Aber das tat dem Geschmack keinen Abbruch.

Hier mal die Auswahl, die wir uns gekauft haben: Rabarbarasnitta (Rhababerschnitte), Skúffukaka (Schokoladenkuchen) und Vínarbrauð (Wienerbrot, dieses Mal mit Hefeteig). 

Ich kann alle drei Sorten durchaus empfehlen, und Kind2 war von dem Vínarbrauð nachhaltig beeindruckt.