Montag, 2. Februar 2026

Þorrablót

Es ist wieder diese Zeit im Jahr, wo seltsame Gerüche aus den Häusern ziehen, die Menschen festlich gekleidet in die Turnhallen und Gemeinschaftshäuser eilen - und in den Fleischtheken neben großen Plastikeimer diese kleinen, abgepackten Tabletts liegen und darin gibt es lauter leckere Dinge wie sauereingelegtes Fleisch, Hoden- oder Schafskopfsülze. 

Das ist die Zeit der Þorrablót!

Im alt-isländischen Wintermonat Þorri, dem 4. Wintermonat, der ab dem 19. Januar beginnt, feierte man früher ein großes heidnisches Opferfest, das Þorrblót. Dabei wurde reihum auf den Höfen gefeiert, mit all den traditionellen Gerichten, die im Winter lange haltbar waren - z.B. Blut- und Leberwurst, sauer eingelegte Hammelhoden, Walfleisch oder Seehundflossen. "Ehrengast" beim Þorrablót war immer der Wintermonat Þorri selbst, damit wollte man diesen kalten Monat ein wenig milde stimmen, damit das Leben für die Menschen nicht gar so grimmig war. 

Im Laufe der Christianisierung wurden die traditionellen Bräuche auch auf Island weitgehend verdrängt, waren unerwünscht.

Das erste überlieferte Þorrablót der Neuzeit fand erst 1873 statt, ab 1880 nahm die Gesellschaft für Altertumskunde diese Tradition wieder auf und ab den 1950er Jahren veranstalteten lokale Vereine festliche Þorrblóts auf dem Land. Ab 1958 bot das Restaurant Naustið in der Tryggvagata in Reykjavík ebenfalls Þorrmatur an, damit auch Stadtbewohner in den Genuss dieser traditionellen isländischen Speisen kommen konnten. 

Blick Richtung Tryggvagata (2016)

Für ein zünftiges Þorrablót bekommt man heutzutage alles Wichtige auch einfach im Supermarkt. Ein Blick in die Fleischtheken zu dieser Zeit lohnt sich. Und hier findet sich alles dicht beisammen, neben den ganzen typischen Spezialitäten findet man auch Salz, Fladenbrot, Roggenbrot...


Typische Þorramatur-Gerichte sind über Schafsdung geräuchertes Lammfleisch (hangikjöt), Salzfleisch (saltkjöt), Sülze wie z.B. Schafskopfsülze (sviðasulta), sauer eingelegte Widderhoden (súrsaðirhrútsprungar), verschiedene Blut- und Leberwurstgerichte (blóðmör og lifrapylsa) und Rollfleisch (lundabaggar), aber auch Fischgerichte wie Trockenfisch (harðfiskur) und Gammelhai (hákarl). 

Das, was hier wie leckere, goldbraune Schinken von der Decke baumelt, ist tatsächlich dieser legendäre isländische Gammelhai. Wenn man die Stücke aufschneidet, sieht es fast aus wie weißer Speck - ist aber sehr geruchsintensiver Fisch. 


Deshalb baumeln die Stücke hier beim Hof Bjarnarhöfn zwar auch unter einem Dach, einigermaßen geschützt vor Regen, aber luftig im Freien, so dass der Wind zwischen den Fischstücken hindurch fahren kann.

Bjarnarhöfn (Sommer 2014)

Falls man vielleicht doch nicht gleich so einen ganzen großen 2-Liter-Plastikeimer mit "Súrmatur", also sauer eingelegtem Essen, kaufen möchte, ...


... kann man auch kleinere Portionen bekommen, z.B. so eine Packung "Þorrabakki", also eine Servierplatte mit einer Auswahl dieser typischen Þorrablót-Spezialitäten. Diese 800-g-Platte hier enthält z.B. 150 g Schafskopfsülze, 150 g sauer eingelegter Schafskopfsülze, 150 g sauer eingelegte Widderhoden, 150 g sauer eingelegtes Rollfleisch und jeweils 100 g Salzfleisch und Hangukjöt.


Dazu isst man traditionell Kartoffel- und Rübenstampf, aber auch Flatbrauð und Rúgbrauð, also Fladenbrot und süßliches, weiches Roggenbrot. 


Guten Appetit!

Auch wenn dieses typische Essen vielleicht nicht jedem schmeckt...


Heute sind die Þorrblót-Feiern auf dem Land überall große gesellschaftliche Ereignisse. Die Feiern werden in der Regel von einem mehrköpfigen Festkomitee organisiert, mit üppigem Catering (dabei gibt es neben den traditionellen Gerichten auch "harmloses" Essen, also keine Angst!), launigen Vorträgen und Musik und Tanz bis in die Nacht. 

In Grindavík fand am Wochenende das erste Þorrablót nach der Räumung der Stadt im November 2023 statt, mit rund 1.000 Gästen, die festlich in der Turnhalle der Stadt feierten. Áfram Grindavík! Ein ganz besonderes Ereignis für die Menschen dieser von den Erdbeben und Vulkanausbrüchen getroffenen Stadt.

Quelle: ruv.is

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen