Mittwoch, 21. Oktober 2026

Sólarupprás og sólsetur

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang


Es ist Herbst, die ersten Herbststürme sind schon über Island gezogen, der erste Schnee ist gefallen und es geht in Riesenschritten auf den Winter zu. 

Seit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 22./23. September ist mittlerweile fast ein Monat vergangen, und bei uns in Südisland merkt man schon deutlich, wie schnell die Tage kürzer werden. (Dabei dauert es noch zwei Monate bis zur Wintersonnenwende, wenn der Tag dann nur noch 4 Stunden 14 Minuten lang ist vom Sonnenaufgang um 11.15 Uhr bis zum Sonnenuntergang um 15.29 Uhr.) 

Ich habe für die exakten Daten gestern und heute extra bei der Veðurstofa Íslands nachgeschlagen. Und danach beginnt heute hier bei uns die Morgendämmerung um 7.39 Uhr, Sonnenaufgang ist dann um 8.28 Uhr. 


Dieses Foto habe ich hier gestern um 8.26 Uhr gemacht, da war gestern Sonnenaufgang, um kurz vor halb neun. Man sieht, es war nicht mehr finster, aber so richtig hell war es definitiv auch noch nicht...


An ihrem höchsten Punkt steht die Sonne um 13.09 Uhr.

Sonnenuntergang ist heute (21.10.) um 17.48 Uhr, Einbruch der Dunkelheit dann um 18.37 Uhr.

Die beiden Fotos hier habe ich gestern extra bei Sonnenuntergang gemacht, damit man sieht, wie hell/dunkel es hier um die Zeit bei Sonnenuntergang jetzt ist.



Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang ist der Tag hier heute also 9 Stunden 20 Minuten lang. 

Gestern war es allerdings auch immer wieder bewölkt, da wirkt es viel dunkler. Hier noch mal zum Vergleich ein Foto, das ich heute, bei strahlend schönem, klaren Wetter, gemacht habe - man sieht noch die verbleibende Farbe der untergegangenen Sonne am Horizont. Ich finde das so schön..! Das Foto habe ich übrigens heute um 18.18 Uhr gemacht, also etwa 20 Minuten, bevor es komplett dunkel war. 


Tatsächlich verkürzen sich die Tage derzeit extrem schnell - jeden Morgen geht die Sonne 3 bis 4 Minuten später auf als am Vortrag, und jeden Abend geht die Sonne 3 bis 4 Minuten früher unter. Pro Tag verkürzt sich das Tageslicht also um 6 bis 7 Minuten. Heute in einer Woche ist der Tag schon 45 Minuten kürzer als heute, der Tag ist dann also nur noch 8 Stunden 35 Minuten lang. 

Zum Vergleich: 

In Frankfurt/Main ist heute am 21. Oktober um 7.55 Uhr Sonnenaufgang, Sonnenuntergang ist um 18.24 Uhr. Der Tag ist dort also noch 10 Stunden und 27 Minuten lang. Und in einer Woche ist der Tag in Deutschland immer noch 10 Stunden und 1 Minute lang - und damit schon rund 1,5 Stunden länger als hier in Island..!



Dienstag, 20. Oktober 2026

Að forgangsraða

Prioritäten setzen


Ich glaube, manchmal bin ich doch furchtbar deutsch, nach dem Motto "erst die Arbeit, dann das Vergnügen". 

Aber Island lehrt mich immer wieder - das funktioniert hier nicht! Wenn die Sonne scheint, geh raus, wenn du kannst! Wenn du wartest, bis du Zeit hast - dann hat die Sonne garantiert keine Zeit mehr! 

Ich übe also, meine Prioritäten neu zu setzen. 

Heute früh fing der Tag (nach gefühlt vier Tagen Dauerregen, immer wieder fiesem Wind und Wetterwarnung am Sonntag) gewohnt nass, grau und dunkel an. Also habe ich versucht, brav und fleißig zu sein und für eine anstehende Verlosung am Blog (und - hat schon jemand Interesse an leckerer isländischer Schokolade?!?) einige Blog-Artikel mit Rezepten vorzubereiten. Während draußen immerhin der Regen nachließ...


Und dann wurde es mittags plötzlich so hell draußen, blauer Himmel, Sonnenschein..?!?

Ich  habe kurz mit mir gekämpft - und dann meine Prioritäten überdacht. Und dann bin ich einfach, mitten am Tag, mit einem netten Buch in den Hot Pot gegangen. Ich habe mich total dekadent gefühlt. Und es sehr genossen!


Und als ich danach wieder an meinem Rezept (übrigens Skyr-Creme mit meiner Lieblings-Lakritz-Schokolade Þistur) gesessen habe, schien zwar immer noch die Sonne, aber aus den dunklen Wolken, die aufgezogen waren, fing es ordentlich an zu hageln.


Kurze Zeit war unsere Terrasse und der Weg zum Haus tatsächlich weiß.


Anschließend ist der Hagel im Sonnenschein wieder geschmolzen, dann zogen wieder dunkle Wolken auf - und passend zum Sonnenuntergang setzte auch der Hagel wieder ein... 




Und ich freu mich, dass ich zumindest heute Mittag die Zeit im Hot Pot rundum genossen habe..! 


Ich wünsche Euch noch einen schönen Abend!
Ég býð ykkur gott kvöld!



Sonntag, 18. Oktober 2026

Flúða Bakarí

Die neue Bäckerei in Flúðir


Heute habe ich kein Rezept für Euch, sondern einen Einkaufstipp - falls Ihr nach Flúðir kommt, vielleicht auf dem Weg nach Laugarás, Reykholt oder zum Geysir, dann kann ich Euch einen kurzen Stopp in der Flúða Bakarí empfehlen, in der neuen Bäckerei von Flúðir. 

Ich hatte schon im Internet von der neuen Bäckerei mit ihrem Gebäck gehört und als eine Freundin aus Flúðir fragte, ob sie zum Sonntagskaffee Schnecken vom Bäcker mitbringen sollte, da wusste ich - hier muss ich unbedingt hin, ausprobieren und Schnecken kaufen! 

Flúðir ist ein kleiner Ort in Hrunamannahreppur in Südisland, ungefähr 45 km nordöstlich von Selfoss. Hier leben aktuell rund 500 Menschen, etwa 1/3 davon sind Ausländer, viele arbeiten in den Gewächshäusern hier (einen Einwohner von Flúðir nennt man übrigens "Flúðabúi"). Das Wort "flúð" wird meistens im Plural gebraucht (flúðir), es bezeichnet Felsen, die sich knapp unter der Oberfläche von fließendem Wasser oder dem Meer befinden, also eine Art Stromschnelle. 

Die Bäckerei Flúða Bakarí liegt am Rand von Flúðir in einer Art Gewerbegebiet. Ich weiß nicht, wie viele Leute hier zufällig vorbei fahren und dann anhalten. Allerdings stehen an der Hauptstraße Hinweisschilder auf die Bäckerei. 


Es gab früher schon Bäckereien in Flúðir, die sich aber leider wirtschaftlich nicht halten konnten. 

So war in dem Gebäude hier in Flúðir bereits von Januar 2016 bis Herbst 2018 die Sindra Bakarí, die Betreiber schlossen jedoch im September 2018 aufgrund der schwierigen Betriebsbedingungen, da die Bäckerei nur von den Menschen in Flúðir nicht leben konnte und das Geschäft mit den Touristen zu unberechenbar war. 

Von März 2021 bis August 2022 betrieb dann die Bäckerei "Almar Bakarí" mit Stammsitz in Hveragerði neben den Filialen in Selfoss und Hella auch eine Niederlassung in Flúðir, die aber geschlossen wurde, weil die Betriebskosten hier zu hoch und die Einnahmen zu gering waren. 

Seit August 2026 gibt es jetzt wieder eine Bäckerei in Flúðir - die Flúða Bakarí. 

Die neue Bäckerei in der Smiðjustígur 10 in Flúðir hat täglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet. 

Es gibt frisch gebackenes Brot, Backwaren und frischen Kaffee (nýbökuð brauð, bakkelsi og heitt á könnunni). Außerdem kann man sich mittags frischen Salat zum Lunch holen. Das Angebot soll laufend weiter ausgebaut und an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. 


Wenn man in die Bäckerei reinkommt, ist gleich rechts hinter Glas die Theke mit dem Gebäck. 


Hier mal ein Blick auf die Auswahl an süßen und deftigen Backwaren auf der Theke. 


Als wir da waren, gab es zwei Sorten Vanille-Schnecken, einmal mit Mandeln, einmal mit weißer Schokolade. Die Vanille-Schnecken sind wohl bei den Kunden ganz besonders beliebt. Außerdem gab es Zimtschnecken, Schokoladenschnecken, Kokosschnecken und Tiramisu-Schnecken. Die Schnecken kosten aktuell jeweils 890 ISK (gut 6,50 €). 


Es gab auch Hjónabandssæla (Eheglück), Schoko-Cookies und Nutella-Schleifen (für 990 ISK, d.h. knapp 7,30 €), außerdem deftiges Gebäck, Käseschleifen (für 990 ISK) und Käseschleifen mit Chili und Speck (für 1090 ISK, also 8 €). 

Außerdem bekommt man verschiedene frisch gebackene Brote, Sauerteigbrot, traditionelles isländisches Roggenbrot und sogar Brötchen. 

Natürlich kann man sich zu seinem Gebäck auch noch einen Kaffee, Cappuccino, Tee o.ä. holen. 


Das hier ist der Ladenbereich mit frischem Obst und Gemüse, Eiern, aber auch einigen anderen Nahrungsmitteln und Getränken. 

Die isländische Kundin vor uns kaufte z.B. mehrere Rüben und eine große Packung frische Eier.


Vor der Bäckerei gibt es Sitzgelegenheiten, im Sommer auch auf der Wiese vor dem Gebäude und jetzt im Winter kann man auch sehr hübsch hier im Glashaus sitzen. Es sind auch Heizpilze aufgestellt, so dass man wohl ganz gemütlich sitzen kann. 


Der Außenbereich ist richtig schön und gemütlich zurecht gemacht. 

Und auch die Mitarbeiterinnen im Geschäft waren sehr nett. Als wir an die Reihe kamen, erklärte uns die junge Frau hinter der Backwaren-Theke erst einmal sehr fröhlich und begeistert ihre Auswahl an Gebäck, ließ uns genug Zeit zum Auswählen und wünschte zum Schluss auf Isländisch noch einen guten Tag. Njóttu dagsins - genieß den Tag! 


Wir haben unsere Schnecken mit nach Hause genommen - für unsere Auswahl haben wir 2.670 ISK bezahlt, umgerechnet knapp 20 €: Eine Vanille-Schnecke mit weißer Schokolade, eine Kokos-Schnecke und eine Tiramisu-Schnecke. Unser persönlicher Favorit war übrigens die herrlich saftige Kokos-Schnecke!


P.S.: 

Für die Fahrt zur Bäckerei empfehle ich Euch übrigens, nicht über die Smiðjustígur zu fahren, sondern über die Straße 30 (Skeiða- og Hrunamannavegur) und dann über die Straße Sneiðin zu fahren. Dann landet man direkt vor der Bäckerei. Unser Navi hat uns über die Smiðjustígur geschickt, da muss man allerdings über eine Bordsteinkante und einen Platz voller großer Schlaglöcher rumpeln.

Karte: Google Maps

Uns hat die Flúða Bakarí wirklich gut gefallen und ich bin sicher, wir kommen wieder! 



Donnerstag, 15. Oktober 2026

Fyrsti snjórinn

Der erste Schnee der Saison


Heute Nacht fiel hier bei uns der erste Schnee dieser Saison.

Nachdem gestern der erste Wintersturm dieses Jahres über das Land gezogen ist (bzw. von unserer Ecke hier weiter Richtung Osten), hatten wir letzte Nacht auch den ersten Schnee der Saison.
 
Ich persönlich hätte ihn jetzt nicht ausgerechnet heute Nacht gebraucht, da wir um halb vier aufbrechen mussten, um den Nachwuchs zum Flughafen zu bringen. Da streckt man verschlafen den Kopf zur Tür hinaus und dicke Schneeflocken fliegen einem ins Gesicht... 

Aber wir hatten wirklich Glück, hier war es nicht rutschig und weiter Richtung Ingólfsfjall ließ das Schneetreiben nach. Über die Hellisheiði war die Straße zwar komplett weiß, aber der Wind wehte nicht mehr so sehr, es ließ innerhalb der nächsten paar Stunden wirklich deutlich nach. 

Als wir hier losfuhren, war die Ansage für die Strecke noch "16 m/s, in Böen 22 m/s" (= 58 km/h, in Böen 80 km/h), als wir dann beim Berg waren, waren es schon nur noch in Böen 16 m/s und der Wind schwächte sich weiter ab. Nur auf der Reykjanesbraut (41) auf Höhe vom Aluminiumwerk in Straumsvík wurde es kurzzeitig noch mal etwas windiger.

So gesehen - nicht richtig schön, aber zum Glück noch ganz okay.


Nachdem ich den Nachwuchs erfolgreich zum Flughafen gebracht hatte, habe ich noch einen kurzen Einkaufs-Stopp in Reykjavík gemacht. Wenn ich schon mal in der Stadt bin, kann ich das auch nutzen, schließlich hat der Hagkaup im Skeifan 24/7 geöffnet: Opið allan sólarhringinn, alla daga vikunnar! Geöffnet rund um die Uhr, alle Tage der Woche. Wolltet Ihr nicht auch immer schon morgens um halb 7 im Supermarkt Island-Wolle kaufen..?!? 

Auf dem Weg zur Kasse kam mir dann noch jemand entgegen - der Kater Diego, längst eine der legendären Katzen Reykjavíks. Diego ist Jahrgang 2014 und wohnt mit seiner Familie in der Nähe auf der anderen Seite der Miklabraut, liebt es aber, sich tagsüber im Gewerbegebiet Skeifan aufzuhalten, insbesondere im Schreibwarenladen A4 oder im Supermarkt. Er hat da auch schon im Eingangsbereich sein Körbchen... 

Foto vom August 2026

Heute früh lag Diego allerdings nicht in seinem Körbchen, sondern kam mir plötzlich in der Abteilung für Damen-Unterwäsche entgegen. 


Aber ich glaube, auch Diego war morgens um halb sieben noch nicht so richtig wach, oder vielleicht hat er auch nur seine bisherigen Lebensentscheidungen überdacht.


Der Rückweg über die Hellisheiði war zum Glück gut zu fahren, die Straße war mittlerweile schon geräumt, kurz vor Hveragerði kamen mir auch noch zwei Schneepflüge entgegen. Ich hatte nur das Problem, dass die Straßenschilder mit feuchtem Schnee bedeckt waren, so dass ich oft nicht erkennen konnte, wo wie schnell ich gerade fahren durfte. 


Hier bei uns schmolz der Schnee auch schon immer mehr, nur in den Ecken lag noch eine Weile der letzte Rest... Den Tag über war es immer wieder sogar richtig sonnig, auch wenn die Temperatur nicht viel über 3° gestiegen ist. Und mittlerweile ist es auch fast windstill... 

Also richtig schönes isländisches Herbstwetter! 




Mittwoch, 14. Oktober 2026

Veðurviðvaranir

Wetterwarnungen


Aus aktuellen Anlass ist mein "Wort der Woche" heute "veðurviðvörun", die "Wetterwarnung".

Gestern Abend war es teilweise erstaunlich klar und windstill, wir konnten auch noch mal Nordlichter sehen - die klassische Ruhe vor dem Sturm. 

Heute Nacht galten in ganz Island Wetterwarnungen. Der erste Herbststurm der Saison zog über das Land.

In den meisten Landesteilen gab es eine gelbe Wetterwarnung, mit Winden bis 25 m/s und starken Böen, außerdem erheblicher Niederschlag, teilweise als Schneeregen oder Schnee - gefährliches Reisewetter. 

Im Breiðafjörður, in den Westfjorden und Strandir sowie im Nordwesten sowie bei uns im Südwesten galt eine orangene Wetterwarnung, mit starkem Wind bis zu 28 m/2 und starkem bis sehr starkem Niederschlag mit schlechter Sicht, je nach Lage mit Schnee auf den Straßen - kein Reisewetter. 

Quelle: vedur.is

Mittlerweile ist bei uns die Wetterwarnung schon wieder durch, wir sind damit aber auch die einzige Ecke in ganz Island. Im Norden wird noch mit heftigen Schneestürmen gerechnet.

Quelle: vedur.is

Die letzte Nacht war sehr stürmisch. 

Auf den Westmänner-Inseln lag die durchschnittliche Windgeschwindigkeit bei 42 m/s, also etwas mehr als 150 km/h, in Böen bei 50 m/s (= rd. 180 km/h).

Heute früh gegen 7 Uhr wurde in Hvammur unterhalb des Eyjafjalla in Böen eine Windgeschwindigkeit von 57,9 m/s gemessen, das entspricht 208,44 km/h. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurden in Hvammur schon 12 Mal Windgeschwindigkeiten von mehr als 58 m/s gemessen, die Höchstgeschwindigkeit waren 63,4 m/s (= 228 km/h) bei einem Sturm am 14.02.2020. Alle diese höheren Messungen stammen jedoch aus dem Winter, in der Zeit von Dezember bis März. Im Herbst wurden hier noch nie so hohe Windgeschwindigkeiten gemessen. Mittlerweile hat der Wind aber wieder etwas nachgelassen.

Zum Vergleich: Ab Windstärke 12, d.h. bei Windgeschwindigkeiten von mindestens 32,7 m/s bzw. 118 km/h, spricht man von einem Orkan. 

Es werden auch schon erhebliche Schäden gemeldet:

In Hella wurde offenbar ein kleines Gewächshaus weggeweht, auf den Westmänner-Inseln wurden mehrere Dächer beschädigt und in Siglufjörður im Norden haben Windböen mit bis zu 55 m/s (= 198 km/h) mindestens ein Dach komplett abgedeckt, mehrere Dächer und Fenster beschädigt, außerdem auch Autofenster. Die Rettungskräfte in der Region sind im Einsatz, wie derzeit auch an vielen anderen Orten auf Island. 

Auf der Ringstraße gab es Straßensperrungen, die mittlerweile allerdings wieder aufgehoben sind. Es ist aber weiterhin an zahlreichen Orten des Landes mit Verkehrsbehinderungen aufgrund des schlechten Wetters und mit kurzfristigen Straßensperrungen zu rechnen, insbesondere in den Westfjorden, im Nordwesten und im südlichen Teil von Snæfellsnes.

Quelle: vegagerdin.is

Bei uns hat sich das Wetter beruhigt, es ist jetzt nur noch normal windig mit Windgeschwindigkeiten zwischen 10 und 15 m/s (= 36 - 65 km/h) und es regnet noch etwas, aber nicht mehr besonders heftig. Wir bleiben trotzdem zu Hause. Nachher wollen wir es uns noch mit Schokoladenkuchen (skúffukaka) und einem netten Film gemeinsam auf dem Sofa gemütlich machen. Wir diskutieren nur noch, welchen Film wir schauen wollen...



Und hier nochmal mein "Wort der Woche" zum Anschauen und Anhören:




Montag, 12. Oktober 2026

Rjúpnaveiðitímabilið 2026

Schneehühner auf Island


Nanu, Besuch so früh am Tage..?

Die letzten Tage hatten wir immer Besuch, während wir gefrühstückt haben - jeden Tag saß ein Schneehuhn auf dem Zaun unserer Terrasse. Jeden Tag war es ein anderes Schneehuhn, der Färbung des Gefieders nach. Und jedes Mal saß das Schneehuhn seelenruhig und lange auf dem Zaun.


Das Schneehuhn gestern saß mindestens eine Stunde lang auf unserem Terrassen-Zaun. Und wir konnten ihm ausgiebig zuschauen, wie es sich putzte, von einem Fuß auf den anderen trat, lange komplett ruhig auf einem gefiederten Fuß stand, sich wieder putzte, den Hals reckte, die Umgebung musterte, sich wieder putzte, irgendwann über den Zaun defäkierte, sich wieder aufplusterte, sich wieder die Füße vertrat... Viel spannender als jede Nachrichtensendung im Fernsehen! 


Heute hatten wir wieder Besuch zum Frühstück. Dieses Mal saß das Schneehuhn in aller Seelenruhe auf der anderen Seite der Terrasse und hat uns zum Dank auch noch auf den Zaun gekackt. 


Normalerweise kenne ich Schneehuhn-Kot etwas anders, eher wie hier auf dem Bild (aufgenommen auf unserer hinteren Terrasse im Oktober 2024) als kleine, dunkle Würste, optisch eher ähnlich wie Holzpellets. Keine Ahnung, ob unser Schneehuhn heute vielleicht Verdauungsprobleme hatte oder ob es nur der Unterschied zwischen frischem Kot und getrocknetem ist. 


Auf jeden Fall liebe ich solchen Besuch! 


Schneehühner in Island

Ein Schneehuhn heißt auf Isländisch "rjúpa" oder auch "fjallarjúpa" (= Berge-Schneehuhn), im Plural sind es dann "rjúpur".  

Die Schneehühner gelten als einer der charakteristischsten Vögel der isländischen Natur mit einer besonderen Bedeutung für das hiesige Ökosystem. Für die Gerfalken sind die Schneehühner eines der Hauptnahrungsmittel, insbesondere in der Brutzeit ernähren sich die Falken zu über 90% von Schneehühnern - ohne Schneehühner in Island würden hier auch der Gerfalken aussterben. Außerdem fressen auch Polarfüchse die Schneehühner, ihre Eier und ihre Kücken - ebenso wie Nerze, Möwen oder Seeadler. 

Die Schneehuhn-Population in Island gilt als potentiell gefährdet. 

Während zwischen 1900 und 1950 in guten Jahren schätzungsweise 3 bis 5 Millionen Schneehühner im Herbst auf Island lebten, ging der Bestand seitdem langfristig zurück, teilweise gab es Jahre mit weniger als 200.000 Schneehühnern im Herbst. In den Jahren 2003 und 2004 wurde die Schneehuhn-Jagd komplett verboten, um einen weiteren Rückgang der Tiere zu verhindern.

Insbesondere der Klimawandel gefährdet den Bestand von Schneehühnern in Island, sowohl durch fehlenden Schnee im Winter (wenn die Schneehühner mit ihrem schneeweißen Winter-Gefieder in der dunklen, schneelosen Lava-Landschaft zur leichten Beute für Raubvögel werden) als auch durch extreme Wetterschwankungen im Frühjahr:

Schneehühner brüten in Island ab Mitte Mai, die Brutzeit dauert ca. 3 Wochen, anschließend dauert es noch 6 bis 8 Wochen, bis die Küken ihre Mütter verlassen können. Schneehühner sind Bodenbrüter. So können Kälteeinbrüche und heftige Schneestürme bis in den Juni hinein zum Verlust der Nester mit Eiern und Küken führen.   

Es gibt aber auch Befürchtungen, dass die Aufforstung der isländischen Wälder den Brut- und Lebensraum der Schneehühner einschränken könnte, wenn Torf- und Grasland, die Hauptbrutgebiete für Schneehühner und andere Heidevögel, langfristig in größerem Umfang in Nadelwälder umgewandelt würden.

Nach den massiv gesunkenen Zahlen an Schneehühnern Anfang des 21. Jahrhunderts gehen die Behörden mittlerweile aufgrund der Zählungen der letzten Jahre davon aus, dass sich der Schneehuhn-Bestand auf Island wieder etwas erholt und stabilisiert hat. 

Im Osten und Nordwesten des Landes entspricht die Schneehuhn-Population 2026 in etwa den Zahlen des Vorjahres, im Westen und in den Westfjorden wurden etwas mehr Vögel gezählt als im Vorjahr und im Nordosten und im Süden gab es deutlich mehr Brutpaare als 2025. Insbesondere im Nordosten wurden jetzt mehr Schneehühner gezählt als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen 1981.

Allerdings wurde festgestellt, dass es zwar viele Brutpaare gibt, der Bruterfolg, gemessen an der Anzahl der Jungvögel, jedoch eher schwach bis mäßig ist. Die schwachen Fortpflanzungsraten geben weiter Anlass zu Besorgnis.

Die Seehuhnjagd-Saison 2026

Für viele Isländer ist Schneehuhn ein traditionelles Weihnachtsgericht, und die Jagd auf Schneehühner im Herbst hat in Island in vielen Familien eine tief verwurzelte Tradition. Gejagt wird hier traditionell mit der Flinte.


Die Jagdsaison für Schneehühner (rjúpnaveiðitímabilið) beginnt dieses Jahr landesweit am 23. Oktober 2026. 

Gejagt werden darf von Freitag bis Dienstag - mittwochs und donnerstags ist die Jagd verboten. 

Aufgrund der jeweiligen regionalen Population der Schneehühner wurde eine Zonierung vorgenommen, in den verschiedenen Regionen Islands dauert die Jagdsaison hier jeweils unterschiedlich lang - während die Schneehuhn-Jagd hier im Süden und im Nordwesten nur bis zum 17. November erlaubt ist, darf in den Wesrfjorden eine Woche länger gejagt werden, im Westen und im Nordosten darf bis zum 1. Dezember gejagt werden und im Osten sogar bis zum 22. Dezember, also bis kurz vor Weihnachten. 

Auf Reykjanes gibt es ein Schutzgebiet, in dem keine Schneehuhn-Jagd erlaubt ist. 


Auf Island gibt es etwa 4.000 bis 5.000 Schneehuhn-Jäger, statistisch geht davon jeder an drei oder vier Tagen auf die Jagd, oft über ein verlängertes Wochenende, wenn das Wetter mitspielt. Feste Jagdquoten für Jäger, wie in früheren Jahren, als z.B. nur 4 Schneehühner pro Jäger geschossen werden durften, gibt es nicht mehr, es darf aber weiterhin nur für den Eigenbedarf gejagt werden. 

Es gilt ein generelles Verkaufsverbot für isländische Schneehühner. 

Im Supermarkt kann man aber importierte, tiefgefrorene Schneehühner aus Großbritannien kaufen.