Freitag, 9. Februar 2024

Vulkan-Tourismus

Gestern morgen weckte Markus mich kurz nach 7 Uhr - der Vulkan ist wieder ausgebrochen! Es geht wieder los! 

Nach Beginn der Erdbeben gegen 5.30 Uhr hatte sich kurz nach 6 Uhr wieder eine rund 3 km lange Erdspalte geöffnet, aus der Lava floss. Ziemlich an derselben Stelle wie vorletztes Mal, bei dem Ausbruch vom 18.12.2023.

Den Vormittag über hatte ich dann die ganze Zeit den Fernseher im Hintergrund laufen, das Live-Bild von den Ausbruchsstellen, Sondersendungen... 

Nach Feierabend haben wir uns dann auch aufgemacht Richtung Reykjavík / Reykjanes, ob wir vielleicht wenigstens aus sicherer Entfernung auch etwas vom aktuellen Ausbruch sehen könnten..?

Zuerst waren wir in Reykjavík am Perlan, da war zwar wunderschöne Sonnenuntergangsstimmung, herrliches Licht, aber den Vulkanausbruch konnten wir ganz in der Entfernung nur schwach ahnen. 


Anschließend sind wir rausgefahren Richtung Vogar. Da sah man eine gewisse Zeit die Wolke vom Vulkan, angeleuchtet von der untergehenden Sonne. Mehr war aber nicht zu sehen. 


Wir haben dann schließlich kurz hinter Vogar an einem kleinen Parkplatz neben der Straße gehalten, genau wie etliche andere, und sind hier auf den Hügel gelaufen, für eine bessere Sicht. 


Zuerst haben wir gar nichts gesehen - bis mein Mann irgendwann feststellte, ups, da bei dem kleinen schwarzen Hügelchen da hinten, da spritzt ja Lava raus! Schlecht zu sehen, weit weg - aber Lava! 


Und so standen wir da, mit etlichen anderen, und freuten uns und staunten. Und froren, ehrlich gesagt. Allzu lange sind wir dann nicht geblieben. 



Je dunkler es wurde, desto besser war die Lava dann auch zu sehen. Hier hatten wir noch einen zweiten Stopp bei einem Denkmal auf der anderen Seite der Reykjanesbraut gemacht. Man sieht hier im Vordergrund eigentlich ganz gut die Straßensperrung Rictung Süden durch die Polizei und ein Stück dahinter dann die spuckende Lava... 


Aktuell rufen die Behörden dazu auf, auf keinen Fall an der Reykjanesbraut stehen zu bleiben und Fotos zu machen -  das ist eine Hauptverkehrsstraße, da einfach zu halten, wäre eine absolut Schnapsidee, dadurch würde man nur sich und andere gefährden. 

Wir haben an Parkplätzen an Seitenstraßen gehalten, haben zwar aus sicherer Entfernung nicht wirklich viel gesehen, aber ein Erlebnis war es trotzdem wieder!


Aber natürlich ist auch dieser Ausbruch kein "Touristen-Ausbruch":

Aktuell arbeiten sie auf allen Ebenen mit Hochdruck daran, die zerstörte Infrastruktur wieder in Gang zu setzen, zumindest Reykjanes möglichst bald wieder mit Heißwasser versorgen zu können. Aktuell sind Schulen, Kindergärten, alle öffentlichen Einrichtungen, Museen, Schwimmbäder etc. geschlossen. Insbesondere in Pflegeeinrichtungen, wo es keine Notstromversorgung gibt, ist die Situation nicht gut. Die Menschen werden zum Stromsparen aufgerufen, pro Haushalt nur ein Elektro-Ofen, damit das Netz nicht überlastet wird.

In der Nacht gab es noch einen Defekt an der Kaltwasserleitung, durch den Druckabfall gibt es teilweise auch kein kaltes Wasser mehr. Die Reparaturarbeiten laufen auf Hochtouren. 

Der Flughafen hat eine Notstromversorgung, allerdings auch keine Heißwasserversorgung und im Moment wohl auch kein kaltes Wasser oder nur eingeschränkt. Im Moment ist der Flugverkehr zumindest nicht betroffen. 

Abwarten, wie es weitergeht... 


Donnerstag, 8. Februar 2024

Wieder Vulkanausbruch auf Reykjanes (08.02.2024)

Sonnenaufgang über dem Vulkanausbruch (RUV)
Heute morgen begann gegen 5.30 Uhr eine intensive seismische Aktivität westlich vom Fagradalsfjall und etwa 30 Minuten später öffnete sich die Vulkanspalte. 

Die Vorwarnzeit war damit mit knapp 30 Minuten deutlich kürzer als bei den letzten Ausbrüchen, das war allerdings erwartet worden. 

Der Ausbruch begann um 6.02 Uhr, er ereignete sich ungefähr in demselben Gebiet wie der Ausbruch vom 18. Dezember 2023, der Riss ist ca. 3 km lang und erstreckt sic von Sundhnúkur im Süden bis zum östlichen Ende von Stóra-Skógfell. Die Lava-Fontänen erreichen eine Höhe von ca. 50 bis 80 Metern, die Wolke steigt bis etwa 3 km Höhe auf. Allerdings steht derzeit der Wind günstig und die Wolke zieht aufs Meer. Die Lava fließt derzeit hauptsächlich nach Westen.


Quelle: vedur.is


Das hier war laut Homepage der zuständigen Behörde der Anblick, der sich den Mitarbeitern heute früh vom Büro in Reykjavík aus geboten hat. 

Quelle: vedur.is

Wir konnten im Fernsehen live zuschauen, wie der Grindavíkurvegur innerhalb von vielleicht 10 Minuten von der Lava überschwemmt wurde. 





Hier noch einmal das Fernsehbild eben, auf den Grindavíkurvegur mit der Abzweigung zur Blauen Lagune (von Norden aus gesehen):


Das Gebäude hier im Vordergrund am Norðurljósavegur ist etwa 1 km vom Grindavíkurvegur, der Straße 43, entfernt, ähnlich weit weg wie das Hotel Northern Lights Inn. Kurz danach kommt dann das Kraftwerk und die Blaue Lagune... 


Momentan rechnen sie damit, dass die Lava die Strommasten gegen Mittag erreichen wird. 

Sie hatten noch versucht, die Fernwärmeleitung durch Wälle zu schützen, aber den Bildern im Fernsehen nach brennt jetzt gerade die Heißwasserleitung, es steigt schwarzer Rauch auf. Das würde bedeuten, dass kein Heißwasser mehr vom Kraftwerk Svartsengi kommt, d.h. kein Heißwasser für Reykjanesbær, Suðurnesjabær, Grindavík und Vogar. 

Anwohner und Unternehmen werden dringend aufgefordert, Warmwasser und Wärme zu sparen, die Heizungen herunterzudrehen und kein Heißwasser zum Duschen, Baden oder Hot Pots zu verwenden. 

Abwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Im Moment nimmt der Lavastrom wohl zu.

Ekki gott, nicht gut...


Mittwoch, 7. Februar 2024

Autofahren im isländischen Winter

Aktuell ist es kalt und schneereich hier in Südisland, da wird Autofahren schnell zu einer besonderen Herausforderung. Ist halt nicht so einfach, "eben mal schnell" irgendwo hin zu fahren und jede Einkaufsfahrt wird schnell zum Abenteuer. 

Neben einem winterfesten Auto ist es wichtig, vor jeder Fahrt nach dem Straßenzustand zu schauen - und noch die richtige Ausrüstung im Auto bei sich zu haben. 

Meine persönlichen Top-4-Gegenstände sind dabei unbedingt eine Schaufel, eine Taschenlampe und ein Eiskratzer, ideal ist auch noch ein Besen

Winterfestes Auto 

Grundvoraussetzung für das Autofahren im isländischen Winter ist natürlich ein winterfestes Auto, mit guten Winterreifen, idealerweise mit Spikes an den Reifen und mit Allrad-Antrieb, um möglichst gut und sicher durch den Schnee zu kommen. 

Vor der Fahrt: Straßenzustand prüfen

Unbedingt vor jeder Fahrt online den Straßenzustand anschauen - auf der Seite der Verkehrsbehörde Vegagarðin oder auch auf road.is wird immer der aktuelle Zustand der Straßen angezeigt. 

Die Kategorien reichen hier von "greiðfært" (= leicht befahrbar) über verschiedene Steigerung von überfrierender Nässe, Eisglätte, Schneematsch und schneebedeckter Fahrbahn bis zu "Þæfingur" (= mit bis zu 20 cm lockerem oder leicht zusammengepresstem Schnee bedeckte Straße, die nur mit einem Pkw mit Allradantrieb befahren werden soll) und "Þungfært" (= schwer befahrbar) und schließlich zu "ófært" (= unbefahrbar). 

Die Anzeige auf der Website bitte unbedingt ernst nehmen und vorsichtig fahren bzw. ggf. eben nicht fahren. Man landet wirklich schnell im Schnee, so wie wir hier in unserem ersten Island-Winter 2012. 



Hier noch mal meine persönlichen Tipps für eine wintergeeignete Ausrüstung fürs Auto:


1. Schaufel

Bei solchen Wetterbedingungen gehen wir nicht ohne Schaufel aus dem Haus, dafür sind wir hier auf dem Land einfach schon zu oft steckengeblieben. 


Aktuell ist schönes Wetter, sonnig und klar - das Problem ist aber der Wind. Der Wind fegt den Schnee dann übers Land und an manchen Stellen bilden sich schnell Schneeverwehungen. 


Hier mal der Blick auf die Zufahrtsstraße zu unserem Haus - ein Privatweg, der i.d.R. zwei Mal pro Woche vom Bauern nebenan geräumt wird. Er hatte zuletzt am Sonntag geräumt, am Montag war der Weg noch gut passierbar, am Dienstag wurde es dann ziemlich windig und wir haben die Strecke hier alle zwei Stunden wieder freigeschaufelt, um den Weg befahrbar zu halten. 

Wir hatten hier doch gerade erst geschaufelt und den Weg freigelegt und waren zweimal auf und ab gefahren mit dem Auto - alles gut. Aber zwei Stunden später hatten sich auf dem Weg stellenweise Schneeverwehungen gebildet, die wirklich bis zu 50 cm tief waren. Da wären wir ohne Schaufel aufgeschmissen. 


Dabei waren wir hier den Tag doch schon durchgekommen - hilft aber nichts, muss nochmal geschaufelt werden!


Kurz vor der Ausfahrt auf die öffentliche Straße waren dann noch mal besonders schöne fiese Schneewehen... 


Insgesamt haben wir an einem Tag drei Mal unsere Straße wieder freigeschippt, von den Schneewehen, die sich bei dem Wind gestern immer wieder so schnell gebildet haben. Ohne Schaufel im Auto hätten wir keine Chance gehabt!  

2. Eiskratzer

Eiskratzer im Auto ist im Winter wesentlich, auch wenn bei solchen Gelegenheiten auch schon Kreditkarten, Parkscheiben o.ä. zum Einsatz kommen können. 


Wir haben von einem isländischen Freund übrigens einen besonders luxuriösen Eiskratzer bekommen, mit eingebautem Handschuh, perfekt gegen kalte Finger! 


3. Teleskop-Stange mit Besen und Kratzer

Ein "nice to have", aber nicht unbedingt überlebensnotwendig, ist so eine schöne Teleskop-Stange, an einem Ende ist ein Besen, um den Schnee vom Auto zu fegen, am anderen Ende ist noch ein Eiskratzer, mit dem man auch große Frontscheiben ziemlich bequem freikratzen kann. 


4. Taschenlampe

Existenziell wichtig ist dagegen eine funktionierende, gute Taschenlampe im Auto, wenn man im isländischen Winter an weniger beleuchteten Orten unterwegs ist. Die nächste Straßenlaterne ist von unserem Haus über 1 km entfernt, also gehe ich im Dunkeln nicht ohne meine Taschenlampe aus dem Haus. Man weiß schließlich nicht, wo man steckenbleibt, und mit Taschenlampe findet man seinen Weg auch im Dunkeln. 


Viele Leute empfehlen auch, im Winter immer eine dicke Decke, zusätzliche Jacken, Pullover o.ä. im Auto zu haben. Es passiert halt schnell, dass man feststeckt oder die Straße gesperrt werden muss, dann sitzt man möglicherweise über Stunden im Auto fest - und es wird schnell richtig, richtig kalt. 

Und immer im Hinterkopf behalten - trotz aller Vorsicht kann es schnell passieren, dass man sich in der nächsten Schneewehe festfährt. Die Schaufel hier am Wegrand steht da bestimmt nicht ohne Grund!