Dienstag, 7. April 2026

Rafmagnsleysi

Stromausfall


Manchmal erlebt man etwas, ohne etwas zu erleben. 

Wir hatten jetzt im Winter so eine Situation: 

Ich war friedlich am Samstagnachmittag auf der Toilette, als ich schlagartig im Dunkeln stand. Das war ziemlich unpraktisch, denn unser WC hat nur ein winziges Fenster und es ist selbst im Sommer eigentlich immer dunkel. Und nachmittags im Winter ist es dann wirklich stockfinster. 

Toilette auf Island - Symbolbild

Mein Mann dachte zuerst, die Neonröhre auf der Toilette wäre kaputt. Wir hatten aber natürlich keinen Ersatz mehr im Schuppen und es war schon zu spät, als dass wir noch zum Baumarkt nach Selfoss hätten fahren konnten. 

Dann merkten wir - es war nicht nur das Licht auf der Toilette, auch im Arbeitszimmer und im Zimmer von unserem Jüngsten war der Strom ausgefallen, ebenso im Flur, wo unser großer Kühlschrank mit Tiefkühlfächern steht (Vorratshaltung ist schließlich wichtig hier auf dem isländischen Land!). Ein kompletter Stromausfall war es aber nicht, in den anderen Räumen hatten wir noch Strom. Mein Mann stellte dann am Sicherungskasten bzw. beim Stromkasten fest, dass tatsächlich eine von drei Leitungen zum Haus ausgefallen war. 

Auf der Seite vom Stromanbieter war noch keine Meldung zu Stromausfällen o.ä. hier in der Region. Wir haben dann dem Stromanbieter gemailt. Und mein Mann hat den Kühlschrank mit einer Verlängerungsschnur an eine andere Sicherung gehängt, die Strom hatte, so dass die Lebensmittel weiterhin gut gekühlt wurden. (Zumindest dieses Problem war also erstmal gelöst.)

Etwa 20 Minuten später kam die Meldung eines teilweisen Stromausfalls hier in der Gegend - sehr konkret begrenzt auf unser Wohngebiet und das Nachbargebiet, ca. 1 km weiter. Seit 16.30 Uhr gebe es hier wegen einem Defekt Stromausfälle, die Reparaturarbeiten seien aber im Gange, spätestens bis 18.50 Uhr sollte der Schaden hoffentlich wieder behoben sein. Die Information kam auch noch per E-Mail. 

Wir hatten dann wieder Strom auf allen Leitungen, so dass ich gegen 19 Uhr problemlos das Abendessen kochen konnte. 

Um 20.30 Uhr kann dann noch eine Mail, dass die Stromversorgung grundsätzlich wiederhergestellt sei, sie seien aber noch auf Fehlersuche und es könne währenddessen immer wieder zu kurzfristigen Stromausfällen kommen. Was es dann auch tat - ich war froh, dass ich da schon fertig gekocht hatte. 

Aber wir saßen auch immer nur kurz im Dunkeln. Dafür konnten wir den Abend über beobachten, wie die Techniker des Stromanbieters hier die Straßen entlangfuhren und die Stromkästen kontrollierten - erst alle Stromkästen, dann weniger, dann nur noch zwei, immer abwechselnd, aber immer wieder. Da es stockdunkel war, konnten wir die Hin- und Herfahrten des Autos gut erkennen... 

Am nächsten Werktag kam morgens um 8.20 Uhr wieder eine Mail, wegen weiterer Arbeiten könne es an dem Tag zwischen 10 und 15 Uhr immer wieder zu kurzfristigen Stromausfällen kommen. Gegen 11 Uhr waren die Techniker dann wieder an den besagten zwei Stromkästen im Einsatz. 

Offenbar waren die Arbeiten aber erfolgreich - wir sind seitdem wieder stabil mit Strom versorgt. 


Tatsächlich sind Stromausfälle auf Island gar nicht so selten, wenn auch wohl seltener als früher, wie unsere Nachbarn erzählt haben. 

Die Überland-Stromleitungen verlaufen hier normalerweise oberirdisch, bei schlechtem Wetter wie z.B. starkem Sturm oder Schneefall können die Oberleitungen beschädigt werden oder zusammenbrechen. Es gibt aber effiziente Notfallpläne, so dass die Versorgung meist innerhalb weniger Stunden selbst am Wochenende wiederhergestellt werden kann.

Erst gestern kam es wieder, wohl wegen einem Blitzeinschlag, zu Stromausfällen auf der Búrfellslína 1, einer der drei Stromleitungen vom Kraftwerk Írafoss am Fluss Sog, was weitreichende Folgen hatte. So war z.B. der Flughafen Keflavík ohne Stromversorgung, wurde aber mit "Reservestrom" versorgt, so dass es hier nicht zu Flugausfällen etc. kam. Nördlich von Reykjavík kam es zu Ausfällen der Mobilfunknetze, in Mosfellsbær fiel der Strom aus, und auch die Westmänner-Inseln waren von dem Stromausfall auf der Linie betroffen und hatten zeitweise keinen Strom bzw. kein Heißwasser. Der Stromausfall dauerte rund 2 Stunden, bis die meisten Haushalte wieder versorgt werden konnten.



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