Freitag, 19. August 2022

Am Vulkan

Letzte Woche haben wir es geschafft - am 12.08.2022 waren wir tatsächlich beim Vulkanausbruch im Meradalir!

Das Wetter war für letzten Freitag ganz gut angesagt, die Windrichtung stimmte auch und trieb die Gaswolke vom Wanderweg weg, also hat mein Mann früh Feierabend gemacht, wir haben uns in unsere möglichst wind- und wasserfesten Wandersachen geschmissen, haben Essen und Trinken und eine (vorsichtshalber) noch eine große Taschenlampe in den Rucksack gepackt - und sind losgefahren, ab zum Vulkan! 

Mittlerweile war auch ein offizieller Wanderweg eingerichtet, der alte Wanderweg A ist weiter ausgewiesen bis zur aktuellen Eruptionsspalte im Meradalir. Der Weg vom Parkplatz bis zur Ausbruchsstelle sind etwa 7 bis 7,5 km pro Strecke. 

Es gibt mehrere Parkplätze an der Stelle - und sie waren wirklich alle gerappelt voll, aber wir hatten doch Glück und haben noch einen richtigen Parkplatz gefunden. Gegen halb vier am Nachmittag sind wir vom Parkplatz losgelaufen. 


Am Beginn des Wegen steht ein großes Schild, auf dem dick markiert ist, wo man gerade steht ("YOU ARE HERE") und dann der Weg bis zum Vulkan im Meradalir (VOLCANO). Ich habe den Weg auf dem Bild hier mal rot nachgezeichnet.  


Den Anfang des Weges kannte ich ja noch vom letzten Jahr, da sind wir hier im April 2021 auch schon losgegangen zum Vulkanausbruch. Mittlerweile ist der Weg schön ausgebaut, breit und gut gemacht, zumindest hier am Anfang. Es waren aber auch Himmel und Menschen unterwegs! Allerdings kamen uns die meisten Leute eher entgegen, um diese Uhrzeit - der "Rückreiseverkehr" von den Touristen, die vormittags aufgebrochen waren, für den "Abendverkehr" von denen, die den Vulkan dann später bei Dämmerung sehen wollten, war es noch zu früh. 


Bis hier zu diesen Ausläufern der Lava vom letzten Jahr war der Weg wirklich gut zu gehen - das waren aber leider noch nicht einmal 2 km.


Danach ging es dann erst einmal im Zickzack den Berg hinauf - voriges Jahr im April gab es hier noch ein Seil und der Weg war deutlich steiler, das wurde mittlerweile sehr viel besser gemacht - und sie sind auch dabei, den Weg noch weiter zu "entschärfen". Bei trockenem Wetter bergauf ließ er sich gut gehen (runter fand ich es dann wesentlich schwieriger und ich war nicht die einzige, die da etwas unsicher unterwegs war).


Hier stehe ich dann oben auf dem Bergrücken mitten auf dem "Weg". Also - entlang der Strecke, die von Holzpflöcken mit roten Streifen markiert ist. Sie sind dran, den Weg weiter auszubauen, zu befestigen, und mittlerweile gibt es wohl sogar schon ein einigen Stellen Leuchten, damit man sich nicht so leicht verirrt. 


Hier steht jetzt mein Mann auf dem Wanderweg - vorne der Pflock zur Wegmarkierung. Links die Wolke vom aktuellen Ausbruch - rechts am Bildrand der Hauptkrater vom Ausbruch letztes Jahr. 


Hier noch einmal der Hauptkrater, der sich beim Ausbruch letztes Jahr von März bis September 2021 gebildet hat - vor 1,5 Jahren war hier noch ein Tal und jetzt ist der Krater mit die höchste Erhebung hier. Schön finde ich auch die Farben - gerade das Schwefelgelb hier rund um den Krater, das im Sonnenschein auch noch richtig hell leuchtete. 


Hier sieht man noch einmal den Hauptkrater vom letzten Ausbruch - und im Hintergrund die Gaswolke vom aktuellen Ausbruch. Wirklich nicht weit auseinander!


Und hier ging es dann quasi auf die "Zielgrade" zur jetzigen Ausbruchsstelle. Einmal "schwappte" die glühende Lava auch schon so hoch, dass man sie ungefähr von hier aus sehen konnte, wenigstens ganz kurz. 

Hier hatten wir aber knapp 7 km schon hinter uns - und die ganz, ganz fiesen Stellen auch. An mindestens zwei, drei Stellen hätte ich es echt drangegeben, wenn ich meinen Mann nicht dabei gehabt hätte und er mir nicht geduldig geholfen hätte - teilweise war der Weg nicht als Weg erkennbar, noch ein Rumkraxeln über Steine, und an zwei Stellen ging es richtig fies und steil und rutschig den Berg runter. Und bei uns war es trocken - ich will mir nicht vorstellen, wie übel das sein muss, wenn es geregnet hat und die Strecke noch noch nass ist!

Von den richtig fiesen Stellen habe ich leider keine Fotos - da war ich einfach nur damit beschäftigt, heil irgendwie weiter zu kommen! 


Und dann hatten sich die ganzen Mühen und das Elend des Wegs (der mich wirklich an meine Grenzen gebracht hat!) aber so was von gelohnt - dieser erste Moment, wenn man die frische Lava spucken sieht - immer wieder einfach nur genial! 

Man hört es so schön, wenn die Leute das erste Mal richtig Blick auf den Ausbruch haben - ganz viele staunende, laute "Ah!" und "Oh!" und "Wow!" und "O my gosh!" Und ganz viele strahlende Augen und offene Münder! 


Ich habe etwa 3 Stunden für den Hinweg zum Vulkan gebraucht, um halb vier sind wir am Parkplatz aufgebrochen und gegen halb 7 waren wir dann am Berg, oberhalb der aktuellen Ausbruchsstelle. 


Ich bin oben am Berg geblieben und habe mich nicht den Hang runtergetraut, mein Mann ist alleine noch runter gegangen bis zu der frischen Lava. 


Auch die Hitze, die der Vulkan und die frische Lava ausstrahlt, ist beachtlich - als ob man vor einem bullernden Kamin sitzt, selbst noch oben auf dem Bergrücken war die Hitze zu spüren. Und hier unten, an der Lava, natürlich erst recht. 


Mein Mann sagt, da, wo er stand, war es noch gut auszuhalten, einen Meter näher dran war es schon unangenehm heiß - und noch weiter dran hätte er Angst gehabt, sein Handy schmilzt... 



Hier mal der Blick auf den Hang, oberhalb der Ausbruchsstelle - schon ordentlich steil und rutschig, mit dem ganzen Geröll, das hier liegt... 


Ich habe ungefähr eine halbe Stunde einfach nur am Hang gesessen und den Ausbruch angeschaut - und ich habe es genossen! 







Irgendwann wurde es dann allerdings kalt, da half auch die Hitze vom Vulkan nicht mehr, wenn der Wind zunehmend frisch wehte... 


Also haben wir noch unseren letzten Proviant aufgegessen (Blätterteigtaschen mit Lamm-Hack-Füllung, hatte ich extra am Vormittag noch gebacken)... 


...und dann haben wir uns, kurz nach 7, wieder auf den Rückweg gemacht. 


Hier noch mal ein Blick auf die geborstene Lava vom letzten Jahr...


...und den Hauptkrater im ehemaligen Tal.



Eigentlich sehe ich doch selbst auf dem Rückweg nach ganz lebendig und munter aus, oder?


Gegen 22 Uhr waren wir dann schließlich wieder beim Auto. Ehrlich gesagt - ich war froh, als wir am ersten Parkplatz angekommen sind, und bin dann nur noch erschöpft auf einen Stein gesunken. Mein Mann hat dann vom hinteren Parkplatz das Auto geholt und mich dankenswerter Weise wieder eingesammelt. Irgendwie haben die 15 km bei mir ordentlich reingehauen - zumal es eben kein "bequemer" Wanderweg war, sondern teilweise schon eine ziemliche Kraxelei!


Aber gelohnt hat es sich unbedingt und auf jeden Fall!!! 





Dienstag, 16. August 2022

Lambaþríhyrningar með feta

Lamm-Dreiecke mit Feta 


Finger Food auf Isländisch - dieses Mal habe ich Blätterteig-Taschen mit Lamm-Hack gebacken, als Wegzehrung für unsere geplante Wanderung. 
Finger Food heißt auf Isländisch übrigens "pinnamatur", das Wort verwendet man auch für "Appetithappen". 

Beim Einkaufen hatte ich allerdings erst Probleme, als ich bei uns im örtlichen Supermarkt Hackfleisch gesucht habe - frisch gab es hier kein Hackfleisch im Kühlraum, nur Hamburger, also habe ich in der Tiefkühltheke gesucht - und erst einmal nichts gefunden, weil ich nach der falschen Form / Verpackung Ausschau gehalten habe. 

Aber dann waren wir doch erfolgreich: Hackfleisch wird hier tiefgefroren in "Wurst-Form" verkauft, es gab wahlweise Schweine, Rind, Pferde und Schaf. Wir haben also eine Rolle "kindahack" (= Schafshack) gekauft, die ich dann zu Hause vor dem Backen aufgetaut habe. 

(Meine "Hackwurst" hatte 635 g, für die Blätterteig-Dreiecke war das ein bisschen viel - na gut, macht auch nichts, dann bekam der Nachwuchs halt noch einmal Nudeln mit Hackfleisch zum Mittag!)


Zutaten

400 g Lamm-Hackfleisch
1 - 2 EL Butter 
1 Zwiebel
1 TL Kreuzkümmel
1 TL grobes Meersalz
1/2 TL Pfeffer
70 g Feta-Käse

1 Packung Blätterteig (425g)
1 Eigelb


Zubereitung

Die Butter in einer Pfanne schmelzen lassen. 

Die Zwiebel schälen, kleinschneiden...


...und in der Butter anbraten, dabei mit dem Kreuzkümmel bestreuen und anrösten.


Das Hackfleisch hinzugeben und gut durchbraten. 


Mit Salz und Pfeffer würzen.


Die Pfanne vom Herd nehmen.

Den Schafskäse kleinschneiden und mit dem gebratenen Hack vermischen.


Den Blätterteig in Quadrate schneiden (ca. 6 x 6 cm). 

Jeweils ein bis zwei Esslöffel der Fleischmasse auf jedes Quadrat geben, vorsichtig das Quadrat zuklappen, so dass ein Dreieck entsteht, und die Ränder mit einer Gabel sorgfältig zusammendrücken.


Die Teigtaschen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und noch mit dem Eigelb bestreichen.


Die Teigtaschen dann im vorgeheizten Backofen bei 200° Ober-Unter-Hitze ca. 10 bis 15 Minuten lang backen, bis die Teigtaschen schön goldbraun geworden sind. 


Wir haben die Lamm-Dreiecke dann als Wegzehrung zur Wanderung eingepackt - na, ahnt Ihr schon, wohin uns unsere Wanderung geführt hat..? 



Sonntag, 14. August 2022

Erster Versuch zum Vulkanausbruch 2022

Fahrt am 04.08.2022


Letzten Mittwoch (03.08.) öffnete sich wieder eine Eruptionsspalte beim Fagradalsfjall, nachdem seit Samstag die Erde in der Region heftig gebebt hatte. Die Live-Bilder von dem Ausbruch laufen im Fernsehen - und natürlich ließ es uns auch keine Ruhe. Also sind wir letzten Donnerstag spontan nachmittags los, als mein Mann Feierabend machen konnte. 

Wir wusste noch nicht, ob wir da wirklich hinlaufen wollten, schließlich war alles noch ganz neu und frisch und instabil - aber wenigstens mal in die Richtung fahren, schauen, ob wir wenigstens die Wolke vom neuen Vulkanausbruch sehen..? 

Spoiler: Ja, wir haben die Wolke gesehen - das Bild hier ist von der Rückfahrt, in der Abenddämmerung. An der Ausbruchsstelle waren wir auch unterwegs - aber ganz bis zur Eruptionsspalte haben wir es noch nicht geschafft. Also wollen wir noch mal hin, einen zweiten Anlauf wagen, nachdem die Ausbruchsstelle ab dem letzten Wochenende mehrere Tage geschlossen war, aus Sicherheitsgründen. 

Mittlerweile ist wieder geöffnet - allerdings nicht für Kinder. 

Im isländischen Text heißt es, dass Kinder "12 Jahre und jünger" nicht zur Eruptionsstelle dürfen, auf Englisch heißt es, keine Kinder "unter 12 Jahren". (Was jetzt mit 12-Jährigen ist, weiß ich nicht - unser Jüngster ist noch nicht 12, daher darf er derzeit so oder so nicht mit.) Es wird hier allerdings heftig diskutiert, wieso man Kindern den Besuch am Vulkan verbieten wolle, ob das überhaupt zulässig sei - und andere fragen, ob solche Beschränkungen nicht eher von der jeweiligen Windrichtung abhängig gemacht werden müssten, was - naturwissenschaftlich betrachtet - gewisse Argumente für sich hat. 

Das "Kinderverbot" gilt nur für Wanderweg A, von dem aus man bis zur Ausbruchsstelle kommt, auf dem Weg C (über den Langhryggur) dürfen Kinder unterwegs sein, allerdings kann man von diesem Kamm aus nicht den aktuellen Ausbruch sehen. 

Unsere Tour vom 04.08.

Wir sind von uns aus nachmittags über die Hellisheiði nach Reykjavík gefahren und wollten wenigstens mal schauen, was man von der Nordseite von Reykjanes vielleicht schon sehen könnte, von der Wolke. Wir hatten von der Ringstraße aus dann schon eine Weile eine Wolke gesehen, die uns "so komisch" vorkam, aber ganz sicher waren wir uns zunächst nicht - erst von der Reykjanesbraut aus (etwa auf der Höhe von Ikea) waren wir uns dann doch sicher: Der Keilir war gut zu erkennen und ein Stückchen links davon stieg dann diese seltsame Wolke auf. Das war also wirklich der Vulkanausbruch!


Je näher wir kamen, desto eindeutiger wurde es - der Kegelberg ist der Keilir, gut erkennbar an seiner charakteristischen Form. Und ein Stück südöstlich vom Keilir ist der Fagradalsfjall und die Meradalir, die Täler, wo sich jetzt die Eruptionsspalte geöffnet hat - und von wo die große Wolke aufsteigt. 



Ich finde, hier sieht man eigentlich ganz gut die charakteristischen Farben der Wolke - direkt über der Ausbruchsstelle ist die Wolke leuchtend hellblau, danach wird es dann dunkler, teilweise sehr gelblich-rötlich. Die Farben sagen auch etwas über die Zusammensetzung der ausströmenden Gase aus. 


Fahrt auf dem Vigdísarvallavegur / Vigdísarvellir

Der Vigdísarvallavegur ist eine gut 20 km lange Piste, die etwas nördlich vom Kleifarvatn von der 42 abzweigt und etwa bei der ehemaligen Siedlung Húshólmi auf die 427 (Suðurstrandavegur) kommt. 


Die Straße ist unbefestigt und darf nur mit Allrad-Fahrzeugen benutzt werden. Im Winter ist die Straße gesperrt, weil schlicht nicht befahrbar. Wir waren sehr dankbar, dass es trocken war - und unser Auto reichlich Bodenfreiheit hat. Auch so hat es uns schon ordentlich durchgerüttelt.


Die Straße führt am Djúpavatn vorbei. Hier wurden in den 60er Jahren Saiblinge aus dem Þingvallavatn ausgesetzt, heute gibt es am See eine kleine Angelhütte von einem privaten Verein, die man wohl mieten kann.


Wenn es regnet, möchte ich hier wirklich nicht unbedingt langfahren!




Aber bei trockenem Wetter sieht man zumindest rechtzeitig den Gegenverkehr! 


Und dann ging es wieder hinunter Richtung Meer... 


Ich schätze, das hier ist irgendeine Messstation für die Erdbeben etc. in dieser Gegend.




Hier war dann schon wieder deutlich die Wolke vom Vulkan zu sehen. 


Irgendwann schob sich die Vulkan-Wolke dann vor die Sonne... 


...und das Sonnenlicht tauchte dann die ganze Landschaft in ein ganz spezielles Licht, gelb-orange leuchtend, fast irgendwie mystisch.





Weg in Richtung Meradalir 


Und dann waren wir am Parkplatz angekommen - und haben uns doch noch zu Fuß aufgemacht, um einen eigenen Eindruck vom aktuellen Vulkanausbruch zu bekommen.


Wir sind dann hier zum "Meradalir Viewing Point" gelaufen, die Strecke bis dahin war ungefähr 5 km.


Von hier oben sahen wir zwar nicht die Eruptionsspalte, aber zumindest in das Tal hier floss auch "frische Lava". 


Schon ein schöner Moment!



Wenn man genau hinschaut, kann man hinter uns die Lava fließen sehen - rotglühend an mehreren Stellen. 




Hier an der Stelle befürchten sie immer wieder, dass die Lava aus dem Tal hinausfließen könnte - und dann ginge es im Prinzip rund 4 km bergab bis zum Suðurstrandavegur. 


Die Befürchtung, dass die Lava die Straße erreichen könnte, besteht, allerdings hat sich wohl eine Art kleiner natürlicher Lava-Wall gebildet - im Moment fließt die Lava hier nicht weiter. 


Hier kam uns ein Einsatzwagen mit Blaulicht entgegen. Ich habe mittlerweile gelesen, dass die Polizei hier zwei solcher Fahrzeuge übernommen hat, um vor Ort gut agieren zu können.


Noch ein letzter Blick zurück zum Vulkan - und von derselben Stelle nach vorne dann der Blick Richtung Meer.



Gegen halb 10 Uhr abends kamen wir dann wieder am Parkplatz an. 


Immer noch ordentlich voll - und die Leute, die den Vulkan im Dunkeln sehen wollten, kamen ja jetzt erst!


Für uns ging es dann, die Wolke vom Vulkan im Rücken, wieder zurück nach Hause. 
Gute Nacht, Welt!