Samstag, 7. Juli 2018

Sjávarbarinn

Die Meeres-Bar und ihr TV-Koch


Kann Spuren von Werbung enthalten.*

"Sjávar-" heißt "Meeres-" und "barinn" heißt "die Bar", die "Sjávarbarinn ist also "die Meeres-Bar". Von außen sieht das Lokal eher unscheinbar aus, und als ich die ersten Male daran vorbei gelaufen bin, sind mir zwar die schönen Fisch-Bilder am Schaufenster aufgefallen, ansonsten habe ich es aber für irgendeinen unauffälligen Schnellimbiss gehalten. 


Auch von innen sieht die "Sjávarbarinn" erst einmal relativ unspektakulär aus. Klar, schöne Fisch-Bilder, liebevoll und gerahmt aufgehängt, und schöne Essensbilder über der Theke - definitiv schöne Essensbilder. Aber insgesamt wirkt es doch eher nach "Schnellimbiss" als "Fischrestaurant". Praktisch und zweckmäßig. Das Essen gibt es auch zum Mitnehmen. 


Das Restaurant ist ein Familienbetrieb, der vom Chefkoch Magnús Ingi Magnússon und seiner Frau Analisa Montecello betrieben wird. Man kann hier auch nach Karte bestellen, viele Gäste entscheiden sich aber für das Buffet - wir auch, auf Empfehlung des Hauses.

Das Buffet ist ordentlich und solide, der Fisch ist frisch vom Hafen, der ja nur ein paar hundert Meter weiter ist, und den sie ohne Zwischenhändler direkt aus den Netzen kaufen. Mittags kommen hier vor allem die Isländer, die im Viertel und am Hafen arbeiten, und die authentische isländische Alltagsküche hier zu schätzen wissen. Oft kommen aber auch Touristen-Gruppen. Und viele Touristen, die zu Beginn ihrer Rundreise mit der Gruppe da waren, kommen am Ende ihrer Reise alleine noch einmal, erzählte uns Magnús ganz stolz. 

Als wir zum Abendessen da waren, gab es bei den kalten Gerichten verschiedene Salate (z.B. Krautsalat, Salat mit Sellerie und Äpfeln oder gemischter Salat) verschiedenen marinierten Fisch und eingelegte Heringe. Außerdem gab es Brot mit Lamm-Pastete, panierte Fleischhäppchen... und noch einen ganz besonderen, typisch isländischen Fisch-Snack. Aber zu dem komme ich unten!

Außerdem gab es Kräuterbaguette - und das typisch isländische Rúgbrauð, dieses leicht süßliche, klebrige Roggenbrot, das in einigen Ecken Islands in heißer Lava gebacken wird. Da das in Reykjavík nicht möglich ist, stellt Magnús sein Brot für 12 Stunden bei niedriger Temperatur in den Backofen. Ja, das kenne ich!


Bei den warmen Gerichten gab es den "Fisch des Tages", Curry-Fisch, den typisch isländischen Plokkfiskur ("Stampffisch") und die Fischfrikadellen ("fiskibollur"), als Beilagen gab es Kartoffeln und Gemüse. Außerdem gab es, in der Meeres-Bar, auch noch einen großen Topf Lamm-Eintopf.  


Magnús, der Koch, erzählte uns, dass seine Kunden bei Plokkfiskur und Fiskibollur keinen Spaß verstehen - die Isländer mögen ihren Stampffisch und ihre Fischbällchen genau so, wie sie sie als Kind bei ihrer Oma kennen gelernt haben, da darf nichts verändert werden. Also bietet er diese Gerichte auch genau so für seine Gäste an.


Wir haben uns jedenfalls auf sehr angenehme Art und Weise satt gegessen!


Das absolute Highlight des Essens war für uns aber vorher die Meeresfrüchte-Suppe. Die gibt es zum Buffet dazu, in einem ordentlich großen Topf, in dem die Suppe vor sich hin köchelt und wenn eine hungrige Seele kommt, bekommt sie gleich eine schöne heiße Tasse Suppe. Und diese Suppe schmeckt wirklich absolut genial, da kann wirklich kaum etwas mithalten! 


Definitiv eine der besten Suppen, die ich je gegessen habe!


Ein ganz besonderes Highlight dieses Restaurantbesuchs war die für mich überraschende Erkenntnis, dass ich den Koch und Besitz des Sjávarbarinn gewissermaßen "kannte" - zumindest seine Kochbücher. Sein Kochbuch" Eldhúsið okkar - íslensku hversdagskræsingarnar" ("Unsere Küche - isländische Alltagsköstlichkeiten") hatte ich vor ein paar Jahren schon mal getroffen und mich spontan in dieses Kochbuch und seine bodenständigen, typisch isländischen Rezepte verliebt. 


In seinem Restaurant verkauft Magnús Ingi übrigens auch die englische Version seines Kuchbuchs: "Our kitchen. Icelandic home cooking". Wir bekamen ein Exemplar geschenkt - und ein Exemplar seiner DVD "Eldhús Meistaranna". Magnús Ingi ist nämlich in Island ein bekannter Fernsehkoch, der andere Küchenmeister begleitet und ihre Arbeit in verschiedenen bekannten Restaurants Islands in der Sendung vorstellt. Mit Rezepten zum Nachkochen.

Quelle: Eldhús Meistaranna

Auch sein eigenes Lokal und seine Arbeit wird auf der DVD natürlich vorgestellt - und hier wird auch erklärt, wie der beliebte isländische Snack hergestellt wird, den wir vorher beim Büffet probiert hatten:

Bei Filettieren der Fische wird die Haut sorgfältig abgetrennt und in dünne Streifen geschnitten. Dann wird die Haut in Mehl gewälzt und in heißem Fett ausgebacken. Anschließend lässt man es auskühlen und trocknen und isst es dann als Snack für zwischendurch. 

Quelle: Eldhús Meistaranna

Also wenn Ihr ins Sjávarbarinn kommt, müsst Ihr unbedingt auch diesen typisch isländischen Snack bei dem Buffet probieren!


Für mich war unser Besuch bei Magnús Ingi im Sjávarbarinn noch einmal ein besonderer Höhepunkt, weil es wirklich um genau das ging, was mein absolutes Lieblingsthema ist: Isländisch kochen. Ganz praktisch und handfest und authentisch und alltagstauglich.

Ich war einfach nur glücklich! 



Im Überblick:

In der "Sjávarbarinn" findet man bodenständige isländische Küche, hochwertigen frischen Fisch zu - für isländische Verhältnisse - durchaus günstigen Preisen.

Das Mittagsbüffet mit Suppe, Salatbar und kalten Gerichten kostet pro Person 2.390 ISK (Stand Juni 2018: ca. 18 €), das Buffet abends mit warmen Gerichten einschließlich Suppe und Salatbar und dem frischgebackenen typisch isländischen Roggenbrot kostet pro Person 3.900 ISK (ca. 31 €). Die Meeresfrüchte-Suppe allein kostet 1.690 ISK (rd. 13,50 €).

Das "Seafood Gourmet Menu" kostet pro Person 6.300 ISK, also gute 50 €, allerdings sind da - zusätzlich zum normalen Büffet - auch noch 120 g Kaisergranat-Schwänze in Knoblauch-Butter und ein Exemplar des Kochbuchs "Our Kitchen" inklusive. 

Die "Sjávarbarinn" hat täglich von 11 bis 22 Uhr geöffnet.


* Rechtlicher Hinweis: 

Es handelt sich hierbei formal gesehen um Werbung, da wir zum Essen eingeladen wurden. Wir waren aber nur in Restaurants und Lokalen, von denen wir vorher Gutes gehört hatten und die wir - aus den verschiedensten Gründen - spannend fanden. Insoweit waren wir auch ehrlich begeistert und wenn wir in Lobeshymnen ausbrechen, sind die wirklich ernst gemeint.


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