Mittwoch, 17. Mai 2023

Skólavörðustígur - die Regenbogenstraße in Reykjavík

Tatsächlich erst am 17. Mai 1990 entschied die Weltgesundheitsorganisation WHO, Homosexualität nicht mehr als psychische Krankheit einzustufen. Zur Feier dieses Tages wird seit 2005 am 17. Mai weltweit der "Internation Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia" (IDAHOBIT) gefeiert, ein Aktionstag, um auf Diskriminierung, Hass und Gewalt gegen queere Menschen aufmerksam zu machen. 
Regenbogen auf der
Skólavörðustígur

Island gehört zu den Ländern, in denen homosexuelle Menschen in der Gesellschaft mit - vergleichsweise - wenigen Vorurteilen zu kämpfen haben:

Bereits 1940 wurde auf Island das Gesetz, das homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, abgeschafft. 

Gleichgeschlechtlichen Paaren ist es hier seit 1996 möglich, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen. Ab 1996 war auch die Stiefkindadoption leiblicher Kinder des Lebenspartners bzw. der Lebenspartnerin möglich, später folgte die gemeinsame Adoption und die Stiefkind-Adoption für nicht-leibliche Kinder. Seit 2010 gibt es in Island auch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Das erste Paar, das von der gesetzlichen Neuregelung Gebrauch machte, war im Juni 2010 übrigens die damalige Premierministerin Jóhnanna Sigurðardóttir und ihre Lebensgefährtin, die Autorin Jónína Leósdóttir. Auch die isländische Staatskirche hat die kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet. 

Man liest oft, dass heutzutage in der isländischen Gesellschaft Vorurteile gegen homosexuelle Menschen zu 99,9% verschwunden sind. Trotzdem ist die Situation auch auf Island nicht perfekt, gerade im letzten Jahr waren häufiger homophobe Kommentare oder gar Übergriffe Thema in den Medien. So war z.B. der stellvertretende Leiter der Generalstaatsanwaltschaft bei Twitter durch homophobe Kommentare aufgefallen.

Legendär ist die "Regenbogen-Straße" in Reykjavík:

Anlässlich der "hinsegin dagar" und der Gleðiganga , der Reykjavík Pride Parade, wurde seit 2015 die Einkaufsstraße Skólavörðustígur (von der Haupteinkaufsmeile Laugarvegur hoch zur Hallgrímskirkja) in Regenbogen-Farben bemalt. 

Gleðiganga 2022

Seit 2019 strahlt die Straße dauerhaft in den bunten Farben, als deutliches Zeichen der Solidarität der isländischen Gesellschaft mit allen queeren Personen (hinsegin fólk). 



Sonntag, 14. Mai 2023

Mæðradagur

Muttertag auf Island


Auch auf Island wird am 2. Sonntag im Mai der Muttertag (mæðradagurinn) gefeiert - oft mit Blumen, kleinen Geschenken und leckerem Kuchen. 

Das Rezept für diese leckere Torte mit dem schönen Namen "Húsfreyjuterta" (= "Hausfrauentorte") mit Sahnefüllung und Karamell-Glasur findet Ihr auch hier auf dem Blog, das habe ich im November 2020 gepostet.


Geschichte des Muttertags auf Island

Auf Island wurde der Muttertag erstmals 1934 gefeiert, unter Schirmherrschaft des Mütterunterstützungskomitees. Zunächst wurde der Muttertag am 4. Sontag im Mai gefeiert, seit 1980 findet der Muttertag auf Island am 2. Sonntag im Mai. 

Das Mütterunterstützungskomitee wurde 1928 gegründet. Die Initiative geht zurück auf ein Schiffsunglück im Februar 1928, als der Trawler Jón forseti ("Präsident Jón") vor Sandgerði auf Grund lief und von der 25 Besatzungsmitgliedern 15 Mann ums Leben kamen. Das Komitee wurde dann gegründet, um die Witwen und die Kinder der ertrunkenen Seeleuten zu unterstützen, die mit dem Tod des Mannes und Vaters auch in finanzielle Not geraten waren. 


(Von Sandgerði habe ich tatsächlich leider gar keine Fotos, ersatzweise gibt es also ein Foto vom Seemännner-Denkmal aus Eyrarbakki - mit frischem Kranz zum Seemänner-Tag (sjómannadagur) Anfang Juni.) 


Und ganz persönlich - mein Muttertag

Mein erster Muttertag als Mutter war noch im letzten Jahrtausend. Heute früh hat mein Mann ausgerechnet, dass es - rein rechnerisch und alle vier Kinder zusammen genommen - mittlerweile schon mein 76. Muttertag wäre und mein 5. Großmuttertag. 

Anno 1999

In diesem Sinne: 

Herzlichen Glückwunsch zum Muttertag an alle, die wollen! 


Donnerstag, 11. Mai 2023

Áfram Ísland! - Vorwärts, Island!

Der ESC in Liverpool


Der isländische ESC-Beitrag 2023 ist das Lied "Power" der isländischen Sängerin Diljá. 

Diljá Pétursdóttir wurde im Dezember 2001 in Kópavogur geboren. Schon als Kind träumte sie davon, am ESC teilzunehmen, erzählt sie. Mit knapp 14 Jahren nahm sie 2015 an der zweiten Staffel von "Iceland Got Talent" teil (gewonnen hat sie nicht, ihr Auftritt wurde aber sehr gelobt). Sie studiert Physiotherapie und Gesang, zuerst in Kopenhagen, mittlerweile an der Universität in Island.

Am Söngvakeppnin, dem nationalen Vorentscheid zum ESC in Island, nahm Diljá mit ihrem Lied "Lifandi inni í mér" teil, "Lebendig in mir". Im Halbfinale sangen alle Teilnehmer auf Isländisch. 

In Diljás Lied geht es um eine Trennung, die Botschaft ist: Ich habe genug von dir, ich bin bereit, dich gehen zu lassen, ich nehme die Macht zurück, die ich dir gegeben habe - du lebst nicht mehr in mir! 

Diljá wurde im ersten Halbfinale Erste, mit immerhin 9.605 von 29.443 abgegebenen Stimmen. Im Finale setzte sie sich mit der englischen Version ihres Liedes ("Power") gegen die Gruppe Langi Seli og Skuggarnir mit ihrem isländischen Lied "OK" durch, mit rund 60% der Stimmen. 

Diljá ist übrigens begeisterte CrossFit-Sportlerin, es darf heute Abend beim zweiten Halbfinale des ESC mit entsprechend sportlichen Einlagen auch beim Auftritt in Liverpool gerechnet werden. 

Nach aktuellen Zeitungsberichten hofft man für Diljá im Halbfinale auf Platz 9 von den 16 Teilnehmern heute - die ersten 10 Teilnehmer kommen weiter.

Mein Skyrkaka steht jedenfalls fertig im Kühlschrank (mit Skyr, Schlagsahne, viel weißer Schokolade und Blaubeeren und Erdbeeren zur Dekoration). Und ich freue mich, heute ab 21 Uhr das Halbfinale im Fernsehen anzuschauen. Ich drücke Diljá feste die Daumen (auch wenn sie, ehrlich gesagt, nicht unbedingt der Sieger meines Herzens beim Vorentscheid gewesen ist). 

Áfram Ísland! 



P.S.:

Schade, Diljá hat es nicht geschafft, Island ist im Halbfinale ausgeschieden. Ich tröste mich jetzt damit, dass zumindest Daði Freyr (von der Gruppe Daði og Gagnamagnið, die beim ESC 2021 in Rotterdam den 4. Platz gewonnen haben) auf Samstag beim Finale in Liverpool wohl auf der Bühne stehen und auftreten soll.