Sonntag, 12. November 2017

Auf den Spuren von Bobby Fischer...

...unterwegs in Selfoss



Wir haben letzten Monat eine Woche ruhigen Familienurlaub in Südisland gemacht, in einem Sommerhaus auf dem halben Weg zwischen Hveragerði und Selfoss. Da mein Mann als Jugendlicher sehr schachbegeistert war, lag es nahe, die Gelegenheit mal zu nutzen und nach den Spuren von Bobby Fischer zu suchen, der in Island seine letzten Lebensjahre verbracht hat und bei Selfoss begraben ist.


Bobby Fischer ist eine herausragende Gestalt der Schach-Geschichte: Bereits mit 14 Jahren wurde er im Schach US-Champion, von 1972 bis 1975 war er Schach-Weltmeister. Seinen Titel gewann  er - mitten im Kalten Krieg - bei der Schachweltmeisterschaft 1972 in Reykjavík: Der US-Amerikaner Bobby Fischer gewann im Finale gegen den amtierenden russischen Weltmeister Boris Spasski.

Nach seinem Sieg zog sich Fischer, der schon damals als sehr exzentrisch bekannt war, vom  Turniersport zurück. Nur anlässlich der 20-Jahr-Feier seines Sieges trat er 1992 noch einmal an, und zwar in Jugoslawien gegen Spasski (Fischer gewann auch dieses Mal). Durch die Teilnahme an dem Turnier während des Bosnien-Krieges verstieß Fischer gegen ein US-Wirtschaftsembargo gegen Jugoslawien. In den USA drohten Fischer deswegen eine mehrjährige Haftstrafe und eine erhebliche Geldstrafe, er kehrte nie wieder in die USA zurück.

Außerdem fiel Fischer, selbst US-Amerikaner jüdischer Herkunft (die Eltern seiner Mutter waren polnische Juden), zunehmend durch sehr antisemitische und antiamerikanische Äußerungen auf, u.a. durch Holocaust-Leugnungen.

Die US-Regierung ließ 2004 Fischers Reisepass für ungültig erklären und versuchte, durch eine Anklage wegen Steuerhinterziehung seine Auslieferung in die USA zu erwirken. Aus "rein humanitären Gründen" gewährte die isländische Regierung Fischer Asyl, er erhielt im März 2005 die isländische Staatsbürgerschaft und ließ sich mit seiner japanischen Ehefrau in Reykjavík nieder. Er war zu diesem Zeitpunkt schon in einer sehr schlechten gesundheitlichen Verfassung, im Januar 2008 starb er im Krankenhaus in Reykjavík an Nierenversagen.

Bobby Fischer ist auf dem Friedhof der Laugardælakirkja quasi direkt am Ortseingang von Selfoss begraben.


Die Laugardælakirkja liegt direkt am Ortseingang von Selfoss, wenn man von Osten aus Richtung Hella kommt.


Eine schäbige Straße führt an einem Baumaschinen-Lager o.ä. vorbei zu einem Hof, der ziemlich heruntergekommen wirkt, falls er denn mal bessere Tage gesehen hat. Und direkt an diesem Hof befindet sich die Kirche, auf deren Friedhof Robert James Fischer begraben wurde.

Die Kirche selbst und der Friedhof sind in gutem Zustand, mit der Umgebung wirkt es allerdings - schon etwas sehr triste, zumindest im Moment. 




Auf dem Rückweg von der Kirche nach Selfoss hängt an der Abzweigung zur Ringstraße ein kleines Hinweisschild, das auf das Bobby-Fischer-Museum in Selfoss aufmerksam macht:


Außer diesem Schild auf dem Weg vom Friedhof und einem zweiten Schild direkt vor dem Museum habe ich jetzt in Selfoss allerdings keine weiteren Hinweisschilder bemerkt. 


Das Museum findet man ein paar Hundert Meter weiter im Ort an der Hauptstraße. 



An der Rückseite des Gebäudes befindet sich ein Hintereingang, der zum Bobby-Fischer-Center ("Fischersetur Selfossi") führt. Wenn man Interesse daran hat, kann man vorne im Blumenladen nachfragen bzw. sich telefonisch melden. Von Mitte Mai bis Mitte September, in der Hauptsaison hier in Island, hat das Bobby Fischer Center aber täglich von 13 bis 16 Uhr geöffnet.  




P.S.: Tut mir leid, mehr Bilder vom Friedhof haben wir nicht gemacht!


Kommentare:

  1. Großartig! Ich glaub, das hab ich verpasst... Gibt es evtl noch ein paar Fotos vom Friedhof?

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    1. Tut mir leid, ich habe noch ein Bild dran gehängt, aber weiter Fotos vom Friedhof selber haben wir nicht gemacht.

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    2. Gracias! ;o) Irgendwie hatten die isländischen Friedhöfe etwas... anheimelndes. Oder interessantes... Bis auf Reykjavik hatte ich leider immer nur wenig Zeit dafür, da im Rahmen einer Rundreise auch noch andere Personen zu berücksichtigen sind. Und während diese jeweils zum Essen o. ä. abbogen, blieben mir immer kleine Zeitfenster zum Friedhofsbesuch...

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