Donnerstag, 4. August 2022

Eldgos hafið á Reykjanesskaga

Quelle: Webcam von mbl.is
Wieder Vulkanausbruch auf Reykjanes seit 03.08.2022


Gestern Mittag kam in den Nachrichten die Schlagzeile, auf die alle schon seit Samstag gewartet hatten - Eldgos hafið á Reykjanesskaga. Der Vulkan bricht aus auf der Halbinsel Reykjanes.

Heftige Erdbeben-Serie seit 30.07. 

Seit Samstagmittag hat es wieder massive Erdbeben in dem Gebiet um den Fagradalsfjall gegeben. Gegen 14 Uhr gab es ein Beben mit der Starke 4,0. Das Epizentrum befand sich etwa 2 km nordöstlich vom Fagradalsfjall in einer Tiefe von 5,4 km. Danach setzen sich die Beben fort, allerdings nahm die Tiefe der Beben ab. Die zuständigen Behörden gingen davon aus, dass die Beben durch einen Magmafluss auf dem Weg Richtung Erdkruste verursacht worden. 

Quelle: vedur.is 

Bereits im Dezember 2021 hatte es einen ähnlichen Erdbebensturm gegeben, der etwa eine Woche anhielt - und dann wieder aufhörte. Daher gingen die Experten auch dieses Mal davon aus, dass es "nicht unwahrscheinlich" sei, dass die Beben einfach wieder aufhören würden - oder es eben doch erneut zum Ausbruch käme. 

Die Erdbebenserie ging weiter, auch schubweise mit stärkeren Erdbeben. Die Messgeräte zeichneten über 3.000 Erdbeben in 48 Stunden auf, darunter etliche Beben über 4, die auch in der Hauptstadtregion oder hier bis nach Selfoss zu spüren waren. Das bisher größte Beben war am Sonntag (31.07.) kurz vor 18 Uhr mit einer Stärke von 5,4. Das Beben richtete etliche Schäden in Grindavík und Umgebung an. 

Am Dienstagabend waren dann in der Webcam Rauch und eine Art "Feuerfackeln" zu sehen - aber ein Ausbruch konnte noch ausgeschlossen werden, die aufsteigende Hitze hatte wohl nur das Gras in der Umgebung in Brand gesetzt, aber es war feucht genug, dass das Feuer nicht weitergehen konnte. 

Beginn der Spalteneruption

Am Mittwoch konnte man dann kurz nach 13 Uhr auf der Webcam von mbl wieder massiven Rauch sehen - und jetzt auch aufsteigende Lava. 

Webcam von mbl um 13.26 Uhr

Zuerst war von einem 100 m langen Spalt die Rede, mittlerweile beträgt die Länge des Spalts ca. 300 m. Die aktuelle Eruptionsspalte befindet sich etwa 1,5 km nördlich von Stóri-Hrútur im Meradalir, direkt neben dem Geldingardalur am Rande des Lavafelds, das beim letzten Ausbruch von März bis September 2021 entstanden ist.
 
Quelle: Vedurstofa Íslands

Etwa 5 Mal mehr Lava als zu Beginn des Ausbruchs 2021

Allein in den ersten 3,5 Stunden des Ausbruchs kamen bereits etwa 74.000 m² Lava an die Oberfläche, die durchschnittliche Dicke der neuen Lava lag bei etwa 5,9 m. Damit steigt derzeit mit etwa 32 Kubikmetern pro Sekunde etwa 5 Mal so viel Lava auf wie zu Beginn des Ausbruchs im März 2021. 

Die aktuelle Eruptionsspalte misst nach Messungen der Geowissenschaftler ca. 300 m und liegt etwa einen Kilometer nordöstlich des Hauptkraters, der sich beim Ausbruch letztes Jahr gebildet hatte. 

Von Notfallstufe wieder auf Gefahrenstufe herabgestuft

Nachdem mit Beginn des Ausbruchs die Behörden zunächst die Notfallstufe ausgerufen hatten, wurde die Gefahrenlage nach Sichtung der bisherigen Daten wieder herabgestuft, es gilt jetzt nur noch die Gefahrenstufe.

Der Zivilschutz geht davon aus, dass der Ausbruch bisher eher klein ist und keine Bedrohung für Siedlungen oder Infrastruktur darstellt. 

Aktuell fließt Lava, genau wie beim Ausbruch hier am Fagradalsfjall letztes Jahr - und anders als z.B. beim Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010, als vor allem erhebliche Asche-Mengen in die Atmosphäre geschleudert wurden, große Gebiete betroffen waren und der Flugverkehr in Europa tagelang lahmlegt wurde.

Wenn die derzeitige Eruption im Meradalir mit unveränderter Stärke 200 Tage anhalte, so die aktuellen Berechnungen etlicher Wissenschaftler, wäre immer noch keine Straße, kein Haus und keine Wasser-, Gas- oder Stromleitung oder Glasfaserkabel betroffen, hieß es gestern in den Nachrichten. Der Ausbruch jetzt sei bisher "am optimalen Ort". 

Die Behörden rufen derzeit ausdrücklich dazu aus, sich noch nicht auf den Weg zur Ausbruchsstelle zu machen 

Zum einen ist die Ausbruchsstelle jetzt für ungeübte Wanderer schlechter erreichbar als beim letzten Ausbruch, zum anderen gibt es eine erhöhte Gasverschmutzung und der Wind steht so, dass die Gaswolke auf die Wanderwege zieht. Heute sollen Gasmessgeräte installiert werden, damit die Situation dann kontrolliert werden kann und ggf. auch der Zugang gesperrt, wenn es nötig ist. 

Zahlreiche Menschen waren trotzdem auf den Beinen, vor allem ab Mitternacht, als es dunkel wurde, waren viele Besucher unterwegs. Laut Polizeibericht waren wohl mehrere 1.000 Menschen an der Ausbruchsstelle, darunter vor allem viele ausländische Touristen.

Quelle: mbl.is

Die Sicherheitskräfte berichten, dass nicht alle Verständnis für die Sicherheitsempfehlungen der Einsatzkräfte vor Ort zeigten und teilweise wohl auch Wanderführer mit schlecht ausgerüsteten Touristen unterwegs waren. 

Ein Mann musste nachts gegen halb 3 mit einem Hubschrauber nahe der Ausbruchsstelle gerettet werden, nachdem er sich den Knöchel gebrochen hatte. Andere Besucher benötigten Hilfe bei leichteren Verletzungen. 

Wegen der Gasverschmutzung wird derzeit ausdrücklich abgeraten, zur Ausbruchsstelle zu gehen, und bitte auf jeden Fall nicht mit Kindern oder Hunden. 

Quelle: mbl.is

Seit Beginn der Eruption haben die Erdbeben nachgelassen

Seit die Lava sprudelt, haben die Spannungen in der Erdkruste wieder nachgelassen, mittlerweile gibt es nur noch halb so viele Erdbeben wie noch vor 24 Stunden, auch wenn es heute morgen um 9.26 Uhr wieder ein Beben der Stärke 3,4 gut 2 km südwestlich vom Keilir in einer Tiefe von rund 4 km gab. 

Quelle: vedur.is

Schauen wir mal, wie es weitergeht. Ich sitze hier und schaue immer wieder gespannt auf die Webcam von mbl, die wir auch gestern Abend bis zum Einschlafen laufen hatten...





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen