Sonntag, 5. Januar 2020

Skyrgerðin

Die "Skyrfabrik" in Hveragerði 


Kann Spuren von Werbung enthalten.*

Wir sind ja noch ein paar Tage "auf dem Land" in einem Ferienhaus in der Nähe von Hveragerði, und da wir schon viel Gutes vom Restaurant Skyrgerðin gehört hatten, waren wir gestern Abend auf Einladung des Hauses dort essen.

Die Mjólkurbú Ölfusinga und das neue Þinghús, gewissermaßen das Gemeinschaftshaus des Ortes, wurden 1930 gebaut, und zwar von dem isländischen Architekten Guðjón Samúelsson (1887 - 1950), der ab 1920 als "húsameistari ríksins", also als "Staatsarchitekt", viele der bekanntesten Gebäude Islands entwarf, neben vielen anderen Gebäuden u.a. das Hótel Borg in Reykjavík, das Nationaltheater, die alte Apotheke in der Austurstræti, wo sich heute das Restaurant Apótek befindet, die Schwimmhalle in der Barónsstígur - aber auch die Kirche in Akureyri und die wohl bekannteste Kirche Islands, die Hallgrímskirkja in Reykjavík.


Auf dem Bild hier im Eingangsbereich des Skyrgerðin sieht man alte Fotos des Hauses.

Das Gebäude des heutigen Skyrgerðin diente bereits von Anfang an einerseits als Þinghús, also als Dorfgemeinschaftshaus, und andererseits als Skyr-Fabrik. Gegenüber befand sich die Molkerei. Seit 1947 diente das ehemalige Gemeinschaftshaus als Hotel und Restaurant, hier fanden Tanz- und Musikveranstaltungen statt, es wurden Hochzeiten gefeiert und die Menschen aus dem Ort trafen sich hier. Seit Sommer 2016 befindet sich jetzt das Skyrgerðin in dem Haus, ebenfalls mit Hotel und Restaurant und Veranstaltungsräumen, wo regelmäßig Kulturevents stattfinden und bekannte Musiker auftreten, es gibt aber auch Vorträge und Filmvorführungen - und man kann teilweise auch Fußballspiele hier anschauen.

"Skyrgerðin" bedeutet ungefähr so viel wie "Skyr-Fabrik", und das Restaurant macht heute noch seinen Skyr selbst, nach traditionellem alten Rezept. Die verwendete Milch stammt von dem Hof Hvammur, dem letzten klassischen Milchviehbetrieb in der Region Ölfus.

Der traditionell hergestellte Skyr ("gamaldags skyr") ist viel fester und säuerlicher als der heutige maschinell hergestellte Skyr - hier mal ein eingeschlagenes Paket Skyr zur Anschauung. Der feste Skyr früher wurde nicht pur gegessen, sondern zum Kochen und Backen verwendet - oder einfach mit Sahne und Zucker verrührt und mit frischen Beeren gegessen. Skyrgerðin bietet auch Führungen durch die Skyr-Herstellung an, inklusive einer Skyr-Verkostung.

Das Café und Restaurant verwendet seinen eigenen Skyr natürlich auch zum Kochen und Backen und zum Mixen von Getränken an der Bar. Der Skyr-Mojíto soll legendär sein, wir haben ihn allerdings nicht selbst probiert.

Das Essen wird frisch in der Küche zubereitet, einfach, aber mit hochwertigen regionalen Zutaten. Das Bio-Fleisch wird über dem Holzkohlegrill gegrillt.

Wir hatten einen Tisch für 18 Uhr bekommen.


Das Restaurant ist wirklich behaglich eingerichtet und mit sehr viel Liebe zu allen Details. 



Gerade mit den schönen Bögen wirken die Räume sehr gemütlich und einladend! 


Wir haben uns auf jeden Fall sehr auf unser Essen gefreut! 


Allein wie das Wasser in diesen Kannen serviert wurde, fand ich schon schön!


Die Tagessuppe wird hier neben der Bar serviert, auf einem Extratisch, alles sehr stilvoll angerichtet.



Als Vorspeise hatte mein Mann sich für die sahnige Húmarsúpa entschieden - mit einem kleinen Schuss Espresso und ein bisschen Cognac bekommt diese Suppe hier noch einen ganz besondere Geschmackskomponente, ungewohnt, aber ausgesprochen lecker! Auch der Kaisergranat konnte meinen Mann auf voller Linie überzeugen.


Ich hatte als Vorspeise gefüllte Pilze - isländische Champignons, gefüllt mit Blauschimmelläse, in einem Klecks flüssige Butter, dazu Rauke und eine Art "Marmelade" mit Rhabarber und roten Zwiebeln. Allein die Kombination zwischen den heißen Pilzen mit dem flüssigen Käse und dem knackigen Salat und der kalten, leicht süßlichen Zwiebel-Rhabarber-Marmelade war für mich ein echtes Gedicht!


Beim Hauptgang hatte ich mich für den "Fisch des Tages" entschieden, serviert mit kleinen isländischen Kartoffeln, gebratenem Brokkoli, grünen Bohnen und Sauce. Der Fisch des Tages, der von dem Fischladen aus Hveragerði stammt, war Saibling und war perfekt auf den Punkt zubereitet, auch die Sauce war sehr lecker.


Mein Mann hatte als Hauptgericht drei Lammkoteletts, über Holzkohle gegrillt, dazu frischen Salat, eine große Ofenkartoffel, Knoblauchbutter und reichlich Sauce Bernaise. Das Grillaroma der Koteletts war wirklich überzeugend und das Fleisch war wunderbar saftig. Das Gericht wird immer wieder gern gekommen, wie uns unser Kellner bestätigte. 


Nach dieser Portion war mein Mann schon ausgesprochen satt - aber der Nachtisch kam ja noch, nämlich Kuchen nach Wahl aus der Kuchentheke.

Hier umfasste die Auswahl mehrere süße Baisertorten, den typisch isländischen Rhabarber-Streusel-Kuchen mit dem schönen Namen "hjónabandssæla" (= "Eheglück"), einen Schoko-Dattel-Kuchen und verschiedene fruchtige Skyrtorten. Da Skyr ja die besondere Spezialität des Skyrgerðin ist, haben wir uns beide für eine Skyrtorte entschieden, serviert mit reichlich Sahne und Schokostreuseln sowie etwas Obst.

Ich hatte mich für diese sehr leckere Blaubeer-Skyr-Torte entschieden, ...


...mein Mann hatte ein ordentliches Stück Skyrtorte mit Beeren, weißer Schokolade und Bismark Brjóstsykur, diesen typischen rot-weißen Pfefferminz-Bonbons. 


Besonderen Spaß hatten wir übrigens mit den Gästen an den Nachbartischen neben uns.

An dem einen Tisch saß ein holländisches Paar, an dem anderen zwei Österreicher. Alle waren sie offensichtlich auch ganz gezielt wegen des Essens ins Skyrgerðin gekommen und hatten am Abend vorher schon hier gegessen, so dass die Holländerin mir die Blaubeer-Skyr-Torte wärmstens empfehlen konnte. Und die rosa Pfefferminz-Skyr-Torte meines Mannes fanden die Holländer schon optisch so ansprechend, dass sie beide gerne ein Stückchen probiert haben. Mein Mann war sehr dankbar dafür, er musste zum Schluss doch einigermaßen kämpfen, weil die Portionen alle reichlich bemessen waren.

Auch die Österreicher waren auf kulinarischer Entdeckungstour in Island, diskutierten verschiedene Gerichte, Zubereitungsarten und Zutaten, verschiedene Lokale, in denen sie die Tage schon gewesen waren bzw. die sie noch besuchen wollten...

Es war ein schönes Erlebnis, hier zwischen anderen Menschen zu essen, die sich auch so für isländische Küche interessieren und begeistern können wie wir!



Im Überblick (Stand Jan. 2020):

Das "Skyrgerðin" hat von 11.30 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet, freitags und samstags bis 22.00 Uhr.

Es gibt eine Mittags- und eine Abendkarte, außerdem eine Kinderkarte mit Burger, Pommes, Kotelett und Fisch, zudem können kleine Gäste auch alle Gerichte von der Karte als Kinderportion für umgerechnet 8,40 € bekommen.

Die Preise auf der Mittags- und Abendkarte sind übrigens gleich, mittags gibt es mehr kleine Gerichte, belegte Brote, Nachos etc., abends gibt es noch Húmarsúpa und auch mehr Fleischgerichte.

Die Tagessuppe kostet als Vorsuppe rund 6,90 €, als Hauptgericht mit Nachschlag etwa 13,50 €. Die Húmarsúpa kostet rund 19,30 €, die gefüllten Pilze ca. 12 €. Die auf dem Holzkohlegrill gegrillten Lammkoteletts kosten bei 3 Stück knapp 24,50 €, bei 4 Koteletts etwa 28 €. Der Fisch des Tages liegt bei 3.650 ISK (umgerechnet ca. 26,60 €), der überbackene Plokkfiskur bei 2.950 ISK, also rund 21,50 €.

Für unser 3-Gang-Menu hätten wir umgerechnet rund 50 € pro Person zahlen müssen, was für isländische Verhältnis relativ günstig ist, auch angesichts der teilweise sehr großen Portionen.




* Rechtlicher Hinweis: 
Es handelt sich hierbei formal gesehen um Werbung, da wir zum Essen eingeladen wurden. Wir besuchen aber nur Restaurants und Lokale, von denen wir vorher Gutes gehört haben und die wir - aus den verschiedensten Gründen - spannend finden. Insoweit waren wir auch ehrlich begeistert und wenn wir in Lobeshymnen ausbrechen, sind die wirklich ernst gemeint.

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