5. November 2025
Tag 3 - Wir landen in Island
Für mich war das hier eigentlich der schönste Moment der ganzen Reise - am Morgen des 5. November fahren wir gegen Viertel nach 8 ganz langsam in den Hafen von Seyðisfjörður ein.
Über dem Land geht der Vollmond unter.
Über dem Meer geht in traumhaften Farben die Sonne auf.
Einfach nur perfekt.
Endlich liegt Island vor uns!
Wir legen gegen 9 Uhr in Seyðisfjörður an. Wir stehen an der Reeling und schauen zu, wie die Arbeiter am Hafen die Norröna am Anleger fest machen.
Der Ort Seyðisfjörður (früher auch Seyðarfjörður genannt) ist ein Handelsplatz, d.h. eine Marktstadt am Ende des gleichnamigen Fjord in den isländischen Ostfjorden. Das Substantiv "seyðir" leitet sich von dem Verb "seyða" ab (= kochen / im Wasser kochen). Traditionell bezeichnet das Wort eine mit Steinen ausgekleidete Grube, in der Feuer erhitzt wurde, um darauf Speisen zu kochen. Der Name Seyðisfjörður bedeutet also wörtlich übersetzt "Fjord der Feuerstelle".
Die Stadt wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Handelsplatz gegründet. Die Stadt entwickelte sich vor allem rund um den Hering, d.h. den Heringsfang und die Heringsverarbeitung. Im Jahr 1895 erhielt die Stadt Gemeinderechte. Aktuell leben hier etwa 650 Einwohner.
Hier legt auch die Norröna an, die färöische Fähre von Dänemark über die Färöer nach Island - die einzige Fähre nach Island, also der einzige Weg für Island-Reisende, wenn man nicht per Flugzeug (oder mit dem Kreuzfahrtschiff) nach Island reisen möchte.
Der Lawinenschutz-Wall
Nachdem innerhalb von 5 Tagen Rekord-Niederschlagsmengen in den Ostfjorden gefallen werden, was in etwa 2/3 der durchschnittlichen Jahresniederschlagsmenge entsprach, ereigneten sich am 18. Dezember 2020 mehrere Erdrutschen und Schlammlawinen.
Der ganze Ort wurde vorübergehend evakuiert. Bei den Lawinen wurden 14 Häuser zerstört, darunter auch historische und denkmalgeschützte Häuser. Dank der Evakuierung wurden keine Menschen verletzt.
Ausflug Tag 1
Zuerst ging es mit dem Bus über den eisigen Pass Fjarðarheiði von Seyðisfjörður Richtung Egilsstaður.
Den nächsten Stopp hatten wir dann beim Schafspferch Melarétt im Fljótsdalur. Von hier uns konnten wir mit einem kleinen Spaziergang durch die isländische Natur drei kleine Wasserfälle besuchen, und zwar den Jónsfoss (ca. 30 m hoch), den Tófufoss und den Litlifoss.
Danach haben wir kurz mit dem Bus eine Ehrenrund bei Skriðuklaustur gedreht, einem Kulturzentrum in Ostisland. Hier befand sich bis 1552 ein katholisches Kloster. Das heutige Haus, das Gunnarshús, wurde 1939 vom deutschen Architekten Fritz Höger für den bekannten Autoren Gunnar Gunnarsson (1889 - 1975) errichtet, der hier bis 1948 lebte.
Anschließend waren wir in der Snæfellsstofa, einem Besucherzentrum des Vatnajökull-Nationalpark. Das Zentrum wurde im Sommer 2010 eröffnet. Hier gibt es eine Ausstellung über die Flora und Fauna im östlichen Bereich des Nationalparks, wobei man viele Exponate auch in die Hand nehmen, berühren und daran riechen kann, wenn man mag. Es gibt auch einen Souvenirladen, wo auch schöne Produkte aus der Umgebung angeboten werden.
Hinterher haben wir noch eine kurze Pause am Lagarfljót gemacht. Den Lagarfljótsormur, den Lagarfljóts-Wurm, haben wir aber leider nicht zu sehen bekommen. Trotzdem fand ich das Spiel der Wolken und das Spiegelbild auf dem Wasser total faszinierend.
Unsere Mittagspause hatten wir dann wieder in Egilsstaðir. Hier haben wir uns im Supermarkt Proviant gekauft, viele haben sich auch mit isländischer Schokolade, Lakritz-Schokolade oder anderen Spezialitäten wie z.B. verschiedenen Sorten Saltverk-Salz eingedeckt, auch für die Lieben zu Hause.
Ich konnte dabei sogar hier im Nettó den diesjährigen Neyðarkall der isländischen Rettungskräfte kaufen.
Der nette freiwillige Helfer beim Verkauf hat mir auch direkt erklärt, dass der Schlüsselanhänger 2025 eine ganz besondere Figur ist - er ist nämlich dem Andenken an Sigurður Kristófer McQuillan Óskarsson gewidmet. Er war Leiter der freiwilligen Rettungswacht Kyndill in Mosfellsbær. Der Wildwasserretter war am 3. November 2024 bei einer Flussrettungsübung in dem Fluss Tungufljót in der Nähe vom Geysir im Haukadalur ins Wasser gestürzt und bei dem tragischen Unfall ums Leben gekommen.
Ich habe mich wirklich gefreut, dass der verunglückte Retter auf diese ganz besondere Weise geehrt wird.
Auf dem Weg Richtung Reyðarfjörður und Eskifjörður gab es noch einen kurzen Foto-Stopp an der Aussichtsplattform und dem Parkplatz mit Blick auf den rund 550 m hohen Berg Grænafell, wo wir die Weite der isländischen Landschaft auf uns wirken lassen konnten.
Den nächsten Halt haben wir in Hólmanes gemacht. Das ist eine Halbinsel, ein Naturschutzgebiet auf dem Weg von Reyðarfjörður nach Eskifjörður. Hier gibt es einen wunderschönen Aussichtspunkt, von dem aus man diesen grandiosen Blick über das Meer, auf der einen Seite liegt die Bucht von Reyðarfjörður, auf der anderen Seite die Bucht, an der Eskifjörður liegt. Manchmal sind hier in der Gegend sogar Rentiere unterwegs, heißt es auf den Info-Schildern am Parkplatz, aber wir haben an diesem Tag hier keine gesehen.
Mit den Bussen ging es dann weiter. Das Bild hier ist kurz vor halb 4 entstanden, Sonnenuntergang war an dem Tag um 16.20 Uhr.
Den letzten Stopp an diesem Tag hatten wir kurz hinter Eskifjörður, einer kleinen Stadt mit gut 1.000 Einwohnern am Nordufer des gleichnamigen Fjords. Viele Einwohner hier arbeiten in dem großen Aluminiumwerk Alcoa Fjarðaál in der Nähe. Alcoa ist der größte Arbeitgeber der Region, das Kraftwerk wird mit dem Strom aus dem Kárahnjúkur-Kraftwerk betrieben.
Wir sind durch Eskifjörður durchgefahren und haben dann ein Stückchen weiter auf der Halbinsel Mjóeyri gehalten. Diese Halbinsel ist ein wunderschöner Ort, etwas außerhalb von Eskifjörður, mit einem Leuchtturm und einem Strand. Na gut, mit einem kleinen Leuchtturm. Aber schön!
Den kleinen Seehund hier habe ich aus den Entfernung zwar auch noch gesehen, aber einer der Mitreisenden hatte ihn wohl nicht bemerkt und angefangen, Steine übers Wasser zu flitschen, darauf verschwand der kleine Kerl sofort. Man kann es dem kleinen Seehund nicht über nehmen.
Und der Polarfuchs lebt wohl dauerhaft hier, jedenfalls lief er auch an diesem Tag zwischen den schönen roten Holzhäuschen von Mjóeyri Cottages herum und wirkte nicht einmal besonders scheu.
Gegen halb sechs waren wir wieder auf dem Schiff.
Den Abend war es sehr ruhig hier - außer unserer Gruppe war eigentlich niemand an Bord. Die Leute, die mit der Norröna aus Dänemark oder von den Färöern nach Island gereist sind, waren am Morgen von Bord gegangen - und die Passagiere, die auf der Rückfahrt auf die Färöer oder nach Dänemark wollten, würden erst am nächsten Tag an Bord kommen. Wir hatten also unsere Ruhe und viel Platz nur für uns!
Beim Abendessen gab es ein ganz besonderes Event: Die Crew hatte uns ein Krimi-Dinner vorbereitet und diesen Live-Tatort bis in die kleinen Details liebevoll dekoriert. Reihenweise wurden beim Essen harmlose Crime-Cruise-Touristen dramatisch hingemordet und zum Schluss musste geraten werden, wer der Täter war. Ich habe natürlich komplett falsch getippt!
Nach dem Abendessen waren wir noch gemütlich in der Bar "Laterna Magica", ganz oben auf Deck 10, 30 Meter über dem Meer - mit einem spektakulären Blick über den Nordatlantik (na ja, zumindest im Hellen). Wir haben die Ruhe und den Platz genossen und es uns mit unserem Strickzeug auf den Sofas mit Blick aufs Meer gemütlich gemacht. Herrlich - daran hätte ich mich gewöhnen können!


































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