Sonntag, 9. März 2025

Stórafmæli

Ein runder Geburtstag


Dieses Woche war es ruhig hier im Blog - ich war nämlich im realen Leben damit beschäftigt, einen runden Geburtstag zu feiern. Ich bin diese Woche 50 Jahre alt geworden. 

Da der eigentlich Geburtstag unter der Woche war, haben wir da wirklich nur der Familie gefeiert, alle vier Kinder samt Enkelkind waren hier und wir hatten einen sehr gemütlichen Abend. 

Die "große Feier" kam dann am Wochenende. 

Da ich gerne backe, hatte ich mir etwas ausgedacht: Ich lade nur zu Kaffee und Kuchen ein und tobe mich mal ein bisschen beim Kuchenbacken aus. Und da ich keinen typischen Geburtstag wollte, hatte ich gesagt, jeder aus der Familie bringt bitte 2 bis 4 Überraschungsgäste mit, einfach damit es ein bunter, wild durcheinander gewürfelter Haufen wird. 

Geplant hatte ich für rund 20 Personen, letztlich gab es vier krankheitsbedingte Absagen, ein Gast kam zusätzlich, aber alles in allem hat es gut gepasst und wir hatten eine schöne, laute Feier. 

Wir hatten extra einen alten, ausrangierten Schreibtisch vom Nachwuchs im Wohnzimmer aufgebaut und darauf das Kuchen-Buffet angerichtet. 

Ich hatte mich am Tag vorher beim Backen ausgetobt, eigentlich war noch ein Kuchen mehr geplant, aber den habe ich dann doch weggelassen. Dafür hatte ein lieber Gast als Geschenk noch einen sehr leckeren Käsekuchen mitgebracht! (Den Käsekuchen seht Ihr hinten im Bild, neben der Karaffe mit Eiskaffee.)

Hier vorne im Bild vom Büffet seht Ihr die Sítróna bollakökur, also Zitronen-Muffins oder Zitronen-Cupcakes mit dickem Zuckerguss darauf. 


Auf dem zweiten Teller steht dann ein Blechkuchen, ein Espressó-Sukkulaðikaka, ein Espresso-Schokoladenkuchen. (Vorsichtshalber mit koffeinfreiem Kaffeepulver gebacken, wegen potentiell mitessender Kinder.)


Auf dem nächsten Teller seht Ihr eine 3-stöckige Geburtstagstorte, einen Afmæliskaka, Diese Torte hatte ich vor 1,5 Jahren auch schon mal zum Geburtstag meines Mannes gebacken und letzten Monat "in Klein" als Überraschung für eine Freundin auf Island. Fand ich lecker, habe ich also wieder gemacht. Außerdem mag ich schöne Torten!

Die Torte hier habe ich in drei Springformen mit 20 cm Durchmesser gebacken - also nicht ganz groß, aber durch die drei Böden und die ganze Buttercreme und den Krokant (in diesem Fall Mandelkrokant) doch hinreichend sättigend.. 


Und natürlich gab es schließlich auch noch eine Gulrótarkaka, einen Karottenkuchen. Wenn meine Tochter da ist, muss es schließlich Karottenkuchen geben, das ist ihr erklärter Lieblingskuchen! Hier habe ich ein Rezept mit geraspelten Karotten und Pfirsich aus der Dose gebacken, dazu gehackte Mandeln und eine schön fruchtige Frischkäse-Creme. 


Und als "Nachtisch" nach dem ganzen Kuchen gab es dann noch "Ostakaka í glasi", also "Käsekuchen im Glas", den ich letzten Monat schon mal ausprobiert hatte. Das Dessert im Glas ist tatsächlich auch noch ganz gut weggegangen!



Kósý kvöld - gemütlicher Ausklang am Abend

Nachdem ein Teil der Gäste aufgebrochen war, haben wir uns schließlich noch rausgesetzt auf die Terrasse und noch mit Lichtern draußen gesessen, irgendwann mit Jacken und Decken schön warm eingepackt, und noch über Gott und die Welt geredet. Ein schöner Ausklang für den Tag!

Wie gefällt Euch eigentlich unsere "Tischdeko"..? Das ist eine Süßkartoffeln, die irgendwann mal im Keller in einer Kiste liegen geblieben ist und seitdem ordentlich ausgetrieben. Ich fand, die Kartoffel macht sich so richtig gut als "Gesteck" auf dem Tisch!



Afmælisgjafir - Geburtstagsgeschenke 
 
Ich habe auch viele schöne Geschenke zu meinem runden Geburtstag bekommen, noch einmal vielen herzlichen Dank an alle! 

Bei den Geschenken hatten mein Mann und meine Tochter eine ähnliche Idee - aber beide ganz unterschiedlich umgesetzt. 

Mein Mann hatte letztens ein Foto von mir gemacht: Ich stehe abends auf unserer Terrasse und blicke staunend auf und am Himmel über mir tanzen wild die Nordlichter. Ich liebe das Bild, ich finde es richtig schön! Das Original-Handy-Foto seht Ihr hier auf dem Bild links. 

Wie sehr ich dieses Bild mag, das haben auch mein Mann und meine Tochter gemerkt. Also hat mein Mann mir einen Abzug davon als Foto-Leinwand fürs Wohnzimmer geschenkt. 


Und meine Tochter hat, von diesem Foto inspiriert, das Ganze künstlerisch umgesetzt und mir ein Bild gemalt. Ich unter Nordlichtern. Ich finde es so wunderschön!



In diesem Sinne: 

Happy birthday to me! Vielen lieben Dank an alle, die gekommen sind oder die anderweitig an mich gedacht haben. Ich hatte einen richtig schönen Geburtstag! Takk fyrir!



Sítrónu bollakökur

Zitronen-Cupcakes


Auf Isländisch werden Muffins meist als "múffur" bezeichnet. Es gibt allerdings auch das Wort "bollakaka", also "Tassenkuchen", auf Englisch "Cupcake" - ein kleiner Kuchen von der Größe einer Tasse. Ein solcher "Tassenkuchen" wird nach dem Backen noch mit einem Guss oder einer opulenten Cremehaube verziert. Im Unterschied zu klassischen Muffins bestehen Cupcakes zwar auch aus Rührteig, enthalten aber in der Regel keine Nüsse oder Gewürze und die Glasur bzw. das Topping ist aufwendigen.

Es wird Frühling - und mir war nach frisch, fruchtig und bunt! Daraus sind dann diese Zitronen-Muffins geworden, noch mit etwas gelber Lebensmittelfarbe für eine buntere Glasur. Natürlich kann man die Lebensmittelfarbe auch weglassen - oder sich austoben und richtig bunte Muffins machen, ganz wie Ihr mögt! 


Zutaten

2 Eier 
250 ml Milch 
80 g weiche Butter 
1 Pkg. geriebene Zitronenschale
260 g Mehl
1 TL Backpulver 
120 g Zucker 

300 g Puderzucker
2 - 3 EL Wasser
1 TL Zitronensaft


Zubereitung 

In einer großen Schüssel die Eier mit der Milch, der weichen Butter und der geriebenen Zitronenschale verrühren.

Mehl, Backpulver und Zucker hinzugeben und alles zu einem glatten Teig verrühren.


Den Teig möglichst gleichmäßig in 12 Muffin-Förmchen geben...


... und im vorgeheizten Backofen bei 200° Ober-Unter-Hitze ca. 10 bis 15 Minuten lang backen, bis die Oberfläche schon goldgelb geworden ist (Stäbchen-Probe!).

Die Muffins aus dem Ofen holen und kurz auskühlen lassen.

Derweil die Glasur vorbereiten:

Puderzucker, Wasser und Zitronensaft in einer kleinen Schüssel verrühren. 

Für mehr Effekt kann man noch geeignete Lebensmittelfarbe hinzufügen, ich habe z.B. etwas gelbe Lebensmittelfarbe verwendet.

Die Muffins mit einem Teelöffel mit der Glasur bestreichen und anschließend den Zuckerguss fest werden lassen.


Guten Appetit! 




Sonntag, 2. März 2025

Kjötkveðjuhátið á Íslandi

Karneval auf Island


Ich selbst bin in Deutschland aufgewachsen, in der Nähe von Mainz. Das Karnevalswochenende war schulfrei. Am Freitagabend haben meine Eltern immer "Mainz bleibt Mainz" angeschaut, am Sonntag war bei uns im Ort Fastnachtsumzug und am Montag haben wir im Wohnzimmer Mittag gegessen und dabei den Rosenmontagsumzug aus Mainz im Fernsehen angeschaut, das war etwas ganz Besonderes. Ein großer Karnevals-Fan bin ich trotzdem nicht geworden (vorsichtig ausgedrückt).

Aber ich gehe eigentlich jedes Jahr mit dem Nachwuchs zum Karnevalsumzug vor Ort, und selbstverständlich verkleide ich mich auch brav. Dieses Jahr bin ich als Pril-Blume gegangen - kennt Ihr die Blumen-Aufkleber eigentlich noch, die Anfang der 80er Jahre immer den Spülmittel-Flaschen beigefügt waren..? "Fröhliche Küche" hieß die Kampagne damals - also genau mein Ding!

Er einhver spes dagur..?

Als wir die Fotos vom Umzug im Internet gepostet haben, wunderte sich ein isländischer Freund von uns. "Er einhver spes dagur?", fragte er. "Ist irgendein besonderer Tag..?"

Auf Island ist Fastnacht also längst nicht so etwas Besonderes wie in vielen Regionen in Deutschland. Im Rahmen der Reformation auf Island Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Bedeutung von Karneval für die Menschen zurück und war fast völlig verschwunden. Es blieben nur ein paar wenige Traditionen: 

Am Rosenmontag ist bolludagur und man isst ganz viele Faschings-Krapfen, am Faschingsdienstag ist sprengidagur und man isst so viel dicke Erbsensuppe mit Salzfleisch, bis man platzt, und am Aschermttwoch, dem öskudagur, ziehen die Kinder verkleidet durch den Ort.

Verkleiden am Maskadagur

Bis 1900 war es auch auf Island üblich, dass die Kinder am Rosenmontag schulfrei hatten und verkleidet durch den Ort zogen. Dieser Brauch wurde aber gegen Ende des 1. Weltkriegs auf Aschermittwoch verlegt. Lediglich in Ísarfjörður und Umgebung blieb es auch weiterhin üblich, dass die Kinder sich am Montag, dem bolludagur, mit Kostümen verkleideten und abends mit Liedern und Spielen von Haus zu Haus zogen - man nennt den Rosenmontag hier auch "maskadagur", also "Masken-Tag". 


Kulinarische Traditionen rund um Karneval auf Island

In der Grágás, der alt-isländischen Gesetzessammlung, die bis zum Anschluss des Landes an Norwegen 1262 in Kraft war, war vorgeschrieben, gab es genaue Vorschriften, wann man vor und während der Fastenzeit welche Nahrung zu sich nehmen durfte. So durfte man bereits zwei Tage vor Beginn der Fastenzeit kein Fleisch mehr essen. 

Bolludagurinn 

In historischen Quellen aus dem 13. Jahrhundert, z.B. in der Sturlunga-Saga, ist allerdings davon die Rede, dass die Fastenzeit an den letzten beiden Tagen vor Aschermittwoch mit "fasta við hvítan mat" eingeleitet wurde, also mit "Fasten mit weißer Nahrung" (= Milchprodukten). Um 1700 wurde es üblich, Brot oder Brötchen zu zerkleinern, mit Milch und Butter zu verrühren und zu essen. Später entwickelte sich hieraus die Tradition des "bolludagur";

Während man zuerst in Milch eingeweichte Brötchen aß, wurde es bis zum 19. Jahrhundert üblich, aus demselben Teig, den man für Jólakaka (= Weihnachtskuchen) verwendet hat, kleine Brötchen zuzubereiten, allerdings wurden dabei meist (anders als zu Weihnachten) keine Rosinen verwendet. 

Diese "Brötchen", auf Isländisch oft als "langaföstu snúðar" (= Fastenzeit-Schnecken) bezeichnet, wurden dann meist mit Butter und Marmelade bestrichen. 

Später wurden diese "Brötchen" dann aus Hefeteig gebacken und mit Sahne und Marmelade serviert. 

Danach wurde Gebäck aus vatnsdeig (wörtlich "Wasserteig", auf Deutsch "Brandteig") üblich - mittlerweile oft wirkliche Kunstwerke aus Sahne, Pudding, Früchten, Schokolade etc. 

Rezept für bolludagsbollur 

Verschiedene Krapfen-Rezepte für bolludagur findet Ihr natürlich auch hier bei mir im Blog, z.B. für die traditionelle Version mit dem Jólakaka-Teig, ... 


... für "bollur" aus Hefeteig mit Himbeer-Füllung .... 


... oder für verschiedene Brandteig-bollur, wie z.B. diese mit Karamell-Füllung und ein bisschen Lava-Salz ... 


... oder diese mit Erdbeer-Sahne und Mandeln. 


Sprengidagurinn

Der Sprengidagur, auch Sprengikvöld genannt, findet sich in einer Überlieferung von 1735 als "Abend der Explosionen". Hier gab es abends ein üppiges Festmahl mit viel Fleisch und Beilagen und man aß quasi "bis zum Platzen", daher wohl auch der Name. 

Während man früher am Faschingsdienstag vorwiegend geräuchertes Lammfleisch aß, damit es weg kam, bevor während der Fastenzeit bis Oster der Konsum von Fleisch verboten war, ist es seit ca. 1850 üblich, an diesem Tag saltkjöt og baunir zu essen, also dicke isländische Erbsensuppe mit Salzfleisch. 


In diesem Sinne wünsche ich Euch ein paar schöne Tage, mit leckeren bolludagsbollur am Rosenmontag, dicker isländischer Erbsensuppe mit Salzfleisch am Faschingsdienstag und den verkleideten Kindern, die am Aschermittwoch von Haus zu Haus ziehen..!